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Autor Thema: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?  (Gelesen 1107 mal)

Offline TheMadZocker

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Das... waren die besten Worte der Ermutigung, die irgendjemand jemals hätte wählen können! Vor allem, da Herr der Ringe zu meiner liebsten Fantasy-Reihe überhaupt zählt, und ich mir die Zitate mit den Worten der entsprechenden Charaktere vorstellen konnte, war das einfach wunderschön, danke dafür! *keinen "gerührt"-Emoji find*

Es freut mich jedenfalls sehr zu hören, dass ich auf dem richtigen Weg zu sein scheine. Du hast nämlich vollkommen recht, dass Ängste richtig gute Wegweiser sein können. Einst hatte ich z.B. Angst vor neuen Klassenkameraden, als ich in die 5te kam. Und bis heute genieße ich seit jener Zeit eine Freundschaft, die starke Bande schmiedete. Ironischerweise machen wir diesen Samstag sogar einen Herr der Ringe-Marathon, mit allen 3 Hauptteilen in der Extended Edition, die wohl gut und gerne 12 Stunden lang dauern wird. :)

Tatsächlich bin ich nach Theodens Vortrag mehr als gewillt, meine Welt endlich zum Leben erwachen zu lassen, da ich den Ritt der Rohirrim nun mit deinem Post in Verbindung bringen konnte! Alles, was mir jetzt noch fehlt, sind Struktur, eine passende abzuarbeitende Liste und die nötige Vorstellungskraft, mir die Charaktere und Umgebungen detailgetreu im Kopf ausmalen zu können.

Offline Kerstin

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Da du angesprochen hast, dass du keine Ahnung hast, auf was man beim Plotten achten muss. Hast du es schon mal mit der 7-Punkt-Struktur versucht? Sie ist sehr einfach, gibt aber ein solides Grundgerüst, an dem man sich entlangschreiben kann.

Hier ist ein Video (bzw. die mehrteilige Reihe) dazu - damit habe ich es "gelernt"): https://www.youtube.com/watch?v=KcmiqQ9NpPE
Es gibt aber auch geschriebene Zusammenfassungen. Für mich ist das Video aber immer noch am verständlichsten.

Ansonsten denke ich, dass es wichtig ist, das Ende zu kennen.
Du darfst dabei aber nicht zu selbstkritisch sein. Bei mir steht oft auch nur das Endergebnis. (Mörder tot / gefangen, Held lebt - Drache tot).
Das genaue "wie" kannst du auch später noch austüfteln.
Dasselbe trifft auf die anderen Punkte bei der 7-Punkt-Struktur zu. Es reicht, wenn man eine erste Idee dort hat. Meistens ergibt sich noch etwas Besseres beim Schreiben und wenn nicht, dann hat man zumindest etwas und schreibt das.
Spätestens bei der Überarbeitung sagen einem die Testleser dann, was man besser machen kann.

Ansonsten funktionieren auch Ideen oft sehr gut, die wir für einfallslos, langeweilig ... halten. Das liegt daran, dass wir die Geschichte in ihrer Gesamtheit auf dem Reißbrett sehen. Die Leser nicht!
Das darf man nie vergessen.
Meistens passiert es mir oft und ich packe zu viel in die Geschichte. Im Lektorat wird dann die Hälfte wieder rausgenommen.  ;D

Ich kann deine Angst und Frustration aber gut nachvollziehen.
Mir geht es oft so, dass ich von meinem eigenen Geschriebenen enttäuscht bin. Aber dafür gibt es die Überarbeitung!
     

Offline Witch

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@MadZocker: Du musst das jetzt nicht hier beantworten, aber einfach für dich: Wie lange schreibst du schon? Mir scheint, als wärst du noch in der Findungsphase. Immer, wenn man mit etwas anfängt, muss man erst einmal herausfinden, was für Techniken für einen überhaupt funktionieren und wie die eigene Arbeitsweise ist. Jede/r hier im Forum, das kann ich dir versichern, hat so manches Projekt an die Wand gefahren, bevor er/sie ein System gefunden hat, dass für ihn/sie funktioniert. Und den "Grossen" (so nenne ich die erfolgreichen Autoren, die wir alle bewundern) ging es genauso. Die haben alle auch nicht eine Idee gehabt, hingeschrieben und fertig. Das ist ein langer Prozess, der sich entwickelt und man selbst entwickelt sich mit ihm. Man muss ausprobieren und Fehler machen und gegen Wände laufen, um herauszufinden, was geht und was nicht. Irgendwann, wenn man genug Erfahrung gesammelt hat, kann man dann die Wände umgehen, aber auch dann macht man noch Fehler und auch dann steht ab und zu etwas Unvorhergesehenes im Weg. Ich denke, das ist einfach das Wesen des Arbeitens (und es ist auch Arbeit), auch im Kreativen.

Hilfreich ist, wie schon gesagt, auch herauszufinden, was es überhaupt für Techniken gibt. Also, Ratgeber lesen, das müssen keine Regelwerke sein, es gibt auch gute Blogs mit entsprechenden Tipps. Wie mehr du ausprobierst, umso mehr wirst du herausfinden, wie du am besten Arbeiten kannst.
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Offline Tejoka

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@TheMadZocker Mir kommt einiges bekannt vor von dem, was du schreibst.
Und an die anderen: Danke für die Ermutigung, die ich einfach mal auf mich auch beziehe ;D
Ich kenne diese Angst, etwas zu schreiben. Bei mir vor allem die Angst, es nicht gut genug zu können. Generell bin ich jemand, der mehr Ideen für Romane hat, als ich jemals schreiben kann. Und wenn ich wieder dabei bin, eine in Gedanken auszuarbeiten, finde ich sie in der Regel total toll. Und dann kommt die Angst, dass ich ihr einfach nicht gerecht werden kann. Also leg ich sie auf Eis und denke, wenn ich besser schreiben kann, packe ich sie an. Inzwischen habe ich mit einer angefangen, die bewusst als leichtes Zwischengeplänkel ohne so viel Anspruch gedacht war. Aber auch hier hat mich wieder der Perfektionismus gepackt ...

Aber es hilft, sich sagen zu können, dass der erste Entwurf nicht perfekt sein muss. Von daher würde ich dazu raten, erst zu plotten, bevor du schreibst. Da gibt es viele gute Plotmethoden - ich glaube, die meisten benutzen eine eigene, abgewandelte Form so einer Technik wie der Schneeflockenmethode oder der 7-Punkte-Struktur, of auch miteinander kombiniert. Dann kannst du so lange am Plot arbeiten, bis du nicht nur damit zufrieden bist, sondern auch weißt, wo du mit der Geshichte hinwillst, was das Thema ist und so weiter. Wenn du dann mal nicht weiter kommst, orientiere dich an der Grundidee. Ich frage mich manchmal, worum es mir wirklich geht bei der Geschichte. Warum schreibe ich das, was will ich erreichen? Wie kann ich das machen? Hilft zwar nicht immer, aber es kann ganz gut dazu dienen, Ideen auszusortieren, die dich nur von der eigentlichen Geschichte ablenken.
Im Übrigen habe ich gelernt, dass ich keine Angst haben darf, Sachen zu ändern. In der Regel tut das dem Buch nur gut, auch wenn ich dann etwas nicht drin habe, das mich vor einem Jahr dazu bewogen hat, überhaupt erst mit der Geschichte anzufangen :P

Aus eigener Erfahrung kann ich mich dem Rat nur anschließen, ein Notizbuch zu führen oder irgendwo anders alle wichtigen Ideen aufzuschreiben, und dem Rat, Schreibratgeber zu lesen. Dadurch kommst du auch an Ideen und Techniken, die dir beim Plotten helfen. Auch Schreibratgeber in Blogform. Da gibt es hier im Tintenzirkel auch einiges, ich habe auch schon seit Längerem vor, mich mal durch die Schreiblinks zu klicken. ;D



Offline Witch

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Ich kenne diese Angst, etwas zu schreiben. Bei mir vor allem die Angst, es nicht gut genug zu können.

Diese Angst begleitet mich auch ständig. Ich glaube aber auch, dass es gut ist, einen gewissen Anspruch an sich selbst zu haben, denn nur so wird man besser. Das bedeutet natürlich, dass man sich von dieser Angst nicht aufhalten lassen darf. Nur, indem man schreibt, wird man besser und nur dann kann man sich dieser Qualität annähern, die man gerne erreichen möchte. Gleichzeitig finde ich es wichtig, sich klarzumachen, dass man aber immer am Üben ist und sich immer - immer -  verbessern kann. Ergo, ist man eigentlich dann nie so gut, wie man gerne wäre, denn wie mehr man lernt, umso mehr steigt ja auch der Anspruch an die eigene Arbeit. Ein Teufelskreis. Einerseits kann einen das frustrieren, andererseits finde ich es aber auch beruhigend, denn es heisst, dass nicht alles hundert Prozent perfekt sein muss. Achtzig Prozent reichen im Leben meistens.  ;)

Ich schaue mir gerne Interviews mit den Grossen an, weil mich das aufbaut, und ratet mal. Sogar die haben solche Gedanken! Leute, die viel mehr Erfahrung und Übung haben und viel älter sind als ich, haben diese Probleme auch. Ich schliesse daraus, dass es wohl einfach menschlich ist. Damit umzugehen ist die Schwierigkeit.

Eine Freundin von mir hat mich letztens darauf aufmerksam gemacht, dass sich auch Autoren, die wir schon genial finden, noch verbessern. Wenn man deren frühe Werke mit späteren vergleicht, fällt einem ein riesiger Unterschied auf. Vielleicht muss man einfach alles als eine Übung betrachten, damit es leichter fällt.  :omn:
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Offline Silvasurfer

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Zitat
Eine Freundin von mir hat mich letztens darauf aufmerksam gemacht, dass sich auch Autoren, die wir schon genial finden, noch verbessern. Wenn man deren frühe Werke mit späteren vergleicht, fällt einem ein riesiger Unterschied auf. Vielleicht muss man einfach alles als eine Übung betrachten, damit es leichter fällt.  :omn:

Oder auch Musiker wie David Bowie, wo ich gerade deine Signatur lese. Und auch sonst muss ich dir voll und ganz zustimmen. Du bringst das richtig gut auf den Punkt.

Davon abgesehen, finde ich es sehr inspirierend, das Leben als Erfahrung zu betrachten, wenn ich deine Worte mal in eigene Worte fassen darf. Einige betrachten es als einen Weg bei dem sie Trophäen einsammeln und wollen in diesem Sinne weit kommen. Für andere ist es sogar mehr schein als sein, auch da kenne ich welche. Doch sobald man das Leben als Erfahrung betrachtet, gibt es keine Konkurrenz mehr, nur noch Menschen mit denen man die Erfahrung des Daseins teilt und man freut sich über die Erfolge anderer. Niederlagen sind auf einmal in gewisserweise bessere Erfahrungen, als Erfolge, denn man möchte sich von diesen Erfolgserlebnissen ja nicht trügen lassen, dass man sich jetzt zurücklehnen darf!

Ich musste eine solche Haltung erst erlernen, muss ich an dieser Stelle leider ehrlicherweise einwenden. Gute Noten in der Schule trotz einer Faulheit, die bis zum Himmel stinkte... Das ist eine graunvolle Mischung, kann ich euch sagen! Deshalb meinte ich ein paar Sätze zuvor, Niederlagen seien bessere Erlebnisse sind als Erfolge. Meine grösste Angst ist momentan Erfolgserlebnisse, Lob und so weiter, nicht weil es sich nicht gut anfühlt, sondern gerade weil es sich so gut anfühlt, wiel es so einfach ist dann den inneren Dämonen zu erliegen und sich zurückzulehnen. Diese Schulzeit, in der ich keine Angst hatte schlecht zu sein, möchte ich nie wieder erleben, es ist der Teil meines Lebens, der mich noch bis heute manchmal fertig macht!!!

Und in dem Sinne hast du vollkommen Recht, the witch, deine Meinung bestätigt sich nicht nur durch positive Beispiele, wie die ganz grossen Idole, sondern auch durch negative Beispiele, wie mich.

Angst nicht gut zu sein ist eine tolle Angst, eine der besten Ängste die man haben kann und vllt auch einige der Angste, die es sich nicht lohnt zu überwinden, denn sie bringt einen dazu gut zu sein!
Ich weiss noch nicht mal ob Angst das richtige Wort ist, vielleicht wäre Selbstbewusstsein das richtige Wort, denn Selbstvertrauen ist zwar schön und gut aber Selbstbewusstsein ist doch besser! Ausser du meinsyt mit Angst nicht gut zu sein, die Angst, dass es unmöglich ist, enweder weil das Ziel zu hoch ist oder du so sehr an dich zweifelst, dass du dich limitierst und gar nicht erst anfängst. Das ist nochmal eine andere Geschichte und in dem Fall sollte man die Angst icht gut zu sein überwinden.
Sie sagen: "Wenn du denkst, dein Protagonist habe genug gelitten, lass deinen Helden noch ein wenig mehr leiden!" Ich weiß nicht wer es zuallererst gesagt hat. Aber er oder sie hat verdammt nochmal recht!


Offline Tejoka

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Ihr habt das beide schön formuliert, finde ich :) Diese Angst, oder wie immer man das nennen will, kann eine riesige Motivation sein. Und es stimmt auch, dass man ihr wohl nie ganz entkommen kann. Auch wenn man sich ständig verbessert.
Es kann aber zu einem Problem werden, wenn die Angst Überhand gewinnt und man sich selbst blockiert.
Ich weiß aber auch nicht, ob es gut ist, ständig an sich zu zweifeln. Klar kann einen das zu Höchstleistungen treiben. Aber vielleicht sind die Leute glücklicher, die sich mit "einigermaßen gut" zufrieden geben, anstatt derer, die ständig etwas an sich selbst und ihrer Arbeit auszusetzen haben, auch wenn sie vielleicht schon Bestsellerautoren sind ...  :wums:
Von daher finde ich es wichtig, zu lernen, sich und seine Grenzen einschätzen zu können, und mit solchen Zweifeln umzugehen. Nicht nur beim Schreiben, natürlich.


Offline Witch

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Zitat
Gute Noten in der Schule trotz einer Faulheit, die bis zum Himmel stinkte... Das ist eine graunvolle Mischung, kann ich euch sagen!

Dann haben wir etwas gemeinsam. :knuddel: Überhaupt, auch im Arbeitsleben, immer noch bei mir... Manche Dinge fallen mir so leicht, dass sie für mich völlig normal sind und andere bewundern oder beneiden mich dann dafür. Ich neige dann manchmal dazu, der Arroganz zu verfallen. Ich mag gar nicht daran denken, wie ich war, als ich in den Tintenzirkel gekommen bin. Total überzeugt von mir selbst und selbstverständlich würde ich mit meinem Erstling einen Verlag finden und einen Bestseller landen, jawohl! Tja, der liegt jetzt in der Schublade, es ist mir schon peinlich, das nur zu lesen und ich habe gesehen, wie viele Leute es gibt, die das alles viel besser können als ich. Da war es dann vorbei mit der Selbstüberzeugung. Aber diese Art von Überzeugung war auch nicht gesund. Ich habe auch das andere Extrem kennengelernt, Leute, die so überzeugt von sich selbst sind, dass sie nicht mehr kapieren, dass sie auch Fehler machen und immer nur auf den anderen herumhacken. So kommt man auch nirgends hin im Leben. Jedenfalls nicht langfristig.

Ach ja, Bowie. Bei ihm muss ich immer daran denken, dass er ja offenbar zu Beginn seiner Karriere extrem schüchtern war. Jemand, dem man nichts zutraute und belächelte (es gab Plattenbosse, die ihm gesagt haben, seine Kunst wäre zu speziell und deshalb unverkäuflich. Haha, deren Gesichter hätte ich sehen wollen. :rofl:). Aber das zeigt einfach, wie man sich entwickeln und auch in gewisse Gegebenheiten hineinwachsen kann.
Apropos Musiker, Jack White hat einmal gesagt (in ungefähr): "Ich fürchte den Tag, an dem ich mit mir selbst zufrieden bin, denn das wäre der Tag, an dem ich aufhöre, besser zu werden." Das gefällt mir, heitert mich immer wieder auf.  ;D

Zitat
Ich musste eine solche Haltung erst erlernen, muss ich an dieser Stelle leider ehrlicherweise einwenden.

Ich glaube, das müssen viele erst erlernen. Ausser, Bescheidenheit wird einem von kleinauf eingetrichtert, aber wenn man zu bescheiden ist, wird man nur unterjocht. Das ist eine Gratwanderung, finde ich, die nicht einfach ist. Manche finden nie eine Balance dazwischen, wir sind eigentlich schon weit gekommen, wenn wir sie haben und (zumindest meistens) halten können.

Ja, dass einen der Erfolg vergiften kann, sagen ja auch viele erfolgreiche Leute... Habe aber noch nie darüber nachgedacht.  :hmmm:
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Offline Solmorn

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@TheMadZocker

Zitat
Nur bin ich gerade, wie bereits erwähnt, nur auf diese eine Welt fokussiert, auf dieses kleine Universum in meinem Kopf.

Jup, ich auch. ;)
Ich finde es aber gerade deshalb einfacher, alle unausgereiften Ideen in diese eine unendliche Geschichte einfließen zu lassen, weil ich ja genau weiß, dass das alles zu ein und demselben Universum gehört, wodurch es sehr viel einfacher ist, verschiedene Ansätze zu verbinden. Muss man aber auch erstmal reinwachsen und es ist sicher nicht jedermanns Sache, so ein ungeordnetes Chaos an verschiedensten Geschichten zu haben.

Zitat
Diese andere Variante ist also basically alles in einem kürzeren Text zu definieren und sich so einen roten Faden aufzubauen?

Basically, that's it.  :)
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Offline canis lupus niger

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Wohl wahr. Ich möchte auch irgendwo anfangen - nur weiß ich nicht WO. Ich habe mich mehrmals an den Anfang der Geschichte gewagt, nur um mich wieder am Reißbrett wiederzufinden, weil mir nichts einfällt oder ich mit dem text unzufrieden bin.

So geht es mir auch immer. Deshalb schreibe ich - zumindest am Anfang eines Projekts - das, wozu ich Lust, bzw. eine Idee habe. Ist nicht sehr wirtschaftlich, aber sehr motivierend, denn ich beginne auf diese Weise, eine Beziehung zu meiner Geschichte herzustellen und ihre Charaktere kennenzulernen. Vielleicht hilft es auch Dir, einfach mal eine Szene zu Papier zu bringen, die Dir besonders lebendig immer wieder durch den Kopf geht. Mein Einstieg in das ernsthafte Schreiben war eine Szene, die jetzt im ersten Drittel des zweiten Bandes meiner Reihe steht. Hab ich jahrelang immer wieder vor Augen gehabt, bis der Moment da war, zum Stift zu greifen. Auf diese Weise entsteht natürlich auch vieles, was niemals Teil eines Romans wird/werden kann, was mir aber hilft, die Charaktere und Welt besser kennen zu lernen.

Die Angst, etwas zu produzieren, was nicht gut ist, lähmt sicherlich auch. Aber bedenke: Niemand fängt mit dem großen Roman an, der sprachlich und stilistisch perfekt ist. Die Fähigkeiten muss man durch viel Übung im Lauf der Zeit erst erwerben. Und um das zu erreichen, gehört meiner Meinung nach vor die Disziplin die Motivation, nämlich der Wunsch und die Freude daran, überhaupt eine Geschichte zu erzählen. Erst wenn man diese Motivation ausreichend stark empfindet, hat man das Durchhaltevermögen, sein Geschriebenes kritisch zu hinterfragen, Fachbücher zu lesen, an Workshops teilzunehmen, sich von Betalesern schonungslos kritisieren zu lassen ..., halt all das auszuhalten, was eine sensible Seele vor allem am Anfang als Enttäuschung, Rückschlag und Langeweile empfinden kann.

Im Rahmen dieses selbst-Motivierens brauche ich es, mit meinen Ideen zu spielen, sie anfassbar zu machen. So gesehen kann es (für mich!) durchaus richtig sein, in Notizbüchern auch Ideen festzuhalten und durchzuspielen, die am Ende nicht verwendbar sind. Übung zum besser Werden gewinnt man dabei allemal. Das Selektieren und Plotten beginnt für mich an einem sehr viel späteren Punkt. 

Offline Feuertraum

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[...] und ich habe gesehen, wie viele Leute es gibt, die das alles viel besser können als ich.

Und genau da stellt sich die Frage: Können sie es? Ich mache es auch immer wieder gerne, dass ich mich "mit den Großen" in der Branche vergleiche. Zum Beispiel mit Comedians, die mittlerweile ganze Säle füllen, bei denen jede Pointe so sitzt, dass die Zuschauer gar nicht anders können als zu lachen.
Auch wenn sich dieses Denken hin und wieder mal in mein Köpfchen einnistet (meistens mit der Absicht, mich zu zensieren, mir den Mut zu nehmen, mich zu unterjochen), es kommt auch vor, dass dann die Vernunft und die Logik angeschwommen kommen und sagen: Moment, was die machen, ist ihr Stil, du hast den deinigen, und der ist nun mal deiner. Klar bekommst auch du Routine, wirst souveräner im Vortragen, lernst dazu. Aber vergleichen und denken, dass nur die Großen es drauf haben, sonst wären sie nicht die Großen, da erzählt dir der Zensor Quatsch.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich lese viel, ich lerne von anderen Autoren. Aber ich versuche, mich nicht mehr mit ihnen zu vergleichen. Ich versuche, sie nicht nachzuahmen.

Zitat
Da war es dann vorbei mit der Selbstüberzeugung. Aber diese Art von Überzeugung war auch nicht gesund. Ich habe auch das andere Extrem kennengelernt, Leute, die so überzeugt von sich selbst sind, dass sie nicht mehr kapieren, dass sie auch Fehler machen und immer nur auf den anderen herumhacken. So kommt man auch nirgends hin im Leben. Jedenfalls nicht langfristig.

Ein solches Mitglied hatten wir hier im Tizi auch einmal. Jedes Wort, was besagtes Mitglied schrieb, war Gold wert, und wer es auch nur annähernd wagte, Kritik an den göttlichen Worten auszusprechen, hatte keine Ahnung und sollte bis aufs Messer "bekämpft" werden.

Zitat von: Tejoka
Bei mir vor allem die Angst, es nicht gut genug zu können.

Wobei sich natürlich irgendwo die Frage stellt: Was ist gut?
Ich glaube, dass ist ein vollkommen falscher Ansatzpunkt. Ich glaube (und das ist jetzt nur meine unmaßgebliche Meinung), die Frage, die man sich stellen sollte, ist, aber wann beginnt das Verschlimmbessern, wie bzw. woran erkennt man das?
Ich erinnere mich an eine Geschichte, die bei 7 Tage - 7 Köpfe vorgetragen wurde und eigentlich ein Witz sein sollte (den ich persönlich jetzt nicht so pralle fand). In dieser Geschichte wird erzählt, dass ein Mann eine schöne, attraktive Frau in einer Bar sieht und sie rumkriegen will. Also textet er sie zu. Irgendwann hat er einen Punkt erreicht, wo sein "Gesülze" Erfolg hat und die Frau beschließt, mit ihm nach Hause zu gehen. Nur erkennt er diesen Zeitpunkt nicht und quasselt weiter - bis es ihr zuviel wird und sie geht. Ohne ihn.
Und genau da wächst im Hasen der Pfeffer (wie ich immer gerne zu sagen pflege, um ein bekanntes Sprichwort etwas durcheinanderzuwirbeln): Eigentlich meint man, man sei nicht gut, obwohl alles passt, der eigene Anspruch sich aber als Hindernis entpuppt, der einem einredet, dass die Latte doch viel zu niedrig ist und sie auf jeden Fall noch 2 - 3 Meter höher muss.
Aber zu erkennen, dass das Blödsinn ist, das fällt (zumindest mir) sehr schwer.
Das Fahrrad heulte herzergreifend, weil an ihm ein Hund  seine Notdurft verrichtete.

Offline Silvasurfer

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Zitat
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich lese viel, ich lerne von anderen Autoren. Aber ich versuche, mich nicht mehr mit ihnen zu vergleichen. Ich versuche, sie nicht nachzuahmen.

Das ist ein sehr guter Einwand. Das ist vermutliche die Form des Slevstvertrauens die wirklich gesund ist, das vertrauen auf eigene Individualität, den eigenen originellen Stil, dem bewusstsein, dass andere gut sind und man von ihnen lernen kann, aber das sie letzten endes nicht 1:1 kopieren muss, um gut zu sein, weil die Originalität eben in einen STeckt.

Kunst ist Entfaltung der Prsönlichkeit und nicht umgekehrt, auchw enn man natürlich, seinen Leser kennen sollte ;)
Die unverwechelsbaren grossen Künstler hatten viel Einflüsse Idole etc aber sind sich auch einig letzten Endes zu sich stehen zu wollen: "For ever trust in who we are... And nothing else matters!"
Sie sagen: "Wenn du denkst, dein Protagonist habe genug gelitten, lass deinen Helden noch ein wenig mehr leiden!" Ich weiß nicht wer es zuallererst gesagt hat. Aber er oder sie hat verdammt nochmal recht!


Offline Tejoka

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Zum Thema vergleichen mit den Großen: Es stimmt, das kann einem die Motivation rauben. Man sollte meiner Meinung auch nicht versuchen, es so wie xy zu machen, auch wenn man sich natürlich inspirieren lassen kann. Aber ich sehe hier schon die Gefahr, sich mit solchen Vergleichen einzuschüchtern. Das ist wahrscheinlich auch Typsache - wenn der eine denkt "oh, super, dieser tolle Kerl hat dieselben Probleme wie ich, das baut mich auf", kann ein anderer denken "Hilfe, wie soll ich jemal so gut werden?"  :wums: Wobei das natürlich Vergleiche auf unterschiedlichen Ebenen sind.
(Andererseits kann es natürlich auch fast aufbauend sein, zu sehen, welcher Mist offenbar gut genug ist, verlegt zu werden.)

@Feuertraum Natürlich haben Sie recht. Man kann sich mit Perfektionismus auch selbst ein Bein stellen. Damit habe ich auch manchmal Probleme, zum Glück aber weniger beim Schreiben. Hier ist es hilfreich, Rückmeldung von anderen zu bekommen. Und ab und zu innezuhalten, versuchen, gedankliche Distanz zu gewinnen und das Ganze aus einer möglichst objektiven Sicht zu betrachten.

Letztendlich geht es darum, eine gute Balance zwischen Selbstvertrauen, Zuversicht und Anspruch an sich selbst zu finden.
Vielleicht schaffe ich das in hundert Jahren sogar ...  ;D

Offline Witch

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Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich lese viel, ich lerne von anderen Autoren. Aber ich versuche, mich nicht mehr mit ihnen zu vergleichen. Ich versuche, sie nicht nachzuahmen.

Feuertraum, genau darin übe ich mich zurzeit. Also, ich habe ja mein Idol, den Herrn John Ajvide Lindqvist aus Schweden, (wie niemand hier im TiZi weiss, *räusper*), und lange wollte ich immer so schreiben können wie er. Ich habe versucht, seinen Stil zu imitieren und natürlich hat er einen grossen Einfluss auf mich. Erst kürzlich ist mir klar geworden, dass das Quatsch ist, denn wie ich schon sagte: Älter als ich, hat ein anderes Leben geführt, andere Ausbildung, andere Erfahrungen etc... Sprich, ich bin ein anderer Mensch und somit natürlich auch automatisch ein anderer Autor. Und das soll auch so sein. Nichts ist langweiliger, als eine schlechte Kopie. Es fällt mir nur nicht leicht, weil immer, wenn ich so ein geniales Buch lese, denke ich: Das will ich auch können. Aber vielleicht muss ich nicht genau das können, ich kann anderes und sollte mich vielleicht darauf konzentrieren.
Seit mir das klargeworden ist, versuche ich herauszufinden, wer ich denn nun bin als Autorin. Ohne diese Krücke, dieses Festklammern an ein Ideal, das vielleicht nicht meines ist. Es ist wie mit dem Singen. Man hört die Originalsänger und denkt: Das will ich auch, dieses Lied will ich singen können. Aber das Original hat vielleicht einen viel weiteren Stimmumfang oder eine viel tiefere oder viel höhere Stimme. Also kann ich das nicht genau gleich singen. Aber ich kann es auf meine Art singen. Es ist dann zwar nicht dasselbe, aber es klingt sicher besser, als wenn ich versuche, etwas zu imitieren, was mir schon rein physisch gar nicht möglich ist. Das, was beim Singen das Physische ist (dass z.B. Frauenstimmen tendenziell höher sind als Männerstimmen) ist beim Schreiben die individuelle Lebenserfahrung (und damit meine ich alles, was ich oben aufgezählt habe).

Zitat
Die unverwechelsbaren grossen Künstler hatten viel Einflüsse Idole etc aber sind sich auch einig letzten Endes zu sich stehen zu wollen:

Ja, das stimmt. :) Die machen auch alle etwas wirklich Eigenes und wenn jemand kommt, der nur eine Kopie von irgendetwas ist, merkt man das sofort.
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Offline Galaksy

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Re: Viele Ideen - Welche behält man und wie steht's mit der Motivation?
« Antwort #29 am: 21. Juni 2017, 12:38:21 »
Bei mir ist es eine Frage des "Steuerns". Eine Idee besteht schließlich nicht nur aus der einzelnen Idee, sondern aus vielen weiteren Ideen, durch die dann ein rundes Bild entsteht, und wenn ein Projekt mich packt, dann konzentriere ich mich auf diese Geschichte und Brainstorme über die Charaktere und Handlungsorte darin. Habe ich dann eine weitere große Idee, bin ich meistens immer noch so sehr in dieser Geschicht gefangen, dass sie gar nicht den riesigen Reiz auf mich macht, ich sie einfach einmal kurz niederschreiben kann und dann weiter machen kann. Allerdings muss ich sagen, was unglaublich hilft beim Brainstormen und beim fokussiert bleiben, ist jemand, mit dem man darüber reden kann. Besonders nützlich: Ein Partner, der in der gleichen Welt schreibt, der dadurch ähnlich viel weiß und mit dem man praktisch über die eigene Geschichte und Welt "fangirlen" kann.

Manchmal habe ich allerdings mehrere Geschichten gleichzeitig. Es ist allerdings so, dass ich bei diesen Geschichten mich dann in unterschiedlichen Arbeitsabschnitten befinde: Die eine ist bereits geplottet und ich schreibe sie in der Rohfassung herunter, Bei der zweiten betreibe ich gerade Weltenbau und Charakterentwicklung, bei der dritten überarbeite ich. All diese Arbeitsschritte beanspruchen unterschiedliche Bereiche meines Gehirns; dadurch stören sie sich gegenseitig nur wenig. Ich bin nicht besonders gut darin, mehrere Bücher gleichzeitig zu schreiben, denn meistens endet das darin, dass mich ein Projekt wesentlich mehr interessiert als ein anderes, und ich das "weniger interessante" Projekt fallen lasse.

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