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Autor Thema: Charakter spricht Sprache nicht - Generelle Unsicherheit zu langweilig?  (Gelesen 355 mal)

Offline Mr. T

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Wenn dein Protagonist doch gebildet ist, so würde ich ihm in der Geschichte eine Möglichkeit geben seinen Wert für die neue Kultur zu zeigen. Bevor dieses Ereignis jedoch passiert, so nutze doch die Möglichkeiten, die jeder von uns nutzen würde. Mit Händen und Füßen oder aber auch mit Zeichnungen zu arbeiten, um den Bewohnern klar zu machen, was er möchte. Zudem wäre es glaube ich für mich als Leser in den ersten Momenten auch befriedigend genug, wenn deine Hauptfigur erstmal nur denkt zu wissen, was sein Gegenüber gemeint hat. Dabei kann er natürlich auch mal die ein oder andere falsche Schlussfolgerung aus der Körpersprache und Mimik der anderen ziehen. Das wäre glaube ich auch ein gutes Element, um durch ein Missverständnis Spannung aufzubauen.

Offline Fianna

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Aber im Moment bin ich an einer Geschichte, bei der die Situation für die Hauptfigur ähnlich ist. Ich wollte diese Erzählung nutzen, um Leser in eine Kultur meiner Welt einzuführen, die andere Regeln und Normen hat, als eine westliche Menschliche Gesellschaft das vielleicht heute hat. Der Leser soll quasi mit der Hauptfigur nach und nach diese Welt für sich entdecken und verstehen. Meine Befürchtung aber wenn ich das mit der Sprache mache wie im 13ten Krieger und Wort ist nunmal mühsamer als Bild, das ich die Leute damit langweilen könnte.
Ich finde, der Vergleich hinkt etwas. Diese Szenen waren nur dazu da, dass der Protagoist die Sprache lernt, und das demonstriert wird, wie er das macht. Tonfall und Gestik stimmen in der Regel überein. Normalerweise ist das bei Kommunikation aber nicht der Fall. Wie will man Ironie oder Sarkasmus erkennen, wenn man das gesprochene Wort nicht versteht? Wie interpretiert man als Außenstehender die daraus plötzlich auftretenden Konflikte, die sich in der Unterhaltung zeigen? Wie bewertet man die Sprecher dieser Unterhaltung? Ziemlich wahrscheinlich falsch. Möglicherweise hält man jemanden für leicht reizbar oder aufbrausend, der sehr offensichtlich (dies jedoch nur für Sprecher) provoziert wurde. Vielleicht hält man jemanden für freundlich, der solche Auseinandersetzungen provoziert - weil dieser keine negative Gemütsregung zeigt und immer so nett lächelt.
Es gibt sehr viel Spielraum für Missverständnisse, was man idealerweise mit den Personen verknüpft, die in der unmittelbar folgenden Handlung eine negative oder positive Rolle spielen sollen.

Aber da mein Pasting im Moment sehr langsam ist, der Charakter sich viel mit sich selbst und seiner momentanen Situation beschäftigt (und ich nicht soviel Zeit gerade aus Plot-Gründen überspringen kann), habe ich die Befürchtung, das es für einen Leser sehr zäh werden könnte, mehr als ein Kapitel mal nicht zu verstehen, was die anderen Figuren sagen. Die Situationen sind zwar nur gestreut im Moment, da der Charakter wie gesagt, gerade eine starke innerliche Entwicklung durchmacht und sehr viel von der Kultur und seiner Umgebung in sich aufnimmt...
Wie detailliert möchtest Du das denn darstellen? Eine Figur, die nicht interagiert und sich ausschließlich in inneren Konflikten verliert, ist eintönig zu lesen. Ich hatte fast dasselbe Problem (nicht wegen eines Sprachproblems, aber ebenfalls eine sehr nach innen gewandte Figur) und ich muss irgendwie Aktion provozieren, im schlimmsten Fall als bloße Reaktionen auf Außenreize und Aktionen anderer.

Und auch dieser ganze Prozeß des Lernen, Kennenlernens und Akzeptierens muss meistens im ersten Entwurf stark gekürzt werden. Auch wenn es schwierig ist, Fähigkeiten zu erlernen oder Land und Leute und Bräuche zu verstehen - das muss nicht 1:1 passieren. Es wird sonst zu lang. Das kann man etwas raffen.

Wir haben schon 2 Threads zu dieser Fragestellung: Verstrichene Zeit in der Handlung der passt ganz gut, denke ich, denn allmähliche Fortschritte genau abzubilden, macht das Ganze zu lang.
Dann gibt es noch Erzählzeit und erzählte Zeit.
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Offline Silvasurfer

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Ich sehe das wie Churke:
Zitat
Die grundsätzliche Frage ist doch, ob man eine Sprachbarriere a) als Problem betrachtet oder b) als wesentlichen Bestandteil des Plots

Du schreibst deinen Char könne niemand so wirklich leiden und das ist dein grösstes "Problem" Aber hey, dass dein Held leidet ist eigentlich gut. Ausserdem bin ich selber in ein mir fremdes Land umgezogen und Einsamkeit ist echt ein Thema, vor allem wenn du nicht durch dein Studium oder deine Organisation irgendwie in einen Freundeskreis hineinrutschst.

Insofern steht dein Char vor 2 Herausforderungen, die den Plot authentisch gestalten könnten und die Reise des Helden mit zusätzlichen Herausforderungen Emotionaler machen könnten: 1. Er fühlt sich einsam 2. Er kennt die Sprache nicht
Welche Strategien geht er nun an? Ich kann mich erinnern, dass ich richtig froh war, als ich mir in Lissabon endlich ans Herz gefasst habe, mal alleine einen Abend auszugehen und 2 Engländer traf, mit denen ich einen schönen Abend hatte. :(

Vielleicht hat deine Heldin ja einen richtig schönen Abend mit anderen Reisenden und lernt über sie einen Einheimischen kennen, der gebrochen ihre Sprache spricht und freut sich darüber, endlich ein wenig Gesellschaft zu haben. Sie unterhält sich dann an diesem Abend mit dieser Gesellschaft über die Kulturen natürlich, denn das ist das Hauptthema in so einem Fall: Sprachbarriren und Unterschiede der Kulturen etc, klassische Themen, wenn man jemanden aus einer anderen Kultur kennen lernt. Du wirst so oder so nicht drum herum kommen, sie einen Charakter treffen zu lassen, dem sie ihre Sprache beibringt und der ihr seine beibringt und ihr/e neuer Gefährte/Gefährtin oder Mentor wird. Sowieso sind neue Freundschaften in fremden Ländern absolut ein Thema, dass es sich definitiv lohnt, zu vertiefen.

Wie lange es nun dauert, bis sie die Sprache kann... Viel zu lage, wenn du es realistisch halten willst. Allein schon, weil es selbst, wenn du dich einleben willst und alles dafür tust, die dir Fremden kennen zu lernen, es Monate dauert bis du endlich mal soetwas wie einen "Freundeskreis" von einheimischen hast, mit denen du üben kannst. Also brauchst du definitiv einen verrückten Abend oder sowas in der Art, damit sie zumindest einen Gefährten findet und mit ihm übt, weil dieser widerum ihre Sprache lernen will, was die beiden auch sofort verbindet ;)

Und dann wird sie sich logsicherweise an diesen Charakter halten und durch ihn oder sie alle anderen Charaktere kennen lernen, die du für sie im Ärmel hast und mit diesem neuen Char alles erleben, was du für sie vorgesehen hast. Gespräche, an die sie beteiligt ist, werden in allen Sprachen und mit Hänen und Füssen stattfinden, was für dich den Vorteil hat, dass du die fremde Sprache nur Bruchstückweise nutzen musst.

Es gibt im Grundegenommen 4 Themen die sehr emotional sind, die sie jetzt vorrangig beschäftigen werden und sich definitiv Lohnen einmal zu durchdenken und in die Geschichte einzuarbeiten:

1. Einsamkeit und Heimweh (Lass den Helden oder die Heldin leiden. Heimweh ist grausam! Es verläuft in der Regel so ab: Erst ist die neue Welt super und die neue Kultur ist viel besser als dein Zuhause. Das ist unebhängig davon, ob sie da sein wollte oder musste. Dann ist alles kacke! Und irgendwann ist es okay und man hat die Gefühle ausbalanciert
-Die Erste Nacht kann ziemlich schlimm sein. Wir empfinden Angst vor dem unbekannten und leben jetzt in einer uns fremden Umgebung. Meine Erste Nacht in Portugal werde ich nie vergessen... Nie! Leerer Zimmer, keine Persönlichen Gegenstände, nichts was mir in irgendeiner Form das Gefühl von Komfort gobt, nichts was ich machen könnte ausser Spzieren gehen und niemanden mit dem ich darüber reden kann.
-Sie wird Freunde vermissen, so wie Frodo und Sam das Auenland immer und immer wieder vermissen.
-Sie wird sich unglaublich Freuen, wenn sie mal etwas aus ihrer Heimat essen, trinken oder sonst was darf.
-Ja selbst Musik, die sie eigentlich nicht mag und aus ihrer Heimat kommt, wird sie auf einmal lieben.

JRR Tolkien kann das eigentlich ziemlich gut, den Heimweh umschreiben, guck dir die Filme an und sieh dir die Szenen an, wo die Hobbits sich an das Auenland erinnern: Pfeifenkraut in Isengart, Das Lied aus dem Grünen Drachen, Salz aus dem Auenland und die Szene, wo Frodo und Sam am Schicksalsberg stehen und Sam heult und erkennt, dass er seine Gefühle für seine Angebetete hätte gestehen sollen und DARUBER weint, obwohl er in einem Ort ist, wo er noch ganz andere Dinge hat, über die er weinen könnte.

2. Sich eine Fremde Welt vertraut machen. Dein Prota wird so etwas, wie ein Stammcafe brauchen einen Ort, der für sie zu einem Ankerpunkt wird. Sich mit der neuen Umgebung vertraut zu machen bedeutet vor allem sie zu erkunden und all das zu machen, was man zuhause als Stubenhocker nicht machen würde, bis man wieder zm Stubenhocker wird, weil man eine KOmfortzone hat. Das heisst er wird eben Lieblingsspots finden, die man immer und immer wieder besucht, bis man endlich etwas vertrautes hat, etwas dass sich wie Zuhause anfühlt.
3. Sprache und neue Freunde. Vor allem wenn man nicht durch sein Studium oder so in einen Freundeskreis hineinrutscht, kann das ein echt grosses Thema und eine echte Hürde werden, wie bereits vertieft worden ist....

PS: Kvothe lernt in der Königsmörder Chronik jemanden kennen, der ihm eine Sprache beibringt, was serh schön beschrieben ist. Dazu musst du aber die Chronik bis zum derzeit letzten Teil lesen, denn spoilern will ich nicht.
 
Sie sagen: "Wenn du denkst, dein Protagonist habe genug gelitten, lass deinen Helden noch ein wenig mehr leiden!" Ich weiß nicht wer es zuallererst gesagt hat. Aber er oder sie hat verdammt nochmal recht!

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