0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

  • Drucken

Autor Thema: Verschwörungstheorie - und nun?  (Gelesen 237 mal)

Offline chaosqueen

  • Tauchsieder
  • Obermotz
  • ******
  • Beiträge: 7.164
  • Geschlecht: Weiblich
  • das Seifen-Chaos
    • Susannes Schreibwelt
Verschwörungstheorie - und nun?
« am: 16. Mai 2017, 15:35:28 »
Ich habe vor einer ganzen Weile mal Verschwörungstheorien (echte und fiktive) für einen Roman gesucht, vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch. Das Projekt geistert mir derzeit wieder durch den Kopf, und da ich ja eh gerade als Humpelstilzchen an die Wohnung gefesselt bin, folge ich meinem Plotbunny mal ein wenig in seinen Bau.

Meine ursprüngliche Idee war, dass jemand sich mit VT beschäftigt, um aufzuzeigen, wie unhaltbar sie sind und sich stattdessen selber darin verstrickt (die noch ursprünglichere Idee war, dass er eine hanebüchene VT in die Welt setzt, diese sich verselbständigt und er plötzlich im Zentrum der VT steht und nach und nach nicht mehr weiß, ob er sich das nur ausgedacht hat oder zufällig auf etwas "ganz Großes" gestoßen ist).

Mein Problem ist wie so oft, wenn ich eine Idee habe, dass ich nicht weiß, worauf es hinauslaufen soll. Hier also ganz konkret: Natürlich will ich als Autor aufzeigen, wie unsinnig und teils auch gefährlich VT sind. Aber: Wie mache ich das? Den Protagonisten am Ende in die Psychiatrie einzuweisen erscheint mir doch arg billig. Ein deus ex machina, der ihn aufklärt, so dass er plötzlich erkennt, wie verblendet er war, will ich auch nicht bringen - zumal ich aus eigener Erfahrung weiß, dass VTler keinen rationalen Argumenten mehr zugänglich sind.

Wie also könnte ein Roman enden, der die Entwicklung eines Verschwörungstheoretikers zeigt, so dass sowohl klar ist, dass VT gefährlicher Humbug sind und zugleich keine Moralkeule geschwungen wird? Ich zergrüble mir gerade den Kopf, aber auch bei den gängigen Romane (Dan Brown fällt mir spontan ein) bleibt am Ende ja immer die VT als solche bestehen. Ich würde aber gerne ganz klar aufzeigen, dass diese nur im Kopf der "Gläubigen" stattfindet und nicht haltbar ist.

Wie glaubhaft wäre es, dass etwas passiert, was ihn wachrüttelt? Dass er also im festen Glauben an seine VT etwas tut, das furchtbare Folgen hat, und dass er dann nicht tiefer in die VT rutscht, sondern aufwacht? Menschen, die ihren Kindern MMS verabreichen, halten die Vergiftungssymptome ja für etwas Gutes und erhöhen ggf. noch die Dosis. Impfgegner sind sich sicher, dass sie ihrem Kind einen Gefallen tun, wenn es an Masern erkrankt (ich habe allerdings noch nicht in Erfahrung gebracht, wie das mit denen ist, deren Kind daran stirbt oder unheilbare Folgeschäden erleidet - denken die dann "immerhin ist es nicht autistisch"? Ja, zynisch, ich weiß).
Und diejenigen, die meinen, es gäbe eine große weltumfassende Wirtschaftsverschwörung, sind sich sicher, dass alles, was auf der Welt passiert, damit zusammenhängt und sie jederzeit und überall ausspioniert werden. Und dagegen findet man nicht mal vernünftige Argumente ...

In meinem groben Konzept hat mein VTler Frau und Kind, die ihn verlassen, weil die Frau nicht will, dass ihr Kind mit diesem Denken aufwächst. Angedacht ist auch ein Unfall, der durch den "Glauben" des Vaters verschuldet wird, woraufhin er auch noch das Umgangsrecht verliert. Aber rüttelt das jemanden auf, oder rutscht er dann noch tiefer in den Glauben, dass alle sich gegen ihn verschworen haben?

Ohne eine vernünftige conclusio brauche ich den Roman noch nicht mal zu konzipieren, weil ich ja auf ein bestimmtes Ziel hinarbeiten muss. Das ist leider eines meiner Hauptprobleme: Ich habe oft Ideen, aber keinen bis zum Ende durchdachten roten Faden und oft eben auch kein Ende.

Ein in gewisser Weise offenes Ende wäre auch noch okay, aber dann muss deutlich werden, dass eben nicht eine große böse Verschwörung hinter seinem Niedergang stand, sondern dass er diesen durch seine VT-Gläubigkeit selber herbeigerufen hat.

Ich freue mich über jede Form von Input!

Offline Layka

  • Elite
  • ******
  • Beiträge: 1.739
  • Geschlecht: Weiblich
  • a soul in tension, that's learning to fly
Re: Verschwörungstheorie - und nun?
« Antwort #1 am: 16. Mai 2017, 15:54:48 »
Hast du dich mittlerweile schon für eine Verschwörungstheorie entschieden? Die Art wird ja auch Einfluss auf die Geschichte haben.

Eine Idee, die mich beim Lesen deines Posts angesprungen hat, wäre, dass dein Prota sich durch die Verbreitung seiner VT echte Feinde macht. Zum Beispiel könnten sich religiöse Fundamentalisten von seinen Thesen beleidigt fühlen, oder Vertreter einer Industrie, die er in Verruf bringt, könnten darüber erbost sein. Wenn diese dann gegen ihn vorgehen und ihn aktiv schädigen (je nachdem, wie die Feinde so drauf sind, durch Bedrohung seines Arbeitsplatzes oder sogar seines Lebens), muss er es schaffen, sich selbst von seinen Theorien zu distanzieren, damit er wieder halbwegs normal leben kann. Dann arbeitet er sich wieder aus seinen eigenen Konstrukten (und der Gemeinschaft, die sich drumherum gebildet hat) heraus, erinnert sich daran, dass er das ja eigentlich alles nur erfunden hatte und schafft es so, der konkreten Gefahr zu entgehen - aber es kann durchaus sein, dass er danach immer mit Zweifeln lebt, ob er nicht doch recht mit seiner Theorie hatte... Ganz ähnlich zu deiner ursprünglichen Idee.

Vielleicht hilft dir das als Denkanstoß :)

Offline Alana

  • Die Listenreiche
  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 13.616
  • Geschlecht: Weiblich
  • Je größer der Mann, desto geiler sein Mantel.
    • Alana Falk
Re: Verschwörungstheorie - und nun?
« Antwort #2 am: 16. Mai 2017, 15:57:54 »
Muss er denn geläutert werden? Du kannst ja zeigen, wie sich sein Irrglaube negativ auf seine direkte Umwelt auswirkt und dass es für die schreckliche Folgen haben kann. Dadurch kann er dann entweder aufwachen oder noch paranoider werden. Er könnte am Ende ganz alleine dastehen und mit sich hadern, kann sich aber einfach nicht von seinem Irrglauben lösen? Ein bisschen wie ein Süchtiger, der einfach nicht loskommt.


Offline Sascha

  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 1.546
  • Geschlecht: Männlich
  • Fettnäpfchensuchgerät
    • Meine Autorenseite
Re: Verschwörungstheorie - und nun?
« Antwort #3 am: 16. Mai 2017, 16:08:08 »
Jetzt mußte ich erst mal googeln, was denn MMS ist. Leute gibt's … :no:
Zitat
In meinem groben Konzept hat mein VTler Frau und Kind, die ihn verlassen, weil die Frau nicht will, dass ihr Kind mit diesem Denken aufwächst. Angedacht ist auch ein Unfall, der durch den "Glauben" des Vaters verschuldet wird, woraufhin er auch noch das Umgangsrecht verliert. Aber rüttelt das jemanden auf, oder rutscht er dann noch tiefer in den Glauben, dass alle sich gegen ihn verschworen haben?
Ich schätze, eher letzteres.

Irgendwie fehlt mir die Basis, hier eine sinnvolle Idee beizusteuern. Ich glaube, Deine Lösung wird sehr davon abhängen, welche VT Du Dir aussuchst/ausdenkst.
Geht es um Pseudo-Medizin, kann das Aufeinandertreffen mit Opfern der Quacksalberei vielleicht was bringen. Die große weltumfassende Wirtschaftsverschwörung ist da schon schwieriger zu kontern. Man kann logisch halbwegs erklären, daß eine "richtige" Verschwörung dieses Ausmaßes einfach nicht funktionieren würde und schon gar nicht geheimzuhalten wäre, aber klare Gegenbeweise? ???
Vielleicht würde es Dir helfen, ein paar Bücher von Sektenaussteigern zu lesen? Sekten und VTs haben ja viel gemeinsam. Die Leute glauben das abstruseste Zeug und lassen sich durch nichts davon abbringen, ignorieren offensichtlichste Fakten. Es gibt ja Bücher von Menschen, die bei Scientology, den Klingelputzern Jehovas usw. ausgestiegen sind. Bei vielen ist das sicher ein schleichender Prozeß, aber irgendeine Art Schlüsselerlebnis wird es da schon öfters geben.

Ansonsten, wie gesagt, würde es wahrscheinlich helfen, die Natur Deiner speziellen VT zu kennen. Dann könnte man sich eher eine passende Lösung überlegen.
Oh, Alanas Idee finde ich allerdings interessant. Es muß ja am Ende nur der Leser begreifen, was da so schief läuft, nicht unbedingt Dein Prota.
»Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir gar keine Religionen mehr hätten. Alle Religionen und alle Heiligen Schriften bergen ein Gewaltpotenzial in sich. Deshalb brauchen wir eine säkulare Ethik jenseits aller Religionen.«
Dalai Lama

Offline Layka

  • Elite
  • ******
  • Beiträge: 1.739
  • Geschlecht: Weiblich
  • a soul in tension, that's learning to fly
Re: Verschwörungstheorie - und nun?
« Antwort #4 am: 16. Mai 2017, 16:18:24 »
Es gibt ja Bücher von Menschen, die bei Scientology, den Klingelputzern Jehovas usw. ausgestiegen sind. Bei vielen ist das sicher ein schleichender Prozeß, aber irgendeine Art Schlüsselerlebnis wird es da schon öfters geben.
Da fällt mir ein: Letztens habe ich ein Video gesehen, in der auch eine Scientology-Aussteigerin vorkam. So wie ich das verstanden habe, war bei ihr ein wichtiger Punkt, dass sowohl sie als auch ihr Mann Scientologen waren und sie nach dessen Tod in Armut abgerutscht ist, aber immer noch Tausende von Dollar in "Unterrichtsmaterialien" von Scientology in einem Nebenraum rumstehen hatte. Da war sehr deutlich zu sehen, dass sie ohne diese sinnlosen Kurse finanziell noch viel besser da stehen würde.
Allgemein ist Saschas Idee, da nach Erfahrungsberichten zu suchen, sicher gut :)

Offline Ilva

  • Forengott
  • *****
  • Beiträge: 746
  • Geschlecht: Weiblich
  • Träumende Bücher
Re: Verschwörungstheorie - und nun?
« Antwort #5 am: 16. Mai 2017, 16:20:15 »
Alanas Idee gefällt mir auch ganz gut. Denn vielleicht ist das grösste Problem ja nicht, dass er einer seltsamen Idee nachhängt, sondern, dass er dadruch sein ganzes Umfeld aufs Spiel setzt.

Die Art der Verschwörung wäre vielleicht echt hilfreich. Zur Inspiration empfehle ich dir die Facebookseite von "Der goldene Aluhut". Es gibt nichts, was es nicht gibt. Lesen auf eigene Gefahr. ;)

Wenn er z.B. hinter moderner Technologie Gedankenkontroll-Wasauchimmer vermutet, könnte er ja zum Beispiel sein Kind gefährden, weil er nicht Hilfe holen kann, wenn es am Ersticken ist oder so. Dann wäre das aufrüttelnde Ereignis etwas weniger direkt mit der Verschwörungstheorie verbunden als wenn er es z.B. mit MMS vergiftet.

Offline chaosqueen

  • Tauchsieder
  • Obermotz
  • ******
  • Beiträge: 7.164
  • Geschlecht: Weiblich
  • das Seifen-Chaos
    • Susannes Schreibwelt
Re: Verschwörungstheorie - und nun?
« Antwort #6 am: 16. Mai 2017, 16:27:09 »
danke schon mal für eure Gedanken! :)

Ich glaube, eine einzelne VT kann man gar nicht nehmen, weil auch in der Realität selten jemand gezielt nur an eine glaubt und den Rest als Humbug betrachtet. Meine Idee war ja, dass er eben entweder eine erfindet oder sich zum Schein in diese "Welt" begibt und immer weiter reingezogen wird. Und damit natürlich auch in diverse VTs.

Den Goldenen Aluhut konsumiere ich schon fleißig, genauso wie ein paar andere Seiten, die sich mit VTs beschäftigen. Es gibt zumindest ein längeres Interview mit Giulia, die den Aluhut begründet hat, sie war ja durch ihre Mutter selber Sektenkind mit Aluhut und hat sich da irgendwann befreit. Ich muss mal schauen, ob sie auch ein buch geschrieben hat.

@Alana: Nein, er muss am Ende nicht geläutert sein, mir ist nur wichtig, dass man mein Buch am Ende nicht als Bestätigung für VT lesen kann. Also eben nicht ein "und wer weiß, vielleicht ist ja doch alles wahr", wie Dan Brown es praktiziert, sondern ich will ganz klar die negativen Seiten der VT herausstellen und eben auch, dass diese nicht haltbar sind.

Ich sehe schon, das wird schwer.

EDIT: Wie gesagt, ich habe mich noch für keine VT entschieden. Die allgemeine Wirtschaftsverschwörung werde ich nicht nehmen, denn ich scheitere gerade im echten Leben daran, diese plausibel zu widerlegen. Es wird wohl in Richtung von Chemtrails, Esoterik, Homöopathie, Impfverweigerung etc. gehen. Also jemand, der vielleicht einfach nur nicht mehr den ganzen Industriewahnsinn mitmachen will und dann über die (in meinen Augen sehr sinnvolle) Bioschiene hinausschießt, sein Wasser mit Edelsteinen neutralisiert und am Ende Essigwasser gegen Chemtrails aufstellt, teure und sinnlose "Medikamente" bestellt und hinter allem und jedem eine Verschwörung vermutet.

Offline Emacyl

  • Neuankömmling
  • *
  • Beiträge: 5
  • Geschlecht: Männlich
Re: Verschwörungstheorie - und nun?
« Antwort #7 am: 16. Mai 2017, 17:00:09 »
Hi chaosqueen

Ob beobachtete Ereignisse die Person wachrütteln oder die VT nur noch verstärken, hängt von der Persönlichkeitsstruktur der betroffenen Person ab. Grundsätzlilch ist es gut vorstellbar, dass der Protagonist immer weiter in die VT gezogen wird, weil das Verhalten der Anderen so gedeutet wird, dass es zur VT passt. Daraus ergeben sich dann wiederum entsprechende Handlungen der Person. Das nennt sich selbsterfüllende Prophezeiung.

Einfaches Beispiel:
1. Ich nehme an, dass meine Freunde sich gegen mich verschworen haben.
2. Ich wende mich von meinen Freunden ab und meide sie.
3. Meine Freunde bemerken mein Verhalten und finden es sonderbar.
4. Sie wenden sich zusehends ebenfalls ab.
5. Ich hab's doch gewusst!

Das ist natürlich vereinfacht und modellhaft, aber es zeigt, wie die eigenen Überzeugungen entsprechende Reaktionen und damit auch Gegenraktionen auslösen können.
Selbstverständlich ist es möglich, dass die Person stattdessen aufwacht. Wie gesagt, das hängt von deinem Protagonisten ab. Dass es schwierig ist, eigene Überzeugungen über Bord zu werfen, kennt wohl jeder von uns.

Was deine Hauptfrage betrifft, würde ich mich ebenfalls Alana anschliessen: Wenn es dir wichtig ist, dass der Leser die VT als Unsinn durchschaut, muss es dem Protagonisten nicht unbedingt gleich ergehen.  ;)

Offline Golden

  • Forengott
  • *****
  • Beiträge: 689
  • Geschlecht: Männlich
Re: Verschwörungstheorie - und nun?
« Antwort #8 am: 16. Mai 2017, 17:10:31 »
Wie wäre es mit einem Open-End? Am besten eine Szene, in der Prota auf ein bestimmtes Erlebnis/Event wartet (Weltuntergang im Jahr x oder ein vorausgesagter Anschlag durch die Regierung während einer Veranstaltung. Das Ganze findet dann natürlich nicht statt, aber Prota ist sich sicher, dass die Regierung sich nicht getraut hat, weil es zu offensichtlich wäre und zu viele Menschen über das Internet von der Sache ja schon bescheid wussten. Prota kauft sich dann an einem Stand eine Bratwurst und geht in der Menschenmenge in den Sonnenuntergang. ;
(oder er hatte vorher mit jemanden aus einem VT-Netzwerk eine Wette laufen, ob sich die Regierung 'das starke Stück' traut und denkt sich im Abschlus "Wette gewonnen" / "Wette verloren". Oder so etwas in der Art halt ... ;)

Offline Churke

  • Elite
  • ******
  • Beiträge: 2.507
  • Geschlecht: Männlich
  • Experte für nichts
    • Youtube:
Re: Verschwörungstheorie - und nun?
« Antwort #9 am: 16. Mai 2017, 18:22:34 »
Ich glaube, das ist eines der seltenen Themen, bei den denen du dir vorher wirklich überlegen musst, was die Dichterin damit sagen will.   ;)

Ich sehe im Großen 2 Möglichkeiten der dramatischen Logik: Wenn du es als Farce aufziehst, dann wird der Protagonist mit seiner VT reich & berühmt. Das geht dann mehr in Richtung Gesellschaftssatire.
Oder du machst ein Drama, dann endet der Prota als gefragter Freizeittrinker, mit einem Strick an der Decke oder er wird vom SEK erschossen.

Davon dürfte letztlich die VT selbst abhängen. VT ist aber auch ein Kampfbegriff, mit dem man unerwünschte Kritik niederbrüllt. Oft haben die VTler auch nur eine andere Perspektive auf die Sache. Deine Meinung über die Impfgegner teile ich z.B. überhaupt nicht. Wenn ich die Gewähr einer Ansteckung hätte, würde ich mein Kind niemals gegen Masern impfen lassen. Warum? Ich hatte die Masern, obwohl ich geimpft war. Daraus kann man ein paar Schlüsse ziehen, die nicht auf Wikipedia stehen. Und wenn dann die Staatsmacht die Zwangsimpfungen mit Gewalt durchsetzt, dann kann schon mal zum Reichsbürger werden. ::)
Cupitorum spes omnis Circus est maximus.
- Ammianus Marcellinus

Offline Denamio

  • Forengott
  • *****
  • Beiträge: 533
  • Krisonaut
Re: Verschwörungstheorie - und nun?
« Antwort #10 am: 16. Mai 2017, 19:57:19 »
Es hängt wirklich sehr von der VT ab. Manche bieten spezielle Absturzchancen. Wenn du aber Chemtrails, Homöopathie und ähnliches erwähnst und wenn ich mich erinnere, dass er Wissenschaftler war, dann kann er sich bei einem Selbstversuch böse Schaden zufügen.

Zum Beispiel:
Er versucht einen kalten Chemtrail Entzug. Dafür schließt er sich ein, setzt sich Atemmaske auf, verweigert Essen und Trinken, weil das ja auch vergiftet ist und notiert dabei seine Erlebnisse. Sämtliche Symptome schiebt er dann auf den Entzug, dabei fehlen ihm Nährstoffe. Besonders ironisch führt er dabei vielleicht ein gesprochenes Tagebuch und über das gesprochene entgleitet ihm sichtbar der Rest an Realität und Persönlichkeit.

Ähnlich bei Homöopathie. Er glaubt an die Heilkraft der Mittel und schießt damit in die vollen, weil eine üble Krankheit ihn fast dahinrafft. Letzte Szene, er muss gefüttert werden.

Oder die Heilkraft der Kristalle. Er hat wo gelesen das Erdkristalle den Magen reinigen und frisst die. Tut dem Magen garnicht gut. Zusammensturz.

Aber eben je nach Verschwörungstheorie ist da die Möglichkeit anders. Erinnerst dich noch an den Forscher der über Militär forschte und dann glaubte vom CIA bespitzelt zu werden? Er hat seinen Dozentenjob verloren und wird in seinem Fach verlacht.
For a bargain, the world is yours.

Offline Sternsaphir

  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 1.213
  • Geschlecht: Weiblich
  • Realitätsflüchtling
Re: Verschwörungstheorie - und nun?
« Antwort #11 am: 16. Mai 2017, 21:04:48 »
Das hängt sehr vom Charakter des Protas ab.

Eingefleischte Verschwörungstheoretiker drehen und wenden sich alles so, dass es in ihr verkorkstes Weltbild passt.
Mal sind Nachrichten alles nur fake, mal sagen sie plötzlich die Wahrheit, wenn es der Meinung des Protas entspricht.
Das ungeimpfte Kind stirbt an den Folgen einer früheren Masernerkrankung?
Dann hätte es wohl mehr MMS gegen die Hirnhautentzündung nehmen sollen.
Überall Chemtrails und er hat immer noch seinen eigenen Willen? Dann ist das von der Regierung nur besonders gut getarnt.
Ich habe mal den Bericht über einen "Heilpraktiker" gelesen, der seine krebskranke Frau von Schulmedizinern fernhielt (weil sie ihr ja nur giftige Chemo verschreiben würden) und ihr dafür bis zu 60 (hochgiftige) Aprikosenkerne, MMS und all möglich anderen Mist verabreichte. Er hat sie beinah zu Tode "gepflegt" (wobei Pflege ein falsches Wort ist, da er nichts für sie getan hat, außer ihr sämtliche Arztbesuche zu verbieten und sie mehr oder weniger gefangen zuhalten, als sie nicht mehr gehfähig war). Bis heute hat der Mann sein Handeln nicht eingesehen. Seine Frau wäre selbst Schuld oder irgendwelche anderen mysteriösen Kräfte.


Etwas anderes wäre, wenn Dein Prota eher noch nicht ganz von seiner VT überzeugt wäre.
Z.B. ein Kind, dass von seinen durchgeknallten Eltern immer eingetrichtert bekommt, dass es bei sichtbaren Chemtrails den Aluhut aufsetzen soll, und irgendwann begreift: alle anderen setzen keinen Aluhut auf und scheinen gesund zu sein.

Der frühe Vogel fängt den Wurm, aber die zweite Maus kriegt den Käse.

Offline chaosqueen

  • Tauchsieder
  • Obermotz
  • ******
  • Beiträge: 7.164
  • Geschlecht: Weiblich
  • das Seifen-Chaos
    • Susannes Schreibwelt
Re: Verschwörungstheorie - und nun?
« Antwort #12 am: 16. Mai 2017, 21:12:41 »
Danke für die weiteren Antworten!

Ich glaube, das ist eines der seltenen Themen, bei den denen du dir vorher wirklich überlegen musst, was die Dichterin damit sagen will.   ;)

Sehe ich eben genauso. Wobei man eigentlich immer wissen sollte, worauf man grob hinaus will, wenn man einen Roman schreibt. Manchmal reicht es allerdings, wenn man sich das mittendrin einfallen lässt.

Zum Thema Sinn und Unsinn von Impfungen sollten wir uns ggf. einen anderen Thread suchen, sonst kommen wir hier ganz schnell vom Thema ab. ;)

@Denamio:
Ob er Wissenschaftler sein wird (ich hatte ihn als Soziologen angelegt, der eigentlich anhand eines Experiments erforschen will, warum so viele Menschen für VT anfällig sind und dann eben selber dort landet), muss ich noch mal schauen. Letztlich geht es mir darum, zu zeigen, wie schnell man in so etwas reingerät, auch wenn man gebildet und in sich gefestigt ist (wobei ich noch herausfinden will, ob gefestigte Leute wirklich auf VT hereinfallen). Ich hab also quasi einen Aufhänger und minimale Eckpunkte der Geschichte, von denen die meisten aber noch umgeworfen werden können.

@Sternsaphir:
Mein Prota ist ein erwachsener und eben sowohl gebildeter als auch sehr kritischer Mensch. Möglicherweise wird ihm seine Skepsis zum Verhängnis, weil er den oft ja sehr gut gemachten VT plötzlich mehr traut als den von der Regierung (der NWO oder wem auch immer) beeinflussten Medien. Ein Kind ist er definitiv nicht mehr, das passt nicht zu meiner Idee. Und sein Kind wird vermutlich noch zu klein sein, um zu merken, was Papa da treibt, da ist dann halt die Frau / Freundin diejenige, die das Kind vor ihm schützen will und ihn daher verlässt.

Ich kenne nachgewiesen hochintelligente Menschen, die an VT glauben. Es stimmt eben leider nicht, dass nur bildungsferne Menschen sich davon einwickeln lassen. Oft sind es gerade diejenigen, die über den Tellerrand schauen, mit der Gesamtsituation unzufrieden sind und nach Alternativen suchen. Die landen dann vielleicht nicht gerade beim Konzept der flachen Erde, aber durchaus bei Chemtrails, NWO, den bösen Zionisten etc. pp.

Offline Araluen

  • Elite
  • ******
  • Beiträge: 1.656
  • Geschlecht: Weiblich
  • KEKSE!
Re: Verschwörungstheorie - und nun?
« Antwort #13 am: 16. Mai 2017, 21:44:59 »
Meine Idee bei deiner Frage war, zuerst Prota und Leser in die VT rutschen zu lassen. Der Leser soll glauben, was Prota glaubt. Dann kriegt der Leser die Erleuchtung. Der Leser weiß dann definitiv, dass die VT Humbug ist und Prota sich da mehr und mehr verrennt. Prota würde ich an seiner VT zugrunde gehen lassen - soziales und/oder finanzielles Aus... oder er sprengt am Ende was in die Luft ;)
Der Leser weiß es längst besser, kann dann aber wie Protas Umfeld nur noch hilflos zusehen.

Offline Sternsaphir

  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 1.213
  • Geschlecht: Weiblich
  • Realitätsflüchtling
Re: Verschwörungstheorie - und nun?
« Antwort #14 am: 16. Mai 2017, 21:45:32 »
Ich kenne nachgewiesen hochintelligente Menschen, die an VT glauben. Es stimmt eben leider nicht, dass nur bildungsferne Menschen sich davon einwickeln lassen. Oft sind es gerade diejenigen, die über den Tellerrand schauen, mit der Gesamtsituation unzufrieden sind und nach Alternativen suchen. Die landen dann vielleicht nicht gerade beim Konzept der flachen Erde, aber durchaus bei Chemtrails, NWO, den bösen Zionisten etc. pp.

Da stimme ich Dir zu.
Vor allem unter Impfgegner finden sich viele gebildete und hochintelligente Menschen, die dann mit ihrer Einstellung "zurück zum Ursprünglichen" wollen und Impfungen als Last der übertechnisierten Medizin ansehen und den Dingen lieber "ganz natürlich" ihren Lauf lassen. Weil das ja gesünder wäre.

Ich finde dieses Paradoxon immer wieder sehr faszinierend. Eigentlich müssten es diese Menschen durch ihre Bildung besser wissen, aber sie tun es nicht.
Naja, Wissen ist schließlich nicht Weisheit.
Der frühe Vogel fängt den Wurm, aber die zweite Maus kriegt den Käse.

  • Drucken