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Autor Thema: Auf Inspiration warten oder einfach tippen, selbst wenn es kacke ist?  (Gelesen 382 mal)

Offline Alana

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Nun ja, weiter Mist schreiben würde ich jetzt auch nicht empfehlen. Ich würde sagen: Man darf keine Angst haben, Mist zu schreiben, sonst setzt man sich zu sehr unter Druck, aber wenn ich das Gefühl habe, Mist zu schreiben, dann versuche ich, daran was zu ändern und mich zu verbessern. Man kann immer noch mehr lernen. Viel mehr. Und ich bin eh süchtig danach, noch mehr zu lernen. ;D


Offline der Rabe

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Schreiben oder nicht Schreiben ist hier wohl keine Frage mehr.

Aber falls es ein Problem damit gibt, überhaupt sich hinzusetzen und anzufangen, dann kann ich Writing Prompts empfehlen. Dabei suchst du dir ein bestimmtes Wort, eine Situation oder einen Satz aus (z.B. aus einem Wörterbuch), setzt dich hin und schreibst eine bestimmte Zeit. z.B. zehn Minuten. Damit kommt man erstmal rein und hat nicht mehr nichts am Tag geschrieben.

Ein Buch, das mir als Schreibratgeber ganz gut geholfen hat und nicht nur die sture Technik (wie plottet man, was ist eine Einleitung blabla) vermittelt hat, ist von Natalie Goldberg: Wild Mind. Sie gibt Ratschläge, wie man über dieses "freie Schreiben" auch blockierte Szenen entblockieren kann. Und im Grunde sagt sie auch: schreib weiter, egal wie dumm oder schlecht dir das, was du gerade produzierst, vorkommt. Irgendwann kommen die richtigen Worte.

Und selbst hab ich die Erfahrung, wenn es an einer Stelle hakt und die Geschichte nicht mehr weiterkommt, dann habe ich irgendwo vorher einen Fehler gemacht. Den muss ich dann auch erst mal finden. Manchmal schreibend, manchmal indem ich den Text lese und versuche den Fehler zu finden.

Ich hoffe, du kommst weiter. :)
Bist du erst unten im Tal angekommen, geht es nur noch bergauf. (C) :rabe:            Login ist der Bruder von Hugin und Munin.

Offline Alana

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Zitat
Und selbst hab ich die Erfahrung, wenn es an einer Stelle hakt und die Geschichte nicht mehr weiterkommt, dann habe ich irgendwo vorher einen Fehler gemacht. Den muss ich dann auch erst mal finden. Manchmal schreibend

Absolut, diese Erfahrung habe ich auch gemacht, manchmal muss man sich an einen Text erst hinschreiben, um herauszufinden, wie er richtig ist oder wo der Fehler liegt. Das ist für mich (und ich denke auch für dich) aber nicht das gleiche wie einfach ohne Rücksicht auf Verluste weiterzuschreiben, obwohl man keinen Spaß dran hat. (Wollte ich nur klarstellen, damit man versteht, was ich meine und niemand denkt, ich widerspreche mir selbst. ;D )


Offline Fianna

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Das ist aber manchmal schwer zu unterscheiden, ob es am Projekt oder an der Arbeitsweise liegt. Ich habe leider keine gute Schreibroutine (dieses Jahr werde ich es mir aber angewöhnen! Ohne Gesamtwortziel, das stresst und blockiert zu sehr). Also bin ich mir bei Stockungen immer unsicher, ob es beim Projekt hakt oder ein Konzentrations- /Disziplinierungsproblem ist. In letzterem Fall ist liegen lassen und Plot abklopfen nicht die Lösung. Ein verbesserter Plot kann helfen, aber wenn das Problem mangelnde Gewohnheit und Routine sind, füttert man die Ursachen nur.

Ich werde beim neuen Versuch auf jeden Fall mehrere kleine Projekte mitlaufen lassen (Kurzgeschichten oder Novellen), damit ich in diesen Plot-Abklopf-Phasen dennoch meine x Wörter oder y Minuten jeden Tag etwas mache.
    "Egal, wie nahe zwei Menschen sich kommen: die Entfernung zwischen ihnen bleibt unendlich." Harry Morgan, "Dexter".

Offline Ezi

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@Silvasurfer

Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass du um jeden Preis da durch musst und einfach was schreibst um die Seiten voll zu bekommen. Was ich eigentlich damit sagen will ist, das was Alana schon gesagt hat. (siehe Zitat unten). Manchmal kann es auch helfen einfach mit was neuem anzufangen. Bei mir ist es oft so das ich in solchen Situationen eine Idee habe, worauf es hinauslaufen soll und wie es weiter geht, auch wenn vielleicht schon viel weiter in der Geschichte. Ich schreibe dann meist da einfach weiter wo die Ideen sprudeln und gehe dann auch mal zurück und überarbeite dann erst. Vielleicht kommt mir dann zwischenzeitlich eine Idee, die ich umwerfend finde und viel besser an die Stelle passt, an der ich vorher gehangen habe.

Zudem kann ich meinen Vorrednern nur beipflichten "Einfach den Mist weiterschreiben" ist nicht gerade die optimale Lösung. Wenn es partout nicht will, lass es liegen und beschäftige dich mit anderen Elementen der Geschichte.

@Fianna
Zitat
Ich werde beim neuen Versuch auf jeden Fall mehrere kleine Projekte mitlaufen lassen (Kurzgeschichten oder Novellen), damit ich in diesen Plot-Abklopf-Phasen dennoch meine x Wörter oder y Minuten jeden Tag etwas mache.

Genau das hatte ich im Sinn, als ich geschrieben habe einer weitere Datei anzulegen. Manchmal ist es wirklich nur für Unsinn gedacht, aber ab und an läuft auch noch ein oder zwei kleine "Projekte" nebenher. Insofern ist dabei eigentlich nur wichtig am Schreiben zu bleiben - zumindest für mich.

@Alana
Zitat
Nun ja, weiter Mist schreiben würde ich jetzt auch nicht empfehlen.
Zitat
Man darf keine Angst haben, Mist zu schreiben, sonst setzt man sich zu sehr unter Druck,...

Das war es was ich ausdrücken wollte, danke für diese Sätze, irgendwie war ich mal wieder Blind.
Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern nichts mehr weglassen kann! - Antoine de Saint-Exupéry

Offline Silvasurfer

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Und genau so war es auch gemeint, mit dem Mist. Wenn ich schreibe und das GEfühl habe, es taugt nichts kommt es eh nicht in mein Buch sondern landet dort, wo so etwas landen muss, im Müll. Hauptsache es ist raus aus dem Kopf und steht irgendwo auf Papier in dem großen Abyss von Gedanken, die mich nicht inspirieren ;)

@Rabe:
Zitat
Aber falls es ein Problem damit gibt, überhaupt sich hinzusetzen und anzufangen, dann kann ich Writing Prompts empfehlen. Dabei suchst du dir ein bestimmtes Wort, eine Situation oder einen Satz aus (z.B. aus einem Wörterbuch), setzt dich hin und schreibst eine bestimmte Zeit. z.B. zehn Minuten. Damit kommt man erstmal rein und hat nicht mehr nichts am Tag geschrieben.
Probier ich definitiv aus. Das klingt für mich wie Maler die zwischen ihren eigentlichen Werken skizzieren. Dabei kann man auch gleich bewusst bestimmte Erzähltechnicken ausprobieren. Consciouss learning und Uncoinsciouss learning. Damit mache ich mich mal gleich auf den Weg zum Tizi-Workshop und schau michd ort mal in Ruhe um...
Sie sagen: "Wenn du denkst, dein Protagonist habe genug gelitten, lass deinen Helden noch ein wenig mehr leiden!" Ich weiß nicht wer es zuallererst gesagt hat. Aber er oder sie hat verdammt nochmal recht!

Offline Nebu

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Huh, schwierige Frage. Ich schließe mich an, dass vermutlich keine Weisheit die alleinig Wahre ist. Wie Du anfangst schon schriebst
so wie viele andere Schriftsteller, von denen sich Charles Bukowski an dieser Stelle mit diesen Tipp abhebt, während Stephen King ganz klar sagt, Schreib jeden Tag und in einem Jahr ist deine Novelle fertig! Beides grossartige Schriftsteller also wird etwas an diesen scheinbar gegensätzlichen herangehensweisen dran sein...
Hier muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen.

Meine eigene Erfahrung zeigt, dass ich bei einer Schreibblockade auf jeden Fall irgendwas schreiben muss, damit sich das nicht einschleicht. Ich bin da ein sehr bequemer und fauler Schreiber, der dann doch eher in Foren liest und schlaue Ratschläge erteilt - kurz gesagt prokrastiniert.  ;) Fianna schrieb dazu
Unter anderem deswegen möchte ich kein Stimmungsschreiber sein, also bin ich ganz klar im Lager: einfach schreiben, Blockaden überwinden, notfalls das Projekt wechseln.
Das mache ich ähnlich - vielleicht sogar nicht nur das Projekt wechseln sondern wirklich mal zwei Wochen nur Morgenseiten schreiben. Oder irgendwelche Techniken des kreativen Schreibens ausprobieren, mit MindMaps arbeiten etc. pp. Hauptsache, mein Körper verlernt nicht wieder, wie ich in die Tasten haue oder einen Stift führe. Mit Körper meine ich hier quasi das Unterbewusstsein, was sich an die Schreibroutine gewöhnen muss. Das Entwöhnen geht wesentlich leichter und schneller. *Schwupps* Weg ist die Routine.  :ätsch:

Das findet sich vielleicht artverwandt in den Überlegungen wieder, die Ezi nannte. Manchmal hilft es, zwar weiterzuschreiben, aber irgendwann biegt man plötzlich an einer anderen Stelle ab, als man vorher abbog. Die gleiche Ausgangsidee, aber plötzlich irgendwo ein hakenschlagendes Plotbunny, das vorher nicht da war. Und sei es, dass heute die Sonne scheint und es gestern trüb und grau war und man von seinem Arbeitsplatz aus eher deprimierende Bilder statt ein schönes Sommerpanorama als Inspiration für die Gefühlslage eines Pro- oder Antagonisten hat.
Seit etwa zwei Jahren hab ich ein System für mich entwickelt mit dem ich gut fahre. Es mag banal klingen, wenn ich jetzt sage, dass ich mir einfach zwei Dateien anlege in denen ich schreibe. Ich kopiere mir entweder die Ursprungsidee und schreibe darin weiter, oder aber ich hab einfach ein leeres Dokument vor mir, in dem ich alles Sammle was nicht ganz ausgereift scheint.

Zum einen ist Fiannas Anmerkung zu der Quelle der Blockade, sprich ob sie internen oder externen Faktoren geschuldet ist, ein Ansatz, mit dem man schnell etwas erreichen oder zumindest ein Licht am Ende des Tunnels sehen kann, zum anderen gefällt mir aber auch der Einwand von Christopher:
Ich stimme Alana da zu. Wenn ich lese "den Mist weiterschreiben!" dann ist das was völlig anderes als "weiter Mist schreiben."
Das erste zeigt deine Überzeugung, dass das Projekt als ganzes nicht gut ist, das zweite, dass dein jetziger Satz und vielleicht auch die nächsten Absätze und Seiten nicht so toll sind. Beim zweiterem unbedingt weiterschreiben, siehe Hemingway, bei ersterem unbedingt erst hinsetzen und gucken, was das große Problem ist.
Da habe ich eben erst mal ein paar Minuten drüber nachdenken und meine eigenen Projekte unter diesem Blickwinkel betrachten (und vielleicht auch analysieren) müssen, denn das sehe ich noch viel mehr als Casus Knacksus. Wie hat sich der Plot und das Thema, die Prämisse, in meinen Gedanken entwickelt? War es eine spontane Eingebung, bei der ich sofort angefangen habe zu schreiben, und erst nach 20 Kapiteln feststellte, dass das letzte Drittel nicht mehr aufzulösen geht? Einer solchen Situation stehe ich dann beim erneuten Öffnen des Projekts am Rechner ganz anders gegenüber als einer Idee, die einige Zeit hatte zu reifen und sich zu entwickeln, bei der vielleicht der eine oder andere Nebenplot aber kein ganzes Knäuel verwirrter Bindfäden vorhanden ist.

Wenn ich schreibe und das GEfühl habe, es taugt nichts kommt es eh nicht in mein Buch sondern landet dort, wo so etwas landen muss, im Müll. Hauptsache es ist raus aus dem Kopf und steht irgendwo auf Papier in dem großen Abyss von Gedanken, die mich nicht inspirieren ;)
Gedanken, die nicht nur nicht inspirieren sondern vor allem auch irgendwie Speicherkapazität wegnehmen, egal wie sehr man sich schon gegen eine Umsetzung bzw. Verwendung entschieden hat.  ::)

@Rabe:
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Aber falls es ein Problem damit gibt, überhaupt sich hinzusetzen und anzufangen, dann kann ich Writing Prompts empfehlen. Dabei suchst du dir ein bestimmtes Wort, eine Situation oder einen Satz aus (z.B. aus einem Wörterbuch), setzt dich hin und schreibst eine bestimmte Zeit. z.B. zehn Minuten. Damit kommt man erstmal rein und hat nicht mehr nichts am Tag geschrieben.
Besonders cool und besonders spaßig ist es, wenn man das mit mehreren Leuten gleichzeitig macht. Man nimmt, zur Not durch tippen auf eine Zeile im Text der Tageszeitung, ein Wort und jeder schreibt für sich. Die Ergebnisse zu hören/zu lesen und zu entdecken, wie unterschiedlich die Herangehensweisen und Interpretationen der einzelnen Autoren ist, ist großartig und ebenfalls sehr lehrreich. Und ich glaube, Spaß ist der größte Killer einer Schreibblockade. *zufrieden nickt und nach diesem langen Zwischen-den-Beiträgen-zwecks-Aufbau-von-logischer-Zitatreihenfolge-Springen erschöpft die Segel streicht*
Auf der Suche nach den Träumen, im Gepäck die Phantasie...

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