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Autor Thema: Dieses eine Projekt, das einen nicht loslässt  (Gelesen 1240 mal)

Offline Avery

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Re: Dieses eine Projekt, das einen nicht loslässt
« Antwort #15 am: 09. Dezember 2017, 13:04:57 »
Phew, mir geht es wie so vielen hier und leider habe ich noch absolut keine ordentlich Lösung für das Problem gefunden. Stattdessen klammere ich mich immer noch an der Hoffnung fest, diesen "Kaugummiklumpen" irgendwann zähmen und in Form bringen zu können - dass währenddessen 500 andere Projekte an die Tür klopfen, brauche ich wohl gar nicht zu erwähnen.

Mein Nemesis ist "Rubingeboren", das ich nun schon in zwei NaNos und mehreren sonstigen Anläufen versucht und immer festlich gegen die Wand gefahren habe. Gescheitert ist es zum Großteil auch tatsächlich an der Sprache und dem Gefühl, dem ganzen Konstrukt nicht gewachsen zu sein. Denn immer, wenn ich das Projekt begonnen habe, habe ich kurz darauf irgendetwas gelesen, was Lust auf ein anderes Genre und einen anderen Stil gemacht hat. Und schwupps, habe ich mich zum Seitensprung hinreißen lassen, der schnell zur festen Beziehung wurde.
Deshalb lautet meine momentane Lösung: Ignorieren und auf der externen Festplatte vergraben. Solange, bis mich zufällig das Feuer für einen ausgewachsenen Fantasyroman erwischt und mein Nemesis endlich zu Ende führen lässt.
"Und du bist ...?"
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Offline Trippelschritt

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Re: Dieses eine Projekt, das einen nicht loslässt
« Antwort #16 am: 09. Dezember 2017, 13:19:08 »
@ Erdbeere

Vielleicht liegen Dir Serien einfach mehr als Romanschinken. Ich würde gern mal eine Serie schreiben, aber immer wenn ich mit so etwas anfange, wird ein Roman daraus. ;D

Liebe Grüße
Trippelschritt
Schreiben ist nichts anderes als seine Ideen zu Tisch zu bitten

Offline Erdbeere

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Re: Dieses eine Projekt, das einen nicht loslässt
« Antwort #17 am: 09. Dezember 2017, 18:55:43 »
@Trippelschritt Ich schreibe immer noch Romane. ;) Es kommt auf das Konzept an. Einige Sachen eignen sich prima für Serien, andere werden wohl immer Romane bleiben.
   

Offline Turiken

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Re: Dieses eine Projekt, das einen nicht loslässt
« Antwort #18 am: 14. April 2018, 09:53:52 »
Ich kenne dieses Gefühl, wenn man ein Projekt viele Jahre mit sich herumschleppt, die Charaktere längst wie gute Freunde betrachtet und die Unzahl an Ideen nie recht alle reinpassen wollen, wie sehr man sich auch anstrengt.
So geht es mir mit meinem "einzig wahren" Romanprojekt. Angefangen daran zu schreiben habe ich 2010. Ich hatte einen ziemlich interessanten Traum, fast wie ein Kinofilm, über ein Mädchen, das in einen Ritter verliebt ist, der wiederum eine Hexe liebt. Was im Traum spannend und fantasievoll war, entpuppte sich beim Schreiben als ... na ja ... mehr oder wenig schwülstige Ritterromanze. Also habe ich die Idee weitergesponnen. Und gesponnen. Und noch mehr gesponnen. Neue Hauptcharaktere kamen hinzu, neue Ideen taten sich auf, immer opulenter wurden die Planungen. Ich hatte recht schnell 200 Seiten zusammen, dann 400, dann 600. Die Planungen gingen in Richtung Trilogie, um allen Ideen irgendwie Raum zu geben. Dann hatte ich privat viel um die Ohren, das Manuskript ruhte. Ich habe hier und da versucht daran zu schreiben, aber es kam nicht wieder richtig in Gang. Dann um 2014 herum plötzlich wieder: Das MUSS ich endlich weiterführen! Betaleser warteten auf weitere Kapitel, ich selbst hatte eine Selbstbewusstseinsphase, in der ich mir sagte: Du kannst schreiben, mach was draus! In dieser Hochphase habe ich den ursprünglichen Charakter, dieses Mädchen mit der Vorliebe für Ritter, komplett mit allem Drum und Dran rausgekickt. Ihre Kapitel lasen sich nett, aber sie trug irgendwie überhaupt nichts zur eigentlichen Handlung bei. Also mit den vier anderen Hauptfiguren weitergemacht und geschrieben, geschrieben, geschrieben. Dann kam wieder Privates dazwischen, die Muse wollte nicht mehr knutschen und ich hatte andere Ideen, andere Prioritäten.

Das zog sich so lange hin, bis ein Irland-Urlaub mich dermaßen brutal in die Kreativitätskiste geschubst hat, dass ich seit Januar wieder an diesem Projekt arbeite. Nach vielen Kürzungen, Änderungen und neu geschriebenen Seiten bin ich derzeit auf Seite 561 und sitze sozusagen an meinem letzten Kapitel. Fast jeden Tag habe ich mir mindestens eine halbe Stunde freigeschaufelt, um zu schreiben. Einerseits fiebere ich dem Ende entgegen, denn acht Jahre sind eine lange Zeit und ich werde stolz und glücklich sein, es geschafft zu haben, es nach all der Zeit abschließen zu können. Andererseits lasse ich ungern die Figuren gehen - mit dem Ende mache ich wohl auch einen Schlussstrich unter diese Charaktere, die mir ans Herz gewachsen sind, die aber die größte Geschichte ihres Lebens erzählt haben. Natürlich könnte ich sie auch andere Abenteuer bestehen lassen, aber manchmal ist es auch schön, wenn eine große, lebensverändernde Geschichte für sich allein steht.

Offline Mithras

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Re: Dieses eine Projekt, das einen nicht loslässt
« Antwort #19 am: 14. April 2018, 11:08:09 »
Oh ja, davon kann ich auch ein Liedchen singen. Es ist jetzt fast acht Jahre her, dass ich die ersten Textfragmente zu Papier gebracht habe, und auch, wenn sich seitdem viel verändert hat, ist der Prolog, der damals entstanden ist, für mich die eigentliche Geburtsstunde des Projekts. Das liegt daran, dass ich eigens dafür einen Charakter erfunden habe, der ursprünglich nur eine Nebenfigur sein und lediglich im Prolog als Perspektivträger dienen sollte, dann aber ein nahezu unkontrollierbares Eigenleben entwickelt hat und zum Fundament der weiteren Geschichte wurde, in der es im Kern um einen Konflikt zwischen ihm und seinem totgeglaubten Bruder geht.

Acht Jahre später haben sich Welt, Charaktere und Hintergrundgeschichte radikal weiterentwickelt und sind zu einer so unüberschaubaren Masse angeschwollen, dass alle Versuche, strukturiert zu plotten und zu schreiben, immer wieder im Sand verlaufen sind. Unter Ideenmangel leide ich sicher nicht, doch viele davon sind nicht fertig ausgereift, da mein Projekt ein regelrechter Inspirationsfresser ist und alle Ideen, die ich für andere Projekte habe, magisch anzieht und aufsaugt, und so komme ich vor neuen Ideen gar nicht dazu , die alten bis ins Detail zu durchdenken. Hinzu kommt noch, dass ich beim Plotten die falschen Prioritäten setze, denn ich habe zwar Word-Dokumente von insgesamt über 100 Romanseiten Umfang, in denen ich Chronologie, Geographie, Kultur, Religion und Mythologie festgehalten habe - der konkrete Plot ist aber noch mehr als lückenhaft, da mir die Konsequenz und Ausdauer fehlt, die Geschichte Szene für Szene durchzuplanen. Und an dieser Stelle sei erwähnt, dass es bei meinem Projekt nicht mit einem einzigen Roman getan sein wird. Die Geschichte entstand zu der Zeit, als mein Interesse an A Song of Ice and Fire erwacht ist, und je tiefer ich in GRRMs Romane eingetaucht bin und mich mit den Hintergründen und Theorien rund um seine Geschichte befasst habe, desto motivierter war ich auch, ein ähnlich vielschichtiges, komplexes und facettenreiches Werk zu erschaffen - was letztlich auch daran sichtbar ist, dass ich mittlerweile keine Ahnung mehr habe, wie viele Romane überhaupt nötig sind, um die Geschichte so zu schreiben, wie sie mir im Kopf herumspukt. Und da ich noch nie einen Roman beendet habe, habe ich mich innerlich bereits damit abgefunden, dass ich auch dieses Projekt nie zu einem Ende führen kann.

Aufgeben will ich aber dennoch nicht. Meine aktuelle Strategie sieht vor, erst einmal "Spin-Offs" innerhalb der gleichen Welt zu einigen der bekannten Charaktere zu schreiben, um zu einen zumindest einen Teil meiner Ideen zu Papier zu bringen und mir zum anderen zu beweisen, dass ich zumindest einen in sich geschlossenen Roman schreiben kann und so mein Selbstbewusstsein aufzubauen, um eine ganze Romanreihe anzugehen. Das funktioniert zumindest besser als bei meinem Hauptprojekt, da ich letztes Jahr im November mit einem dieser Spin-Off-Projekte immerhin die 50.000er-Marke geknackt habe. Nur leider war ich mit dem Resultat nicht sehr zufrieden und möchte jetzt theoretisch alles überarbeiten, doch anstatt Ideen für diese Überarbeitung zu sammeln, beschäftige ich mich wieder mit Charakteren, die nur in meinem Hauptprojekt vorkommen... :omn: "Alle Wege führen nach Alyseia", wie ich so gerne sage. Alyseia ist der zentrale Handlungsort meines Hauptprojekts und an Byzanz und Alexandria angelehnt, von der Bedeutung aber mit Rom vergleichbar. Und egal, was ich versuche - wenn ich eine Idee zu einem meiner Nebenprojekte weiterspinne, lande ich früher oder später wieder bei meinem Hauptprojekt, weil sich dort die ganzen Charaktere tummeln, die mir so ans Herz gewachsen sind, weil ich die Städte und ihre Geschichten so liebe oder weil ich die Kulturen und Religionen dort besser verstehe.

Offline Wildfee

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Re: Dieses eine Projekt, das einen nicht loslässt
« Antwort #20 am: 14. April 2018, 15:53:25 »
"Diese eine Projekt, das einen nicht loslässt" ist genau der Grund, warum ich überhaupt hier bin.
Meine Feuersängerin begleitet mich seit 2006, da entstanden die ersten Fragmente, in 2007/08 habe ich mich dann mehr reingekniet und den Grundplot entwickelt, Karte gezeichnet, Welt und Gesellschaft entwickelt, es entstand ein kurzer Song und dann war plötzlich die Luft raus. Ab und zu mal wieder hervorgekramt, ein, zwei Seiten geschrieben, wieder weggelegt.
Aber es lässt mich nicht los, weil die Idee (aus meiner Sicht) immer noch gut ist und es lässt mich wohl auch nicht los, weil ich mir selbst beweisen will, dass ich einen guten Roman schreiben kann.

Mir ist völlig schnuppe, ob mein Baby in die weite Welt entlassen wird und in irgendeiner Form veröffentlich wird. Mir geht es darum, das Baby erst mal auf die Welt zu bringen  ;)

Offline Merlinda

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Re: Dieses eine Projekt, das einen nicht loslässt
« Antwort #21 am: 15. April 2018, 19:22:56 »
Ich hab mich auch an einer Idee festgebissen. Meine allererste Geschichte, die ich zu Papier gebracht hab. Da war ich gerade mal 13 und hab angefangen von den Hunde - und Pferdegeschichten zu Fantasy zu wechseln.
Hochmotiviert hab ich Karten gezeichnet, das Internet nach Models für meine Charaktere durchforstet und Steckbriefe ausgefüllt. Die Geschichte wurde sogar zu Ende erzählt und ganz stolz der ganzen Familie präsentiert. Nach ein paar Jahren hab ich sie wieder raus gekramt und war entsetzt, was ich da fabriziert hatte. Also frei nach dem Motto "alles neu macht der Mai" die komplette Story und alle Beteiligten neu überarbeitet. Alte Charaktere wurden kurzerhand gestrichen oder fanden tragische Heldentode, während neue Mitspieler ins Boot geholt wurden. Langsam aber sicher, reifte das ganze Projekt. Nachdem ich es komplett umgeschrieben hatte, war ich halbwegs damit zufrieden und hab es sogar bei einem Literaturwettbewerb eingereicht. Tatsächlich hab ich damit dann den 3. Platz belegen können. Allerdings hat mich dann der Ehrgeiz gepackt. Denn die Geschichten um meine Charaktere waren noch lange nicht fertig erzählt. Also begann ich mit Band 2. Einfach drauf los geschrieben und alle Beteiligten grandios in eine Sackgasse gefahren. Projekt lag somit wieder eine Zeit lang brach und neue Geschichten wurden geschrieben. Nach ein paar Jahren den Ordner auf dem PC wieder aufgerufen und schwupps, schon war das alte Schreibfieber wieder da. Also Band 1 nochmal durchgelesen, hier und da was korrigiert und überarbeitet und an Band 2 wieder weiter geschrieben. Wirklich weit bin ich nicht gekommen, da ich dann zu dem Zeitpunkt mit einem anderen Projekt einen Verlag gefunden hatte. Wieder folgte eine lange Pause und bis jetzt hab ich zwar die Ideen, doch keine Zeit / Muse mein allererstes Schreibprojekt fortzuführen. Dabei halte ich echt an der Geschichte und ihren Charakteren fest. Mal sehen, ob ich es irgendwann mal fertig bekomme. Geplant sind mittlerweile immerhin drei Bände. :D

Offline Guddy

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Re: Dieses eine Projekt, das einen nicht loslässt
« Antwort #22 am: 15. April 2018, 21:42:21 »
Mir geht es exakt so wie Mithras.

Während die Hintergrund noch immer wächst und immer und immer komplexer wird,schafft es der eigentliche Plot mir weit. Und immer dann, wenn ich glaube " Ha! Jetzt ist es perfekt!" kommt wenig später die innere Stimme und sagt "Nope. Wirf es über den Haufen. Denk nochmal scharf drüber nach und nach es besser. Anders. Neu."

Mittlerweile denke ich, dass es mir fertig werden wird. Mir fehlt einfach der Input von aussen, jemand, der mir sagt, ob es taugt. bis dahin werde ich wohl bis in die Unendlichkeit immer wieder neu anfangen ;)
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Offline canis lupus niger

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Re: Dieses eine Projekt, das einen nicht loslässt
« Antwort #23 am: 16. April 2018, 13:43:37 »
Jaaa, sowas habe ich auch. Der Serientitel meines Projektes entspricht sogar meinem Nicknamen.

Band 1 entstand, während meine Jüngste in der Grundschule war, die Ideen dazu waren aber viel, viel älter, stammten aus meiner eigenen Schulzeit. Damals verzweifelte ich am Schreibenlernen meines Kindes, an den Problemen zweier vermieteter Immobilien und vielem anderen. Die ersten Sätze meiner alten Ideen zu Papier zu bringen, war anfangs nur eine Kalligrafie-Übung um meine aufgewühlte Psyche zu beruhigen (Kann doch nicht so schwer sein, in so ein Schreiblernheft ein paar lesbare Buchstaben hinein zu kriegen!!!)  Erst mit dem Wachsen dieser einzelnen Szenen, erst quantitativ, dann auch ein wenig qualitativ, kam ich auf die Idee, daraus eine zusammenhängende Geschichte zu machen. Und dann konnte ich nicht mehr aufhören.

Wie das bei Erstlingen ist, war die Qualität natürlich durchwachsen. Trotzdem fand ich dafür einen Verlag, das Buch wurde sogar viertplazierter Erstling beim DPP (trotz des schrecklich schlechten Korrektorats) - vermutlich mehr durch das Engagement des Verlages, als durch die Qualität meines Machwerks. Trotzdem war ich ziemlich stolz darauf. Weil der Verlag damals das machte, was heutzutage auch andere, renommierte Verlage tun (nämlich die Abnahme einer Anzahl von Buchexemplaren durch den Autor zu verlangen), galt der Verlag als DKZV und das Buch und seine Platzierung wurden in allen Foren, die ich damals beobachtete, totgeschwiegen. Rezensionen und Hinweise auf dieselben wurden gelöscht, kaum dass sie gepostet waren. Das hat mir schon ganz schön weh getan.

Ich hatte damals aber den zweiten Band fast fertig und mochte die Geschichte nicht aufgeben. Ich sprach mit der Verlegerin über meine Gründe und wir trennten uns in Freundschaft. Dann begann ich mit der DPP-Nominierung und unabhängigen Rezensionen im Rücken, nach einer Agentur (weil ein anständiger Autor ja von einer Agentur vertreten wird, die ihn an einen "richtigen Verlag" vermitteln kann) zu suchen. Die Agenturen, die überhaupt antworteten, schrieben, dass sie aktuell leider GAR keine neuen Autoren aufnehmen würden, unabhängig davon, was sie schrieben. Eine war wohl grundsätzlich interessiert, aber nicht an einer angefangene Reihe. Falls ich mal was anderes hätte, könnte ich mich gerne wieder melden, schrieben sie mir. Hatte ich aber bisher nicht.

Schließlich fand ich einen neuen Kleinverlag, der Erfolg war trotz des diesmal untadeligen Verlagsrenommees leider frustrierend, denn es fand praktisch kein Marketing statt. Ich glaube nicht, dass von dem Buch mehr als 20 Exemplare verkauft wurden. Der Verlag stellte sein Fantasy-Programm bald darauf ein.

Zwischenzeitlich hatte ich einen Roman (meinen Drachenroman) für die Reihe eines Autoren-Teams geschrieben, der mit der meiner eigenen Reihe also nichts zu tun hat, und habe daran auch viel Spaß gehabt und viel dabei und dadurch gelernt. Ist auch offenbar nicht schlecht geworden, wie die entsprechenden Kritiken bescheinigen. Aber auch dieser Roman verkauft sich so gut wie nicht, weil hier ebenfalls so gut wie kein Marketing stattfindet. Das Leben ist so wie es ist.

Seinerzeit (als es um meinen Erstling ging) hatte man mir voller Hohn und Verachtung um die Ohren gehauen, Werbung sei Sache des Verlages, nicht des Autors. Wenn ein Autor versuche, sein Buch selber bekannter zu machen, würde er sich damit als jemand outen, der keinen guten Verlag finden konnte, weil sein Buch halt zu schlecht geschrieben sei. Das habe ich (vielleicht zu sehr, wenn ich mir ansehe, wie positiv inzwischen Selfpublisher akzeptiert werden) verinnerlicht.

Aber das heißt nicht, dass ich an meiner Reihe nicht weiterhin hänge. Während das "andere" Buch seiner Veröffentlichung entgegenwuchs und daran scheiterte, hatte ich an meiner eigenen Reihe wieder weiter geschrieben, an Band 3 und 4, einfach weil die Charaktere ja nicht starben. Ihre Geschichte endete nicht, bloß weil niemand die Bücher las, sondern sie entwickelte sich in meinem Kopf weiter. Wenn ich diese beiden nächsten  Bände über den "Schwarzen Wolf" fertig habe, überlege ich, die beiden ersten Bücher (deren Veröffentlichungsrechte ich inzwischen zurück bekommen habe), qualitativ gründlich zu überarbeiten, und die ganze Reihe dann unter einem neuen Seriennamen kostenlos über das Internet zu veröffentlichen. Wenn Agenturen und Verlage auch nicht interessiert sind, ich bin und bleibe es. Mal gucken, was noch daraus wird. Glücklicherweise muss ich ja von meiner "Nemesis" nicht leben, sondern habe das Privileg, aus Liebhaberei daran festhalten zu können.

Offline MynaKaltschnee

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Re: Dieses eine Projekt, das einen nicht loslässt
« Antwort #24 am: 18. April 2018, 23:38:17 »
Wow, ich werde fast ein bisschen neidisch, wenn ich von euren Herzensprojekten höre. Sowas habe ich leider nicht, d. h. es gibt da schon ein paar Projekte, die ich gerne veröffentlichen würde und an denen ich immer wieder mal ein bisschen feile. Aber DAS EINE Projekt, das mich seit Jahren begleitet, habe ich nicht.

Dabei habe ich schon an vielen Projekten gearbeitet, manche davon habe ich in der Rohfassung beendet und auch schon überarbeitet, andere habe ich mittendrin abgebrochen und lasse sie auf meiner Festplatte verschimmeln. Die Projekte, die ich als Kind oder Teenager angefangen habe, sind lange vergessen.

Wobei, halt! Es gibt ein Projekt, das ich 2012 angefangen habe und das immer wieder aufgetaucht ist. Ich habe es nie zu Ende geschrieben, aber die Charaktere immer wieder wiederverwendet. Das waren die lebendigsten Charaktere, die ich jemals erschaffen habe. Ha! Habe ich doch so ein Projekt!
Ich bin nur ein schwarzer Geist, dessen Spinnerei Wort für Wort auf das Papier tröpfelt.

Offline pyon

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Re: Dieses eine Projekt, das einen nicht loslässt
« Antwort #25 am: 19. April 2018, 11:13:41 »
Oh, es hat echt gut getan in diesem Thread ein wenig zu lesen und zu sehen, dass es in vielen Dingen nicht nur mir so geht. So langsam war ich nämlich wirklich kurz davor, mich selbst als "verrückt" zu betiteln, weil es da diese eine verdammte Projekt gibt, das mich einfach nicht loslässt. Ich habe hier zwar schon einmal was gepostet, aber inzwischen gibt es ein noch nervigeres Projekt, das dem anderen diesen Titel "Projekt, das einen nicht loslässt" definitiv aberkannt hat.

Begonnen hat es mit - schätzungsweise - 15/16 Jahren. Die kleine pyon hat eine Idee, die ihr sehr gut gefällt und wie ich damals so war, habe ich natürlich sofort damit begonnen in die Tasten zu hauen und ich erinnere mich noch erstaunlich gut daran, dass ich sehr lange am Prolog gefeilt, dann die ersten paar Kapitel geschrieben habe und prompt vor einer Sackgasse stand. Natürlich habe ich aufgehört und die Geschichte erst einmal zur Seite gelegt.

Damals hatte ich noch keine Ahnung vom richtigen Plotten und hab immer nur drauf losgeschrieben. Heute weiß ich es zum Glück besser.  ;D

Dann, mit ungefähr 20 Jahren hat es mich noch einmal gepackt, ich habe alles ein wenig umgeworfen, habe den Charakteren mehr Tiefe verleiht, den Prolog nochmal geschrieben und wieder aufgehört.

Mit 26 Jahren hat mich die Sehnsucht gepackt und ich dachte "Hey, der Nano würde ich doch super für das Projekt eignen. ich habe Lust und ich bin Motiviert. Los geht's". Das war mein schrecklichster Nano bisher. Weniger schreibtechnisch, denn ich habe die 50k Wörter geknackt, aber irgendwie wollte es nicht so ganz funktionieren. Irgendwo war der Wurm drin. Jedes Wort fiel mir schwer. Egal. Ich hab weitergeschrieben, das "Ende" darunter gepflanzt. Abgehakt. Geschrieben und Vergessen.

Soweit der Plan ...  ::)

Nun, ich war Ende März in Kambodscha. In Angkor Wat um genau zu sein und ich stehe da, zwischen all den Ruinen, Steinen und Bäumen und diese Projekt drischt mit einem solchen Wumms auf mich ein, dass ich an nichts anderes mehr denken kann. Hier stehe ich nun, mit meinem alten Dokument und habe beschlossen bei dieser Geschichte, unter der bereits das Ende stand, diese noch einmal zu löschen und noch einmal ganz von vorne zu beginnen. Ich will dem Projekt die Zeit geben, die es braucht, denn es ist wirklich ein Mammut-Teil.
Insgeheim liebäugele ich ja wieder mit dem Nano im November, aber ich bin mir nicht sicher, ob es dieses Mal was wird.

Mal schauen.  ;)
  

Offline zDatze

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Re: Dieses eine Projekt, das einen nicht loslässt
« Antwort #26 am: 20. April 2018, 12:22:31 »
Danke, dass ihr hier alle eure Erfahrungen und Geschichten teilt. Es ist einerseits ernüchternd, aber auch schön zu lesen, dass es viele dieser Projekt gibt, die einen so lange begleiten. Und dann hin und wieder doch zu einem Ende kommen, oder lautstark nach einer Neuaufrollung schreien, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Und wie ich eben feststelle, ist sogar dieser Thread hier an sich "gefährlich", da nur noch ein kleiner Anstupser nötig ist, damit ich mich an die nächste Version meines Ewig-nicht-fertig-Projekts setze. Ganz tief in mir drin ist der festgefahrene Wunsch, dieses Projekt erneut zu beginnen und endlich zu Ende zu bringen. Wobei sofort wieder die Frage auftaucht: Bin ich schon gut genug? Werde ich der Geschichte jetzt endlich gerecht, oder ist es wieder ein unnötiger Versuch?

Je mehr ich darüber grüble, desto lebendiger geistern die Figuren wieder durch meinen Kopf. Ich kenne diese Gauner bestens, nicht mehr lange und sie beginnen meine anderen Projekte zu infiltrieren oder gleich ganz zu verdrängen und dann kann ich eigentlich gar nicht anders, als an diesem Projekt zu arbeiten. Das ist schon ein perfider Plan, den meine Figuren da verfolgen. :d'oh: Und dabei dachte ich immer, dass ich nicht zu jenen Autorinnen gehöre, die sich von ihren Figuren diktieren lassen, woran sie zu arbeiten haben. :P
     Keep on writing.

Offline Adiga

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Re: Dieses eine Projekt, das einen nicht loslässt
« Antwort #27 am: 17. Mai 2018, 23:56:37 »
Seit 2003 hab ich jedes Jahr einen Versuch gestartet - mein recht altes Projekt zu retten. und ich bin Jahr für Jahr gescheitert, doch heuer scheint es ein guter Anlauf zu werden. Vor etwas mehr als einen Monat erkannte ich, dass ich all die Jahre den falschen Antagonisten bevorzugt habe, seit dem ich das umgestellt habe. Gibt es einen neuen Einstiegspunkt in die Geschichte und die zusätzliche Perspektive, die dieser Antagonist brachte, macht erst die Erzählweise möglich, die nun gewählt habe.

Nun schreibe ich einen Monat an dieser Version und bin mittlerweile im vierten Kapitel und wenn ich das mit den Versuchen aus den letzten 15 Jahren vergleiche, kann ich feststellen, dass ich spätestens nach dem dritten Kapitel die Versuche aufgegeben habe, weil ich immer erkennen musste, dass sich die plante Geschichte nicht erzählen ließ. Doch diesmal sagt mir mein Gefühl, dass ich jetzt alle Elemente die mir schon immer vorschwebten endlich integrierbar sind.

Das heißt, ich bin derzeit ein wenig euphorisch, weil ich gefühlsmäßig jene Geschichte niederschreibe (tippe), die ich schon immer erzählen wollte. Da ich nicht weiß, wieviel Zeit ich täglich investieren kann, habe ich mir vorsichtshalber vorgenommen es bis 2021 zu schaffen, bis zum Ende zu kommen. Das wäre dann eine Entstehungszeit von 1991 bis 2021.

"Fertig-Barometer": (23.05.2018 - 18:18)
abgeschlossen:1.1-1.4 / 10010 Wörter / Fortschritt: 100%

begonnen: 2.1-2.4 / 5674 / ~95% - 3.1-3.4 /5859 / ~87% - 4.1-4.4 / 5886 / ~46% - 5.1-5.4 / 2618 / ~12%
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