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Autor Thema: Verschwörungstheorie - und nun?  (Gelesen 233 mal)

Offline Silvasurfer

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Re: Verschwörungstheorie - und nun?
« Antwort #15 am: 16. Mai 2017, 21:53:28 »
Es gibt natürlich mehrere Arten, wie man eine Novelle schreibt.
Ich persönlich bin jemand der einfach die Strasse betritt. Für mich ist es so, wie Bilbo es ausdrückt: "Wenn man nicht auf seine Füsse achtet, weiss man nicht wohin sie einen tragen!" Und entsprechend oft ändere ich meinen Plot auch für mich ist wichtig, dass es lediglich in sich logisch ist, zumindest strebe ich das an. Wobei Logik auch wieder ein Thema für sich ist. Das Ende meiner Geschichte ergibt sich dann von selbst, als Konsequenz meiner Prämissen und Handlungsstränge.

Du scheinst mir mehr der Planer zu sein, du willst ein ganz klares Konzept haben. Den Rat das Ende offen zu lassen und einfach loszuschreiben, kann ich mir also sparen. Dann gibt es wohl nur noch eins: Recherche. Ich weiss ja nicht, welche Verschwörungstheorien dir so im Kopf rumschwirren allerdings würde ich an deiner Stelle ganz klar meine Kenntnisse vertiefen und Inspiration im echten Leben finden.

Gibt es vielleicht Fälle von Menschen die sich selbst durch Irrglauben geschadet haben? Da fallen mir James Hetfields Eltern ein, die Anhänger der Christian Science waren und ihren Krebs nicht behandeln wollten, was tragisch endete und in einige der Songs von Metallica mit einfliesst. Allerdings sagt James Hetfield in einem seiner Interviews "Politics drive me crazy!" und insofern kannst du, wenn du darauf 1:1 anspielst, die hardcore Fans von Metallica abhaken, die Metallica cool fanden, bevor sie letzten Endes Mainstream wurden, weil sie eine Zeit lang die Musikindustrie verteufelt haben, was auch sehr nach VT klang.

An was für eine VT glaubt dein Held eigentlich? Mit dieser Frage kann sich dein ganzes Konzept ändern.

Beziehst du dich beispielsweise speziell auf Chemtrails und Alu-Hut Geschichten, dann riskierst du glaube ich ohnehin, dass dein Held nicht ernst genommen wird. Wenn ich darüber hinaus von anfang an Weiss, dass deine VT ein Hirngespinst ist, werde ich wahrschienlich deinen Prota so oder so für blöd halten ausser es gelingt dir, mich selbst zum zweifeln zu bringen, was ich mir als ganz schön kniffligen Kunstgriff vorstelle, aber wo ein wille ist, da ist auch ein weg. Anderenfalls ist er im besten Fall eine Art Homer Simpson, was nicht schlecht ist, nur dessen sollte man sich bewusst sein. Dann wird die ganze Geschichte wenn überhaupt eine Tragikkomödie, falls es nicht sogar eher eine Sartire wie South Park wird. Ein ernstzunehmendes Drama ist es dann definitiv nicht mehr und dann solltest du von vorneherein eh die Geschichte nicht nicht all zu ernst nehmen und statt dessen vielleicht eine völlig absurde Logik bei deinem Plot anwenden.

Falls du aber nicht wie die Macher von South Park, Family Guy, Simpsons, Rick und MOrty und Co denkst und dich ernst nimmst, dann würde ich mich an deiner Stelle mit VT's beschäftigen, wie dein Held quasi.
Ausser, du glaubst du könntest dich anstecken. Mein Geschichtslehrer hat mir zum Beispiel die Aufgabe gegeben, ein Referat über Mein Kampf zu halten. Das Buch war allerdings so langweilig geschrieben, dass mir auf einmal klar wurde, warum die Leute sagen Goebbels sei der Meister der Manipulation gewesen und nicht Hitler, weshalb er wahrscheinlich auch die Propaganda übernommen hat.
Anekdote beiseite - Du solltest, wenn du willst, dass Leser den Helden ernst nehmen auch eine Theorie haben, die den Leser zumindest nachvollziehen lässt, warum dein Held an sie glaubt, sonst ist er nur eine flache Karrikatur. 

Ausser du nimmst so etwas banales wie bei dem Film "Die Nummer 23", in dem Jim Carrey glaubt, dass jemand ein Buch über sein Leben geschrieben hat.

Ich würde darüber hinaus auch den Begriff klar definieren. Meinst du mit VT, dass die ganze Welt eine Verschwörung ist, das bezeichnet man nämlich entweder als Paranoia oder, falls er recht hat, als Diktatur. Glaubt er er lebt in der Matrix? Das wäre allerdings auch keine Verschwörung sondern widerum entweder Paranoia oder ein wirklich ausgeklügeltes Kontrollsystem bzw eine kollektive Illusion. Verschwörung ist ein ganz klar definierter Begriff, der beschreibt, dass ein paar Leute im Geheimen agieren, um ein historisches Event herbeizuführen. Die Ermordung von JFK oder 9/11 fallen mir da als Beispiel ein, weil das einige als Verschwörung wahrnehmen. So und das bedeutet eben, dass die verschworenen nicht alles kontrollieren, weshalb man hier keinen Grund hat paranoid zu sein. Es ist eher umgekehrt die Verschworenen müssten Angst haben aufzufliegen, weshalb sie ja im geheimen agieren und gerade die Tatsache, dass sie im geheimen agieren, zeigt, dass sie eben nicht alles kontrollieren.

Es tut mir leid, wenn ich ein wenig trocken und analytisch bzw schulmeisterisch geschrieben habe, allerdings konnte ich dieses Thema jetzt auf die schnelle nicht in einen freshen post umwandeln ;)
Sie sagen: "Wenn du denkst, dein Protagonist habe genug gelitten, lass deinen Helden noch ein wenig mehr leiden!" Ich weiß nicht wer es zuallererst gesagt hat. Aber er oder sie hat verdammt nochmal recht!

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