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Idee zur Kommunikation Autor-Verleger-Leser

Begonnen von Farean, 08. April 2011, 14:46:51

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Farean

Hallo allerseits,

ich brüte schon seit längerem an einer Idee, die ich mal hier zur Diskussion stellen möchte.

Nach meinen bisherigen Erfahrungen (korrigiert mich, wenn ich mich irre) verläuft die Kommunikation auf dem Buchmarkt derzeit für beide Seiten, Autoren wie Herausgeber, gelinde gesagt unbefriedigend. Agenten und Verleger sehen sich mit einer Flut von Manuskripten überhäuft, aus denen sie in langer, mühsamer Arbeit die paar Juwelen aussieben müssen, deren Veröffentlichung sich (vielleicht) lohnt. Wenn sie der Mehrzahl der Autoren die unvermeidliche Ablehnung schicken, bekommen sie es allzu oft mit verständnislosen bis offen zornigen Reaktionen zu tun, die, wie ich mir denken kann, ganz schön an die Nieren gehen. Autoren ihrerseits müssen oft mit der Frustration leben, "nicht einmal eine Chance bekommen zu haben", sondern schon in der Vorauswahl mit einem Standardbrief abgefertigt zu werden.

Dabei fällt oft unter den Tisch, daß eine dritte Gruppe auch noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden hat: die Leser.

Nun meine Idee: was, wenn es eine Webseite gäbe, auf der Autoren jeweils den Anfang ihrer Werke zum Probelesen für die Öffentlichkeit einstellen können? Die Leser könnten jedes Werk abschließend bewerten - und zwar nicht mit einem wer weiß wie ausgeklügelten Punkte-System, sondern mit einem schlichten Ja/Nein-Flag "würde ich kaufen"/"würde ich nicht kaufen"; vielleicht noch mit Angabe einiger, weniger Kenndaten zur Lesergruppe (Alter, Geschlecht). Die Statistiken der einzelnen Bücher wären offen einsehbar, d.h. jeder Agent/Verleger könnte sich auf einen Blick ein Bild davon machen, wie verkäuflich ein bestimmtes Werk/ein bestimmter Autor wäre. Die Seite könnte zusätzlich um eine Funktion erweitert werden, daß Autoren ein vollständiges Exposé einstellen können, das registrierte Herausgeber bei Interesse mit einem Mausklick abrufen könnten.

Aus meiner Sicht wäre ein solches Portal für beide Seiten ein Gewinn. Die Autoren hätten Gelegenheit, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren, und sie bekämen Feedback von den Stimmen, die (künstlerisch) wirklich zählen, nämlich denen der Leser. Die Verleger hätten bei minimalem eigenem Arbeitsaufwand eine Vorauswahl anhand der Stimmen, die (wirtschaftlich) wirklich zählen, nämlich derjenigen der Käufer. Und für beide Seiten entfiele der nervenaufreibende, mit gegenseitiger Frustration, Demütigung und Beleidigungen verbundene Austausch, wie er im Moment läuft.

Das sind so weit meine Gedanken. Was meint ihr?

Grüße,

  Farean

Grey

Ich habe mich mit der Sache noch nicht näher befasst, aber ist das nicht ein ähnliches Konzept, wie Droemer es mit Neobooks macht?

caity

#2
Hallo Farean,

du vergisst, dass solche Abstimmungen leider extrem leicht gefälscht werden können:
Autor muss einfach nur zu seinen Freunden dackeln und sagen: "Hey, schaut mal hier, klickt mal bitte, dass ihr das Werk gut findet" - und somit bekommen leider nicht die Werke, die gut und verkäuflich sind, Stimmen, sondern die, die von einem Autor mit großen Bekanntenkreis geschrieben wurden ...

Von Leser Seite aus muss ich sagen: mir genügt eigentlich, was ich auf dem Buchmarkt habe, (Ich bin allerdings auch kein Vielleser), könnte mir demnach also nicht vorstellen, bei so einer Seite nachzuschauen ...

Übrigens gibt es solche Seiten, über die Verleger zum Teil auch nach ihren Autoren suchen. Ich muss mal die Tage nachschauen, wo genau das war, habe den Namen der Seite gerade vergessen - wird nachgetragen!

Bye
caity

EDIT: Schau mal hier: romansuche.de. Wobei ich mir gerade nicht sicher bin, ob Bewertungen da auch zugelassen sind ...
Wenn ein Autor behauptet, sein Leserkreis habe sich verdoppelt, liegt der Verdacht nahe, daß der Mann geheiratet hat. - William Beaverbrook (1879-1964)

Farean

OK, wie es aussieht, habe ich mal wieder die entscheidende Frage vergessen: "Gibt's so was schon?" ::) Danke für die Hinweise und den Link!

Runaway

Ich wollt den anderen beiden grad zustimmen - erinnert mich sehr an Neobooks und die damit verbundene Problematik.
Hier haben wir das schon mal gründlich durchgekaut: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,5883.0.html
Ist es das, was dir vorschwebt?

Farean

#5
Nach dem ersten Überfliegen würde ich sagen: nein, das ist eigentlich nicht, was mir vorschwebt. Wenn ich diesen Thread richtig verstehe können die Leser bei neobooks eine differenzierte Kritik abgeben. Daß so was bei einer Präsentation vor der breiten Masse nicht gerade der optimale Ansatz wäre, ist mir bewußt. Daher habe ich ja den Mechanismus mit der einfachen Ja/Nein-Abstimmung vorgeschlagen.

treogen

Da gibt es mMn entscheidende Probleme:
1.) Solche Abstimmungen können extrem leicht gefälscht und manipuliert werden, wie caity schon erwähnte.
Ich denke nur an die Horden derer, die dann Facebook, WKW und sonstewas fluten, auf ihre Geschichte verweisen und bei der es schon alleine aus Sympathie (ohne die Geschichte überhaupt gelesen zu haben) oder Freundschaft oder sonstigen Gründen  zig "Gefällt mir" gibt.
Von Rachebewertungen für Autoren, die andere kritisiert haben, mal ganz abgesehen.

2.) Ich glaube nicht, dass solch ein Portal auch wirklich den normalen Vielleser ansprechen würde. Ein Vielleser hat normalerweise einen SUB mit einen oder mehreren (oder auch ganz vielen) Dutzend Büchern zu Hause stehen. Er würde sich sicherlich nicht die Mühe machen, die ersten 20 Seiten von etwas zu Lesen, wo er dann nicht weiß, ob er jemals das ganze Buch zu sehen bekäme.

3.) Nächstes Problem ist das Thema mit den Lippenbekenntnissen.
Es ist einfach zu sagen, dass man es kaufen würde, wenn man nicht weiß, wie groß es ist, wie teuer es ist, wie das Cover aussieht und welcher Verlag am Ende dahintersteckt. Es gibt nämlich schon ein paar Verlagen, die es schaffen würden, das beste Skript in ganz miserabler Form herauszubringen und von denen ich keine Bücher mehr kaufen werde, falls es nicht einen Führungswechsel gibt (nein, ich nenne keine Namen). 

4.) Wäre dieses Portal für Verlage eine zusätzliche Baustelle - denn die EMail- und Postbewerbungen kommen nach wie vor rein. Also Arbeitsvermehrung.
www.verlag-torsten-low.de

Phantastik vom Feinsten

Kaeptn

Dachte auch sofort an neobooks, und treogen hat darüberhinaus die Probleme ja klar dargelegt.

Und letztlich tun deutsche Verlage ja das, was du dir vorstellst. Sie hören auf das, was die US-Käufer sagen/kaufen, und bringen dann Übersetzungen dieser erfologreichen Bücher. Deutschen Autoren hilft das natürlich wenig :(

Maria

#8
Wenn ein Autor sein Buch bei BoD herausbringt und sehr erfolgreich vermarktet, kann es sein, dass ein Verlag die Rechte erwirbt, es nochmals überarbeiten lässt, lektoriert wenn nötig und mit einem neuen Cover drucken lässt, also  sozsuagen auf den fahrenden Zug aufspringt (auch im Hinblick auf Fortsetzungen), ist aber sehr selten der Fall bei uns.
In den USA passiert das häufiger, aber dort ist der Markt auch sehr viel größer und die Autoren sehr viel aktiver bei der Vermarktung mit eingebunden.

Farean

Danke für eure Kommentare. Was ich aus diesem Thread mitnehme, ist:

1. Experimente in dieser Richtung laufen bereits. Der Erfolg ist bislang wenig überzeugend.

2. Unter Lesern ist das Interesse an einer solchen Plattform zu gering, um eine aussagekräftige Beteiligung zu erzielen.

3. Aus Verlegersicht bedeutet eine solche Plattform nicht weniger Aufwand (ersetzt den etablierten Weg) sondern erhöhten Aufwand (zusätzlich zum etablierten Weg).

4. Das Mißbrauchspotential einer solchen Plattform unter Leserbeteiligung wäre zu hoch bzw. die Ergebnisse ließen sich zu leicht verfälschen/verzerren.

Nochmal danke an alle, die sich beteiligt haben.

Grüße,

  Farean