Tintenzirkel - Das Fantasyautorenforum

Handwerkliches => Workshop => Thema gestartet von: Pandorah am 23. Dezember 2013, 15:50:47

Titel: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Pandorah am 23. Dezember 2013, 15:50:47
Erklärbär gibt es einen Beitrag weiter unten (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,13768.msg577082.html#msg577082)! Hier soll die Liste rein, damit sie übersichtlich oben steht. Deswegen splitte ich das und entschuldige mich gleich mal für den unvermeidlichen Doppelpost.



Über die Einordnung eines Werks in Schubladen

Zitat
Ich denke oftmals auch, Autoren verzetteln sich zu viel mit den ganzen Genres und vergessen dabei, was das Genre ist: Eine Orientierung für den Leser. Deswegen frage ich mich bei Unsicherheiten weniger: In welche Schublade quetsche ich meinen Roman? Sondern: Welche Zielgruppe möchte ich ansprechen und unter welchem Genrebegriff sucht meine Zielgruppe normalerweise ihre Bücher?
- Valaé (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,8092.msg390246.html#msg390246)

Zitat
Viele Genre sind vll. auch einfach nur für den Manuskriptverkauf nötig, weil so schneller ersichtlich ist, worum es geht (darum auch die Sache mit dem Fokus) -- und ob der Verlag eine Zielgruppe bedient, die sowas liest. Eine Genre kann also ein erster Schritt/Hinweis Richtung Alleinstellungsmerkmal sein; es ist ein Verkaufsargument.
- Zitkalasa (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,8092.msg390251.html#msg390251)

Zitat
Natürlich sind Subgenres keine trennscharfen Schubladen, es gibt immer Übergänge, Grauzonen, in denen die Einordnung schwierig ist, Werke, in denen in der einen Hinsicht eher Elemente des einen, in einer anderen Hinsicht Elemente des anderen Subgenres dominieren.
- Lomax (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,8092.msg383734.html#msg383734)




Überkategorien

High Fantasy
- Das prägendste Merkmal der High Fantasy ist ein epischer Plot, bei dem es um das Schicksal der Welt geht.
- Das Genre orientiert sich oft an Strukturen und Elementen der mittelalterlichen Heldenepik, zum Beispiel verfluchte Artefakte, episch erhöhte Kämpfe, zu erfüllende Questen, klassische Kreaturen wie Drachen, etc.
- Der Weltenbau ist sehr ausführlich und detailliert.
- Es herrschen viele und stark fantastische Elemente vor - Magie, Drachen, Trolle etc.
- Zumeist gibt es einen starken Konflikt zwischen den Kräften des Guten und denen des Bösen, Graustufen können jedoch vorhanden sein.
- Ebenso finden sich oft Heldengruppen, die sich auf die Reise durch die Welt begeben, um diese zu retten.

Vertreter: J. R. R. Tolkien, C. S. Lewis (Narnia Band 2-7), Terry Goodkind (Das Schwert der Wahrheit 1-11), Trudi Canavan (Die Gilde der Schwarzen Magier 1-3) Christopher Paolini (Eragon 1-4), Uschi Zietsch (Die Chroniken von Waldsee 1-5), Brandon Sanderson (Nebel… 1-3)

Wikipedia-Artikel zu High Fantasy (http://de.wikipedia.org/wiki/High_Fantasy)



Low Fantasy
- Zentral für Low Fantasy ist, dass sich der Konflikt nicht aus dem Retten der Welt ergibt, sondern eine bis mehrere Stufen kleiner ist. Es stehen die Charaktere und ihre Geschichte im Mittelpunkt.
- Häufig handelt es sich bei Low Fantasy Welten um solche mit mittelalterlichem Setting, das nur wenige phantastische Elemente enthält. Kommen stark magische Kreaturen vor, sind sie für gewöhnlich seltener anzutreffen als in der High Fantasy.
- Der Weltenbau kann, muss aber nicht detailliert sein. Oft ist die Low Fantasy Welt nicht so "hochglanzpoliert" wie die High Fantasy Welt, sondern ursprünglicher, archaischer.
- Die Grenzen zwischen Guten und Bösen sind fließend, oft folgt der Plot auch zwielichtigen Charaktere.

Vertreter: George R. R. Martin

Wikipedia-Artikel zu Low Fantasy (http://de.wikipedia.org/wiki/Low_Fantasy)




Subkategorien

Contemporary Fantasy (Zeitgenössische Fantasy)
- Prägendes Merkmal dieses Subgenres ist, dass die Geschichte in unserer modernen Gegenwart spielt, die mit magischen Elementen durchbrochen wird.
- Häufig ist der magische Teil unserer Welt für die gewöhnlichen Menschen verborgen, nur wenige "Auserwählte" haben Zugang dazu.
- Bei der zweiten Variante hat sich durch das allgemeine Wissen um Magie und durch magische Fähigkeiten (auch von Menschen) eine alternative Geschichtsschreibung entwickelt.
- Im Gegensatz zu Urban Fantasy (siehe unten) kann die Geschichte auch in ländlichen Gegenden spielen.
- Werke, die ihren Ursprung in unserer realen Welt und Zeit haben, sich jedoch in eine andere Welt verlagern, werden manchmal ebenfalls dazu gerechnet. Die Zuordnung hier ist jedoch umstritten, insbesondere, wenn die Haupthandlung in der Fantasy-Welt stattfindet und die Alltagswelt der Helden nicht weiter berührt.

Vertreter: Jonathan Stroud (Bartimäus), J. K. Rowling (Harry Potter)


Subgenre Urban Fantasy
- Urban Fantasy ist ein Subgenre der Contemporary Fantasy, wird jedoch häufig synomym verwendet - vermutlich, weil es leichter über die Zunge geht.
- Von der Contemporary Fantasy unterscheidet sich Urban Fantasy dadurch, dass die Geschichte hauptsächlich "urban", also in einer Stadt spielt. Häufig handelt es sich hierbei um eine Großstadt.

Vertreter: Christoph Marzi (Heaven), Andrea Gunschera (Engelsblut, Engelsjagd), C. S. Lewis (Narnia 1), Rick Riordan (Percy Jackson 1-5), Terry Goodkind (Das Gesetz der Neun), Neil Gaiman (Niemalsland)

Diskussion zu Urban Fantasy (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,2596.0.html)
Wikipedia-Artikel zu Contemporary Fantasy (http://de.wikipedia.org/wiki/Contemporary_Fantasy)



Dark Fantasy
- Fantasy vermischt mit Horrorelementen. Der Hauptunterschied zu Horror ist hierbei, dass weniger Suspense und weniger Brutalität einfließen. Dark Fantasy ist härter als Fantasy, jedoch fantastisch-verträumter als Horror.
- Häufig sind klassische Horrorkreaturen integriert, z. B. Zombies, Werwölfe, Dämonen, Geister und eigene dunkle Kreaturen. Diese können auch Handlungsträger sein. Das reine Vorhandensein z. B. eines Vampirs macht jedoch keinen Dark Fantasy Roman aus.
- Normalerweise ist der Handlungsort die Realwelt, dies ist jedoch nicht zwingend erforderlich.
- Gewöhnlich ist der Plot realistischer und düsterer als bei der reinen Fantasy und weist häufig kein Happy End auf. Auch in Dark Fantasy handelt er jedoch oft davon, dass etwas oder jemand gerettet wird und der Held über sich hinaus wächst.
- Die Hauptfiguren bewegen sich im Graustufenbereich; die Guten sind keine strahlenden Helden, die Bösen sind nicht tiefschwarz.
- Ohnehin verschwimmen Gut und Böse, eine Zuordnung zu diesen Polen kommt hierbei oft einfach nur auf den Blickwinkel an. 
- Die Antagonisten haben nachvollziehbare Motive, die Geschichte kann auch aus ihrer Sicht geschrieben sein; den Protagonisten traut mich nicht zwangsläufig und man traut ihnen auch nicht zwangsläufig zu, der ihnen gestellten Aufgabe gerecht zu werden.
- Die Helden werden vielfach von ihrem "ganz hundsgemeinen Schicksal" zu Handlungen getrieben, die sie immer tiefer in ihr Unglück stürzen. Kaputte Helden und Helden, die einfach nur darauf aus sind, die eigene Haut zu retten, sind keine Seltenheit.
- Stark prägend ist die dunkle Stimmung, die den Leser mit einem Gefühl zurücklässt, dass etwas falsch läuft und/oder nicht mit rechten Dingen zugeht. Es herrscht Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit vor.
- Die Ästhektik des Zerfalls wird zelebriert und in starken Bildern beschrieben, z. B. In verfallenden Häusern, vernarbter Haut, welken Blumen, rostigen Toren.
- Oft wird eine personale Erzählweise oder die Ich-Form gewählt.

Vertreter: Steve Erikson (Malazan-Chroniken) (?), Moorcock (Ravenloft), Anne Rice (Armand, der Vampir), Wolfgang Hohlbein (Chronik der Unsterblichen), Melissa Marr (Gegen die Finsternis)

Diskussion zu Dark Fantasy (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,4130.msg107253.html#msg107253)



Dystopie allgemein
- Eine Dystopie ist das Gegenteil der Utopie und verzerrt diese in die Gegenrichtung.
- Sie spielt häufig (aber nicht immer) in der nahen Zukunft, in der sich die Realwelt zum Schlechteren verändert hat, kann jedoch auch an einem "weit entfernten Ort" spielen.
- Der Bezug zur aktuellen Realwelt und der kritische Kommentar dazu ist ein wesentliches Merkmal. Fehlt dieser, handelt es sich bei Geschichten, die in der Zukunft spielen, um Science Fiction.
- Umwelt-/Gesellschaftsparameter werden ins Negative verkehrt, zum Beispiel starke Einschränkung der Freiheit, tödliche Umwelteinflüsse, etc.
- Die Welt muss für den Leser als imperfekt erkennbar sein oder sich im Laufe der Handlung zu erkennen geben.
- Der Lebensstandard (zumindest der Unter- und Mittelschicht) liegt gewöhnlich unter dem heutigen.

System-Dystopie
- System-Dystopien sind meistens gesellschaftskritisch (= politischer Roman). Ein aktuelles Thema wird aufgegriffen und auf die Spitze getrieben.
- Sie sind die Folge eines totalitären Regimes
- Häufig entstand dies nicht aus Machtbesessenheit heraus - wobei dies auch möglich ist - sondern aus dem Wunsch, die Welt zu verbessern: für die Herrschenden und Privilegierten eine Utopie, die mit allen Mitteln durchgesetzt wird.
- Oft sind die Herrschenden/Privilegierten eine Minderheit.
- Der Machterhalt wird häufig durch Technologie erreicht, die in einer Mangelgesellschaft durchaus mangelhaft, jedoch auch klinisch perfekt sein kann.
- Viele Menschen, die in einer dystopischen Gesellschaft leben, sind zufrieden damit, solange sie nicht hinter die Kulisse schauen.
- So gut wie immer gibt es eine Gegenbewegung, eine Rebellion, die sich gegen die dystopische Gesellschaft, beziehungsweise die Herrschenden richtet.
- Manchmal existiert eine Gegenwelt außerhalb der Grenzen, von der sich die dystopische Gesellschaft abgrenzt und diese diffamiert.
- Häufig scheitert der Held in seinem Kampf gegen das System und geht unter oder fügt sich der Gesellschaft.

Wie man eine verdammt gute (System-) Dystopie schreibt (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,7719.0.html)

Endzeit-Dystopie
- Die Welt wird durch eine globale Katastrophe radikal verändert, die einen Zusammenbruch der Gesellschaft hervorruft.
- Hierbei kann es sich sowohl um eine Naturkastrophe (zum Beispiel Vulkanausbrüche, Kometeneinschlag, etc.) handeln, wie auch um eine menschengemachte (zum Beispiel Weltkriege, Krankheiten aus dem Labor, etc.).
- Es gibt ein Davor und ein Danach, keinen fließenden Übergang wie bei der Sytem-Dystopie.

Vertreter: Unterhaltende Dystopie in Romanen und Filmen (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,7774.0.html)

Diskussion zu Dystopien (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,7667.0.html)
Wikipedia-Artikel zu Dystopien (http://de.wikipedia.org/wiki/Dystopie)



Fantasy Krimi
- Zugrunde liegt dem Krimi die Aufklärung eines Verbrechens.
- Die Tat muss unwiderruflich sein und eine gravierende Störung der gesellschaftlichen Ordnung darstellen, so dass sich der Aufwand der Ermittlung auch lohnt. Daher handelt es sich meist Mord. Zudem muss die Tat ein Individuum treffen.
- Nach dem Mord kommt das Rätsel.
- Das Täterrätsel: Wer ist der Mörder? Hierbei ist darauf achten, dass der Mörder weder der wahrscheinlichste Verdächtige, noch die unwichtigste Nebenfigur ist.
- Das Motivrätsel: Warum wurde der nun Tote umgebracht?
- Das Hergangsrätsel: Wie ist es geschehen? Hier werden zu Beginn falsche Fährten gelegt oder Indizien falsch einsortiert.
- Bei der Aufdeckung werden alle Rätsel gelöst und das Schicksal des Mörders dargestellt.
- Im Gegensatz zu "normalen" Krimis darf in einem Fantasy Krimi durchaus per Magie gemordet und aufgeklärt werden. Die Ermittler müssen dem Mörder gewachsen sein und ihre Mittel haben, ihn trotz magischer Macht zu stellen und den Fall aufzuklären.
- Die Leser müssen immer auf dem gleichen Wissensstand wie die Ermittler sein, so dass sie den Fall theoretisch selbst lösen könnten.
- Ein Krimi kann, aber muss keine großartigen Action-Sequenzen aufweisen.
- Der Schuldige muss durch logische Schlussfolgerung überführt werden, nicht durch Zufall, Unfall oder spontane Geständnisse.
- Der Hauptermittler sollte nie der Schuldige sein, bei einem schuldigen Nebenermittler sollte dieser (zumindest in einer Buchreihe) nicht nur auftauchen, um direkt wieder zu verschwinden.
- Falls es nur einen Todesfall gibt, darf dieser sich nicht als Unfall oder Selbstmord herausstellen.

Genau genommen stellt der Fantasy Krimi kein eigenes Genre dar, da er grundsätzlich immer mit einer anderen Kategorie kombiniert wird, zum Beispiel Urban Fantasy.

Vertreter: Randall Garrett (Lord-Darcy-Reihe), Martin Scott (Thraxas-Reihe), Angelika Diems (Der Baeldin-Mord), Alexander Bálly (Eine Frage von Leben und Tod, Für Licht und Vollkommenheit, In Reinheit und Glauben), Bernd Perplies & Christian Humberg (Drachengasse 13), Jim Butcher (Harry-Dresden-Reihe), P. N. Elrod (Vampire Files), Kerstin Pflieger (Die Alchemie der Unsterblichkeit, Der Krähenturm)

Diskussion zum Fantasy Krimi (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,2823.0.html)
Direktlink zu Judiths ausführlicher Beschreibung von Tat, Rätseln und Aufdeckung (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,2823.msg69846.html#msg69846)



Grim & Gritty
- Gegenentwurf zur oft idealistischen High Fantasy.
- Die Hauptfiguren bei diesem Genre sind Antihelden.
- Die Gewaltdarstellung ist schonungslos und wird in allen Einzelheiten ausgeführt.
- gebrochene Charaktere
- Es herrscht ein zynisches, desillusioniertes Weltbild vor.
- Die Darstellung der archaischen, mittelalterlichen Lebensumstände wird ins Schmutzige, Blutige, Düstere überzeichnet.
- Mindestens eine Volksgruppe oder ein Geschlecht (zumeist Frauen) wird unterdrückt.
- Kein Happy End.

Vertreter: Joe Abercrombie (First-Law-Reihe), George R. R. Martin (Das Lied von Eis und Feuer), Scott Lynch (Die Republik der Diebe)

Diskussion zu Grim & Gritty (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,13699.0.html)



Heroic Fantasy
- Den Mittelpunkt von Heroic Fantasy bilden zumeist klassiche Helden von niedriger, beziehungsweise verheimlichter adeliger Geburt.
- Heroic Fantasy arbeitet viel mit den archetypischen Erscheinungsbildern. Dabei dürfen die Helden auch Schwächen und Graustufen aufweisen.
- Eine klare Gut-Böse-Struktur ist vorhanden.
- Der Fokus liegt auf den persönlichen und Action-orientierten Erlebnissen der Figuren.

Vertreter: Karen Miller (Königsmörder), Marion Zimmer Bradley (?), Jennifer Roberson (Schwerttänzer-Zyklus), Robert E. Howard (Conan), Bernhard Hennen (Elfenritter-Reihe)



Historische Fantasy
- Historische Fantasy ist das für die Vergangenheit, was Contemporary Fantasy für die Gegenwart ist: eine bestimmte Zeitepoche oder eine alte Kultur bildet den Hintergrund für eine Fantasy-Geschichte.
- Oftmals werden Ereignisse der (realen) Geschichte im Licht von phantastischen Vorkommnissen gedeutet.
- Die Menge der phantastischen Elemente kann sehr stark variieren. Sie sollten so "zurechtgebogen" werden und/oder so dezent sein, dass entsprechend phantastische Ereignisse im "Rückblick" von unserer Zeit aus gesehen auf Aberglaube und Spinnerei geschoben oder als Sagen/Mythen betrachtet werden können.
- Auch fiktive Welten, deren Setting klare historische Parallelen mit der unsrigen aufweisen und in denen fast keine Magie vorkommt (oder nur so schwach dosiert, dass man teilweise nicht einmal sagen kann, ob es nur Aberglaube ist), mit fiktiven Figuren (von denen sich manche weitgehend echten historischen Persönlichkeiten zuordnen lassen) fallen darunter.
- Wichtig ist, dass sich das Setting stark an der entsprechenden Epoche orientiert und entsprechend viel Recherche mit einfließt - wenn möglich sollten keine Anachronismen vorkommen.

Subgenre: Alternative Geschichte
- Hierbei handelt es sich um Romane, in denen die Geschichte einen anderen Verlauf nimmt, zum Beispiel: Johanna von Orleans wird nicht auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
- Auch wenn der "neue" Geschichtsverlauf vollständig auf der Phantasie des Schreibenden beruht, handelt es sich nur um Fantasy, wenn Fantasy-Elemente vorkommen.

Vertreter: Marion Zimmer Bradley (Die Nebel von Avalon), Guy Gavriel Kay (The Sarantine Mosaic, A Song for Arbonne, The Lions of Al-Rassan), J. Carey (Kushiel-Reihe), M. Heitz (Mächte des Feuers), Judith Tarr (Die gläsernde Insel, Der Herr der Zwei Länder), Sylvian Hamilton (Der Knochenhändler, Das Banner des Königs, Die Rache der Engel), Judith Merkle Riley (Die Stimme, Die Vison, die Zauberquelle), Judith Merkle (Die Hexe von Paris)

Diskussion zu historischer Fantasy (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,2484.0.html)



Horror
- Horror umfasst alles, was sich auf grausige, verstörende Art dem menschlichen Verstand entzieht, zumeist in Form der Schilderung von übernatürlichen Ereignissen.
- Es geht darum, den Leser zu schockieren, in Angst zu versetzen und Gefühle wie Abscheu und Hass auszulösen.
- Hierfür wird der Leser mit Urängsten wie der vor der Dunkelheit, dem Tod, dem Unbekannten und dem Verlust von Kontrolle konfrontiert.
- In dem Genre kann es detailliert blutig, detailliert grausam, detailliert brutal zugehen (muss aber nicht).
- Laut Stephen King geht es um drei grundlegende Arten des Grauens:
— Schrecken: eine kurzfristige, schnelle Angst (Was lauert hinter der Tür?)
— Horror: eine lang anhaltende Angst vor dem Ungeheuerlichen, die sich nur langsam zeigt und schließlich eine mehr oder weniger feste Form annimmt (z.B. Frankensteins Monster von Shelley, Herzschlag wie in "Das verräterische Herz" von Poe)
— Ekel: Abscheu, Angst vor etwas Unappetitlichem (z. B. Ungeziefer, Schleim, Fäkalien, Folterungen, Perversionen, …)
- In jedem Horrorroman gibt es ein bis mehrere Monster, durch die der Schrecken entsteht und die metaphorisch für verschiedene Dinge stehen, sowie verschiedene Gestalten annehmen können:
— Werwolf: die animalische/dunkle Seite des Menschen
— Vampir: Kanibalismus
— ein "Ding": künstlich erschaffene Monster oder namenloses Grauen (gerne aus dem All)
— wandelnde Tote: die Geister von Verstorbenen, Zombies, etc.
— Doppelgänger: die böse Seite des Menschen
— Parasit: ernährt sich vom Körper/Geist des Wirts
— der Ort des Bösen: ein Ort, an dem es spukt oder in dem / durch den sich das Böse manifestiert

Vertreter: John Ajvide Lindqvist, Stephen King

Wikipedia-Artikel zu Horrorliteratur (http://de.wikipedia.org/wiki/Horrorliteratur)



Märchenroman
- Bei Märchenromanen handelt es sich im weitesten Sinne um märchenhafte Fantasy, modernisierte und/oder auf Märchen basierende Romane.
- Volksmärchen werden umgeschrieben oder Elemente und Themen aus diesen aufgegriffen.
- Ebenso werden neue Märchen erfunden, in denen Märchenaspekte (Aspekte des Wunderbaren und Unwirklichen) auftauchen.
- Figuren werden zumeist differenzierter und weniger schwarz-weiß dargestellt als in den Volksmärchen, dennoch ist Gut und Böse häufig scharf getrennt.
- Meist steht ein Helden im Mittelpunkt, der gegen böse Kräfte bestehen muss. Dieser ist oft ein Charakter, der auf den ersten Blick schwach erscheint, zum Beispiel ein Kind oder "der jüngste Sohn".
- Märchen weisen meist eine Handlungsstruktur mit archetypischen Figuren (Held, Antagonist, Torwächter, etc.) auf.
- Am Ende wird das Böse oft extrem bestraft (verbrennende Hexe), sowie das Gute extrem belohnt (Bauernsohn heiratet Prinzessin).
- Bei Märchen und Märchenromane sind Orts- und Zeitangaben oft äußerst ungenau oder fehlen ganz, zum Beispiel bei Star Wars: "Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie…"
- Die meisten Volksmärchen weisen ein Happy End auf, dies ist bei Märchenromanen nicht zwingend erforderlich.

Vertreter: Michael Ende (Die unendliche Geschichte), Angela Carter (Blaubarts Zimmer), Selma Lagerlöf (Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgerson mit den Wildgänsen), Hans Bemmann (Stein&Flöte, Und das ist noch nicht alles, Trilogie "Die Verzauberten")

Wikipedia-Artikel zu Märchen (http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4rchen)
Wikipedia-Artikel zu Volksmärchen (http://de.wikipedia.org/wiki/Volksm%C3%A4rchen)
Wikipedia-Artikel zu Kunstmärchen (http://de.wikipedia.org/wiki/Kunstm%C3%A4rchen)



Magischer Realismus
- Hierbei handelt es sich um ein Genre, dessen Geschichten in unserer realen Welt verankert sind.
- Die magischen Mythen, Legenden und Rituale von Völkern werden als wirklich in unserer Welt begriffen und im Alltag integriert.
- Die Grenze zwischen Realität und Phantasie verschwimmen.
- Nach Alejo Carpentier herrscht dabei ein starker Unterschied zwischen den Industrienationen, die nach der Aufklärung keine Magie mehr in ihrem Leben haben (oder künstlich über Fantasy-Literatur erzeugen), und Lateinamerika, wo Mythen und Geisterglaube nach wie vor ein zentraler Bestandteil des Leben sind (und quasi natürlich bestehen).
- Es ist "die Einbettung des Wunderbaren in den Alltag".
- Die Menge der Magie kann kann je nach Autor stark variieren.

Vertreter: Miguel Ángel Asturias (Die Maismenschen), Gabriel García Márquez

Wikipedia-Artikel zum magischen Realismus (http://de.wikipedia.org/wiki/Magischer_Realismus)



Mystery
- Mystery Geschichten spielen in unserer Welt, häufig sogar in "unserer", also der modernen Zeit.
- Ausgangspunkt sind okulte/übernatürliche Phänomene, die sich nicht mit Logik erklären lassen und denen auf den Grund gegangen wird.
- Bei Mystery handelt es sich um eine Mischung aus Krimi und Horror; der Krimi-Aspekt steht im Vordergrund.
- Das Grauen ist im Vergleich zu Horror wesentlich weniger präsent und nicht grundsätzlich böse.
- Insgesamt ist dieses Genre eher grau und zwiespältig, es gibt keine scharf geschnittenen Grenzen von Schwarz und Weiß.
- Nicht alles, was übernatürlich erscheint, muss dabei auch echt sein; es kann ebenso in der Einbildung bestehen.
- Der Fokus liegt nicht auf den übernatürlichen Ereignissen, sondern auf dem von den Charakteren erlebten Grauen.
- Mystery zeichnet sich durch einen eher düsteren Stil aus, der auch Wert auf passende Bilder legt.

Vertreter: Christian Humberg (Gotham Noir), Akte X

Diskussion zu Mystery (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,1232.0.html)
Wikipedia-Artikel zu Mystery (http://de.wikipedia.org/wiki/Mystery)



Paranormal Fantasy
- Die Geschichten dieses Genres spielen in unserer Welt, sind jedoch nicht an die moderne Zeit gebunden.
- Es geht um Phänomene, die nicht mit unseren normalen fünf Sinnen zu fassen sind, z. B. außersinnliche Wahrnehmung (Telepathie, Hellsehen, etc.), Psychokinese (Beeinflussen von elektronischen Geräten, Telekinese, etc.),  und außergewöhnliche menschlichen Erfahrungen (Nahtoderfahrung, außerkörperliche Reisen, etc.)
- Auch übersinnliche Erscheinungen fallen darunter, die man als "Begabter" sehen und zum Beispiel durch Energiemessungen nachweisen kann.
- Diese Kräfte sind theoretisch wissenschaftlich belegbar, beruhen jedoch auf Naturgesetze, die noch nicht entdeckt wurden.
- Zu beachten ist, dass der Begriff "Paranormal Romance" im Englischen nicht dasselbe bedeutet wie im Deutschen. Paranormal Romance entspricht der hiesigen Romantasy.



Portal Fantasy
- Bei Portal Fantasy ist das entscheidende Merkmal, dass die Protagonisten durch ein Weltentor auf die eine oder andere Art in eine andere Welt gelangen.
- Wichtig dabei ist, dass es sich wirklich um eine andere Welt handelt und nicht um geheime Bereiche unserer Welt.
- Der Übergang kann freiwillig oder durch Unfall/Zufall geschehen.
- Hierbei handelt es sich hauptsächlich um einen Einstieg in eine Geschichte, deren eigentliches Genre sich dann erst offenbart.
- Es können auch mehrere Wechsel zwischen den beiden (oder mehreren) Welten stattfinden.

Vertreter: C. S. Lewis (Der König von Narnia, Prinz Kaspian von Narnia, Die Reise auf der Morgenröte, Der Silberne Sessel)



Romantasy
- Zusammengesesetzt ist der Begriff aus "Romantic" und "Fantasy". Häufig wird auch die Langform Romantic Fantasy verwendet.
- Im englischsprachigen Raum existiert dieses Genre nicht; was in Deutschland darunter verstanden wird, bezeichnet man im Englischen als "Paranormal Romance".
- Der Schwerpunkt bei Romantasy liegt auf der Romantik, wobei die Menge an Romantik stark variieren kann.
- Romantasy kann Liebesszenen enthalten, muss aber nicht.
- Sehr häufig findet man die Romantasy verbunden mit Urban Fantasy.
- Eine Hälfte des Liebespaares ist so gut wie immer ein Fantasywesen (z.B. Engel, Vampir, Werwolf), der andere Part hat oft oder entdeckt während des Romans ebenfalls übersinnliche Fähigkeiten.

Vertreter: Stephenie Meyer (Bis(s)-Reihe), Nina Blazon (Faunblut)



Science Fantasy
- Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich um eine Mischung aus Science Fiction und Fantasy.
- Science Fantasy nutzt die Elemente der Science Fiction - Raumschiffe, Roboter, Weltraumschlachten, etc. - und fügt dem noch eine mehr oder minder große Prise Magie hinzu.
- Während Science Fiction mit den realistischen wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten unserer Zukunft spielt, weitet die Science Fantasy das Spielfeld auch auf die unmöglichen Möglichkeiten aus.
- Ebenso wird gerne auf klassische Fantasy-Themen, -Völker und -Bilder zurückgegriffen, zum Beispiel Schwertkämpfe und Elfen.

Vertreter: George Lucas (Star Wars)



Steamfantasy (inkl. Steampunk, Dieselpunk, Teslapunk, Gaslight Fantasy)



Sword & Sorcery



Urban Fantasy
-> siehe Contemporary Fantasy




Zielgruppen

YA (Young Adult):

NA (New Adult):

All Ages:



25.12.2013: Contemporary und Urban Fantasy, sowie Dark Fantasy ergänzt
27.12.2013: Dystopie und Fantasykrimi ergänzt
28.12.2013: Grim & Gritty ergänzt
29.12.2013: Heroic Fantasy ergänzt
30.12.2013: Historische Fantasy ergänzt
03.01.2014: Horror ergänzt, Historische Fantasy erweitert
05.01.2014: Märchenroman ergänzt
09.01.2014: Horror erweitert, Märchenroman-Vertreter erweitert
12.01.2014: Magischer Realismus ergänzt
14.01.2014: Mystery ergänzt
15.01.2014: Mystery-Vertreter ergänzt
17.01.2014: Paranormal und Portal Fantasy ergänzt
18.01.2014: Romantasy ergänzt
19.01.2014: Science Fantasy ergänzt
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 23. Dezember 2013, 15:51:04
Da mir aufgefallen bin, dass ich nicht die einzige bin, die sich mit der Kategorisierung ihres Werks in die diversen Schubladen schwer tut, ist mir die Idee gekommen, die diversen Subgenres übersichtlich in einem Thread zu sammeln. Immerhin verlangen Verlage aus verständlichen Gründen eine Einordnung, um direkt vorsortieren zu können, ob das Angebot ins Sortiment passt, ehe sie sich dem Rest widmen.

Klar kann man bei der Wiki schauen, aber da sind einige Unterkategorien nicht erwähnt und fragen kann man auchnicht.

Am besten gefiele mir, wenn man die Subgenres zur Verdeutlichtung gleich mit Beispielen versehen könnte, sowohl aus der bereits veröffentlichten Literatur wie auch aus eindeutig zuzuordnenden Tintenzirkelwerken. Da ich aber selbst nicht so recht durchblicke, kann ich das nicht allein erstellen, sondern brauche Hilfe. ;D

Auf geht’s, lasst uns sammeln und erklären, damit es für alle eindeutiger werde!

Meine vagen Vorab-Vorschläge einschließlich Zitate aus dem Grim&Gritty-Thread folgen natürlich auch gleich.

High Fantasy
Zitat
Bei high Fantasy hingegen ist die Weltenbau Grenze nach oben hin ziemlich offen und die Fantasyelemente sind deutlich spürbar/überwiegend.
(geklaut bei Christopher: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,13699.msg573552.html#msg573552)

Low Fantasy
Zitat
Soweit ich es bis jetzt verstanden habe (die ganzen Schubladen werden allmählich unübesichtlich und damit sinnbefreit) geht es bei dem "low" in low Fantasy eher um das Ausmaß des Weltenbaus bzw. den Anteil der Fantasyelemente.
(geklaut bei Christopher: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,13699.msg573552.html#msg573552)

Zitat
ein mittelalterliches Setting mit leicht mystischen Zügen, aber ohne Drachen, Magie und dergleichen
(geklaut bei Steffi: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,13699.msg573558.html#msg573558)


Grim & Gritty:
Zitat
Schonungslose Gewaltdarstellung, gebrochene Charaktere und ein zynisches, desillusioniertes Weltbild, kein Happy End.
Wichtig ist vor allem, dass die Protas Anti-Helden sind.
(geklaut von Djamena: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,13699.msg573573.html#msg573573)

Zitat
Antihelden.
Leute die langsam oder schnell sterben, grausam und das in allen blutigen und gedärmigen Einzelheiten.
"Realistisch" (am liebsten würde ich noch drei Lagen Anführungszeichen mehr darumklemmen, denn realistisch ist das ebenso wenig wie das Gegenteil) in der Darstellung archaischer oder "mittelalterlicher" Lebensverhältnisse.
Bloß kein Happy End oder gute Fügungen, andersherum ist es aber ok.  ::)
Schmutzig. Die Leute wälzen sich im Dreck und Blut.
Volksgruppen oder Geschlechter (zumeist die Frauen) werden unterdrückt.

Eben grimmig und schmutzig und der Gegenentwurf zu der oft idealistischen High Fantasy. So wie ein Italowestern im Vergleich zu einem klassischen Western, oder ein aktuelles, dreckiges Mittelalterbuch zu einem älteren.
(geklaut bei Linda: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,13699.msg573542.html#msg573542)


Romantasy: Der Schwerpunkt liegt auf der Romanze zwischen zwei Protagonisten


Paranormal: Hiesige Welt, keine Magie, sondern paranormale Fähigkeiten? Also sowas wie Geister ansprechen, Gedanken lesen?


Urban Fantasy: War das mal unter Phantastik bekannt? Phantastische Elemente bis ausgewachsene Magie in unserer Welt. Auch Weltenreisen? Sprich, wenn Lisa Lorene ein Tor zu einer anderen Welt durchschreitet und dort ein reines Fantasy Abenteuer erlebt, wo sie als schwertschwingende Kampfmagierin einen Drachen reitet?


Heroic Fantasy: europäisches Hochmittelaltersetting? Viele Kämpfe, klassische Helden?


Sword & Sorcery:
Zitat
ein mittelalterliches Setting mit leicht mystischen Zügen, aber ohne Drachen, Magie und dergleichen.
(geklaut von Steffi: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,13699.msg573558.html#msg573558)

Zitat
-  graustufige Charaktere, es gibt kein klassisches Gut und Böse.
-  Realismus & Logik: man hat nicht einfach ein fettes Militär parat stehen oder einen Boten der x Tage braucht, das hat schon eine realistische Grundlage. Und zwar nicht nur, weil es plotrelevant ist, dass der Bote solange braucht oder dass der Held über Kriegsvorbereitungen stolpert, sondern als Selbstzweck - weil es eben eine logische, realistische Welt ist, die präsentiert wird.
-  Es geht aber auch stark um moralische oder ethische Konflikte (offensichtlich oder im Hintergrund), es werden Situationen geschaffen, in denen das Schlechteste aus den Figuren herausgeholt wird bzw. werden kann.
(geklaut von Fianna: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,13699.msg573625.html#msg573625)


Sience Fantasy: Science Fiction mit Fantasy


Dark Fantasy: Vampire, Zombies, Werwölfe?


Horror: Alles, was verstört und Panik macht, kann Blut und Gedärme zu Hauf enthalten, muss aber nicht?


Märchen: Märchen in Romanformat


YA / Young Adult: Teenager bis zum Erreichen der Volljährigkeit


NA / New Adult: 18 – 25, aktuell hauptsächlich Collegeromane mit Schwerpunkt auf Romantik


All Ages: Geeignet für alle, die des Lesens mächtig sind, von Grundschülern bis zu Senioren.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Christopher am 23. Dezember 2013, 16:13:43
Na da fühl ich mich ja geehrt, dass man das so übernehmen will ;D


Vorschläge für Beispiele (wenn auch nicht aus dem TiZi-Veröffentlichungen)

High-Fantasy: klassisch der HdR
grim&gritty: Abercrombies "First Law"-Reihe
Low-Fantasy: Harry Potter (England als Setting, lediglich erweitert um Hogwards und co, oder irre ich?) Einordnung ins Subgenre lass ich aber mal lieber sein, da ich es nicht gelesen habe :P
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Witch am 23. Dezember 2013, 16:22:36
Zu Dark Fantasy: Merkmale: Tragende Charaktere sind hauptsächlich Nachtgestalten wie Vampire, Werwölfe u.ä., aber auch andere, Setting geprägt durch eine gewisse Düsterkeit, die sich auch im Inhalt der Geschichte niederschlägt. Etwas hoffnungslose Grundstimmung.

Hier haben wir einen Thread: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,4130.msg107253.html#msg107253

Edit:
Zitat
Horror: Alles, was verstört und Panik macht, kann Blut und Gedärme zu Hauf enthalten, muss aber nicht?

Ja. Alles was sich dem menschlichen Verstand entzieht, aber nicht im Sinne der Fantasy schön und faszinierend, sondern auf eine unheimliche, abschreckende Weise.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: RaphaelE am 23. Dezember 2013, 16:27:37
Jup, ich hätte hier ein paar Beispiele:

High Fantasy:

Urban Fantasy:

Das Meiste hier habe ich gelesen ;D

PS: Wenn jemand findet, dass z.B. Eragon eher in "Heroic Fantasy" heimisch ist, bitte korrigieren. ;)
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Fianna am 23. Dezember 2013, 16:34:37
Das mit Low Fantasy passt nicht, und wenn als Beispiel Harry Potter (?!?!) vorgeschlagen wird, ist auch klar warum.

Das "Low" in Low Fantasy bezieht sich eher auf den Konflikt der Story. Es geht nicht um Weltenrettung, es ist alles eine Stufe kleiner, "low" eben.
Tatsächlich ging das in den 1980ern oft mit einfachereren Weltenprinzipien einher, aber das Ausmass an gezeigter Welt oder an Magie ist kein Kriterium für die Low-heit.

Weiterhin ist die Grenze zur High Fantasy teilweise fliessend; es gibt z.b. Werke, die eigentlich alle Kriterien der Low Fantasy aufweisen, jedoch einen Konflikt haben, der auf die Bedrohung des ganzen Kontinents abzielen. (Joe Abercrombie fällt da für mich rein - da ich nach dem ersten Band nicht weiterlas, ist das jedoch nur ein vorläufiges Urteil von mir, da ich dementsprechend nur das Aufwärmbuch kenne.)

~~~~
Beispiele für Low Fantasy wären z.b. George R. R. Martin, der z.b. eine sehr komplexe Welt hat. 


Beispiele für Sword and Sorcery fallen mir eher ältere Werke ein: am bekanntesten sicher die Jahresanthologien von Marion Zimmer Bradley aus dem Fischer-Verlag (Schwertschwester, Windschwester...), die heissen nicht umsont im Original "Sword and Sorceress I" etc.
Weiterhin bekannt ist sicher die "Schwerttänzer"-Reihe von Jennifer Roberson.
Ansonsten sind noch bekannte Autoren Mercedes Lackey, Phyllis Ann Carr, Wagner, Leiber etc...
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: gbwolf am 23. Dezember 2013, 16:34:54
Für die Ergänzungen wirst du sicherlich in alten Threads fündig. Wir haben auf jeden Fall irgendwo noch einen zu Urban Fantasy rumfliegen (In der Suchfunktion nur im Betreff suchen sollte da schnelle Treffer bringen), Dark Fantasy könnte auch noch sein. Und hier gab es mal einen halbherzigen Versuch, aber längst nicht so schön gegliedert: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,8092.0.html

"Magischer Realismus" würde ich noch aufnehmen, auch wenn es nicht direkt ein Fantasygenre ist.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Romy am 23. Dezember 2013, 16:44:52
Ja genau, an den Thread, den Nadine genannt hat, habe ich auch spontan gedacht. Damals habe ich dort auch eine Übersicht gemacht mit Threads, die wir zu den einzelnen Subgenres schon haben. Eine schön gegliederte Übersicht, so wie Du es hier planst, Pandorah, finde ich super. Aber in den alten Threads kann man sich an Informationen ruhig auch noch mal bedienen. Im Laufe der Jahre wurde schon viel gesammelt. :)
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Klecks am 23. Dezember 2013, 16:47:55
Diese Liste mit den Definitionen ist wirklich eine tolle Idee. Von so vielen verschiedenen Sub-Genres schwirrt mir armem Klecks nämlich schon ganz der Kopf.  :hatschi:

Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Fianna am 23. Dezember 2013, 16:49:52
Heroic Fantasy ist eher ein überalterter Genrebegriff.
Im deutschen wird es gerne mit Sword&Sorcery gleichgesetzt.

Im englischsprachigen Raum werden damit Bücher umschrieben (früher), die wirklich klassische Helden als Mittelpunkt hatten. Also von niedriger Geburt bzw. von verheimlichter adeliger Geburt.
Karen Millers "Königsmörder" schien mir da reinzupassen, aber ich habe es erst zu einem Drittel gelesen.

Die Vielschichtigkeit von Helden (Held mit Schwächen) oder ihren Gegnern (nicht nur böse) wird auf einigen englischen Blogs als Revival/moderne Heroic Fantasy gefeiert.
Dabei ist diese Graustufigkeit seit mehr als 30 Jahren eines der hervorstechendsten Merkmale der Sword&Sorcery.
Genannt wurde teilweise sogar Martin, der für mich in alle möglichen Schubladen passt, aber definitiv keine Heroic Fantasy schreibt.

Für mich hat Heroic Fantasy durchaus klare Gut-Böse-Strukturen, obwohl die Figuren durchaus dreidimensional sein können. Und damit ist es eher in Richtung der High Fantasy als der Low Fantasy (und Martin hat da doppelt nichts verloren).


Aber Subgenre sind ja schwierig zu fassen, und im Prinzip entscheidet da die Mehrheit, was die "Wahrheit" ist.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Fianna am 23. Dezember 2013, 16:56:34
Harry Potter ist für mich übrigens Contemporary Fantasy - die Welt, wie wir sie kennen, wird mit magischen Elementen durchbrochen.
Bei Harry ist das Ganze eine geheime Welt, von der nur wenige Kenntnis haben; die andere Art Contemporary hat durch das allgemeine Wissen um Magie und durch die magischen Fähigkeiten der Menschen zu einer veränderten Geschichtsschreibung geführt.
Bestes Beispiel in meinen Augen ist dafür Jonathan Strouds "Bartimäus".

~~~

Contemporary fehlt auf der Liste hier, wenn ich mich recht entsinne.
Ebenso wie Steamfantasy (Gaslicht-Fantasy) und Steampunk, 2 ähnliche Genre, die - zumindest vor 2-3 Jahren - noch von Bloggern unterschieden wurden.
Ich hab die Entwicklung aber nicht verfolgt und weiss daher nicht, ob man die Genretrennung inzwischen aufgegeben hat.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Christopher am 23. Dezember 2013, 17:01:10
Da die Grenzen zwischen High und Low was das Inhaltliche Story etc. recht fließend sind, hatte ich die Unterscheidungsmerkmale eher beim Ausmaß des Weltenbaus gesucht.

Low-Fantasy:
Entweder Adaption der realen Welt, mit Fantasyelementen (darum Potter) oder Bildung einer recht "realistischen" eigenen Welt, die aber mit sehr wenig Zauberei, fremden Kreaturen usw. auskommt.

High-Fantasy:
Eigene Welt ist denke ich ein bestimmendes Merkmal. Zur Abgrenzung von der Low-Fantasy dazu sehr viele/starke fantastische Elemente wie Magie, fremde Kreaturen usw.

Die Grenzen sind da natürlich immer noch schwer zu ziehen, aber zumindest die oberen und unteren Drittel sind relativ einfach zu klassifizieren denke ich ;)

Die ganzen Subgenres hingegen, beziehen sich alle auf den INHALT also die tragenden Elemente der Story, wie der Charakter des Helden, der Ablauf der Geschichte und die Darstellung eben jener. Natürlich gibt es ein paar Subgenres die nicht in beide Sparten passen. Urbanfantasy wird man kaum in eine High-Fantasy Sparte packen können.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Fianna am 23. Dezember 2013, 17:09:01
Da die Grenzen zwischen High und Low was das Inhaltliche Story etc. recht fließend sind, hatte ich die Unterscheidungsmerkmale eher beim Ausmaß des Weltenbaus gesucht.
Das ist eine offensichtliche Unterscheidung, die viele treffen, aber eher falsch.
Naja, so genau kann man das nicht sagen. Sie sind ja nicht (stark genug) Bestandteil der literaturwissenschaftlichen Forschung, also kommt da das Mehrheitsprinzip zum Tragen.
Vielleicht sind also diejenigen, die es nach dem Konflikt bestimmen, irgendwann komische Leute, die alles falsch machen, weil die Mehrheit es einfach an der Welt festmachen.

Für mich persönlich ist diese Unterscheidung "falsch", weil man damit Bücher nicht immer anständig einsortieren kann - geht man nach Konflikt, klappts immer.

Zitat
Low-Fantasy:
Entweder Adaption der realen Welt, mit Fantasyelementen (darum Potter) oder Bildung einer recht "realistischen" eigenen Welt, die aber mit sehr wenig Zauberei, fremden Kreaturen usw. auskommt.
Das hört sich in vielen Aussagen so ausschliesslich an; wir haben auch Magie, einen Drachen Zwerg oder Elben oder Dämon.
Es klingt manchmal so (bei Dir jetzt grade nicht, aber an anderer Stelle in diesem Thread) als wäre das blosse Auftreten eines solchen Wesens/Elements ein Ausschluss aus der Schublade "Low Fantasy".
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Christopher am 23. Dezember 2013, 17:27:11
Nene, so meinte ich das nicht. Es ist kein absolutes Ausschlusskriterium. Auch da sind die Grenzen fließend und können nicht klar gezogen werden. Nur finde ich zwischen Potter und Tolkien besteht doch ein so himmelweiter Unterschied, was das Ausmaß der Fantasyelemente und Weltenbau angeht, dass man da schon unterscheiden kann.

Bei Abercrombie würde mir das schon schwerer fallen ihn einzusortieren, da komplett eigene Welt aber relativ wenige "klassische" Fantasyelemente wie Magie, bzw. diese nicht SO tragend sind.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 23. Dezember 2013, 17:33:03
Ui, so viele Meinungen schon! Da bin ich ja mal gespannt, ob wir auf einen halbwegs akzeptablen gemeinsamen Nenner kommen. ;D

Danke auch für die Links, da acker ich mich dann mal durch. Ich habe zwar die Suchfunktion genutzt, aber offensichtlich zu eng umgrenzt.

Die fehlenden Punkte habe ich oben in der Liste schon ergänzt. Was ist denn aber der Unterschied zwischen Urban und Contemporary Fantasy? Ich dachte, urban ist hier und jetzt, unsere Welt mit Magie, die sich so heimlich um die Muggle Realität drumrum schmuggelt. Das würde ich mit Contemporary auch verbinden.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Klecks am 23. Dezember 2013, 18:06:26
Das frage ich mich auch schon lange, Pandorah.  :hmmm:

"Contemporary" bedeutet ja "zeitgenössisch", "urban" so viel wie "städtisch". Insofern ist meine Theorie, dass es innerhalb der Contemporary Fantasy - also Fantasy, die in unserer Zeit spielt - einen "Urban Fantasy"-Aspekt geben kann, wenn die Geschichte zum Beispiel extrem von den Gegebenheiten, Möglichkeiten und Unmöglichkeiten einer Großstadt, sowie der Lebensstile und Umgebungen der dort lebenden Personen bzw. Jugendlichen getragen wird. Ein Beispiel für Urban Fantasy, das trotzdem auch Contemporary ist, wäre die City of Bones-Reihe von Cassandra Clare, die in New York City spielt. Soweit ich weiß, wurde diese Reihe hier und auch in Amerika als Urban Fantasy und als Young Adult beworben. Contemporary, also in unserer Zeit spielend, trifft trotzdem auch auf die Bücher zu. Vorausgesetzt, die Begriffe sind tatsächlich wörtlich zu verstehen. Ich bin Laie, was das betrifft, es sind also reine Mutmaßungen, die mir jedoch logisch erscheinen.

Vermutlich stecken also innerhalb der Contemporary Fantasy nochmal Subgenres, unter anderem Urban Fantasy, sowie einige weitere. Das wäre die einzige logische Erklärung, die mir einfällt. Natürlich kann das "urban" auch einen anderen Begriff meinen, aber die Bedeutung des Wortes ist eigentlich eindeutig. Es kommt nunmal immer auch darauf an, was diejenigen, die Genrebezeichnungen neu einführen, mit dem jeweiligen Begriff sagen wollen.

Und jetzt raucht mir noch mehr der Kopf.  :d'oh:
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Witch am 23. Dezember 2013, 18:29:53
Was ist denn aber der Unterschied zwischen Urban und Contemporary Fantasy? Ich dachte, urban ist hier und jetzt, unsere Welt mit Magie, die sich so heimlich um die Muggle Realität drumrum schmuggelt. Das würde ich mit Contemporary auch verbinden.

Es spielt beides in unserer Welt.

Das Hauptmerkmal der Urban Fantasy ist wie der Name schon sagt (urban=städtisch), dass es in der Stadt spielt und diese auch wesentlich miteinfliesst. Gute Beispiele dafür sind "Heaven" von Christoph Marzi oder die "Engelsblut", "Engelsjagd" von Andrea Gunschera. Die Protagonisten leben in der (real existierenden) Stadt, die im besten Fall auch ausschweifend gezeigt wird (muss aber nicht).

Contemporary spielt meines Wissens vor allem in der Gegenwart, in der Magie vorkommt. Im Gegensatz zu Urban dürfen es hier auch ländliche Gegenden sein. Ausserdem, da bin ich jetzt aber nicht ganz sicher, meinte ich, dass da oft noch gesellschaftskritische und sozialpolitische Themen miteingeflochten werden.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Witch am 23. Dezember 2013, 18:40:32
"Contemporary" bedeutet ja "zeitgenössisch", "urban" so viel wie "städtisch". Insofern ist meine Theorie, dass es innerhalb der Contemporary Fantasy - also Fantasy, die in unserer Zeit spielt - einen "Urban Fantasy"-Aspekt geben kann, wenn die Geschichte zum Beispiel extrem von den Gegebenheiten, Möglichkeiten und Unmöglichkeiten einer Großstadt, sowie der Lebensstile und Umgebungen der dort lebenden Personen bzw. Jugendlichen getragen wird. Ein Beispiel für Urban Fantasy, das trotzdem auch Contemporary ist, wäre die City of Bones-Reihe von Cassandra Clare, die in New York City spielt. Soweit ich weiß, wurde diese Reihe hier und auch in Amerika als Urban Fantasy und als Young Adult beworben. Contemporary, also in unserer Zeit spielend, trifft trotzdem auch auf die Bücher zu. Vorausgesetzt, die Begriffe sind tatsächlich wörtlich zu verstehen. Ich bin Laie, was das betrifft, es sind also reine Mutmaßungen, die mir jedoch logisch erscheinen.

Der Begriff Young Adult bezeichnet aber etwas völlig anderes, nämlich das Teenagerleben mit erster Liebe, Schulproblemen usw. ;) Es ist auch für jüngere Leser gedacht, die nicht mehr ganz Kinder aber auch noch nicht völlig erwachsen sind. Dass es da Mischformen gibt, ist klar. City Of Bones ist beides, weil die typischen YA (Abkürzung für Young Adult) Themen darin enthalten sind, ebenso wie die typischen Merkmale der Urban Fantasy.

Da ich gerade bei den verschwimmenden Grenzen bin, Nachtrag zum Thema Horror: John Ajvide Lindqvist z.B. schreibt Bücher, die zwar Merkmale der Urban wie auch Contemporary Fantasy aufweisen, allerdings eher im Horror angesiedelt sind. Dies weil der Horror-Aspekt überwiegt. Allerdings verwendet er zum Beispiel keine Splatter (=Mord & Totschlag, Blut, körperliche Brutalität)-Elemente.

Guillermo del Toro ("Die Saat", ausserdem Film-Regisseur) macht übrigens etwas ähnliches, ich habe irgendwo einmal die Bezeichnung Urban Horror gelesen. Es trägt dieselben Merkmale wie Urban Fantasy, nur eben mit dieser gewissen Härte und diesem verstörenden, psychologischen Aspekt, der den Horror ausmacht.

Sorry für den Doppelpost.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Klecks am 23. Dezember 2013, 18:49:19
Ach wie schön, dann hatte ich sogar Recht! Das freut mich, sonst liege ich bei Genres nämlich immer voll daneben.  ;D

Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Rynn am 23. Dezember 2013, 18:56:03
Der Begriff Young Adult bezeichnet aber etwas völlig anderes, nämlich das Teenagerleben mit erster Liebe, Schulproblemen usw. ;) Es ist auch für jüngere Leser gedacht, die nicht mehr ganz Kinder aber auch noch nicht völlig erwachsen sind. Dass es da Mischformen gibt, ist klar. City Of Bones ist beides, weil die typischen YA (Abkürzung für Young Adult) Themen darin enthalten sind, ebenso wie die typischen Merkmale der Urban Fantasy.
So ganz stimmt das nicht. City of Bones ist keine "Genremischform", weil YA kein Genre ist. Young Adult ist die Zielgruppe, und Urban Fantasy bezeichnet das Genre. Das sollte man nicht durcheinander werfen. :)

Young Adult handelt oft von erster Liebe und Schulproblemen, aber nicht immer. Denn Young Adult sagt erst einmal nichts anderes als: "Dieses Buch ist für junge Erwachsene etwa im Alter 12 bis 18 geschrieben." (Da gibt es dann manchmal auch noch die Trennung "Lower YA" für 12 bis 15/16 und Upper YA für 15/16 bis 18). Ob die jugendlichen Leser dann Urban Fantasy oder einen Contemporary-Roman lesen, hängt wieder vom Genre ab. ;) Wenn du einen Plot dann also als "Teenagerleben mit erster Liebe und Schulproblemen" bezeichnest, wäre das dann entsprechend Young Adult Contemporary Fiction, genauso hast Young Adult Sci Fi, Young Adult Urban Fantasy oder Young Adult Dystopia usw.

Edit, der Vollständigkeit halber:
Was bei uns "Kinderbuch" heißt, heißt in den USA übrigens "Middle Grade Fiction": also Bücher für Kinder von 8 bis 12. In den USA wird die Literatur für Kinder und Jugendliche ziemlich strikt nach den Schulformen getrennt, Middle Grade für alle, die, logisch, auf die Middle School gehen, YA für alle, die auf die High School gehen.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Witch am 23. Dezember 2013, 19:14:26
Wieder was gelernt, danke Rynn.  :)
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Fianna am 23. Dezember 2013, 22:52:28
Aber dieses New Adult (dazu gibt es einen Nachbarthread, der vermutlich diesen hier inspiriert hat) hat doch enge Vorgaben, wie z.b. Uni/College-Umfeld, ernstere Themen, Romantik, Sex, KEINE Phantastik...
... damit wäre das doch eher Genre als Zielgruppe...
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Alana am 23. Dezember 2013, 23:02:58
@Fianna: Richtig. Im Moment ist New Adult ein Genre, Young Adult hingegen ist eine Zielgruppe.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Fianna am 23. Dezember 2013, 23:09:55
Dann muss Pandorah das auch noch editieren... Vermutlich bereut sie den Thread ^^

Wäre es nicht praktisch, die Subgenres in einzelnen Beiträgen zu erklären (darin kann man ja auf andere TiZi-Threads verlinken) und diese Beiträge wiederum im Einganfspost verlinken - vllt mit einem knackigen Satz davor?

Die Beiträge müsste nur ebenfalls Pandorah schreiben, dann kann sie editieren und die Definitionen aktualisieren oder Infos/Buchvorschläge ergänzen.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Alana am 23. Dezember 2013, 23:12:21
Na gut, da es hier nur um Fantasygenres geht, und es ja kleine Verlage gibt, die New Adult als Zielgruppe benutzen, kann man das schon lassen, vielleicht mit dem kurzen Verweis, dass es im allgemeinen Gebrauch im Moment eher als Genre gilt?

Vielleicht so:

Allgemein bezeichnet New Adult ein Genre, das nichts mit Fantasy zu tun hat. Manche kleineren Verlage nutzen "New Adult" aber als Zielgruppenbezeichnung für Romane aller Fantasy-Genres, die sich an die Zielgruppe der 18 bis 25-jährigen richtet. Diese Romane enthalten meist eine Prise Erotik, die durchaus etwas expliziter sein darf.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 23. Dezember 2013, 23:22:25
Vermutlich bereut sie den Thread ^^

Nee, das tut sie nicht. :rofl: Aber es wird umfangreicher, als ich gedacht habe. *g*

Einzelne Threads zu den Subgenres fände ich zum Diskutieren zwar schon hilfreich, aber dann sollte man die Definition, auf die wir uns in vielen Kompromissen einigen, schon hier posten, damit es schön auf einem Fleck ist und man wirklich durch alles durchlesen kann. Gerne kann ich zusätzlich zu dem entsprechenden Unterthread linken. Ich weiß aber nicht, ob das nicht sehr unschön das Board hier flutet, wenn wir mit einem Schlag 20 Threads eröffnen. Da geht ja alles andere unter.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Christopher am 23. Dezember 2013, 23:24:06
Naja, es müsste ja nur für die Dinge ein Thread eröffnet werden, wo ernsthafter Diskussionsbedarf besteht.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 23. Dezember 2013, 23:31:26
Und welche sind das? Die Zielgruppen sind ja recht fest definiert, aber der Rest scheint mir doch die Meinungen zu teilen. :)
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Christopher am 23. Dezember 2013, 23:33:09
Da der Thread bisher gesammelt für alle nur 2 Seiten hat, sehe ich noch keinen großen Diskussionsbedarf :P  Aber vielleicht kommt das ja noch sobald wir das ganze etwas erweitern.

Achja, eine Frage noch die vorher vielleicht geklärt werden sollte:

Wollen wir Definitionen für das Verständnis des Genres, also, dass man wenn man buch eines bestimmten Genres in die Hand nimmt weiss, worum es geht...
...oder wollen wir die bei Verlagen gängigen Definitionen, also quasi ein Nachschlagewerk für das einkategorisieren des eigenen Werks damit man es Verlagen besser anbieten kann?
Die beiden Dinge könnten durchaus abweichen.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 23. Dezember 2013, 23:44:14
Da der Thread bisher gesammelt für alle nur 2 Seiten hat, sehe ich noch keinen großen Diskussionsbedarf :P  Aber vielleicht kommt das ja noch sobald wir das ganze etwas erweitern.

*g* Ich hatte das eher so gesehen, dass der Thread noch keine 24 Stunden alt ist und schon zwei Seiten hat. Aber vielleicht mache ich mir auch mal wieder zu früh einen Kopf, das kann ich gut.


Wollen wir Definitionen für das Verständnis des Genres, also, dass man wenn man buch eines bestimmten Genres in die Hand nimmt weiss, worum es geht...
...oder wollen wir die bei Verlagen gängigen Definitionen, also quasi ein Nachschlagewerk für das einkategorisieren des eigenen Werks damit man es Verlagen besser anbieten kann?
Ich dachte an letzteres. Denn das ist doch das, was man als einsendungswilliger Schreiber eher braucht.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Christopher am 24. Dezember 2013, 00:02:06
In dem Fall halte ich mich dann lieber raus. Da wäre es besser, wenn die erfahrenen Leute hier was dazu sagen. Den einen oder anderen Verlagsmenschen habe wir ja sogar auch hier :)
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Romy am 24. Dezember 2013, 01:44:25
Nee, das tut sie nicht. :rofl: Aber es wird umfangreicher, als ich gedacht habe. *g*

Einzelne Threads zu den Subgenres fände ich zum Diskutieren zwar schon hilfreich, aber dann sollte man die Definition, auf die wir uns in vielen Kompromissen einigen, schon hier posten, damit es schön auf einem Fleck ist und man wirklich durch alles durchlesen kann. Gerne kann ich zusätzlich zu dem entsprechenden Unterthread linken. Ich weiß aber nicht, ob das nicht sehr unschön das Board hier flutet, wenn wir mit einem Schlag 20 Threads eröffnen. Da geht ja alles andere unter.
Brauchen wir auch gar nicht, denn zu vielen (Sub-)Genres haben wir ja schon Threads, die man nur mal wiederbeleben müsste. Bloß nicht für jedes Thema einen neuen Thread eröffnen.  :bittebittebitte:

Eine Link-Übersicht, über die schon vorhandenen Threads, hatte ich schon damals in dem anderen Fantasygenres-Thread, dessen Link Nadine gepostet hatte, gemacht. Ich gebe ihn auch gerne noch mal: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,8092.0.html

Um mich selbst zu zitieren:
Historische Fantasy: http://forum.tintenzirkel.de/index.php?topic=2484.0
Urban Fantasy: http://forum.tintenzirkel.de/index.php?topic=2596.0
Dark Fantasy: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,4130.msg107253.html#msg107253
Unterschied Fantasy/Phantastik: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,916.msg17502.html#msg17502
Steampunk/Steamfantasy: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,5274.msg143394.html#msg143394
Fantasykrimi: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,2823.0.html (falls man das als Untergenre dazu zählen will)
Und dann natürlich die Dystopie-Threads, die wir in jüngerer Zeit erst hatten:
http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,7667.0.html
http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,7719.0.html

Der hier könnte noch interessant sein:
Fantasy oder Mystery: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,1232.msg24702.html#msg24702

Epische Fantasy oder Sword and Sorcery:
http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,706.msg13331.html#msg13331
Wobei ich eben beim Überfliegen den Thread nicht sooo rasend aussagekräftig fand ...
Aber vor einigen Monaten hatte Lomax auf meine Nachfrage in der Schreibquasselbar mal sehr ausführlich die Unterschiede von Sword & Sorcers, Heroic und Low Fantasy auseinandergesetzt und ich hatte mir das damals gelinkt, weil ich es von ihm echt gut erklärt fand und schon damals fand, dass die Erklärung eigentlich zu schade ist, um einfach so in einem Quasselthread unterzugehen: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,2806.msg197820.html#msg197820

Auch sonst steht in dem Fantasy-Genre-Thread schon viel Schlaues drin, vor allem noch mal zu Sword & Sorcery, Heroic und Low, was mir selbst auch nach wie vor Schwierigkeiten bereitet. ::)
Aber wie auch immer, man muss ja nicht jedes Mal von Null anfangen zu diskutieren. ;)


EDIT:
Und der Vollständigkeit halber, bevor wir uns in einem Monat nicht mehr daran erinnern, die beiden neuen Genre-Threads, die wir seit kurzem haben:

Grim & Gritty: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,13699.0.html
New Adult: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,13755.0.html
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Fianna am 24. Dezember 2013, 08:49:55
Wieso Threads?
Ich hab doch nur gesagt Beiträge, nicht Forenthemen.

In DIESEM Thread würde jemand, idealerweise Pandorah, zu jedemSubgenre etwas schreiben - für jedes Subgenre ein neues Post - und dann im Eingangsbeitrag verlinken.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Rynn am 24. Dezember 2013, 09:55:03
Aber dieses New Adult (dazu gibt es einen Nachbarthread, der vermutlich diesen hier inspiriert hat) hat doch enge Vorgaben, wie z.b. Uni/College-Umfeld, ernstere Themen, Romantik, Sex, KEINE Phantastik...
... damit wäre das doch eher Genre als Zielgruppe...
Auch wenn Alana das schon beantwortet hat, noch mal von mir als Ergänzung – genau zu diesem Punkt hatte ich schon etwas im New-Adult-Thread geschrieben. :) Deshalb hab ich das hier nicht mehr wiederholt, hätte ich vielleicht noch mal einfügen sollen:

Wenn man es genau nimmt, bezeichnet New Adult (als Ableitung von Young Adult) ja eine Zielgruppe und kein Genre – tatsächlich hat sich die Zielgruppenbezeichnung "New Adult" aber als Genrename etabliert.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 24. Dezember 2013, 10:42:39
Romy, du bist ein Schatz. :knuddel: Danke für die Links. Ich mache mich dann gleich mal dran, das kann aber dauern. Wenn ich dann durch bin, melde ich mich hier unten wieder und ihr dürft alles in der Luft zerreißen, was ich im Eingangspost geschrieben haben. ;D

@Fianna
Ich hab dich falsch verstanden. Sorry. Irgendwie ist mein Kopf bei Threads hängen geblieben.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Steffi am 24. Dezember 2013, 10:55:12
Und ganz kurz mein Senf zu Steampunk und Steamfantasy ;)

Der Unterschied liegt meines Wissens nach bei der Gewichtung des technischen Aspektes. Steampunk legt größeren Wert darauf, den technischen Teil, also alles, was mit Dampf zu tun hat, zu zelebrieren und auch zu erklären, wie z.B. der Computer mit Dampfbetrieb läuft ;-)  Steamfantasy benutzt zwar ebenfalls diese Elemente (also z.B. Gadgets, die der Zeit weit voraus sind oder den allgemeinen "Look"), bemüht sich aber nicht, die technischen Hintergründe zu erläutern. Und hat wahrscheinlich öfters noch Vampire, Werwölfe und dergleichen dabei. Es sind quasi die "viktorianischen" Gegenstücke zu Science Fiction und Science Fantasy.

Als Gaslight-Fantasy würde ich wiederum Bücher bezeichnen, die zwar grundsätzlich im auslaufenden 19. Jahrhundert angesiedelt sind, aber den technischen Aspekt komplett ignorieren, also ohne fortschrittliche Gadgets auskommen sondern sich ganz auf die Atmosphäre der Zeit konzentrieren.

Der Vollständigkeit halber möchte ich dann auch noch gerne die Genres Dieselpunk und Teslapunk erwähnen, obwohl ich nicht weiß, wie weit vertreten diese Genres in der Literatur sind. Teslapunk legt stärkeren Wert auf die Macht der Elektrizität (ich würde es spontan als das einordnen, was dem Steampunk folgt, also vielleicht so in der edwardianischen Epoche?). Dieselpunk beschäftigt sich mit den Epochen der 30er und 40er (ungefähr), ein gutes Beispiel hierfür ist meines Erachtens der erste Captain America Film.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 24. Dezember 2013, 11:37:33
Tausend Dank an alle, die hier so fleißig mitdiskutieren! :knuddel:

Ich habe mir jetzt ein Projekt in Scrivener angelegt, wo ich übersichtlich für jedes (Sub)Genre eine eigene Seite habe. Woah, ganz schön viel, ein wenig furchteinflößend. Das wird schon etwas Zeit in Anspruch nehmen und ist keine Sache von einem halben Tag. Aber ich sitze dran!
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Fianna am 24. Dezember 2013, 15:30:48
Zu Low Fantasy & Sword&Sorcery wollte ich schon länger nochmal die englischen Internetseiten ausgraben... Könnte ich ja mal machen.

Bei S&S (das weiss ich schon und habs vorher nur unterschlagen) ist auch das Frauenthema wichtig.
In den ersten Büchern spielen Frauen nur eine untergeordnete Rolle und die ersten starken Frauen sind ziemlich verdreht: die eine schläft nur mit einem Mann, der sie im Kampf besiegt hat, die andere wird vergewaltigt, tötet den Mann und bricht dann zusammen, weil sie ihn ja eigentlich liebt. Bei letzterer Heldin steht meine Überprüfung der Szene noch aus, ich war von den Beschreibungen auch nicht so scharf drauf, das Buch zu besorgen. (Gibts natürlich nur noch antiquarisch.)

Dann kamen zu Beginn der 1980er die ersten starken Frauen, zentral wird diese Sache in Jennifer Robersons Sworddancer-Reihe behandelt.
Auch Marion Zimmer Bradley mit der bereits erwähnten Anthologiereihe hatte starke oder stark/stärker werdende Frauen als wichtiges Thema.
Allerdings wurde die S&S dann auch von der amerikanischen Feministenbewegung (die sowieso in den 1990ern komplett einen an der Klatsche hatten) instrumentalisiert bzw. es wurde der Versuch unternommen.
MZB bekam Hassbriefe, weil sie auch Stories von männlichen Autoren in der Antho aufnahm.usw.

In Deutschland hat sich Sword&Sorcery als Begriff nie durchgesetzt, auf der LBM kann damit kein Verleger was anfangen - ausser dass sie vllt denken, es müsste so wie Conan sein.
Ähems, nein.

Obwohl einige der ersten bzw. eindeutigsten S&S-Werke in deutschen Verlagen veröffentlicht wurden, wurde das Genre im Klappentext nicht näher benannt. (Ich schau zuhause mal.nach wie es bei den S&S-Helden der 1970er war).
Ich glaube z.b., die meisten Leser der Schwerttänzerreihe (vermutlich das populärste deutschsprachig erhältliche S&S-Werk) würden es als High Fantasy bezeichnen...

Generell habe ich den Eindruck, dass S&S-ähnliche Bücher nur gehen, wenn eine Frau Protagonist ist (Schade, Fia) vor allem aber, wenn man den zentralen Punkt mit dem Konflikt ignoriert und da noch so ein Land-Bedrohungs-Szenario (wenn nicht gar Reich- oder Kontinentsbedrohungsszenario) reinbringt, was das ganze technisch gesehen nicht mehr zu reiner S&S macht.

Nur Bücher auf der Trennlinie zwischen High Fantasy und S&S scheinen in Publikumsverlagen eine Chance zu haben.
Wobei Sprotte mit ihrem "Schmachten&Schlachten" evt auch was reissen könnte, da Liebesplot.

Grundsätzlich treiben sich die S&S-Schreiber aber in Kleinverlagen rum - Ruhm und Ehre ;) ist in Deutschland damit nicht zu holen.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Christopher am 24. Dezember 2013, 16:33:20
Ich glaube z.b., die meisten Leser der Schwerttänzerreihe (vermutlich das populärste deutschsprachig erhältliche S&S-Werk) würden es als High Fantasy bezeichnen...

So wie ich Highfantasy definiere, nämlich als übergeordnete Gruppe in denen es dann je nach Storyschwerpunkt dem einen oder anderen Subgrenze zuzuteilen ist...
...könnte es auch beides sein.

Diese ganzen Subgenres streng von "Highfantasy" abzutrennen finde ich einfach falsch. In dem Fall wäre wirklich nur HdR und ähnliches Highfantasy. Das trifft es aber in meinen Augen nicht.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Fianna am 24. Dezember 2013, 16:42:30
Wie schon erwähnt: es gibt bei High/Low Fantasy grundlegende Unterschiede, nämlich im Konflikt/Plot. Während die High Fantasy sich vor allem um den äusseren Konflikt und dessen Lösung kümmert (wobei in guten Büchern natürlich auch inbete Konflikte, Entwicklungen etc eine Rolle spielen), hat die Low Fantasy eine ganz andere Zielsetzung.

Ich halte nichts davon, alles gleich zu setzen. Die Zerstückelung in immer kleinere Subgenres mag man ja gerne kritisch betrachten, aber übergeordnete Genrebegriffe sind nunmal definitiv 2 Paar Schuhe.
Und High/Low Fantasy stehen in ihrer reinen Ausprägung sich diametral gegenüber, da kann man nichts gross gleichsetzen.

Als "normaler" Leser vielleicht, aber hier wird ja extra von der anderen Seite (literaturwissenschaftlich / marktrelevant) das Thema angegangen.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 25. Dezember 2013, 21:14:58
Ich habe im Eingangspost High und Low Fantasy zusammengefasst, sowie drei einführende Zitate vorgesetzt, die ich bezüglich des Einordnens eines Werkes in Schubladen für sehr aussagekräftig halte.

Edit: Contemporary und Urban Fantasy ergänzt (25.12.2013)
Edit 2: Dark Fantasy ergänzt (25.12.2013)
Edit 3: Dystopie und Fantasy Krimi ergänzt (27.12.2013)
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 27. Dezember 2013, 15:54:42
*stups* Ich bräuchte mal Meinungen zu den bisherigen Punkten. :)
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Fianna am 27. Dezember 2013, 16:25:55
Ich finde es schonmal sehr gut, habe aber einige Quengeleien zu dem Fantasy Krimi.

1. I.d.R. sind Fantasy-Krimis, nach meiner Erfahrung, mit einem anderen Genre verbunden. High Fantasy Krimi, Historical Fantasy Krimi, Dark Fantasy Krimi. Der Fantasy Krimi ist somit kein ganz eigenes Genre, weil er den meisten der Subgenres als nochmaliges kleineres Subgenre untergeordnet sein könnte - oder eben noch die Verankerung zu einem anderen Subgenre hat (je nachdem, wie man es sehen will - ich glaube, die meisten Leser kommen über das dazugehörige Subgenre zu dem Buch, das ist aber nur persönliche Meinung).

2. Es gibt von Thea einen extrem guten Thread zum Plotten eines Krimis, den sollte man verlinken. (Ich bin, wie fast immer, mit Handy online und kann den Link daher nicht angeben).

3. Als Beispiel für Historical Fantasy Krimi habe ich Kerstin Pfliegers "Die Alchimie der Unsterblichkeit" sowie die Fortsetzung "Der Krähenturm".

Als Beispiel für High Fantasy Krimi Angelika Diems "Der Baeldin-Mord" (TiZi-Roman) sowie Alexander Bállys Krimis um das Halblings-Mädvhen Lupina: "Eine Frage von Leben und Tod", "Für Licht und Vollkommenheit", "In Reinheit und Glauben".
Die Reihe "Drachengasse 13" von Bernd Perplies und Christian Humberg passt auch sehr gut, und trotz der riesigen erwachsenen Stammleserschaft sind es eigentlich (extrem gute) Kinderbücger.

Als Beispiele für Contemporary Fantasy die Harry-Dresden-Reihe von Jim Butcher.

Als Beispiele für Historical Dark Fantasy Krimi (??) die "Vampire Files" von P.N. Elrod - es spielt im Chicago der 1930er Jahre.


4. Dass (Neben-)Ermittler und Täter nicht identisch sein dürfen, ist ein Prinzip, das von den bekanntesten Krimi-Autoren gerne gebrochen wurde.
Bei den Fantasykrimis scheint es sich immer um Reihen zu handeln, da ist das natürlich ausgeschlossen. (Das Auftauchen eines neuen Nebenermittlers, der direkt als Täter verschwindet, ist nicht schön konstruiert.) Aber ein bekanntes Prinzip, dass erfolgreich gewesen ist, kategorisch auszuschliessen, halte ich für falsch.


5. Ebenso die Aussage, dass der Mord kein Unfall oder Selbstmord sein darf. In Krimis gibt es oft mehrere Todesfälle, und ein nicht erkannter Unfall/Todesfall kann einen zweiten (den eigentlichen Mord, der aufgeklärt wird) inspirieren. (Vermeintlicher Mord und Racheakt, herausgestellt als Unfall/Selbstmord und eigentlicher Mord).
Da müsste man also umformulieren, z.b. "Falls es nur einen Todesfall gibt, darf dieser nicht..."



Nein, ich bin kein Krimifan  :engel:
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 27. Dezember 2013, 16:57:56
Vielen Dank für dein schnelles Feedback! Ich freue mich, dass dir die Punkte bis dahin schon mal gefallen.

1. I.d.R. sind Fantasy-Krimis, nach meiner Erfahrung, mit einem anderen Genre verbunden. High Fantasy Krimi, Historical Fantasy Krimi, Dark Fantasy Krimi. Der Fantasy Krimi ist somit kein ganz eigenes Genre, weil er den meisten der Subgenres als nochmaliges kleineres Subgenre untergeordnet sein könnte - oder eben noch die Verankerung zu einem anderen Subgenre hat (je nachdem, wie man es sehen will - ich glaube, die meisten Leser kommen über das dazugehörige Subgenre zu dem Buch, das ist aber nur persönliche Meinung).

Aber das ist doch meistens der Fall. Wo findet man denn reine (Sub)Genre? Die meisten enthalten etwas von anderen Genres. Dafür ist es auch ein Subgenre.

2. Es gibt von Thea einen extrem guten Thread zum Plotten eines Krimis, den sollte man verlinken. (Ich bin, wie fast immer, mit Handy online und kann den Link daher nicht angeben).
Hups, danke, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast. Ist schon ergänzt. Das war geplant, ich habe es schlicht vergessen. Judiths schöner Beitrag ist ja aus dem Thread und auch entsprechend verlinkt.

4. Dass (Neben-)Ermittler und Täter nicht identisch sein dürfen, ist ein Prinzip, das von den bekanntesten Krimi-Autoren gerne gebrochen wurde.
Bei den Fantasykrimis scheint es sich immer um Reihen zu handeln, da ist das natürlich ausgeschlossen. (Das Auftauchen eines neuen Nebenermittlers, der direkt als Täter verschwindet, ist nicht schön konstruiert.) Aber ein bekanntes Prinzip, dass erfolgreich gewesen ist, kategorisch auszuschliessen, halte ich für falsch.
Ich bin kein Krimifan, ich habe zusammengesammelt. ;D Daher brauche ich ja auch Hilfe. Danke dir.

5. Ebenso die Aussage, dass der Mord kein Unfall oder Selbstmord sein darf. In Krimis gibt es oft mehrere Todesfälle, und ein nicht erkannter Unfall/Todesfall kann einen zweiten (den eigentlichen Mord, der aufgeklärt wird) inspirieren. (Vermeintlicher Mord und Racheakt, herausgestellt als Unfall/Selbstmord und eigentlicher Mord).
Da müsste man also umformulieren, z.b. "Falls es nur einen Todesfall gibt, darf dieser nicht..."

Okay, prima! :D Ich mach mich mal ans Umformulieren.

Nein, ich bin kein Krimifan  :engel:
Was ein Glück. :rofl:


Edit sagt: Krimi ist angepasst. :)
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Fianna am 27. Dezember 2013, 17:21:21
Nee, ich finde das ist ein Unterschied.
Dark Fantasy ist Dark Fantasy, Contemporary Contemporary...
... ein Fantasy Krimi ist gleichzeitig ebenfalls Dark Fantasy oder Contempirary oder was auch immer.


Eigentlich müsste man Krimi in Deiner Auflistung in eine Reihe stellen mit Entwicklungsroman, Liebesroman etc... weil das alles Arten sind, die IMMER auch einem der anderen Subgenres zufallen.

Deshalb wird der Liebesroman immer noch zu keinem komplett eigenen Genre, weil es z.b. bei Dark Fantasy eine (stark) erotische Komponente gibt, bei High Fantasy ist das glaube ich unüblicger... Da gibt es auch nicht "Liebesroman" so als Genre, Sondern High Fantasy Romance, Dark Fantasy Romance etc...
... ich finde, es ist dem Subgenre und dessen Genrekonventionen stärker verhaftet aks dem eigentlichen Liebesroman.

Und ebenso ist das mit Krimis, es gibt nicht DEN Fantasy Krimi... Das ist kein ebensolches Genre wie die anderen.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 27. Dezember 2013, 20:19:17
Wir haben auch Romantasy in der Liste. Auch hierbei gibt es noch die Zuordnung zu etwas anderem. Es kommt doch immer darauf an, wo der Schwerpunkt liegt. Ist der Schwerpunkt der Krimi? Oder die düstere Welt, in der er spielt? Auch ein Dark Fantasy Roman hat doch noch Subplots. Geht es mir um die Lovestory zwischen dem Mädel und dem Vampir? Oder eher darum, dass es überhaupt Vampire gibt?

Ich habe in die Liste komplett alles aufgenommen, was in diesem Thread hier genannt wurde. Unter Magischer Realismus kann ich mir aktuell ehrlich gesagt noch gar nichts vorstellen und habe auch keine einzige Notiz dazu.

Was würdest du denn vorschlagen? Noch eine Kategorie Subsubgenre? Halte ich für nicht wirklich förderlich. *g* Rausnehmen? Finde ich nicht gut. Immerhin unterscheidet sich der Fantasykrimi ein wenig wenig vom normalen Krimi. Gut, man könnte dann auch noch Fantasy Thriller einfügen, und weiß der Geier was.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Coppelia am 27. Dezember 2013, 20:38:03
Ich muss mal was zu dieser Definition fragen:
Zitat
- Da sich die High Fantasy an alten Epen (z.B. Gilgamesh) orientiert, gibt es häufig einen starken Konflikt zwischen den Kräften des Guten und denen des Bösen, Graustufen können jedoch vorhanden sein.

Im Gilgamesch-Epos geht es meines Wissens nach nicht um den Kampf zwischen Gut und Böse, und auch in den Epen des griechisch-römischen Kulturkreises nicht. Auf welche Epen bezieht sich die Definition? Nordische Mythologie? Das wäre vielleicht eher möglich. :hmmm:
Ich würde lieber die "alten Epen" weglassen, denn irgendwie werden sie ständig herangezogen, wenn es um Fantasy geht, aber die Berührungspunkte sind dann doch oft sehr gering.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 27. Dezember 2013, 20:59:31
Das Problem mit den ganzen Genren ist, dass sie sich alle selten auf ein Charakteristikum beschränken und somit vergleichbar wären.

High Fantasy ist in erster Linie etwas, das sich auf den Ort/die Welt bezieht und dafür muss diese Welt erfunden sein (oder Teile der Handlungsorte wie bei Alice hinter den Spiegeln) und in dieser Welt gibt es, eben weil es Fantasy ist, Magie -- und die wird auch aktiv eingesetzt. Dann gibt es noch viele andere Dinge, die in erster Linie von Tolkien stammen, sag ich mal, wie das Weltretten und die übernatürlichen Wesen. Im Grunde allerdings -- und das ist das Lustige -- steht HF in der Tradition alter Sagen und Mythen. Die typische Heldenreise mit der Queste kommt vom Gilgamesh-Epos.
Unter Sword&Sorcery verstehe ich Dinge wie Conan und würde das Genre als Spezialisierung der HF sehen; genauso die Heroic Fantasy (manche meinen, es wäre dasselbe; und die dt. Wikipedia führt die beiden Bezeichnungen auch als Synonym zur Low Fantasy). Ich lese oder schreibe nichts darin, deswegen kann ich nicht viel dazu sagen. Auf alle Fälle weiß ich aber, dass meine Jin&Lis keine S&S ist, wenngleich es ja um die beiden geht und nicht um Weltrettung.

Hier, da habe ich das her. Und wenn ich mir das jetzt noch mal durchlese, hab ich das vollkommen falsch in Zusammenhang gesetzt. Ja, HF orientiert sich an alten Epen, aber im Bezug auf die Heldenreise, nicht auf Gut und Böse.

Danke.



Zitat
High Fantasy
- Das prägendste Merkmal der High Fantasy ist ein epischer Plot, bei dem es um das Schicksal der Welt geht.
- Der Weltenbau ist sehr ausführlich und detailliert.
- Es herrschen viele und stark fantastische Elemente vor - Magie, Drachen, Trolle etc.
- Häufig gibt es einen starken Konflikt zwischen den Kräften des Guten und denen des Bösen, Graustufen können jedoch vorhanden sein.
- Da sich die High Fantasy an alten Epen (z.B. Gilgamesh) orientiert, finden sich oft Heldengruppen, die sich auf die Reise durch die Welt begeben, um diese zu retten.

So besser?
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Fianna am 27. Dezember 2013, 21:04:46
Romantasy ist immer noch was anderes, da sich das als eigenes Genre entwickelt hat mit dementsprechenden Verlagsvorgaben.
Niemand kann sich dagegen mit "Fantasy Krimi" bei einer Agentur bewerben, da das mit dem Werk verbundene Subgenre viel wichtiger ist.

Ich finde, abgesehen von den Buchbeispielen, hat der Fantasy-Krimi da gar nichts verloren als eigenes Genre.
Die Hinweise und Regeln sind dieselben wie in normalen Krimis, nur unvollständig.

Bzw. sogar teilweise unzutreffend. Die zwei Beispiele, die Du nanntest, kenne ich nicht, aber Magie spielt in den vielen Romanen, die ich nannte, auch nur eine untergeordnete Rolle.
Selbst Harry Dresden, der einzige Magier in den Gelben Seiten, sitzt nicht zu Hause und zaubert vor sich hin, sondern ist mit altmodischer Ermittlungsarbeit beschäftigt. Magie spielt eine untergeordnete Rolle. Keine Zauber verbinden einen Gegenstand mit seinem Besitzer oder schreiben den Namen des Schuldigen.
Es sind Krimis in einer magischen Welt, keine magischen Krimis in dem Sinne, wie die Absätze im Eingangspost vermuten lassen.

~~~~~

 Wenn Du es drin lassen möchtest, würde ich das gesondert auflisten, ganz unten, und noch andere Dinge wie "Entwicklungsroman" dazunehmen - Schlagworte, die man gegenüber einer Agentur oder einem Verlag im Zusammenhang mit dem Genre verwenden würde; die sind ja fast alle mit jedem Subgenre beliebig kombinierbar.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Coppelia am 27. Dezember 2013, 21:06:00
@ Epik

Ich glaube, für Gut-Böse ist nordische Mythologie ein heißer Tipp, aber da kenne ich mich in der entsprechenden Epik leider nicht aus.

Im Gilgamesch-Epos zieht Gilgamesch auf seiner Heldenreise allein herum. Und er rettet auch nicht die Welt. ;)

Ich würde sowas vorschlagen wie "High Fantasy benutzt Strukturmuster und Symbolik, die sich bereits in antiker Epik finden." Das wäre dann mehr eine Aussage darüber, dass diese Muster sehr alt sind. Allerdings benutzen extrem viele Geschichten diese Muster, nicht nur High Fantasy. Daher weiß ich nicht, ob es als spezielles Merkmal von High Fantasy gelten kann.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Fianna am 27. Dezember 2013, 21:08:51
Bei "antike Epik" hätte ich jetzt nicht an nordische Mythologie gedacht...
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 27. Dezember 2013, 21:23:02
Bzw. sogar teilweise unzutreffend. Die zwei Beispiele, die Du nanntest, kenne ich nicht, aber Magie spielt in den vielen Romanen, die ich nannte, auch nur eine untergeordnete Rolle.
Darf ich dann fragen, warum du sie überhaupt genannt hast? Es ging doch um Beispiele für Fantasy Krimis. Wie ich bereits sagte, ich lese keine Krimis. Und die zwei Bücher, die du nicht kanntest, hat jemand anderes genannt und sie als Fantasy Krimis deklariert.

Es sind Krimis in einer magischen Welt, keine magischen Krimis in dem Sinne, wie die Absätze im Eingangspost vermuten lassen.
Und Romantasy ist Romantik in einer magischen Welt und keine magische Romantik, die nur funktioniert, weil sie durch Magie hervorgerufen wird. Ich seh den Unterschied immer noch nicht. Der Punkt wurde als Wunschpunkt genannt, ich habe ihn in die Liste aufgenommen.

Hast du gegen einen weiteren Punkt der Liste etwas einzuwenden, bevor ich mir die Arbeit mache, die Threads durchzuwühlen und Definitionen zu finden? :) Dann denke ich nämlich erst mal drüber nach, ob er was in der Liste zu suchen hat. *g*


:versteck: Ich nehme die Epik raus. Dann ist der Punkt vom Tisch. Wovon es inspiriert wurde, ist letztendlich eigentlich egal.


Allerdings benutzen extrem viele Geschichten diese Muster, nicht nur High Fantasy. Daher weiß ich nicht, ob es als spezielles Merkmal von High Fantasy gelten kann.

Na ja, es kommt ja auch auf die Mischung an, oder? :) Immerhin enthalten auch extrem viele Geschichten Romantik, ohne Romantik gibt es jedoch keine Romantasy.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Fianna am 27. Dezember 2013, 22:23:19
Es sind Fantasy Krimis, deswegen habe ich sie genannt.
Der Abschnitt im Eingangsbeitrag las sich jedoch so, als würde bei Fantasy Krimis die Magie bei der Verbrechensaufklärung eine tragende Rolle spielen (da nannte ich Negativ-Beispiele zu Harry Dresden, dem magischsten Ermittler, den ich kenne) und das ist wie gesagt nicht der Fall - die beiden dort schon aufgeführten Beispiele kenne ich nicht, aber ich bezweifel es.


~~~

Eigentlich finde ich gut, dass Fantasy-Krimis aufgeführt sind, es gibt viel zu wenige.
Aber ich sehe sie nicht als eigenes Genre.

Mit anderen Romanarten (den Entwicklungsroman nannte ich ja schon, andere fallen mir nicht ein) passt es dagegen sehr gut in eine Reihe. Das sind wohl auch Schlagworte, die man - zusammen!! - mit dem Genre gegenüber Agenturen und Verlagen nennen sollte.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 27. Dezember 2013, 22:50:10
Der Abschnitt im Eingangsbeitrag las sich jedoch so, als würde bei Fantasy Krimis die Magie bei der Verbrechensaufklärung eine tragende Rolle spielen
Bist du so gut und zitierst mal den strittigen Satz? Ich glaube, wir reden aneinander vorbei. Ich habe geschrieben, dass im Gegensatz zu einem normalen Krimi im Fantasy Krimi per Magie gemordet und aufgeklärt werden darf - nicht muss. Worauf beziehst du dich?

Eigentlich finde ich gut, dass Fantasy-Krimis aufgeführt sind, es gibt viel zu wenige.
Aber ich sehe sie nicht als eigenes Genre.
Hm, da ich mir gerade unter einem Fantasy-Entwicklungsroman wenig vorstellen kann und du generell mit dem Fantasy-Krimi glücklich sein könntest (und sich niemand sonst diesbezüglich zu Wort meldet ;D ), könnten wir uns vielleicht darauf einigen, dass ich noch einen Satz hinzufüge. So was in der Art wie "Genau genommen stellt der Fantasy Krimi kein eigenes Genre dar, da er grundsätzlich immer mit einer anderen Kategorie kombiniert wird, zum Beispiel Urban Fantasy."
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Fianna am 27. Dezember 2013, 23:15:20
An dem Wort aufgeklärt. Das löst in mir falsche Vorstellungen aus.


Entwicklungsroman und so weiter ist mir auch nicht vertraut - aber ich will mich ja nicht bewerben.
Wer das tun will, kommt unweigerlich auf diesen Thread, und ich finde, diese Begriffe sind nicht unbedingt fehl am Platz - wenn man aber Krimis reinnimmt, schon ein Muss.


EDIT: Wieso diskutieren wir hier eigentlich zu zweit? :(
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Phea am 27. Dezember 2013, 23:53:48
Könnten wir das Thema evt. anpinnen? Ich finde es super, dass Pan sich solche Mühe dafür gibt. Außerdem ist es eine große Hilfe, wenn man sich beim Genre unsicher ist oder sich fragt, welches Genre das denn sein könnte.

Ich fände es schade, wenn der Thread einfach untergeht :(
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Judith am 28. Dezember 2013, 12:05:10
Also gerade Tolkien hat sich schon sehr stark an manchen Strukturen bzw. Elementen mittelalterlicher Heldenepik orientiert, allerdings weniger in dem Gut-Böse-Konflikt, sondern eher in Einzelheiten: der "verfluchte" Ring, die Art der Kämpfe, das Rätselraten von Bilbo und Gollum sowie die Begegnung zwischen Bilbo und Smaug (da sind ganze Gesprächsteile an eddische Lieder angelehnt), die Ankunft der Gefährten in Edoras, die sich so fast 1:1 im Beowulf wiederfindet, das neu geschmiedete Schwert, ....

Und solche einzelnen Elemente, die sowohl an mittelalterliche als auch an antike Heldenepik erinnern, findet man natürlich auch sonst in mancher, sehr "klassischer" High Fantasy: episch erhöhte Kämpfe (oft auch bedeutende Zweikämpfe), Questen, die erfüllt werden müssen, mythische Schwerter, Kreaturen (Drachen z.B.) gegen die gekämpft wird, etc.
Insofern würde ich schon behaupten, dass High Fantasy eine gewisse Nähe zur Heldenepik aufweist, aber gerade der Punkt "Gut gegen Böse" passt in dem Fall nicht so sehr (auch nicht für nordische Heldenepik - ein tatsächlicher Kampf von Gut gegen Böse findet sich nur in den wenigsten Liedern).
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 28. Dezember 2013, 12:13:50
@Fianna
Aber man klärt ein Verbrechen doch auf. Das ist einfach das Wort, das - in meinen Augen - dazu gehört. Gäbe es für dich eine Alternative?

@Phea
Würde mich natürlich freuen. ;) Vielleicht, wenn die Liste fertig ist.

@Fantasykrimi
Ich habe beim Fantasykrimi den Satz ergänzt: "Genau genommen stellt der Fantasy Krimi kein eigenes Genre dar, da er grundsätzlich immer mit einer anderen Kategorie kombiniert wird, zum Beispiel Urban Fantasy."

@Grim & Gritty
Grim&Gritty ist jetzt ausgeführt. Dazu habe ich gleichmal eine Frage, denn angesichts meiner Happy End Vorliebe lese ich auch das nicht. Die gebrochenen Charaktere sind aktuell nur in einem Stichpunkt erwähnt - geht es hier hauptsächlich darum, dass die Hauptfiguren gebrochen sind oder ist das egal und die Romane weisen einfach eine Großzahl an gebrochenen Charakteren auf?

@Judith
Was hieltest du davon: "High Fantasy orientiert sich stark an Strukturen und Elementen der mittelalterlichen Heldenepik, zum Beispiel verfluchte Artefakte, episch erhöhte Kämpfe, zu erfüllende Questen, klassische Kreaturen wie Drachen, etc."
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Judith am 28. Dezember 2013, 14:16:30
@Judith
Was hieltest du davon: "High Fantasy orientiert sich stark an Strukturen und Elementen der mittelalterlichen Heldenepik, zum Beispiel verfluchte Artefakte, episch erhöhte Kämpfe, zu erfüllende Questen, klassische Kreaturen wie Drachen, etc."
Ich würde vielleicht statt "stark" eher "manchmal" schreiben, da das zwar auf viele High Fantasy-Romane zutrifft, aber sicher nicht auf alle. High Fantasy geht oft in diese Richtung, aber nicht immer.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 28. Dezember 2013, 15:01:12
Dann mache ich doch schlicht 'oft' draus: "High Fantasy orientiert sich oft an Strukturen und Elementen ..." Das umfasst das "viele", aber nicht alle.
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 29. Dezember 2013, 14:19:23
Zitat
Heroic Fantasy
- Den Mittelpunkt von Heroic Fantasy bilden zumeist klassiche Helden von niedriger, beziehungsweise verheimlichter adeliger Geburt.
- Heroic Fantasy arbeitet viel mit den archetypischen Erscheinungsbildern. Dabei dürfen die Helden auch Schwächen und Graustufen aufweisen.
- Eine klare Gut-Böse-Struktur ist vorhanden.
- Der Fokus liegt auf den persönlichen und Action-orientierten Erlebnissen der Figuren.

Vertreter: Karen Miller (Königsmörder), Marion Zimmer Bradley (???), Jennifer Roberson (Schwerttänzer-Zyklus)

Mag jemand ein oder mehrere Bücher für MZB ergänzen? :)
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Phea am 29. Dezember 2013, 14:25:35
Ich bin mir nicht sicher, aber vielleicht die Elfen-Ritter Reihe von Bernhard Hennen?
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Sprotte am 29. Dezember 2013, 14:30:14
Robert E. Howard: Conan
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 29. Dezember 2013, 16:45:37
Danke, ihr beiden, ich trage es ein. :knuddel:
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 30. Dezember 2013, 18:18:46
Zitat
Historische Fantasy
- Historische Fantasy ist das für die Vergangenheit, was Contemporary Fantasy für die Gegenwart ist: eine bestimmte Zeitepoche oder eine alte Kultur bilden den Hintergrund für eine Fantasy-Geschichte.
- Oftmals werden Ereignisse der (realen) Geschichte im Licht von phantastischen Vorkommnissen gedeutet.
- Die Menge der phantastischen Elemente kann sehr stark variieren. Sie sollten so "zurechtgebogen" werden und/oder so dezent sein, dass entsprechend phantastische Ereignisse im "Rückblick" von unserer Zeit aus gesehen auf Aberglaube und Spinnerei geschoben werden können.
- Auch fiktive Welten, deren Setting klare historische Parallelen mit der unsrigen aufweisen und in denen fast keine Magie vorkommt (oder nur so schwach dosiert, dass man teilweise nicht einmal sagen kann, ob es nur Aberglaube ist), mit fiktiven Figuren (von denen sich manche weitgehend echten historischen Persönlichkeiten zuordnen lassen) fallen darunter.
- Wichtig ist, dass sich das Setting stark an der entsprechenden Epoche orientiert und entsprechend viel Recherche mit einfließt - wenn möglich sollten keine Anachronismen vorkommen.

Vertreter: Marion Zimmer Bradley (Die Nebel von Avalon), Guy Gavriel Kay (The Sarantine Mosaic, A Song for Arbonne, The Lions of Al-Rassan), J. Carey (Kushiel-Reihe), M. Heitz (Mächte des Feuers)

Diskussion zu historischer Fantasy (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,2484.0.html)

Beschwerden, Ergänzungen, Fehler zu finden?
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Romy am 30. Dezember 2013, 18:40:39
Was es unter Historischer Fantasy auch noch geben kann, sind Parallelwelten, die von der Geografie her so sind wie unsere Welt, aber wo irgendein Ereignis dafür gesorgt hat, dass der geschichtliche Verlauf sich anders entwickelt. (Solche Geschichten könnten in der Gegenwart und Zukunft spielen, aber halt auch in der Vergangenheit.)

Ob nun viele oder wenige fantastische Elemente vorkommen ist m.E. eigentlich nicht so entscheidend. Es kann auch historische Fantasy geben, wo es viele davon gibt und nicht alles auf den Aberglauben geschoben werden kann. Das ist vielleicht Ansichtssache, aber ich halte den Bezug zu unser realen Weltgeschichte für wichtiger, als die Menge der fantastischen Elemente.

Den Einleitungssatz finde ich übrigens ganz besonders treffend, der fasst das sehr schön zusammen!  :jau:
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 30. Dezember 2013, 18:46:31
Was es unter Historischer Fantasy auch noch geben kann, sind Parallelwelten, die von der Geografie her so sind wie unsere Welt, aber wo irgendein Ereignis dafür gesorgt hat, dass der geschichtliche Verlauf sich anders entwickelt. (Solche Geschichten könnten in der Gegenwart und Zukunft spielen, aber halt auch in der Vergangenheit.)
Ah, ich dachte, das fällt unter "Alternative Geschichte". Ich habe mir das nur rauskopiert, daher weiß ich nicht mehr, wer das gesagt hat, aber das Zitat lautete:
Zitat
Es gibt ja auch noch alternative Geschichte als Genre. Das ist dann ein historischer Roman, in dem die eigentlichen Handlungsverläufe verdreht werden. Zum Beispiel: Johanna von Orleans wird nicht auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dann kann man sich als Autor austoben, welche Auswirkungen das auf den weiteren historischen Verlauf haben könnte. Das muss auch nicht immer phantastisch sein, obwohl es natürlich komplett ausgedacht ist. Wenn keine Fantasy-Elemente vorkommen, sondern alles im Bereich des möglichen liegt, ist es keine Fantasy.

Ob nun viele oder wenige fantastische Elemente vorkommen ist m.E. eigentlich nicht so entscheidend. Es kann auch historische Fantasy geben, wo es viele davon gibt und nicht alles auf den Aberglauben geschoben werden kann. Das ist vielleicht Ansichtssache, aber ich halte den Bezug zu unser realen Weltgeschichte für wichtiger, als die Menge der fantastischen Elemente.
Das war das, was ich damit meinte: "Die Menge der phantastischen Elemente kann sehr stark variieren." Nicht deutlich genug?

Den Einleitungssatz finde ich übrigens ganz besonders treffend, der fasst das sehr schön zusammen!  :jau:
Danke! :vibes:
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Romy am 01. Januar 2014, 18:58:05
Ah, ich dachte, das fällt unter "Alternative Geschichte". Ich habe mir das nur rauskopiert, daher weiß ich nicht mehr, wer das gesagt hat, aber das Zitat lautete:

Zitat
Es gibt ja auch noch alternative Geschichte als Genre. Das ist dann ein historischer Roman, in dem die eigentlichen Handlungsverläufe verdreht werden. Zum Beispiel: Johanna von Orleans wird nicht auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dann kann man sich als Autor austoben, welche Auswirkungen das auf den weiteren historischen Verlauf haben könnte. Das muss auch nicht immer phantastisch sein, obwohl es natürlich komplett ausgedacht ist. Wenn keine Fantasy-Elemente vorkommen, sondern alles im Bereich des möglichen liegt, ist es keine Fantasy.
Bisher hatte ich sowas immer als Historische Fantasy betrachtet, aber alternative Geschichte trifft es natürlich auch ganz gut. ::)
Da bin ich jetzt leicht überfragt, ob man die alternative Geschichte als Unterart der Historischen Fantasy betrachten sollte. Ich meine, irgendwo mal sowas in der Art gelesen zu haben, weiß aber nicht mehr wo und vielleicht ist es auch einfach Ansichtssache?  :hmmm:


Zitat
Das war das, was ich damit meinte: "Die Menge der phantastischen Elemente kann sehr stark variieren." Nicht deutlich genug?
Diesen Einleitungssatz hatte ich jetzt glatt überlesen, weil danach ja noch kommt, dass alles mit dem Aberglauben erklärbar sein muss. Aber wenn es zuuu viele Fantasyelemente gibt, kann eben nicht alles mit dem Aberglauben erklärt werden. Das widerspricht sich dann etwas, wenn man genauer darüber nachdenkt. ::)
Titel: Re: Begriffsklärung: Unsere Schubladen (Subgenre)
Beitrag von: Pandorah am 01. Januar 2014, 19:21:00
und vielleicht ist es auch einfach Ansichtssache?  :hmmm:
Da habe ich ohnehin häufig das Gefühl, dass es das ist. :rofl:


Diesen Einleitungssatz hatte ich jetzt glatt überlesen, weil danach ja noch kommt, dass alles mit dem Aberglauben erklärbar sein muss. Aber wenn es zuuu viele Fantasyelemente gibt, kann eben nicht alles mit dem Aberglauben erklärt werden. Das widerspricht sich dann etwas, wenn man genauer darüber nachdenkt. ::)
Ich dachte eher, dass es von unserer Zukunft aus als Aberglaube oder Sage erklärbar sein muss. Also dass zum Beispiel die Artus-Saga als Sage und nicht als geschehene Geschichte für uns dasteht. Ich grübele noch mal über den Text nach.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenre: Unsere Schubladen
Beitrag von: Pandorah am 03. Januar 2014, 19:42:48
Zitat
Horror
- Horror umfasst alles, was sich auf grausige, verstörende Art dem menschlichen Verstand entzieht, zumeist in Form der Schilderung von übernatürlichen Ereignissen.
- Es geht darum, den Leser zu schockieren, in Angst zu versetzen und Gefühle wie Abscheu und Hass auszulösen.
- Hierfür wird der Leser mit Urängsten wie der vor der Dunkelheit, dem Tod, dem Unbekannten und dem Verlust von Kontrolle konfrontiert.
- In dem Genre kann es detailliert blutig, detailliert grausam, detailliert brutal zugehen (muss aber nicht).
- Laut Stephen King geht es um drei grundlegende Arten des Grauens:
— Schrecken: eine kurzfristige, schnelle Angst (Was lauert hinter der Tür?)
— Horror: eine lang anhaltende Angst vor dem Ungeheuerlichen, die sich nur langsam zeigt und schließlich eine mehr oder weniger feste Form annimmt (z.B. Frankensteins Monster von Shelley, Herzschlag wie in "Das verräterische Herz" von Poe)
— Ekel: Abscheu, Angst vor etwas Unappetitlichem (z. B. Ungeziefer, Schleim, Fäkalien, Folterungen, Perversionen, …)
- In jedem Horrorroman gibt es ein bis mehrere Monster, durch die der Schrecken entsteht und die metaphorisch für verschiedene Dinge stehen, sowie verschiedene Gestalten annehmen können:
— Werwolf: die animalische/dunkle Seite des Menschen
— Vampir: Kanibalismus
— ein "Ding": künstlich erschaffene Monster oder namenloses Grauen (gerne aus dem All)
— Gespenst: die Geister von Verstorbenen
— Doppelgänger: die böse Seite des Menschen
— Parasit: ernährt sich vom Körper/Geist des Wirts

Vertreter: John Ajvide Lindqvist, Stephen King


Historische Fantasy habe ich noch mal angepasst. So besser? Neues in Rot.

Zitat
Historische Fantasy
- Historische Fantasy ist das für die Vergangenheit, was Contemporary Fantasy für die Gegenwart ist: eine bestimmte Zeitepoche oder eine alte Kultur bilden den Hintergrund für eine Fantasy-Geschichte.
- Oftmals werden Ereignisse der (realen) Geschichte im Licht von phantastischen Vorkommnissen gedeutet.
- Die Menge der phantastischen Elemente kann sehr stark variieren. Sie sollten so "zurechtgebogen" werden und/oder so dezent sein, dass entsprechend phantastische Ereignisse im "Rückblick" von unserer Zeit aus gesehen auf Aberglaube und Spinnerei geschoben oder als Sagen/Mythen betrachtet werden können.
- Auch fiktive Welten, deren Setting klare historische Parallelen mit der unsrigen aufweisen und in denen fast keine Magie vorkommt (oder nur so schwach dosiert, dass man teilweise nicht einmal sagen kann, ob es nur Aberglaube ist), mit fiktiven Figuren (von denen sich manche weitgehend echten historischen Persönlichkeiten zuordnen lassen) fallen darunter.
- Wichtig ist, dass sich das Setting stark an der entsprechenden Epoche orientiert und entsprechend viel Recherche mit einfließt - wenn möglich sollten keine Anachronismen vorkommen.

Subgenre: Alternative Geschichte
- Hierbei handelt es sich um Romane, in denen die Geschichte einen anderen Verlauf nimmt, zum Beispiel: Johanna von Orleans wird nicht auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
- Auch wenn der "neue" Geschichtsverlauf vollständig auf der Phantasie des Schreibenden beruht, handelt es sich nur um Fantasy, wenn Fantasy-Elemente vorkommen.

Vertreter: Marion Zimmer Bradley (Die Nebel von Avalon), Guy Gavriel Kay (The Sarantine Mosaic, A Song for Arbonne, The Lions of Al-Rassan), J. Carey (Kushiel-Reihe), M. Heitz (Mächte des Feuers)

Diskussion zu historischer Fantasy (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,2484.0.html)
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenre: Unsere Schubladen
Beitrag von: Fianna am 03. Januar 2014, 19:58:43
Bei "Historische Fantasy" gehört dringend rein: Judith Tarr, "Die gläserne Insel" und "Der Herr der Zwei Länder".

Außerdem gibt es einige sehr historisch orientierte und gut recherchierte Romane, die nur vereinzelte phantastische Elemente haben, die vollkommen zeitgenössisch und passend sind (in "normalen" historischen Romanenen aber fehlen).
Dämonen, Wunder, Gotteskinder (Sylvian Hamilton "Der Knochenhändler", "Das Banner des Königs", "Die Rache der Engel"), göttliche Visionen und göttlich inspirierte Heilkräfte (Judith Merkle Riley "Die Stimme", "Die Vision", "Die Zauberquelle") oder einfach das Auftreten von Visionen und Dämonen ohne göttlichen Bezug (Judith Merkle Riley "Die Hexe von Paris").

Neben klassische historische Romane wie Tanja Kinkel, Rebecca Gable, Bernard Cornwell passen die nicht so gut ins Regal, daher würde ich sie auch in das Fach "Historische Fantasy" einordnen.

Das ist dann eben das andere Extrem (verglichen mit "Alternative Geschichte"), das irgendwie auch da reingehört.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Pandorah am 03. Januar 2014, 20:08:51
Danke dir, hab's ergänzt. :)
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Pandorah am 05. Januar 2014, 13:06:20
Zitat
Märchenroman
- Bei Märchenromanen handelt es sich im weitesten Sinne um märchenhafte Fantasy, modernisierte und/oder auf Märchen basierende Romane.
- Volksmärchen werden umgeschrieben oder Elemente und Themen aus diesen aufgegriffen.
- Ebenso werden neue Märchen erfunden, in denen Märchenaspekte (Aspekte des Wunderbaren und Unwirklichen) auftauchen.
- Figuren werden zumeist differenzierter und weniger schwarz-weiß dargestellt als in den Volksmärchen, dennoch ist Gut und Böse häufig scharf getrennt.
- Meist steht ein Helden im Mittelpunkt, der gegen böse Kräfte bestehen muss. Dieser ist oft ein Charakter, der auf den ersten Blick schwach erscheint, zum Beispiel ein Kind oder "der jüngste Sohn".
- Märchen weisen meist eine Handlungsstruktur mit archetypischen Figuren (Held, Antagonist, Torwächter, etc.) auf.
- Am Ende wird das Böse oft extrem bestraft (verbrennende Hexe), sowie das Gute extrem belohnt (Bauernsohn heiratet Prinzessin).
- Bei Märchen und Märchenromane sind Orts- und Zeitangaben oft äußerst ungenau oder fehlen ganz, zum Beispiel bei Star Wars: "Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie…"
- Die meisten Volksmärchen weisen ein Happy End auf, dies ist bei Märchenromanen nicht zwingend erforderlich.

Vertreter: Michael Ende (Die unendliche Geschichte), Angela Carter (Blaubarts Zimmer), Selma Lagerlöf (Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgerson mit den Wildgänsen)
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Cailyn am 08. Januar 2014, 16:41:23
Erst jetzt sehe ich diesen wundervollen Thread, Pandora  :pompom:
Vielen Dank für deine grosse Mühe. Ich hatte schon immer Probleme, diese Genres auseinanderzuhalten. Von daher bin ich echt froh, dass du das in Angriff genommen hast.

Übrigens noch eine Erweiterung für ein wirklich sehr gutes Beispiel im Genre Märchenroman (und einer meiner liebsten deutschen Autoren :wolke:): Hans Bemmann (Stein&Flöte, und das ist noch nicht alles, Trilogie "Die Verzauberten")
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Pandorah am 09. Januar 2014, 13:17:01
Hach, das freut mich! :knuddel: Und danke für die Ergänzung.

Ich habe aktuell nicht mehr so viel Zeit, da ich wieder fleißig am Brötchen verdienen bin, aber ich ergänze die anderne Genres auf jeden Fall noch. Spätestens am WE kommt das nächste nach.


Ich möchte noch mal darum bitten, wenn euch Fehler auffallen oder etwas unklar ist, dass ihr mich darauf aufmerksam macht. Ich sammel mir das alles auch nur so zusammen, wie ich es verstanden habe, nech?
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenre: Unsere Schubladen
Beitrag von: Witch am 09. Januar 2014, 13:28:48
Zitat
- In jedem Horrorroman gibt es ein bis mehrere Monster, durch die der Schrecken entsteht und die metaphorisch für verschiedene Dinge stehen, sowie verschiedene Gestalten annehmen können:
— Werwolf: die animalische/dunkle Seite des Menschen
— Vampir: Kanibalismus
— ein "Ding": künstlich erschaffene Monster oder namenloses Grauen (gerne aus dem All)
— Gespenst: die Geister von Verstorbenen
— Doppelgänger: die böse Seite des Menschen
— Parasit: ernährt sich vom Körper/Geist des Wirts

Diesen Passus würde ich irgendwie anders formulieren. Erst einmal fehlen da die Zombies (wandelnde Tote, in irgendwelcher Form, gibt ja verschiedene). Das "Monster" kann aber auch abstrakt sein, in dem Film "1408" ist es z.B. ein lebendiges Hotelzimmer. Ausserdem gibt es auch Horror, bei dem der Übeltäter ein Mensch ist, der anderen schreckliche Dinge antut.

Wurde die Mystery schon diskutiert? Meines Wissens eine Mischung aus Krimi und Horror, wobei aber der Krimi-Aspekt und nicht das Grauen im Vordergrund steht. Täter ist oft ein Mensch, muss aber nicht.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Pandorah am 09. Januar 2014, 14:09:34
Diesen Passus würde ich irgendwie anders formulieren. Erst einmal fehlen da die Zombies (wandelnde Tote, in irgendwelcher Form, gibt ja verschiedene).
Danke, wird ergänzt!

Das "Monster" kann aber auch abstrakt sein, in dem Film "1408" ist es z.B. ein lebendiges Hotelzimmer. Ausserdem gibt es auch Horror, bei dem der Übeltäter ein Mensch ist, der anderen schreckliche Dinge antut.
Hach, das hatte ich sogar in meinen Notizen, den "Ort des Bösen", aber irgendwie bei der Reinschrift vergessen. Danke dir!

Wurde die Mystery schon diskutiert? Meines Wissens eine Mischung aus Krimi und Horror, wobei aber der Krimi-Aspekt und nicht das Grauen im Vordergrund steht. Täter ist oft ein Mensch, muss aber nicht.
Ich bin gerade bei Ma (Märchenroman, dann magischer Realismus), als nächstes kommt My (Mystery). ;D Ich habe im ersten Post alle Punkte bereits gelistet, die noch drankommen, wenn du mal schauen magst, ob dir noch was fehlt.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Witch am 09. Januar 2014, 14:21:41
Ich habe im ersten Post alle Punkte bereits gelistet, die noch drankommen, wenn du mal schauen magst, ob dir noch was fehlt.

Aha, da ganz unten. Sorry, das habe ich übersehen. Alles gut. ;)
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Pandorah am 12. Januar 2014, 14:53:31
Bitte schön, der nächste Punkt. Also gerade die Subgenre, die ihren Ursprung in unserer Zeit haben, sind etwas verwirrend. *g*

Zitat
Magischer Realismus
- Hierbei handelt es sich um ein Genre, dessen Geschichten in unserer realen Welt verankert sind.
- Die magischen Mythen, Legenden und Rituale von Völkern werden als wirklich in unserer Welt begriffen und im Alltag integriert.
- Die Grenze zwischen Realität und Phantasie verschwimmen.
- Nach Alejo Carpentier herrscht dabei ein starker Unterschied zwischen den Industrienationen, die nach der Aufklärung keine Magie mehr in ihrem Leben haben (oder künstlich über Fantasy-Literatur erzeugen), und Lateinamerika, wo Mythen und Geisterglaube nach wie vor ein zentraler Besteandteil des Leben sind (und quasi natürlich bestehen).
- Es ist "die Einbettung des Wunderbaren in den Alltag".
- Die Menge der Magie kann kann je nach Autor stark variieren.

Vertreter: Miguel Ángel Asturias (Die Maismenschen)

Wikipedia-Artikel zum magischen Realismus (http://de.wikipedia.org/wiki/Magischer_Realismus)
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Phea am 12. Januar 2014, 15:01:16
Ich habe noch ein Vertreter dafür: Ric Riordan (Percy Jackson - Reihe)
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Pandorah am 12. Januar 2014, 15:12:04
Nee, der ist Contemporary/Urban Fantasy. Da ist die Magie nicht in den Alltag integriert als kleine magische Rituale, die zu guter Ernte und Co verhelfen sollen, das ist handfest Fantasy. :) Aber danke! :knuddel:
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Phea am 12. Januar 2014, 15:39:59
Hm ... Aber Mythologie und so ist da als Magie vorhanden. Deshalb dachte ich, das wäre eindeutig das  :rofl:
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Malinche am 12. Januar 2014, 16:04:23
Gabriel García Márquez gehört eindeutig auch zum Magischen Realismus. :)

[EDIT] Wir haben damals im Spanisch-Leistungskurs sehr ausführlich den Magischen Realismus - also vor allem den lateinamerikanischen - mit seinen Eigenschaften behandelt. Ich denke, in deiner Auflistung sind alle wesentlichen Punkte drin, Pandorah, aber wenn du magst, gucke ich im Februar - wenn ich wieder in Berlin bin und an meine alten Unterlagen komme - mal meinen Kram von damals durch, ob da noch was Interessantes zum Ergänzen dabei ist.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Pandorah am 12. Januar 2014, 16:39:17
Hm ... Aber Mythologie und so ist da als Magie vorhanden. Deshalb dachte ich, das wäre eindeutig das  :rofl:
Aber es ist nichts, was in unserer Welt so, wie sie ist, als "Magie" geschehen könnte. So habe ich das verstanden. Also die Wahrsagerin, die dir auf dem Jahrmarkt aus der Hand liest, die gehört in den magischen Realismus, auch wenn das Gesehen dann tatsächlich eintritt. Schwingt sie sich anschließend auf einen Besen und fliegt davon, ist es Fantasy.

@Malinche
Danke dir! Ja, bitte, mach das. Ich habe bis vor kurzem noch nicht mal gewusst, dass so was wie magischer Realismus als Genre existiert und ich gestehe, mein Wissen beruht ausschließlich auf dem verlinkten Wikipedia-Artikel.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Pandorah am 14. Januar 2014, 21:17:41
Bitte schön, HauntingWitch, hier hast du Mystery. ;D Jetzt darfst du loslegen und ergänzen und korrigieren. Alle anderen sind natürlich ebenfalls herzlich willkommen, um zu kommentieren.

Zitat
Mystery
- Mystery Geschichten spielen in unserer Welt, häufig sogar in "unserer", also der modernen Zeit.
- Ausgangspunkt sind okulte/übernatürliche Phänomene, die sich nicht mit Logik erklären lassen und denen auf den Grund gegangen wird.
- Bei Mystery handelt es sich um eine Mischung aus Krimi und Horror; der Krimi-Aspekt steht im Vordergrund.
- Das Grauen ist im Vergleich zu Horror wesentlich weniger präsent und nicht grundsätzlich böse.
- Insgesamt ist dieses Genre eher grau und zwiespältig, es gibt keine scharf geschnittenen Grenzen von Schwarz und Weiß.
- Nicht alles, was übernatürlich erscheint, muss dabei auch echt sein; es kann ebenso in der Einbildung bestehen.
- Der Fokus liegt nicht auf den übernatürlichen Ereignissen, sondern auf dem von den Charakteren erlebten Grauen.
- Mystery zeichnet sich durch einen eher düsteren Stil aus, der auch Wert auf passende Bilder legt.

Vertreter: Christian Humberg (Gotham Noir)

Diskussion zu Mystery (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,1232.0.html)
Wikipedia-Artikel zu Mystery (http://de.wikipedia.org/wiki/Mystery)
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Fianna am 15. Januar 2014, 16:34:38
Bei Mystery fällt mir als wichtigster/populärster Vertreter Akte X ein...
Das ist eigentlich eine Serie, aber es gab auch Bücher dazu.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Pandorah am 15. Januar 2014, 22:18:20
Stimmt, da gibt es auch Bücher zu. Ich habe nur an die Fernsehserie gedacht. Ich hab's ergänzt, danke dir. :)
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Klecks am 15. Januar 2014, 22:22:05
Pandorah, ich finde klasse, wie du diese Liste organisierst. Das wollte ich dir einfach mal sagen.  :vibes:
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Pandorah am 15. Januar 2014, 22:45:33
 :knuddel: Oh, das ist lieb von dir! Danke!
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Polarfuchs am 16. Januar 2014, 14:17:32
Danke für diese Zusammenstellung. Nach so etwas hab ich schon lange gesucht.
Von den meisten Subgenres hab ich noch nie gehört, aber das beweist mal wieder: Man lernt nie aus!
Jetzt weiß ich auch so in etwa in welche Schublade ich meine Geschichte einordnen kann.
Wirklich sehr hilfreich :)
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Pandorah am 17. Januar 2014, 11:30:00
Das freut mich! :D

Ich kannte bis auf "Magischer Realismus" alle Subgenres irgendwie, aber wusste bei den meisten nicht so recht, was wirklich darunter fällt. Bei einigen fällt mir die Zuordnung immer noch wahnsinnig schwer, was auch daran liegt, dass es viele Überschneidungen gibt und ich das Gefühl habe, dass ab einer gewissen Schnittmenge nur das Gefühl entscheidet, wo das Werk jetzt eher reinpasst - also eine verdammt subjektive Sache.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Pandorah am 17. Januar 2014, 13:48:15
Zu Hilf! Das hier habe ich für Paranormal Fantasy zusammengesammelt. Ich bin aber vollkommen verloren, weil ich den Unterschied zu Mystery nicht so richtig sehe. Ist es eher so, dass Mystery einfach stärker mit dem Krimi- und dem Horroraspekt spielt und weniger "wissenschaftlich" ist? ???

Zitat
Paranormal Fantasy
- Die Geschichten dieses Genres spielen in unserer Welt, sind jedoch nicht an die moderne Zeit gebunden.
- Es geht um Phänomene, die nicht mit unseren normalen fünf Sinnen zu fassen sind, z. B. außersinnliche Wahrnehmung (Telepathie, Hellsehen, etc.), Psychokinese (Beeinflussen von elektronischen Geräten, Telekinese, etc.),  und außergewöhnliche menschlichen Erfahrungen (Nahtoderfahrung, außerkörperliche Reisen, etc.)
- Auch übersinnliche Erscheinungen fallen darunter, die man als "Begabter" sehen und zum Beispiel durch Energiemessungen nachweisen kann.
- Diese Kräfte sind theoretisch wissenschaftlich belegbar, beruhen jedoch auf Naturgesetze, die noch nicht entdeckt wurden.
- Zu beachten ist, dass der Begriff "Paranormal Romance" im Englischen nicht dasselbe bedeutet wie im Deutschen. Paranormal Romance entspricht der hiesigen Romantasy.


Zitat
Portal Fantasy
- Bei Portal Fantasy ist das entscheidende Merkmal, dass die Protagonisten durch ein Weltentor auf die eine oder andere Art in eine andere Welt gelangen.
- Wichtig dabei ist, dass es sich wirklich um eine andere Welt handelt und nicht um geheime Bereiche unserer Welt.
- Der Übergang kann freiwillig oder durch Unfall/Zufall geschehen.
- Hierbei handelt es sich hauptsächlich um einen Einstieg in eine Geschichte, deren eigentliches Genre sich dann erst offenbart.
- Es können auch mehrere Wechsel zwischen den beiden (oder mehreren) Welten stattfinden.

Vertreter: C. S. Lewis (Der König von Narnia, Prinz Kaspian von Narnia, Die Reise auf der Morgenröte, Der Silberne Sessel)
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Pandorah am 18. Januar 2014, 20:44:36
Zitat
Romantasy
- Zusammengesesetzt ist der Begriff aus "Romantic" und "Fantasy". Häufig wird auch die Langform Romantic Fantasy verwendet.
- Im englischsprachigen Raum existiert dieses Genre nicht; was in Deutschland darunter verstanden wird, bezeichnet man im Englischen als "Paranormal Romance".
- Der Schwerpunkt bei Romantasy liegt auf der Romantik, wobei die Menge an Romantik stark variieren kann.
- Romantasy kann Liebesszenen enthalten, muss aber nicht.
- Sehr häufig findet man die Romantasy verbunden mit Urban Fantasy.
- Eine Hälfte des Liebespaares ist so gut wie immer ein Fantasywesen (z.B. Engel, Vampir, Werwolf), der andere Part hat oft oder entdeckt während des Romans ebenfalls übersinnliche Fähigkeiten.

Vertreter: Stephenie Meyer (Bis(s)-Reihe), Nina Blazon (Faunblut)
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Pandorah am 19. Januar 2014, 14:53:16
Zitat
Science Fantasy
- Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich um eine Mischung aus Science Fiction und Fantasy.
- Science Fantasy nutzt die Elemente der Science Fiction - Raumschiffe, Roboter, Weltraumschlachten, etc. - und fügt dem noch eine mehr oder minder große Prise Magie hinzu.
- Während Science Fiction mit den realistischen wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten unserer Zukunft spielt, weitet die Science Fantasy das Spielfeld auch auf die unmöglichen Möglichkeiten aus.
- Ebenso wird gerne auf klassische Fantasy-Themen, -Völker und -Bilder zurückgegriffen, zum Beispiel Schwertkämpfe und Elfen.

Vertreter: George Lucas (Star Wars)

Ich suche immer noch jemand, der mal bei Paranormal Fantasy drüberschaut. :)

Zu Hilf! Das hier habe ich für Paranormal Fantasy zusammengesammelt. Ich bin aber vollkommen verloren, weil ich den Unterschied zu Mystery nicht so richtig sehe. Ist es eher so, dass Mystery einfach stärker mit dem Krimi- und dem Horroraspekt spielt und weniger "wissenschaftlich" ist? ???
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Entropy am 05. Dezember 2014, 14:52:39
Ich hätte noch eine kleine Übersicht über verschiedene Steamfantasy-Genres:

- Clockpunk - Die Technologie des Settings befindet sich auf dem Fortschritt einer westlichen Zivilisation im Mittelalter bis Spätmittelalter, manchmal auch in der Viktorianischen Ära.

- Candlepunk - Clockpunk mit weniger Technologie und einer dunkleren Atmosphäre.

- Decopunk - Die Ästhetik der 1920er bis 1950er steht im Mittelpunkt, sowie die Modernisierung der Technologie.

- Biopunk - Das Setting befindet sich in der nahen Zukunft, im  Mittelpunkt stehen genetisch manipulierte Menschen, Experimente mit Menschen und Veränderungen an der DNA .

- Cyberpunk - Das Setting hat Science-Fiction-Elemente, wie eine deutlich fortgeschrittene Technologie oder künstliche Intelligenz. Dennoch befindet sich das Setting in naher Zukunft.

- Dieselpunk - Die Technologie der Steampunk-Welt befindet sich auf dem Fortschritt zwischen I. und II. Weltkrieg.

- Elfpunk - Die Steampunk-Welt mischt sich mit High oder Urban Fantasy. Es gibt allerdings keine Werwölfe und Vampire.

- Sandalpunk - Das Setting ist in der Antike (z.B. Römer), es existieren jedoch fortschrittliche Technologien.

- Western Steampunk - Die Steampunk-Welt befindet sich im Wilden Westen oder wurde an diesen angelehnt.

- Steampunk - Das Setting ist im Viktorianischen Zeitalter oder Industriezeitalter der Westlichen Welt. Dampfbetriebene Technologie steht im Mittelpunkt.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Phea am 11. Oktober 2015, 21:03:51
Könnten wir dieses Thema irgendwo hin packen, wo es nicht unter geht? Ich greife gerne mal darauf zurück, um meine Projekte in Genres einsortieren zu können. Zum Beispiel gerade eben, als ich mein neues altes Projekt vorstellen wollte und nicht genau wusste, wo ich es einsortieren sollte.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Elona am 04. Januar 2016, 16:29:49
Ich habs auch nicht hier vermutet und deshalb auch nicht hier gesucht ...

Wenn die Frage auch schon etwas arg älter ist:
Zitat von: Pandorah
    Zu Hilf! Das hier habe ich für Paranormal Fantasy zusammengesammelt. Ich bin aber vollkommen verloren, weil ich den Unterschied zu Mystery nicht so richtig sehe. Ist es eher so, dass Mystery einfach stärker mit dem Krimi- und dem Horroraspekt spielt und weniger "wissenschaftlich" ist? ???
Mystery hätte ich so verstanden, dass es nicht durchsichtig ist, ob es nun übernatürrlich ist oder es eine rationale Erklärung dafür gibt.
Bei Paranormal gehe ich davon aus, dass keine wissenschaftliche Erklärung möglich ist. Es eben jenseits dessen liegt (auch wenn Auswirkungen davon gemessen werden können).
Von daher würde ich den Punkt:
Zitat von: Pandorah
- Diese Kräfte sind theoretisch wissenschaftlich belegbar, beruhen jedoch auf Naturgesetze, die noch nicht entdeckt wurden.
streichen.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Malinche am 05. Januar 2016, 19:59:52
Ja, es ist echt schade, dass der Thread so untergegangen ist über die Zeit, wir konferieren mal, wo man den hinpacken könnte. :)

[EDIT] So, Thema ab jetzt hier gepinnt, damit es nicht wieder versumpft. Ich denke, Input ist nach wie vor willkommen.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Trippelschritt am 06. Januar 2016, 07:22:00
Mit Mystik habe ich auch so meine Schwierigkeiten. Das mag aber daran liegen, dass Begriffe sich wandeln.
In der guten alten Zeit gab, den Siebzigern, es fast nur drei Genres: Science Fiction, Phantastik und Fantasy. Paranormal war lange ein SF-Thema. Jedenfalls wurden Romane dieser Art von Heyne und anderen Verlagen unter SF publiziert. Phantastik als eigenes Genre ist dann verschwunden, wurde aber gern noch als Oberbegriff genutzt. Utopie oder utopischer Roman verschwand ebenfalls, hatte ich den Eindruck. Vieles, was vorher als phantastische Geschichte lief, fand ich später unter Mystik wieder. Man könnte es aber auch genauso gut contemporary Fantasy nennen, einen begriff, den ich erst aus den letzten Jahren kenne. Überhaupt sind die meisten Genrenamen unterhalb der drei Hauptkategorien neueren Ursprungs. Über sie bin ich erst in den letzten zwanzig Jahren gestolpert.

Das ist aber alles nur mein Eindruck. Ich bin dieser Frage nicht systematisch nachgegangen. Vielleicht war es auch ganz anders. Sicher bin ich mir nur, dass die oft vom Marketing gesteuerten Genrebezeichnungen keine festen Definitionen haben und sich im Lauf der Zeit ändern.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Araluen am 06. Januar 2016, 13:50:03
Nicht gerade konstruktiv, ich weiß. Aber ich muss einfach mal sagen, dass ich gerade total von der Rolle bin, wie sehr sich das Steampunkgenre aufsplitten lässt  :hmhm?:
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Veldrys am 25. Februar 2016, 05:39:56
Neben  Grim&Gritty lese ich auch immer wieder Grimdark. Ob es dasselbe mit anderem Namen ist oder ob es einen Unterschied gibt, weiß ich jedoch nicht.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Fianna am 25. Februar 2016, 06:17:14
Sind das Selfpublisher oder wo findest Du so genaue Unterscheidungen angegeben?
Das finde ich grade sehr spitzfindig. Klingt nach "Ich wollte einen coolen Namen erfinden".

Siehst Du denn überhaupt einen Unterschied in zwei Werken, die in jeweils eine dieser Schublädchen zugeordnet sind?
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Evanesca Feuerblut am 25. Februar 2016, 16:27:08
Die Steampunk-Kategorien werden durchaus so gehandhabt, auch von Verlagen, aber eher im englisch- als im deutschsprachigen Raum. Im deutschsprachigen Raum - fragt mich bitte nicht, warum - veröffentlichen SP und Kleinverleger entsprechende Werke mit korrekter Unterbezeichung aus dem Steampunk-Spektrum. Die Großverlage dagegen nicht.
Für mich war z.B. Eoin Colfers "Der Quantenzauberer" eindeutig irgendwo im Steampunk-Spektrum zu verorten (z.B. aufgrund der Bauweise der Zeitmaschine), wurde aber bei Erscheinen des Romans vom Löwe-Verlag als Zeitreise-Fantasy vermarktet, der "Steampunk"-Verweis kam erst später dazu.
Mir sind auch "Teslapunk" (Die Technologien basieren auf Erfindungen von Nikola Tesla) und Solarpunk (wird auch bei Phantanews erwähnt, eine optimistisch-ökologische Zukunftsvision) bereits begegnet.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Denamio am 25. Februar 2016, 16:45:09
Neben  Grim&Gritty lese ich auch immer wieder Grimdark. Ob es dasselbe mit anderem Namen ist oder ob es einen Unterschied gibt, weiß ich jedoch nicht.

Gerade Grimdark hat für mich ein wenig eine abschätzige Färbung, von daher könnte ich mir vorstellen, dass hier eher auf Grim&Gritty ausgewichen wird. Aber letzteres habe ich zuvor noch nie gesehen, von daher. Zumal ja König Grimdark, Warhammer, auch als normales Fantasy bzw Sci-Fi gehandelt wird.

Die Steampunk-Kategorien werden durchaus so gehandhabt, auch von Verlagen, aber eher im englisch- als im deutschsprachigen Raum. Im deutschsprachigen Raum - fragt mich bitte nicht, warum - veröffentlichen SP und Kleinverleger entsprechende Werke mit korrekter Unterbezeichung aus dem Steampunk-Spektrum. Die Großverlage dagegen nicht.

Ich frage mich ob das hier ein ähnliches Phänomen ist. Punk ist hierzulande gefühlt auch eher anrüchig, zumal die ganzen xyz-Punk Genres eh ein wenig seltsam anmuten. Im Prinzip ist das ja "Technologieniveau+Punk". Punk beschreibt in dem Fall, dass es um eine oder mehrere Personen am unteren Spektrum der Gesellschaft geht, die gegen die unfühlende Maschine antreten. Aber wo es da anfängt und wo endet, ist mir nie ganz klar. Wenn es um einen Bauernaufstand gegen Ritter Klotzetot geht, ist das dann Medieval Punk?
Gehört jetzt Cyberpunk auch dazu oder ist das dann doch wieder sein eigenes Ding? Vor allem weil Cyberpunk ja eher eine Spielart von Film Noir ist, anstatt anarchofreundliches De-Establishment. Steampunk und Cyberpunk kann ich als Genres noch verstehen, weil etabliert, aber persönlich finde ich ja, das wir bei Solarpunk und Teslapunk ein wenig zur "einmaligen Schneeflocke" werden. Wurde das tatsächlich so im Katalog notiert, oder waren es einfach Marketing Klopfer?
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Ryadne am 25. Februar 2016, 17:07:47
Gehört jetzt Cyberpunk auch dazu oder ist das dann doch wieder sein eigenes Ding? Vor allem weil Cyberpunk ja eher eine Spielart von Film Noir ist, anstatt anarchofreundliches De-Establishment. Steampunk und Cyberpunk kann ich als Genres noch verstehen, weil etabliert, aber persönlich finde ich ja, das wir bei Solarpunk und Teslapunk ein wenig zur "einmaligen Schneeflocke" werden. Wurde das tatsächlich so im Katalog notiert, oder waren es einfach Marketing Klopfer?

Cyberpunk ist sozusagen der Startschuss für die "Punk"-Bewegungen gewesen und eigentlich finde ich den -punk-Nachsatz hier aufgrund der dystopischen Elemente noch am passensten. Auf die eine oder andere Art wird sich hier ja immer gegen Konzerne (=Establishment) gewehrt, Noir bietet häufig eher die passende Atmosphäre als den inhaltlichen Rahmen. Alles, was danach kam - Steampunk, Teslapunk, Stonepunk etc. pp.  - stützt sich auf die Cyberpunk-Bewegung, aber eher aus, wenn man so will "modischen" als inhaltlichen Gründen. (Trotzdem kann man auch in diesen Spielarten den Punk noch finden, wenn man ihn sucht, siehe z. B. http://neueabenteuer.com/punk-ohne-revolution-oder-was-hat-der-punk-im-steampunk-verloren/)

Was die Unterarten angeht, muss man einmal, wie schon angedeutet wurde, von der aktuellen Situation am deutschsprachigen Markt weggehen. Steampunk kommt hier gerade im Mainstream an, Cyberpunk erlebt eine Renaissance. Aber in der nigerianischen Science Fiction wird gerade beispielsweise Solarpunk als neues großes Underground-Ding gefeiert und in den USA ist das ohnehin ein relativ etabliertes Genre. Wenn man sich diese Subgenres mal genauer anschaut, merkt man auch, dass sie sich tatsächlich schwer unter bestehende fassen lassen. Cyberpunk ist beispielsweise eher dystopisch, Solarpunk utopisch und Steampunk romantisch.

Trotzdem ließe sich das eine oder andere auch einfach unter New Weird oder so fassen, zumal es für einige Subgenres nur eine Handvoll Werke gibt. Viele dieser Strömungen sind ja auch weniger Literaturgattungen als mehr avantgardistische Strömungen, die mal mehr, mal weniger populären Einzug in die Medien erhalten haben.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Evanesca Feuerblut am 25. Februar 2016, 18:11:30
Ich frage mich ob das hier ein ähnliches Phänomen ist. Punk ist hierzulande gefühlt auch eher anrüchig, zumal die ganzen xyz-Punk Genres eh ein wenig seltsam anmuten. Im Prinzip ist das ja "Technologieniveau+Punk". Punk beschreibt in dem Fall, dass es um eine oder mehrere Personen am unteren Spektrum der Gesellschaft geht, die gegen die unfühlende Maschine antreten. Aber wo es da anfängt und wo endet, ist mir nie ganz klar. Wenn es um einen Bauernaufstand gegen Ritter Klotzetot geht, ist das dann Medieval Punk?
Gehört jetzt Cyberpunk auch dazu oder ist das dann doch wieder sein eigenes Ding? Vor allem weil Cyberpunk ja eher eine Spielart von Film Noir ist, anstatt anarchofreundliches De-Establishment. Steampunk und Cyberpunk kann ich als Genres noch verstehen, weil etabliert, aber persönlich finde ich ja, das wir bei Solarpunk und Teslapunk ein wenig zur "einmaligen Schneeflocke" werden. Wurde das tatsächlich so im Katalog notiert, oder waren es einfach Marketing Klopfer?
Hm, es ist nur dann Medieval Punk, wenn das Ganze irgendwie... keine Ahnung, durch irgendeine Erfindung des Mittelalters ausgelöste Kultur- und Technikrevolution anders verläuft, als es in der tatsächlichen Historie der Fall war plus fantastische Elemente vorkommen, die es von "Alternative Historie" und historischem Roman abgrenzen. Würde ich jetzt jedenfalls so aus dem Ärmel geschüttelt definieren, glaube ich :).
Aber ja, damit könntest du Recht haben, dass sich das Ganze aufgrund des Begriffes "Punk" nur so langsam durchsetzt, mit dem Viele auch nicht wirklich etwas anfangen können oder mit dem man Jugendliche mit Irokesen assoziiert, keine dampfmaschinenbetriebenen Technologien oder salonfähige Literatur im Allgemeinen (wobei "salonfähig" auch wieder so eine Sache ist... *Fass wieder zumacht*)

Zu Teslapunk gehört die Phoenix-Reihe von Ann-Kathrin Karschnick, ansonsten findet Google irgendwie im deutschsprachigen Raum nur Spiele aus dem Genre...

Was die Unterarten angeht, muss man einmal, wie schon angedeutet wurde, von der aktuellen Situation am deutschsprachigen Markt weggehen. Steampunk kommt hier gerade im Mainstream an, Cyberpunk erlebt eine Renaissance. Aber in der nigerianischen Science Fiction wird gerade beispielsweise Solarpunk als neues großes Underground-Ding gefeiert und in den USA ist das ohnehin ein relativ etabliertes Genre. Wenn man sich diese Subgenres mal genauer anschaut, merkt man auch, dass sie sich tatsächlich schwer unter bestehende fassen lassen. Cyberpunk ist beispielsweise eher dystopisch, Solarpunk utopisch und Steampunk romantisch.
Stimmt. Im deutschsprachigen Raum scheint es da einfach SEHR verzögert zu gehen. Wobei es (vor allem kleine) Verlage gibt, die einige der Punk-Genres explizit in ihrem Programm führen bzw. annehmen würden. Oder unter einem anderen Namen listen.
Bei O'Connellpress heißt der Bereich für alle steampunkigen Dinge
"Steam & Diesel – die neue, industrialisierte Form der Fantasy. Dampfmaschinen, mechanische Kreaturen und verschrobene Wissenschaftler beherrschen eine Viktorianische Welt (alternativ auch eine Welt in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts), die anders verlaufen ist, als wir sie aus den Geschichtsbüchern kennen."
(siehe http://oconnellpress.de/manuskripte/, ganz unten)

Steampunk gehört also auf alle Fälle auf die Liste, bei den kleineren und noch wenig bekannten Genres könnte man sich noch darüber streichen bzw. warten, bis sie etablierter werden und sich stärker abgrenzen als "Was mit Strom" oder so :)
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Ryadne am 26. Februar 2016, 15:20:29
Wobei es (vor allem kleine) Verlage gibt, die einige der Punk-Genres explizit in ihrem Programm führen bzw. annehmen würden. Oder unter einem anderen Namen listen.

Szene-Verlage benennen die Subgenres ja generell viel expliziter, nicht nur, wenn es um die "Punk-Genres" geht. Publikumsverlage unterteilen eben in Fantasy, Krimi, Satire, Phantastikverlage in Dark Fantasy, Dystopie, Steampunk und Clockpunk oder so. Ein größerer Verlag mit weniger spezialisierterem Publikum könnte seine Kundschaft mit solchen Begriffen nicht erreichen, bevor sie nicht - wie jetzt im Falle von Dystopie oder langsam auch Steampunk - einen gewissen Hypestatus erreicht haben. Da sie weniger auf die englischsprachigen Entwicklungen angewiesen sind, können sie außerdem Subgenres bedienen, die im englischsprachigen Raum gerade nicht so angeboten werden.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Trippelschritt am 13. März 2016, 11:54:55
Ich kann mit dieser Diskussion im Augenblick wenig anfangen, weil ich den Eindruck habe, als wäre Steampunk und die daraus resultierende allgemein anerkannte Genrebegriffe. Nur wenn man das akzeptiert, kann man sich über eine unterschiedliches Verhalten von Groß- und Kleinverlagen wundern. Ich möchte diese Annahme ganz klar in Frage stellen. Sicherheitshalber habe ich Punk noch einmal in Wiki nachgelesen.
Punkt ist eine Jugenkulturerscheinung und in Deutschland mal grade 25 Jahre alt (+ - 5). Lebensgefühl (Trash), Mode und Musik sind in der Punkform einigermaßen akzeptiert, auch wenn man einwenden kann, dass es eine flüchtige Erscheinung ist. Von den Mods spricht heute auch kaum noch einer und die Rockerszene hat sich völlig gewandelt.
Punk in der Literatur als Genrebegriff ist noch neuer und hat, je enger er gefasst wird, immer weniger inhaltliche Bedeutung. Für mich versuchen viel zu viele Leute mit viel zu vielen neuen Begriffen viel zu viel persönliches Marketing zu machen. Das kann jeder machen, wie er möchte, aber Fakten geschaffen hat bisher kaum jemand damit. Noch ist es bei einer allgemeinen und daher wenig hilfreichen Verwirrung geblieben. Kein wunder, dass da die großen Verlage nicht mitziehen.

Selfpublisher können alles machen, was ihnen hilft, sich und ihre Geschichten zu vermarkten. Das ist legitim. Aber es muss für mich kein Maßstab sein. Konsistenz und Dauer sehe ich da noch nicht.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Ryadne am 13. März 2016, 13:02:45
Ich kann mit dieser Diskussion im Augenblick wenig anfangen, weil ich den Eindruck habe, als wäre Steampunk und die daraus resultierende allgemein anerkannte Genrebegriffe. Nur wenn man das akzeptiert, kann man sich über eine unterschiedliches Verhalten von Groß- und Kleinverlagen wundern. Ich möchte diese Annahme ganz klar in Frage stellen. Sicherheitshalber habe ich Punk noch einmal in Wiki nachgelesen.
Punkt ist eine Jugenkulturerscheinung und in Deutschland mal grade 25 Jahre alt (+ - 5). Lebensgefühl (Trash), Mode und Musik sind in der Punkform einigermaßen akzeptiert, auch wenn man einwenden kann, dass es eine flüchtige Erscheinung ist. Von den Mods spricht heute auch kaum noch einer und die Rockerszene hat sich völlig gewandelt.
Punk in der Literatur als Genrebegriff ist noch neuer und hat, je enger er gefasst wird, immer weniger inhaltliche Bedeutung. Für mich versuchen viel zu viele Leute mit viel zu vielen neuen Begriffen viel zu viel persönliches Marketing zu machen. Das kann jeder machen, wie er möchte, aber Fakten geschaffen hat bisher kaum jemand damit. Noch ist es bei einer allgemeinen und daher wenig hilfreichen Verwirrung geblieben. Kein wunder, dass da die großen Verlage nicht mitziehen.

Ich glaube, du suchst an der falschen Stelle. Cyberpunk, Steampunk etc. haben mit der Szene bzw. Subkultur Punk nichts zu tun und Punk wird auch nicht als Überbegriff gebraucht.
In der wissenschaftlichen Literatur sind die Subgenres aber durchaus als solche anerkannt, siehe z. B. "Cyberanthropology" von Alexander Knorr. Dennoch schreibt auch er, dass sich hinter vielen der Begriffe eher Modewörter verbergen, die nicht dieselbe Szene hervorbringen wie Cyberpunk, Steampunk und inzwischen vielleicht auch noch Solarpunk. Allerdings galt das vor nicht langer Zeit auch noch für Grim&Gritty. Letztlich alles eine Frage des Trends und des Zeitgeists ;)
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Denamio am 13. März 2016, 14:22:55
Ich glaube, du suchst an der falschen Stelle. Cyberpunk, Steampunk etc. haben mit der Szene bzw. Subkultur Punk nichts zu tun und Punk wird auch nicht als Überbegriff gebraucht.

Ja und nein. Sowohl Cyber wie auch Steampunk sind nicht nur literarische Genres sondern auch Subkulturen mit einer eigenen Bildsprache und Dresscode (Cyberpunk - Neonstil oder Cybergothic wären da beispielsweise Spielarten) - die zumindest im Fall von Cyberpunk tatsächlich sehr stark mit Punk verbunden ist. Auch in der Literatur findet sich diese Bildsprache, man braucht sich nur diverse Cover ansehen. Beispiel: Shadowrun 2nd edition Cover oder die diversen Varianten von Neuromancer, die entweder "irgendwas mit Technik" sind oder eben frontal Punk. Mehr Punk geht nicht. Vom Punk kommt auch die "Attitude" gegenüber Institutionen und ein Hang zur Anarchie.
Und so jung ist speziell Cyberpunk jetzt auch nicht, der Begriff kam etwa um 1980 auf. Aber ja, es wäre ein Trugschluß zu sagen, dass Punk der Oberbegriff ist - aber Szene und Inspiration? Definitiv.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Ryadne am 13. März 2016, 19:35:59
Sowohl Cyber wie auch Steampunk sind nicht nur literarische Genres sondern auch Subkulturen mit einer eigenen Bildsprache und Dresscode (Cyberpunk - Neonstil oder Cybergothic wären da beispielsweise Spielarten) - die zumindest im Fall von Cyberpunk tatsächlich sehr stark mit Punk verbunden ist.

Da hast du natürlich recht (wenngleich ich im Falle von Cyberpunk von einer Szene reden würde, nicht von einer Subkultur); dass diese Genres "nichts" mit Punk zu tun haben, stimmt insofern nicht, allerdings habe ich ja auch schon vorher geschrieben, dass durchaus eine atmosphärische Verwandtschaft besteht. Ein Teil der Inspiration liegt auch im Punk oder Gothic als Weiterentwicklungen dessen. Irgendwo habe ich mal gelesen, Cyberpunk verstehe sich als Gegenentwurf zur militaristisch-uniformen Science Fiction der 1970er Jahre und -punk sei da zur Demonstration des "Anti-Gedankens" gebraucht worden (war wahrscheinlich auch in dem Knorr-Buch, zugegebenermaßen meine Bibel auf dem Gebiet). Trotzdem sehe ich keine "direkte" Verbindung in dem Sinne, dass Cyberpunk die Literatur der Punks wäre oder so etwas. Daher verstehe ich den Rückgriff auf den Punk-Wikiartikel nicht so richtig.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Trippelschritt am 14. März 2016, 14:38:41
Wenn Cyberpunk nur eine Szene ist und noch nicht einmal eine assoziative Verbindung zu einer Subkultur schafft, dann wäre sie ja noch flüchtiger, als ich es ohnehin schon betont habe. Punk ist ein eingeführter Begriff und trotzdem ist fraglich, ob er Bestand haben wird. Steampunkt oder all die anderen Begriffsneuschöpfungen sind noch jünger und docken an dieser ersten Begriffschöpfung an. Deshalb der Rückblick auf Wiki. Würde das nicht zutreffen, hätte es eine völlige Neudeutung dieses Begriffes gegeben, was eine aussagekraft immer schwächt, weil sie gegen alte Bedeutung ankämpfen muss. (Manchmal klappt das allerdings auch. Beispiel "geil".)
Ich möchte auch nicht bestreiten, dass es Leute gibt, die mit diesen Begriffen arbeiten. Ich habe es nur gefragt, wer sie ernst nimmt und wie weit sie ernst genommen werden müssen, denn darum geht es in der Diskussion in diesem thread. Dass sie in der Wissenschaft Verwendung finden, ist für mich kein starkes Argument, weil es dort Tradition hat, einen Begriff zu erfinden. Es gibt dort Begriffsmodewellen wie überall sonst auch. Die frage ist, in wie weit er sich in der jeweiligen Disziplin auch als Arbeitsbegriff durchgesetzt hat und den Status von einfachem Labelling überwudnen hat.
Eine zweite Quelle, oder ein zweiter Anwendungsbereich dieser Begriffe ist das Buchmarketing und dort wird es nicht durchgängig eingesetzt. Das war ja der Streitpunkt, auf den ich mich bezog. Während es in der Wissenschaft um Erkenntnisgewinn geht, geht es im Buchhandel um Nützlichkeit, was etwas ganz anderes ist, und wo ebenfalls die Grenzen schwimmen.

So! Und zwischen all dem steht nun ein Autor und fragt sich, wie er darauf reagieren soll. Meine Meinung ist: Gar nicht. Er soll warten, bis sich der Staub gelegt hat und lieber Geschichten schreiben. Wenn er aber als Self Publisher sich einen Verkaufsvorteil davon verspricht, kann er es ja ruhig ausprobieren, aber Begriffe schaffen nicht so einfach und so leicht Wirklichkeiten. Und das, so schien mir, war eine stillschweigende Annahme (underlying assumption) in der Diskussion, vor der ich gewarnt habe.

Sorry, wenn das vielleicht abgehoben klingt, weil ich die Diskussionstexte mal ananalysiert habe. Aber als Wissenschaftler kann ich da auch nicht aus meiner Haut.  ;D

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Denamio am 14. März 2016, 22:01:42
Ab wo ist ein Genre für dich dann etabliert genug? Cyberpunk hat:


Für Steampunk lässt sich eine ähnliche Liste schreiben. Also, was daran ist fraglich ob es Bestand haben wird? Der Begriff hat bald 40 Jahre auf dem Buckel und mit aufkommenden Konzepten wie Virtual Reality oder der Macht von Megakonzernen, die Nationen ersetzen, wird es eher noch relevanter. Also, nochmal - wo hat Cyberpunk da keine Wirklichkeiten geschaffen? Das zieht sich quer durch die Kultur.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Trippelschritt am 15. März 2016, 15:47:35
Vielleicht reden wir jetzt aneinander vorbei, Denamio. Cyberpunk entstand 1980 mit der Neuromancer Trilogie von Gibson. Dass mit einer völligen Veränderung der Computerwelt plötzlich völlig neue Inhalte auftraten, die irgendwie bezeichnet werden mussten, ist auch unbestritten. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass die entsprechende Terminologie überall in sich konsistent ist. Und meine Gegenposition ist, dass es spätetestens im Buchmarketing recht durcheinandergeht, was zu einem großen Teil auch daran liegt, dass Genres zu weit aufspezifiziert werden, was gerade bei Büchern, die ja nicht in engen Themenspalten geschrieben werden, wenig Sinn macht. In der Diskussion sind aber label als Fakten interpretiert worden, nach denen sich dann Autoren unter Umständen richten sollten. Ich bin aber der  Meinung, dass wir Autoren die Fakten mit unseren Geschichten schaffen und nicht durch Genrebezeichnungen.
Eine etwas ähnliche Entwicklung hat es auch ber der Selbstvermarktung von Übersetzungen gegeben, wo sich einzelne Übersetzer mit Bezeichnungen wie "aus dem mexikanischen Spanisch" übersetzt profilieren. Gegen die Profilierung habe ich nichts. Da bin ich pragmatisch. Wenn es auf dem Markt nutzt, sol man es tun. Ob es dem Erkenntnisgewinn hilft, ist eine andere Sache. Und fakten als etablierte und gut abgegrenze Begriffe sind die Untergenres auf dem Büchermarkt für mich nicht.

Weiß nicht, jetzt klarer, wohin ich argumentiere?

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Denamio am 15. März 2016, 16:13:40
Weiß nicht, jetzt klarer, wohin ich argumentiere?

Liebe Grüße
Trippelschritt

Das stand nie in Frage. Ich stimme dem einfach nur nicht zu. Cyberpunk ist vielleicht in Deutschland nicht so stark etabliert wie in den USA oder Japan, aber es ist ein etabliertes Genre mit oft sehr typischen und klaren Stilelementen und Themen. Es ist eben kein Marketing-Gag, sondern doch tatsächlich groß genug, um als eigenständiges Genre zu zählen. Steampunk ist da ähnlich. Anders wäre es bei Ponypunk (letztens gesehen) oder Sci-Fi-Punk (hnnng), da würde ich dir zustimmen.

Aber wenn dich all die Beispiele oben von der Relevanz von Cyberpunk als Genre nicht überzeugen können, dann weiß ich nicht was sonst. Und das Genre für einen Schreiber kein Zwang sein sollte ist auch klar, war aber irgendwie auch nicht Diskussion.

/edit: Eventuell können wir das abkürzen als einfache Meinungsverschiedenheit, wo wir uns jeweils nicht überzeugen können. :)
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Trippelschritt am 16. März 2016, 11:51:00
Gerne, Denamio. Wir sind nach Deinem letzten Posting auch nicht mehr weit auseinander. Und die Zeiten, in denen es mir wichtig war, andere Leute von meiner Meinung zu überzeugen, sind lange vorbei. Aber es macht mir immer viel Freude, Deine Postings zu lesen. nicht nur in dieser Diskussion.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Zitkalasa am 03. April 2016, 07:11:55
Zitat
Während es in der Wissenschaft um Erkenntnisgewinn geht, geht es im Buchhandel um Nützlichkeit, was etwas ganz anderes ist, und wo ebenfalls die Grenzen schwimmen.

Was den Buchhandel angeht, so kennt der eh nur Science Fiction und Fantasy. Aber gerade mit dem Begriff Romantasy bspw. konnten in meiner Berufsschulklasse null Komma nix etwas mit anfangen. Was für mich komisch war, weil ich den Begriff durch den Zirkel völlig normal fand. :omn: Auch völlig unbekannt: High Fantasy, Grim & Gritty, etc. pp. Als ich den Thread damals für einen Vortrag genutzt habe, haben mich alle zumindest mit großen Augen angeguckt wie vielseitig "das" Genre Fantasy ist. (Und, ich glaube, die konnten auch nix mit dem Begriff Space Opera anfangen, erinnere mich aber nicht mehr, weil derjenige, der den SF-Vortrag machen sollte, krank war und den Vortrag nie nachgeholt hatte.)
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Cailyn am 04. April 2016, 14:27:18
Zu der Diskussion um xy-Punk muss ich mal sagen: Das ist definitiv keine Modemarotte. Das Genre hat ja auch schon eine ältere Geschichte. Jules Vernes und H.G. Welles haben ja auch schon Geschichten geschrieben, die zu diesem Genre gehören. Das Problem dabei ist, dass sich die Technologien weit verzetteln und dies dann wirkt, als käme immer was Neues. Aber das liegt ja nur in der Entwicklung der Zeit. Das auf Steam/Gas/Diesel etc.-Punk irgendwann Cyberpunk folgt, ist ja nur eine logische Entwicklung. Schade finde ich, dass man nicht mal eine klare Überkategorie als Begriff erstellt. z.B. Technopunk (da es um eine der vielen Technologien geht). Ok, das klingt nicht so schön, aber es könnte halt für das gesamte Genre stehen. In der Musik hat man ja auch in den Neunzigern von Techno, House, Deephouse, Trance etc. geredet. Heute gibt es den Überbegriff "elektronische Musik". Warum dies nicht auch bei den Punk-Genres? Es würde dem gesamten Genre mehr Zusammenhalt geben und nicht - wie bei Trippelschritt - den Eindruck erwecken, dass sich da hintereinander modemässig irgendwelche Genres auftun.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Trippelschritt am 06. April 2016, 08:11:54
Ich habe im Parallthread etwas Grundsätzliches zu Genres gepostet. Das muss ich hier jetzt nicht wiederholen. Hier geht es ja nur um Untergenres innerhalb der Fantasy und wie wichtig sie sind. Die bildung von Genres sind ein Versuch, Ordnung in eine unübersehbare Vielfalt von Themen zu bekommen. Zumindest hat es so einmal angefangen. Danamio hat darauf hingewiesen, dass das machmal auch mit Stilelementen verknüpft ist. Und es gibt keinen Oberguru, der die Aufsicht über diese Einteilungen hat. Da machen alle mit. Entweder läuft es Top Down, wenn eine Genre wie Liebesroman weiter aufgebröselt wird, oder es ist Bottom Up, wenn man neue Phänomene/Themen sammelt und Oberbegriffe dazu sucht. Ich denke, die entscheidende Frage ist, wer von diesen Einteilungen profitiert.
Da gibt es ganz verschiedene Gruppen. Literatruwissenschaftler, die einfach nur das Phänomen Literatur untersuchen wollen und dafür ein Ordnungsschema brauchen.
Autoren oder Agenten oder auch Veralge, wenn sie wissen wollen, wohin der Zeitgeist driftet, weil es sich immer lohnt der erste zu sein.
Marketingleute, die versuchen mit einem geschickten Labeling die Aufmerksamkeit auf ein Produkt zu lenken.

Die interessen der einzelnen Gruppen sind nichrt gleich und deshalb gibt es auch keine Genreeinteilung, die in sich widerspruchsfrei ist. Ist auch egal, solange sie funktioniert und seine Zwecke erfüllt.
Aber Genres sind ein Kunstprodukt und keine Realität. sie entstehen, wenn man etwas dadurch zu beschreiben versucht, dass man Kästchen bildet. Kästchen sind immer super, wenn es Unterschiede und Grenzen gibt. Kästchen versagen bei kontinierlichen Übergängen. Und in der Literatur haben wir beides. Wo es nicht funktioniert sprechen wir von Genremix.

Man muss daher meiner Meinung nach die Sache mit den Genres nicht verstehen müssen. Man kann sie nicht verstehen bei all den Widersprüchen. Aber solange sie Orientierung geben, kann man sie benutzen. Nur allzu wichtig nehmen sollte man sie nicht. Es gibt eine konkurrierende Beschreibung. die der Übergänge. Und ich vermute - da würde ich gern einmal die Meinung eines Literatruwissenschaftlers hören - , dass wahre, richtige, enrsthafte  ;) Literatur sich durch Thmeenübergänge hervortut, wohingegen Unterhaltungsliteratur Genre bevorzugt. sie wird ja auch oft als Genreliteratur bezeichnet. Das ist sicher nicht der einzige Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen und es hat auch wenig mit Qualität zu tun, aber wenn junge und unerfahrene Autoren anfangen sich zu fragen, ob sie auch wirklich in welches auch immer Untergnere passen. Dann stimmt etwas nicht. Sie sollte einfach eine gute Geschichte erzählen wollen.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Cailyn am 07. April 2016, 09:03:33
Sie sollte einfach eine gute Geschichte erzählen wollen.

Das finde ich auch!  :jau: Im Grunde darf man ja auch alles wild mixen, wenn man sich traut. Die gute Story und die Figuren sind letztendlich das, was zählt.

Allerdings gibt es halt noch den anderen Aspekt, und zwar wenn man ein Manuskript verkaufen und einem Verlag anpreisen möchte. Da macht es schon Sinn, wenn man sich der - wenn auch künstlich erzeugten - Genres und Subgenres bewusst ist. Wenn man etwas geschrieben hat, was da nicht reinpasst, dann ist es schon von Vorteil, wenn man weiss, dass man dieses und jenes Genre gemixt hat. Und auch generell, wenn das Genre klar einzuordnen ist, erwähnt man dies bei der Bewerbung des Manuskripts, damit man einer Agentur oder einem Verleger ein Bild davon geben kann, was das für ein Produkt ist. Und ich denke, letztlich entstehen deshalb auch Diskussionen über Genres und Subgenres wie hier.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Barra am 20. November 2017, 10:51:50
Eine Frage zu den Subgenre und Sub-Sub-Genre ;).

Im NaNo Bereich dies Jahr habe ich im Bibliothekskatalog einige schöne Kategorien gesehen, über Funtasy natürlich bis hin zu Dark Funtasy und auch das hier: "Dark Metal Romance". Leider schreibt dies Jahr wohl niemand (der sich dort hat einsortieren lassen) in diesem Bereich etwas. Also die Frage an alle: Was darf ich mir unter diesem Sub-Genre genau vorstellen?
Vielleicht hat ja von euch jemand auch ein Beispiel für mich. Meine eigenen Gedanken tendieren da grad in Richtung: Bandmitglied mit Nieten und Gitarre verknallt sich in Pink-Prinzessin, oder so was.
Wenn ich an den Film: "Ronal the barbarian" denke, dann könnte sogar das damit gemeint sein. Wer weiß. Aber zur Sicherheit, erklärt es mir doch bitte an dieser Stelle noch mal.
Barra
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Dämmerungshexe am 20. November 2017, 13:33:53
lLso ich finde "Death Metal Romance". Das war aus dem letzten Nano das Projekt von @Christian. Psychos und solche, die es noch werden wollen in Hülle und Fülle, ein paar kaputte Twens zwischen den Fronten und Pairings aus der Hölle. Also Sex, Drugs und ne Menge Blut (und andere Körperflüssigkeiten). Sehr krank, sehr schön zu lesen.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Barra am 21. November 2017, 18:17:07
Ah, danke Dämmerungshexe. Das lässt mich ein wenig klarer sehen. (Auch wenn ich das betreffende Werk aus dem letzten NaNo natürlich nicht kenne), aber dann tendiert es doch in eine etwas andere Richtung, als die die mir vorschwebte. Gut zu wissen.
Titel: Re: Fantasygenres und Subgenres: Unsere Schubladen
Beitrag von: Christian am 04. Dezember 2017, 17:11:24
lLso ich finde "Death Metal Romance". Das war aus dem letzten Nano das Projekt von @Christian. Psychos und solche, die es noch werden wollen in Hülle und Fülle, ein paar kaputte Twens zwischen den Fronten und Pairings aus der Hölle. Also Sex, Drugs und ne Menge Blut (und andere Körperflüssigkeiten). Sehr krank, sehr schön zu lesen.
Hihi, dankeschön. ;D Das trifft es schon ganz gut.

Ja, Death Metal Romance ist meine Schöpfung, wenn man so will. Ich habe Ende 2014 eine Kurzgeschichte geschrieben und da kam mir die Bezeichnung in den Sinn. Letztes Jahr im November habe ich "Aus Liebe zum Fleisch" geschrieben, was letztlich die erste Death Metal Romance in Romanlänge war. Dann gab es noch "Tausend tote Nutten". Das sollte die nächste Death Metal Romance werden, aber die Dinge haben sich anders entwickelt. Das Buch hat einen neuen Titel und ist jetzt ein "rabenschwarzer Psychothriller" (so nennt es meine Agentin).

Um mich mal selbst zu zitieren:
Zitat
Death Metal Romance ist Psychothriller auf Steroiden mit mehr Gewalt, Blut, Sex, kaputten Figuren, einer verdrehten Lovestory und lauter Musik.
Ist also definitiv kein Fantasygenre. ;D