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Autor Thema: Wie stelle ich sich entwickelnde Paranoia dar?  (Gelesen 369 mal)

Offline Solmorn

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Wie stelle ich sich entwickelnde Paranoia dar?
« am: 08. April 2017, 16:39:09 »
Hallo!

Ich stehe gerade vor einem ernsten Problem in einer Urban-Fantasy-Geschichte.
Der weibliche Protagonist (17) hat gerade festgestellt, entgegen ihrer bisherigen Annahme nicht normal zu sein sondern Gedanken lesen zu können (nicht der neueste aller Ansätze, ich weiß). Anfangs war es für sie ein Sport, sich in den Verstand der Leute um sie herum einzuschleichen und darin herumzuspionieren, aber sie kann es nicht vollständig kontrollieren und "rutscht" manchmal ungewollt in fremde Geister.
Bei einer Gelegenheit fällt sie dabei in Ohnmacht und ist kurzzeitig im Unterbewusstsein eines anderen Charakters gefangen, wo sie dessen Traum von einem gesichtslosen Geist miterlebt. Seitdem träumt sie selbst häufig von diesem Geist und sieht auch in Wachphasen ihn oder sein Symbol...

Und JETZT das eigentliche Problem - bisher war die Handlung sehr dicht, hat sich also im Roman täglich weiterentwickelt. Jetzt kommt eine Phase, in der über einen längeren Zeitraum diese Albträume und Visionen stetig schlimmer werden und sich bei der Prota eine Paranoia entwickelt, die sie sich von ihren Freunden und Verwandten distanzieren lässt.
Es ist wichtig für den Plot, dass der Leser mitbekommt, wie sich der Geist Stück für Stück in ihr Leben einschleicht. Ich weiß aber nicht, wie ich das am besten darstellen soll, vor allem da es sich vorerst noch um einen Nebenstrang handelt, der zumindest scheinbar nichts mit der Haupthandlung zu tun hat...
Eine zusammenfassende Beschreibung, die in fünf Sätzen zwei Wochen zusammenfasst, fällt mehr oder weniger weg, da man als Leser selbst die wachsende Bedrohung mitfühlen soll. Theoretisch müsste ich also mindestens vierzehn Tage mehr oder weniger minutiös nacherzählen, um dann gewisse Leitmotive in steigender Häufigkeit einzustreuen; dabei sehe ich aber die Gefahr, dass das Drumherum - also der Alltag einer Oberstufenschülerin - sehr schnell langweilig und trocken wird und man das Thema - also den Geist - aus den Augen verliert, von der eigentlichen Kernhandlung ganz zu schweigen. Ich habe auch schon versucht, den Alltag zu minimieren und die Entwicklung nur anhand der Präsenz des Geistes zu zeigen, da ich aber wie erwähnt ein paar Leitmotive nutze, um ihn / sein Erscheinen anzukündigen, wirkt das auch sehr repetitiv.

Wahrscheinlich müsste ich irgendeine Art von Goldenem Mittelweg finden, aber ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie der aussehen soll...
Kann mir da jemand helfen?
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Offline Tejoka

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Re: Wie stelle ich sich entwickelnde Paranoia dar?
« Antwort #1 am: 08. April 2017, 16:56:41 »
Ich würde mich wirklich vor allem auf die Entwicklung konzentrieren. Wenn du zu viel "normales Leben" zeigst, wird das schnell langweilig.
Mein Rat: Nimm dir einfach ein paar Szenen heraus, aus denen man die Entwicklung sehen kann (du könntest auch Hinweise geben, dass das nicht die einzigen Vorfälle dieser Art sind).
Vielleicht jedesmal eine kurze Einleitung oder Einordnung dazu. Wenn es geht, platziere diese "Episoden" am Besten in Situationen, die auch so schon interessant oder spannend sein könnten, z.B. diese eine Klausur, bei der sie unbedingt eine gute Note braucht oder eine Krise in der Familie oder so.

Wie wichtig sind dir denn die Leitmotive? Wenn du in drei Szenen hintereinander drei verschiedene Motive jedesmal einbaust, könnte es schon repetitiv werden. Vielleicht kannst du aber diese Ankündigungen nutzen, um Spannung zu erzeugen. Oder sonst ein paar einfach weglassen. Schau einfach, was in deine Geschichte passt  ;)


Si tacuisses, philosophus mansisses.

Offline Solmorn

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Re: Wie stelle ich sich entwickelnde Paranoia dar?
« Antwort #2 am: 08. April 2017, 17:14:37 »
Hi Tejoka,

das mit der Einordnung einzelner Szenen ist natürlich eine ziemlich gute Idee - warum bin ich da nicht drauf gekommen?  :wums:
Das mit alltäglichen Stresssituationen zu verbinden, bringt nochmal eine ganz andere psychologische Ebene mit hinein...  :hmmm: genial!

Zitat
Wie wichtig sind dir denn die Leitmotive? Wenn du in drei Szenen hintereinander drei verschiedene Motive jedesmal einbaust, könnte es schon repetitiv werden.

Diese Leitmotive sind zum Beispiel leise flüsternde Stimmen ohne sichtbaren Ursprung oder gestörter Handyempfang, was mehr oder weniger Begleiterscheinungen dieses Geistes sind. Eine gewisse Repetitivität (kann man das so sagen?  ???) soll schon auftreten, nur eben nicht direkt hintereinander, sondern über mehrere Szenen hinweg immer wieder, um auch mal einen red herring legen zu können - Handys haben ja auch so manchmal gestörten Empfang usw.
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Offline Roca Teithmore

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Re: Wie stelle ich sich entwickelnde Paranoia dar?
« Antwort #3 am: 09. April 2017, 02:26:37 »
Was für eine Art von Paranoia ist es denn Solmorn?

Da gibt es viele verschiedene Krankheitsbilder. Ich nehme aber mal an das du von einer Panikstörung ausgehst und der Charakter sich ständig bedroht und verfolgt fühlt. Da er sich selbst von seinen Freunden und seiner Familie zurück zieht und jedem wohl misstraut?

Oftmals hat eine Paranoia aber irgendeinen Auslöser. Ich vermute mal dass es hierbei darum geht, dass sie die Gedanken der Leute eben mit bekommt und dadurch eben auch ungefiltert alles, was sie eben denken. Gedanken sind in der Regel nicht mit Höflichkeit gefiltert, oder manchmal denken sogar Leute über Dinge nach, die sie im richtigen Leben niemals tun würden oder die Ansicht nicht teilen, und negieren. Das kann von Mordfantasien über, Gewalt die man selber erleben möchte, Stressgedanken, die einen an sich aggressiver und zynischer usw sein.

Ich würde das bei so einer Sache ehrlich gesagt so machen, dass der Leser selbst paranoid wird. da gibt es einige  Techniken die man anwenden kann. Du kannst z.B. Informationen oder eindrücke schüren, die bedrohlich wirken aber entweder gar keinen Einfluss haben, oder sich als harmlos herausstellen. Das hat man auch stark bei Gruselgeschichten. Z:B. ein Beispiel das ich mal beim Spielleiten hatte. Einer der Spieler ist alleine in ein altes Gebiet eingedrungen, durch Lüftungsschächte und hat sich nur mit einer Taschenlampe um geguckt. Bei dem Durch Tasten der Schubladen ist sie plötzlich auf etwas kaltes, bröckeliges und schleimiges getroffen mit der Hand. Da sie sich in einem Zimmer befand, in dem sie Leichen entdeckt hat, hat sie es für etwas ekelhaftes gehalten (natürlich auch wegen der Beschreibung). Aber es war nur ein zerplatzter Kühlakku.

Häufiges Umsehen, Geräusche die man nicht einordnen kann, Sachen die man vielleicht gesehen hat oder eben doch nicht? Da kannst du natürlich auch damit spielen, das sie durch Stress und Schlafmangel Sich schlechter konzentrieren kann. Also ist es wahrscheinlich dass sie sich Dinge einbildet, klingeln im Ohr hat und vielleicht sogar zeitweise Fetzen von Gedanken wahrnimmt ohne sicher zu sein, das sie es eigentlich unterbewusst gemacht hat. Mach dem Leser Angst, steck Ihn in Ihre Schuhe, dann wird das Nebensächliche zu einem Teil der Geschichte und einem Erlebnis.
Ich finde das Englisch es ein bisschen besser Trennt, wenn du dir Furcht und Terror mal ansiehst. Das erklärt sehr gut die Schwelle zwischen rational und irrational.
Oder gib der Person eine Idee und erfülle die Erwartung oder lasse etwas sehr wahrscheinliches eben nicht eintreffen.
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Offline Tinnue

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Re: Wie stelle ich sich entwickelnde Paranoia dar?
« Antwort #4 am: 09. April 2017, 10:21:40 »
Schließe mich Roca an - was genau ist denn de Fall? Je nach Krankheitsbild kann das ja etwas anders ausfallen.
Das ist vermutlich keine direkte, große Hilfe, aber: Kennst du den FIlm "Black Swan" mit Natalie Portman? Da finde ich die Paranoia sehr gut dargestellt in der Entwicklung, die Szenen, wie sich der Charakter immer mehr verfolgt fühlt und auch DInge sieht, hat mir unheimlich Gänsehaut bereitet. Vielleicht kann man sich von der Art, wie das in einem Film ist, zumindest einen kleinen Teil fürs Schreiben rannehmen.

Offline Solmorn

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Re: Wie stelle ich sich entwickelnde Paranoia dar?
« Antwort #5 am: 09. April 2017, 16:03:50 »
@Roca
Jap, es ist tatsächlich so, dass sie sich immer stärker verfolgt und bedroht fühlt und deswegen von Familie und Freunden distanziert; der Auslöser ist ihre erste Begegnung mit dem Geist bzw ihre immer wiederkehrenden Begegnungen.

Stress mit einzubauen hatte ja auch Tejoka schon vorgeschlagen, ist aber auf jeden Fall eine gute Idee. Auf die Weise lässt sich sicherlich die Verbindung zwischen alltäglichen und paranormalen Erlebnissen herstellen und die Grenze verwischen.

@Tinnue
Den kenne ich noch nicht, steht aber auf der Liste, die ich irgendwann mal abarbeiten will.

Danke für die Ideen, das hilft mir erst mal weiter.  :)
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Offline Matthias

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Re: Wie stelle ich sich entwickelnde Paranoia dar?
« Antwort #6 am: 25. April 2017, 12:00:39 »
Eine spannende Thematik, Solmorn.  :) Ich weiß nicht, ob du eine Kapitelstruktur nutzt, oder wieviel Zeit du den Lesern für die Beobachtung dieser Entwicklung einräumen möchtest. Aber ich würde es gut finden, wenn du deine Prota im gleichen Maße aus dem üblichen Alltag ausschleichst, wie sie in die Paranoia hineingleitet. Ein Kreis von Freunden oder Verwandten wäre sicher gut, die sie durch ihre Gedanken und Befürchtungen einen nach dem anderen von sich stößt und aus ihrem Leben ausschließt. Lehrerkollegen und Schüler gehen natürlich auch - insbesondere Eltern der Schüler könnten krasse Beschwerden und Streitereien auslösen.  :pompom: Besonders spannend ist es insbesondere dann, wenn du gute Nebenfiguren aufgebaut hast, die sie vor den Kopf stoßen kann.  :wums: Deine Leitmotive könntest du nach und nach ein- und weiterführen. Das erhöht sicher die Bedrohung. Je wirkungsvoller das ganze wird, umso sorgsamer muss dann allerdings auch der Weg hinaus gestaltet sein. Denn ich nehme an, deine Prota braucht zum Ende des Romans wieder einen klaren Verstand?
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Offline Solmorn

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Re: Wie stelle ich sich entwickelnde Paranoia dar?
« Antwort #7 am: 25. April 2017, 17:15:48 »
Hi Matthias,

ja, ich schreibe tatsächlich ganz altmodisch in Kapiteln. ;) Meintest du Erzählzeit oder erzählte Zeit? Also Erzählzeit werden wohl so zwei Kapitel à fünf, sechs Abschnitte werden - als obere Grenze; mehr wäre nach meinem Ermessen zu viel und würde langweilig werden, weil es schwierig ist, zwischendurch die Szenerie zu verlassen. Die einzige Möglichkeit ist tatsächlich, die Entwicklung und Isolierung der Prota aus anderen Blickwinkeln zu beschreiben, von Leuten, die sie vor den Kopf stößt. Erzählte Zeit ungefähr zwei Wochen - so kann die Präsenz des Geistes schleichend größer werden; länger wäre es aber auch nicht wirklich plausibel, die Kernhandlung - notwendigerweise - pausieren zu lassen.

Zitat
Lehrerkollegen und Schüler gehen natürlich auch - insbesondere Eltern der Schüler könnten krasse Beschwerden und Streitereien auslösen.

Bitte schlag mich, wenn ich das falsch verstanden habe, aber das klingt jetzt so, als würdest du davon ausgehen, meine Prota wäre Lehrerin?  :lehrer:
Eigentlich ist sie aber 17 Jahre und Schülerin der elften Klasse...

Oh je, der Ausgang... *seufz*
Laut Plan ist der viel weniger schleichend. Wenn dann irgendwann die Kernhandlung wieder einsetzt, wird die Gute in ein paar Kämpfe verwickelt und von sehr viel realeren Leuten gejagt als diesem Geist, der ihr aber natürlich trotzdem erhalten bleibt. Irgendwann kommt dann der Punkt, an dem sich (vorerst) wieder Normalität einstellt und alles wirkt wie am Anfang des Buches - dazu gehört auch, dass die Paranoia abklingt. Bis jetzt sieht mein Plan so aus, dass in dem Moment, da die Prota die eigentliche Natur des Geistes erfährt, diesem der Schrecken des Unbekannten genommen wird, und sie ihn als zwar immer noch gefährlich, aber nicht mehr so omnipräsent wahrnimmt, vor allem, weil ihr wie gesagt ein paar ganz andere, viel physischere Gefahren drohen. Der Geist findet dann auch andere Opfer, als er merkt, dass meine Prota sich nicht mehr so leicht beeindrucken lässt und findet sie quasi langweilig und lässt sie in Ruhe.
Ich weiß, das hat nicht so sehr viel Speck auf den Rippen...
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Offline kathy

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Re: Wie stelle ich sich entwickelnde Paranoia dar?
« Antwort #8 am: 25. April 2017, 22:37:00 »
Vielleicht kannst du auch Szenen einbauen in denen sie Dinge fälschlicherweise für den Geist hält. Beispielsweise ein Funkloch in dem sie mitten auf der Straße ausrastet, um sich brüllt oder andere Leute auf der Straße anbrüllt, weil sie denkt der Geist würde sich in ihnen verstecken.

Offline Solmorn

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Re: Wie stelle ich sich entwickelnde Paranoia dar?
« Antwort #9 am: 26. April 2017, 08:25:17 »
Hi kathy,
hm, das ist ja noch mal eine andere Ebene...  :hmmm: Bis jetzt war sie immer nur wie gelähmt vor Angst, wenn sie dem Geist begegnet ist, aber wenn sie nur glaubt, er wäre da, ist diese Lähmung vielleicht nicht ganz so stark und sie kann losschreien... Das würde nochmal zusätzlich für Verwirrung sorgen, weil man nicht weiß, ob es wieder der Geist ist oder nicht, oder ob sie einfach nur zusammenbricht.
Schick, schick, danke!
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Offline kathy

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Re: Wie stelle ich sich entwickelnde Paranoia dar?
« Antwort #10 am: 26. April 2017, 14:41:55 »
Könntest du dir vorstellen die Hauptgeschichte mit der Geistergeschichte zu verbinden? Beispielsweise, dass sie den ganzen Ärger dem Geist oder ihren Versuchen ihm zu entkommen bekommt?

Offline Solmorn

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Re: Wie stelle ich sich entwickelnde Paranoia dar?
« Antwort #11 am: 26. April 2017, 17:02:36 »
Zitat
Könntest du dir vorstellen, die Hauptgeschichte mit der Geistergeschichte zu verbinden?

 ;D Diese Verbindung existiert bereits - also ja, das könnte ich mir vorstellen...
Allerdings soll über den Zeitraum, in dem sich diese Paranoia entwickelt, hinweg noch nichts von dieser Verbindung zu spüren sein. Die Erklärung kommt eigentlich erst gegen Ende und führt dazu, dass die Prota nicht mehr so viel Angst vor dem Geist hat; sie ist also im Grunde der Aufhänger für die Beendigung der Geistergeschichte.
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Offline Emacyl

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Re: Wie stelle ich sich entwickelnde Paranoia dar?
« Antwort #12 am: 10. Mai 2017, 18:00:34 »
Hi Solmorn

Das klingt für mich nach einer Schizophrenie, unter der deine Protagonistin leidet. Genauer gesagt: paranoide Schizophrenie. Zumindest würde ich das in der echten Welt so sagen, im Fantasybereich ist das natürlich etwas Anderes; wenn es diesen Geist tatsächlich gibt, ist sie nicht schizophren.

Was das Krankheitsbild betrifft: Typischerweise fühlen sich Menschen mit einer paranoiden Schizophrenie - wie das auch schon angesprochen wurde - verfolgt und beobachtet. Sie sind überzeugt davon, dass Kameras sie aufzeichnen, oft gesteuert von einem Geheimbund, dem Staat, dem Teufel oder wem auch immer, dass Leute sie verfolgen, dass man sie ermorden möchte... Die Liste ist endlos.

Wichtig dabei ist - und deswegen ist das auch eine so schwerwiegende Erkrankung - dass Wahnwahrnehmungen (also Wahrnehmungen ohne entsprechende Reize, z.B. Stimmenhören) für jene Leute nicht von echten Wahrnehmungen zu unterscheiden sind. In deinem Buch könntest du diesen Sachverhalt übermitteln, indem du den Leser ebenfalls im Ungewissen lässt, was nun echt ist und was nicht. Wenn du gleichermassen nüchtern vom Wetter wie von dem seltsamen Mann im Anzug, der an der Strassenecke steht und sie beobachtet, schreibst, ist es für den Leser nicht klar, was er/sie nun glauben soll und was nicht - genau wie deiner Protagonistin.
Das führt natürlich schnell zu sozialen Problemen - Kontakte brechen ab, entweder weil sie finden, die Person verhalte sich irgendwie seltsam, oder die Person selbst bricht den Kontakt ab, weil sie denkt, die Anderen stünden alle mit "den Bösen" in Verbindung. Auch Hilfe wird nicht angenommen, da keine Krankheitseinsicht vorhanden ist und Psychiater nicht gerne gesehen sind - oft gehen die Leute davon aus, dass diese Pillen ihnen nicht helfen, sondern ihr Gedächtnis löschen sollen oder so etwas.

So wie ich es verstanden habe, ist deine Protagonistin nicht wirklich krank, da es diesen Geist tatsächlich gibt. Dementsprechend würde bei ihr die Symptomatik wohl weniger heftig ausfallen. Aber ich hoffe, dass dir die Ausführungen dennoch helfen.  :jau:  ;)

Offline Solmorn

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Re: Wie stelle ich sich entwickelnde Paranoia dar?
« Antwort #13 am: 13. Mai 2017, 18:06:54 »
Hallo Emacyl :)

Jup, das hilft mir sogar auf mehr als einer Ebene - denn sie wird zusätzlich zu dem (real existierenden) Geist auch von einer Gruppe verfolgt, ist tatsächlich wegen einer anderen Sache in Therapie; und der Therapeut gehört zu den "Bösen".

Vielen Dank an dich und auch an alle anderen, die fleißig Vorschläge gepostet haben. :jau: Ich hab jetzt einen konkreten Plan für diesen Handlungsabschnitt.
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Offline Solmorn

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Re: Wie stelle ich sich entwickelnde Paranoia dar?
« Antwort #14 am: 13. Mai 2017, 18:12:23 »
Kann mir mal bitte jemand erklären, was ich tun muss, damit im Themenbetreff [erledigt] steht? Ich bin dafür zu bescheuert  :wums:
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