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Autor Thema: Charakter spricht Sprache nicht - Generelle Unsicherheit zu langweilig?  (Gelesen 742 mal)

Offline Roca Teithmore

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Hi ich wollte generell mal fragen, wie Ihr mit folgendem Thema umgeht:

Nehmen wir an, Ihr habt eine riesige Welt, viele Kulturen und Völker und wenn jemand herum reißt, dann kann es ja mal vorkommen, dass die Figur die Sprache nicht kennt in dem Land, in dem Sie sich gerade befindet.

Viele lösen dieses Problem mit:

Es gibt eine Weltweite Einheitssprache die jeder kann,
- man springt in der Zeit bis die Figur die Sprache kann
- oder man hat einen Dolmetscher...
- oder es wird einfach ignoriert.

Was aber, wenn man keinen Dolmetscher oder andere Hilfestellungen hat - und man eben nicht mal schnell in der Zeit springen kann, weil dann andere Informationen in der Geschichte verloren gehen?

Ich finde es immer etwas mm, Gelinde gesagt unlogisch, wenn eine Figur sehr schnell eine Sprache lernt. Für die Grundzüge, wenn man nun nicht gerade ein Multitalent ist, denke ich braucht man schon eine Woche in der man einen Lehrer oder entsprechende Unterlagen hat - und Vokabeln sind einfach eine Zeitsache, sobald man den kleinen Satz - “Was ist das?” kann...

Dennoch wird das Problem oft einfach nicht wirklich in Geschichten angesprochen. (Die Ironie dass in Science Fiction Geschichten Aliens beschließen, ja wir sprechen jetzt alle Englisch und sich nicht mal die Mühe Gemacht wird, einen drögen Übersetzer zu haben, der ja auch erst mal die Menschliche Sprache erlernen muss, wenn es eine Sci Fi Geschichte mit Erstkontakt ist).Ich weiß das es in ein paar  Romanen, ich glaube Ender's Game z.B: das Problem gibt, dass die Aliens Menschen für dumm halten, wegen der Sprachbarriere. Aber das ist auch etwas naja. Wenn wir etwas beobachten, das Dinge konstruiert, Werkzeuge oder Technik verwendet, selbst wenn wir es nicht verstehen halten wir es nicht für dumm. Das müssten schon sehr abstrakte Kommunikationswege sein, die sich ein Mensch nicht vorstellen kann, dass eine Kultur mit Technik, Kunst usw. als zu dumm um beachtet zu werden, angesehen wird - wenn es nicht simpler Rassismus ist...

Aber zurück zum Thema. Selbst in unserer Welt können wir nicht von jedem Englisch erwarten, obwohl es schon sehr weit verbreitet ist, besonders seit es Internet gibt. Aber davor war es nicht gerade üblich dass jemand fließend diese Sprache gesprochen hat und man garantiert überall irgendwen gefunden hat, mit dem man sich unterhalten konnte, oder gar verhandlungssicher in der ganzen Sache war.

Ich persönlich fand den Ansatz im Film der 13te Krieger sehr gut, wo die Hauptfigur erstmal nur Kauderwelsch verstanden hat (wie auch der Zuschauer, wenn er nicht gerade in den nordischen Sprachen bewandt war) und dann im Untertitel plötzlich einzelne Wörter in der Eigenen/Zuschauer Sprache aufgeflammt sind. Im Film war das Pasting natürlich sehr schnell und man kam gut über die erste Zeit hinweg wo die Hauptfigur noch nichts kapiert hat. Da hat man in Bild ja auch wenigstens die Körpersprache.

Aber im Moment bin ich an einer Geschichte, bei der die Situation für die Hauptfigur ähnlich ist. Ich wollte diese Erzählung nutzen, um Leser in eine Kultur meiner Welt einzuführen, die andere Regeln und Normen hat, als eine westliche Menschliche Gesellschaft das vielleicht heute hat. Der Leser soll quasi mit der Hauptfigur nach und nach diese Welt für sich entdecken und verstehen. Meine Befürchtung aber wenn ich das mit der Sprache mache wie im 13ten Krieger und Wort ist nunmal mühsamer als Bild, das ich die Leute damit langweilen könnte.

Kurz als Umriss. Die Hauptfigur hat keine Ahnung von der Sprache von dem Land, in der sie sich befindet und niemand hat wirklich Interesse Ihr davon etwas beizubringen. Sie hat keinen guten Stand in der Gesellschaft, wird nicht als gleichwertig betrachtet. Es existiert auch keine wirklich allgemeine Überbrückung außer Körpersprache und Bild. Das habe ich auch bisher gemacht - also Körpersprache und Stimmung beschrieben, manchmal einzelne Sätze in der Fremden Sprache (ja sie hat Regeln) einfließen lassen... Aber da mein Pasting im Moment sehr langsam ist, der Charakter sich viel mit sich selbst und seiner momentanen Situation beschäftigt (und ich nicht soviel Zeit gerade aus Plot-Gründen überspringen kann), habe ich die Befürchtung, das es für einen Leser sehr zäh werden könnte, mehr als ein Kapitel mal nicht zu verstehen, was die anderen Figuren sagen. Die Situationen sind zwar nur gestreut im Moment, da der Charakter wie gesagt, gerade eine starke innerliche Entwicklung durchmacht und sehr viel von der Kultur und seiner Umgebung in sich aufnimmt...

Aber dennoch. Ich bin mir mit dem Übergang nicht sicher und möchte auch verhindern, dass die Leser frustriert sind, weil sie viel interpretieren müssen, wie eben die Hauptfigur und gewissermaßen da zu stehen, wie der Ochs Vorm Berg. Die Erzählweise ist auch subjektiv aus der Sicht des Charakters, das heißt was er nicht weiß, weiß auch der Leser nicht.

Wie würdet ihr so etwas lösen?

Vielen Dank für jedwede Rückmeldung :D
   Verworren in den Gedanken der Gedanken- Verlorenheit

Offline Lothen

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Uff, Roca, würdest du bitte deinen Beitrag noch mal nach Schreib- und Tippfehlern durchschauen? Es war teilweise echt etwas müßig, ihn zu lesen ...

Das Thema kommt mir bekannt vor, ich hab noch mal nachgeschaut und hier einen passenden Thread gefunden. Vielleicht findest du da ein paar Ideen und Antworten? Falls nicht, kannst du ja noch mal konkret nachfragen.
Ich setzte einen Fuß in die Luft und sie trug
- Hilde Domin
 

Offline Evanesca Feuerblut

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Das ist eins der zentralen Themen meines ersten Vampirromans, da hatte ich aber das umgekehrte Bild: Meine Protagonistin als Telepathin versteht zwar alle Leute um sie herum - aber die verstehen sie nicht (und reagieren total überrascht, wenn sie durch Fauchen, Gesten und Mimik antwortet) und sie muss einen Weg finden, um ihre Telepathie auszuschalten und dadurch die fremde Sprache wahrzunehmen.
Weil sie sie sonst nicht lernen kann.
Damit der Leser aber nicht gelangweilt wird, habe ich ihr eine Übersetzerin an die Seite gestellt, die die undankbare Aufgabe kriegt, dem unberechenbaren und gefährlichen Wesen die Sprache beizubringen (und dabei nicht unter die Zähne zu geraten).

Selbst wenn dein Charakter viel nachdenkt und eher im Abseits steht: Was nimmt dein Charakter wahr? Gerade "in der Gosse" oder im Abseits, wo man wenig einbezogen wird, kann man dafür umso besser Dinge belauschen, beobachten und mitkriegen.
Wie kannst du das nutzen?
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Offline Denamio

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Womöglich liegt deine Antwort in natürlichen Sprachentwicklungen. Die meisten aktuellen Sprachen haben eine gemeinsame Wurzel, wenn man weit genug zurückgeht. Aufgrund dieser gemeinsamen Wurzeln kann dein Charakter womöglich zumindest Grundzüge, Grammatik und Logiken erkennen. Darauf aufbauend muss kein perfektes Sprachverständnis aufkommen, aber eine rudimentäre Kommunikation ist doch möglich.

Und auch das Problem mit dem Pacing kann damit verbunden werden, wenn sich zum Beispiel ein Wort anders entwickelt hat. Wenn ein Schweizer "Huere Geil" sagt, dann meint er was anderes als ein Deutscher mit "Hure Geil", auch wenn es verdammt ähnlich klingt. ;D Dann glaubt deine Figur womöglich ein Wort zu verstehen und gerät in Panik, während es eigentlich was ganz anderes heißt. Missverständnisse sind hier ein Quell für spontane Action.

Aber der Leser muss da nicht wirklich etwas interpretieren, sie folgen der Interpretation deines Charakters und wenn diese schlüssig ist, dann klappt das schon. Und solange der Charakter im Spannungsbogen drin ist, dann wird es auch vom Pacing nicht zu langsam.
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Offline Churke

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Aber da mein Pasting im Moment sehr langsam ist, der Charakter sich viel mit sich selbst und seiner momentanen Situation beschäftigt (und ich nicht soviel Zeit gerade aus Plot-Gründen überspringen kann), habe ich die Befürchtung, das es für einen Leser sehr zäh werden könnte, mehr als ein Kapitel mal nicht zu verstehen, was die anderen Figuren sagen.

Zäh? Warum?
Ich habe noch keinen getroffen, der gesagt hat: "War 2 Wochen DomRep. War stinklangweilig, die reden da nur spanisch."
Man sollte nur nicht den Fehler begehen, eine Geschichte erzählen zu wollen, die der Perspektivträger nicht mitbekommt.  ;)
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Offline Roca Teithmore

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@Lothen uff oh Gott ja... wenn ich so einen langen Tag hatte sollte ich wohl wirklich eher den Post in Word nochmal durchgehen. Das war ja furchtbar  :hmhm?: (ich hoffe die neue Variante ist leserlicher...

Den anderen Thread schaue ich mir gerne auch mal genauer an. Da geht es ja aber wohl schon um Leute, die zumindest das Anfänger 1 Gestammel beherrschen, dass man so ein bisschen kann, wenn man sich mit einer Sprache schon beschäftigen konnte.

Vielleicht ein Beispiel aus dem echten Leben, habe ich z.B. mit meiner Mutter under Mutter einer Freundin aus Rumänien. Die beiden können kein Stück Englisch, aber auch kein Stück die Sprache des jeweils anderen. Die haben sich nur mit Händen und füßen köstlich unterhalten. Wie auch immer. Ein Phänomen das ich bis heute noch faszinierend finde.

@Denamio, ja ich weiß was du meinst. Man geht mittlerweile tatsächlich davon aus, dass es eine gewisse genetisch basierte Basisgrammatik gibt. Daher haben auch alle Sprachen wohl mindestens ein Nomen und ein Verb um einen vollwertigen Satz zu bilden. Man hat aber genauso beobachtet, dass Kinder die aus irgendeinem Grund nicht angelernt werden in der Sprache im Kleinkind Wortschatz stecken bleiben und das ist ab einem gewissen Alter unumkehrbar. Gott sei Dank gibt es dazu wenig Forschungsmaterial, da die wenigsten Eltern Ihre Kinder irgendwo isoliert einsperren, verkümmern lassen aber so halb noch am Leben halten...

Zitat von:  Feuerblut
Damit der Leser aber nicht gelangweilt wird, habe ich ihr eine Übersetzerin an die Seite gestellt, die die undankbare Aufgabe kriegt, dem unberechenbaren und gefährlichen Wesen die Sprache beizubringen (und dabei nicht unter die Zähne zu geraten).

Das wäre natürlich nett. Aber die einzige klitzekleine Verbindung die es gibt ist das die fremde Kultur zumindest schonmal etwas vom Lateinischen Alphabet gehört hat. Schreiben ist aber auch nicht etwas das jeder dort kann. Ansonsten verstehen Sie die Hauptfigur so wenig, wie die Hauptfigur sie. Also alles außer weltweit verständlicher Körpersprache (wie z.B. Basisemotionen) oder Piktogrammen wird es schwierig. Dazu ist zu sagen, es ist nicht in unserer Welt. Das heißt Piktogramme oder Symbole die für uns Sinn ergeben wie z.B. eine Diskette zum Speichern sind auch nicht möglich. Bisher hat die Figur nur eine etwas freundliche Support Figur, die mal in einer ähnlichen Situation war und ihr Namen von Dingen sagt, wenn Sie darauf deutet. Aber das schließt natürlich gewisse Gesprächsmuster aus. Ich habe echt eine harte Zeit darüber nach zu denken, wie erkläre ich jemanden Danke oder Entschuldigung wenn ich keinen Ansatzpunkt habe? Dass geht ja nur Situationsabhängig :x

Der Tipp von euch noch ein bisschen tiefer in die Charakter Sicht zu gehen und wie er es empfindet ist vermutlich ein guter Ansatz um die Zeit bis zum einfachen Verstehen zu überbrücken. Das ist ja das Gefühl, das ich auch gerade rüber bringen möchte. Weil ich es eben furchtbar spannend finde. Schon im echten leben wenn jemand einfach nur in ein neues Land zieht und als Flüchtling z.B. erstmal in einem Mehr aus Verwirrung und Unsicherheit steht.
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Offline Evanesca Feuerblut

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Wie alt ist denn dein Charakter? Also wie flexibel ist das Hirn?
Ich kam mit sechseinhalb nach Deutschland und war nach drei Monaten Kindergarten so weit fit in der neuen Sprache, dass ich beschulbar war. Ohne Coach etc.
Aber je älter jemand ist, desto weniger klappt Lernen durch Immersion ohne zusätzliche Hilfe von außen.
(Und ich habe trotzdem bei weitem nicht alles verstanden und so Worte wie "Beispiel" haben mich in der ersten Klasse sehr verwirrt.)
Aber ich kann ein bisschen mit Erfahrungen aus erster Hand dienen, was Sprachenlernen auch in höherem Alter als sechs angeht (meine Eltern waren 27, die Oma 48).

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Offline Atra

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Zitat von: Roca
Das wäre natürlich nett. Aber die einzige klitzekleine Verbindung die es gibt ist das die fremde Kultur zumindest schonmal etwas vom Lateinischen Alphabet gehört hat. Schreiben ist aber auch nicht etwas das jeder dort kann. Ansonsten verstehen Sie die Hauptfigur so wenig, wie die Hauptfigur sie.
Könnte die Mittlerin nicht einen Kontakt zu jemanden Herstellen, der mehr von der anderen Sprache versteht? Irgendwo lässt sich immer jemand finden, der sich mit einer Sprache mehr auskennt, als man zunächst annimmt. Oder könnte sie vielleicht ein Buch finden, in dem eventuell wie auf dem Stein von Rosetta mehrere Sprachen nebeneinander aufgeschrieben sind, so dass sich wenigstens einige Worte mehr entschlüsseln lassen? Oder eine Art Wörterbuch?

Generell wird dein Charakter die neue Sprache eher durch das Sprechen lernen. Durch das Hören schnappt sie zwar Worte auf, aber die entsprechende Bedeutung fehlt. Wie weit soll den die Kompetenz in der anderen Sprache ausgebaut werden? Deine Lösung mit dem Dolmetscher finde ich da schon als sehr gut, denn ohne Lehrer (beziehungsweise jemanden, der wenigstens gezielt versucht, etwas was beizubringen) wird das mit dem Spracherwerb schwer. Einzelne Wendungen und Worte würden da deutlich leichter im Erwerb sein, auch wenn sie falsch erworben werden. Ich musste einiges an Zeit aufwenden, um einem syrischem Mädchen den Unterschied zwischen "Bürste" und "Brüste" zu erklären, da sie das Haargerät immer anders bezeichnet hat. Ich glaube, sie hat bis heute den Unterschied nicht wirklich verstanden, da die Lautfolge so ähnlich ist, versucht aber inzwischen immer das richtige Wort zu benutzen, da ich es ihr gesagt habe.
"Man muss erst zum Leben aufstehen, bevor man sich niedersetzt zum Schreiben."
(Henry David Thoreau)

Offline Churke

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Ich möchte mal darauf hinweisen, dass "lernen" nicht gleich "lernen" ist.
Wir sind gewöhnt, Sprachen mit Wörterbuch und Grammatik zu lernen. Man kann sich Fremdsprachen auch "übers Ohr" aneignen, das ist speziell in anderen Kulturen der übliche Weg und geht auch sehr schnell. Nachteil: Wer diese Methode benutzt, schert sich im Normalfall nicht um Grammatik. Das Ergebnis ist 1 bis 2 Stufen unter Pidgin-Englisch. ("Yesterday I go gericht. Court says I must pay unterhalt.")
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Offline Rakso

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Hallo Roca

Da würde sich wirklich anbieten, dass es eine Art Lingua Franca (Verkehrssprache) gibt, die dein Protagonist zumindest rudimentär beherrscht (die auf der Erde am weitest verbreitete Sprach ist ja auch schließlich „Bad English“) und das sie sich so mit anderen verständigen kann. Auch wenn das natürlich dann keine super ausgefeilten Dialoge auswirft.

Wie wichtig ist die Tatsache, dass deine Hauptfigur die Sprache nicht beherrscht und nach und nach erlernt für die Geschichte? Ist es ein Bestandteil der Handlung oder eher etwas, was nur so nebenbei abläuft?

Wie Churke schon richtig anmerkte, man kann Sprachen auch ohne Erklärung oder Sprachunterricht lernen.
Ist natürlich auch ein wenig abhängig von der Grammatik der Sprache. Isolierende Sprachen, also Sprachen mit weniger Formen und strikterer Wortstellung, z. B. Englisch oder Chinesisch, sind rein theoretisch einfacher zu erlernen, als Sprachen mit verschmelzenden Formen, wie etwa (Alt-)griechisch.
Aber das macht auch kaum einen großen Unterschied, wenn man Tag für Tag mit einer Sprache konfrontiert wird, versucht bekannte Wörter aus aufgeschnappten Dialogen mitzuhören, grammatische Formen nach Kontext auflöst etc. Wenn man sich dann damit auch mental beschäftigt, was man ja im „Hintergrund“ laufen lassen könnte, wenn Du das den Lesern nicht zumuten willst, kann man das Erlernte für sich ordnen und systematisieren.
Kontext ist halt wichtig, die ungefähre Bedeutung einer Aussage, eines Schildes usw. anhand der konkreten Situation zu erahnen.

Und das Ergebnis beim „hörenlernen“ muss ja nicht zwangsläufig pidgin-ähnlich sein oder bleiben. Im Gegenteil, es ist sogar eine Basis um darauf aufzubauen.

Was diese Verwandtschaft angeht, ist das immer so eine Sache. Klar kann man unter Umständen einiges ableiten, aber das hilft nicht wirklich im Erlernen einer Sprachen außer sie sind eng mit einander verwandt, wie Spanisch und Französisch oder Deutsch und Niederländisch. Bei ebenfalls verwandten Sprachen, wie z. B. Persisch und Deutsch (beides indogermanisch, aber nicht im selben Zweig) ist es schon schwerer bis unmöglich von der Grammatik der einen auf die Grammatik der anderen zu schließen.
Bei einzelnen Wörtern ist das manchmal kein Problem, aber man darf nicht vergessen, dass Sprachen ja nicht nur „genetische“ zusammenhängen, sondern auch von anderen Sprachen beeinflusst werden (Lehnwörter) und sich grammatisch und syntaktisch unterschiedlich entwickeln können. Aber das gleitet jetzt ein wenig zu sehr in den Off-topic-Bereich ab.
ehemals Szajkó                    | Achtung Aspie!

Offline Roca Teithmore

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@Rasko, du scheinst ja sehr viel Ahnung von Sprachentwicklung zu haben. Das ist richtig interessant. Wenn du einen Link zu Rechererepunkten dazu hast fände ich toll.
Danke natürlich auch an Churke und Atra :)

Vielen Dank für all eure Tipps. Ich werde darüber nachdenken, wie was am besten funktioniert.

Der Charakter ist etwa anfang 30, also ein bisschen Hilfe wird er schon brauchen. Der Vorteil ist, dass er schon ein paar Sprachen beherrscht, die leider nicht mit der Sprache in der Gegend verwandt sind. Dennoch ist es nicht ganz so abwegig, dass er etwas schneller lernt. Bekannte die ich kenne, die mehr als 3 Sprachen sprechen, lernen in der Regel sehr schnell und einfach neue Sprachen, zum Teil sogar wirklich durch Filme gucken oder ähnliches. Aber natürlich ist es kein vergleich zu einem Kind das in ein anderes Land kommen würde. Aber es ist ja auch nicht so schlimm, wenn der Charakter zunächst erstmal "Pidgin" spricht. Solange er seine Bedürfnisse besser verständlich machen kann. Zudem versteht er ja dann auch Bruchteil weise die anderen Figuren um sich herum.

Um vielleicht die weite im Kontrast zu der Hauptfigur und dem Land in dem er sich befindet, klar zu machen, oder wie er überhaupt hin gekommen ist. Vielleicht ein bisschen zum Weltkonzept, weil eben viel davon ausgegangen wird, dass es etwas ist was irgendwie sich schon vereinbaren lässt:

Die Welt besteht aus mehreren Schichten gleich einer Zwiebelschale. Diese sind im Kernpunkt an sich verbunden. Stellt euch einen von diesen Wollknäulen vor im Zentrum passieren alle irgendwie einander. Falls Ihr so Wollpuschel die Man an Mützen kennt, schonmal selbst gemacht habt, wisst ihr vermutlich, was ich meine. Im Zentrum lässt es sich aber nicht leben. Die Spannungen und die Masse ist in etwa mit einem riesigen schwarzen Loch vergleichbar. Das bedeutet niemand kann im Normalfall von einem Strang/Schale in eine anderen gehen. D.h. Alle Bereiche sind i.d.R. voneinander getrennt, können aber durch Risse/ oder Ausfransungen innerhalb der Schalen passiert werden. Diese Passieren entweder natürlich durch kurze starke Reibungen/Energiestöße oder Einbrüche. Solche Dinge erklären in meiner Welt paranormale Aktivitäten, Geister, Phantastische Begegnungen usw.
Es gibt aber auch manche Leute die Risse mit Gewalt hinein reißen. Sie sind nicht sehr bekannt und sind auch nicht sehr gut angesehen aus folgendem Grund:

Was das Problem daran ist, wenn ein Riss oder eine Ausfransung entsteht, die nicht wieder zu geht, können längere Passagen entstehen, durch die jemand versehentlich durch stolpern kann (Die Hauptfigur). Normalerweise sind einzelne Risse nicht so gefährlich, denn die schließen sich nach einer Weile wieder von selbst, durch den Energiefluss der stetig durch die einzelnen Schnüre/Schalen fließt. (so als würde man einen ausgefransten Faden wieder zusammendrehen, falls das verständlich ist). Es kann aber passieren durch einen starken Abfall oder starken Zufluss in diesem Strom, das die Risse und Ausfransungen zu groß werden, um sich wieder zu schließen und dann eine Vermischung den beiden Ebenen stattfindet. Das ist bei den absichtlichen Rissen, wenn die nicht ordentlich gemacht werden durchaus wahrscheinlich. Im Normalfall passiert das selten, hat aber in der Regel katastrophale Auswirkungen. Landmassen, Meere, Biome mit verschiednenen Klimata können bei einem richtig großen Riss mal eben so aufeinander prallen. Auswirkungen sind so alle Natur-Katastrophen, die man sich vorstellen kann.

Zurück zum Hauptcharakter. Die Nation in der er sich befindet, weiß Zumindest von den Schichten. Da er mit seiner Ethnie vollkommen rausfällt, vermuten Sie zumindest einen Unfall. Der Hauptcharakter hat keine Ahnung was los sein könnte. Von dem Wissensstand der Nation ist es allerdings möglich, dass es Jemanden gibt, der weiß, wie man künstlich Risse erstellt um ihn vielleicht wieder zurück zu bringen. Solche Leute sind aber aus dem oben genannten Grund, gelinde gesagt schwierig zu finden. Da die Hauptfigur ein Einzelfall ist, gehen die Leute um ihn herum, auch nicht von einem gefährlichen Riss aus. Das bedeutet, für Sie ist es abgehakt, es ist das Problem vom Hauptcharakter, gewöhn dich an dein neues zu Hause. (super, wenn man unter lauter Rassisten ist...)

Die Nation kommt mit anderen Nationen um sich herum nicht so gut klar. Um an Informationen von diesen/und eventuell einen Weg nach Hause zu kommen müsste der Hauptcharakter in eine größere Stadt kommen. Im Moment befindet er sich auf einem Anwesen, das von sehr großen Ländereien umgeben ist. Die Person die ihm im Moment hilft, ist einer der Diener des Anwesens, der ursprünglich aus einem größeren Land gekommen ist, das an das Land angrenzt in dem sich die Hauptfigur derzeit befindet. Er kennt also so ein bisschen die Situation in der der Hauptcharakter sich gerade befindet. Er handelt aus Mitleid.

Ziel der Figur ist natürlich erstmal irgendwie wieder nach Hause zu kommen. Er wird aber nicht sozial höher eingeordnet wird, als die Diener es werden und er wird im Moment eher als Schmarotzer angesehen. (Er war schwer verletzt gewesen und sie haben Ihn auf das Anwesen gebracht, nun ist er zu nichts nütze, außer kleine Arbeiten die ihm die Support Figur zeigt.) Daher hat er im Moment noch das Problem, sich irgendwie soweit in der Anerkennung hoch zu arbeiten, das er Hilfestellung bekommen würde, wo er überhaupt hin muss. Diener haben in dieser Welt in der Regel nur eine geringe Bildung. Die Hauptfigur aber wie gesagt hat gewisse Bildung aufzuweisen, das wird sich später für Ihn als vorteil herausstellen, da BIldung einem nahezu Automatisch eine bessere Stellung in der Gesellschaft einbringt.

Klar, er könnte einfach loslaufen und auf gut Glück hoffen, eine Stadt zu finden. Das ist aber in der Gegend in der er sich befindet durch Fauna und Flora ohne Ausrüstung und Know How eher eine Selbstmord Aktion - die Ihm ja schon bekannt ist, durch seine erste Begegnung damit. Wenn man über Wald und Feld spaziert und das nächste woran man sich erinnert ein Krankenbett ist, da überlegt man sich ganz genau, wie man vorgehen sollte.

Alles im allen aber schonmal vielen Dank. Obwohl die Situation natürlich abstrakter ist, als wenn er aus der gleichen Welt käme, denke ich kann ich einige Tips dennoch anwenden, das es nicht zu anstrengend wird mit dem Lernen der Sprache.
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Offline canis lupus niger

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Hallo, Roca, keine Ahnung, ob es für Dich noch interessant ist, aber in meinem aktuellen Projekt hat der Prota ebenfalls ein Sprachproblem. Ich lasse ihn deswegen abwechselnd ärgerlich und frustriert sein, denn eigentlich spricht er mehrere von den "lingua franca" seiner Welt, aber ausgerechnet DIESE lokale Sprache nicht. Leider ist er gezwungen (weil gefangen, krank und nicht transportfähig), sich in diesem Sprachraum aufzuhalten, und niemand ist daran interessiert, ihm einen Grundwortschatzu zu vermitteln.

Ich nutze diesen Umstand dazu, ihn sein Selbstverständnis zu überdenken zu lassen, denn üblicherweise ist er derjenige, der für andere übersetzen muss/kann. Er hat immer den Anspruch an sich selber gehabt, möglichst viel möglichst gut zu können. Deshalb wirkt er auf andere logischerweise recht überheblich, obwohl er diesen hohen Anspruch an sich selber nie auf andere überträgt. Aber ist das wirklich so? Hat er Menschen, die weniger hohen Ansprüchen an sich selber haben, nicht doch stets etwas herablassend behandelt? Was sagt das über ihn aus? Diese Phase der Hilflosigkeit lässt ihn jedenfalls ziemlich depressiv werden.

Ich finde, gerade die Hilflosigkeit, die fehlende Sprachkenntnisse verursachen können, ist eine gute Möglichkeit, eine persönliche Krise und den Umgang damit darzustellen.

Wegen der Dauer und Schwierigkeiten, eine Sprache zu lernen, wenn man dabei Unterstützung hat, kann ich berichten, dass in einer Gruppe Austausch-Schüler aus den USA, mit denen ich Kontakt hatte, Einzelne innerhalb von 6 Wochen ohne Vorkenntnisse (!) fast fließend deutsch zu sprechen lernten. Unglaublich!

Offline Volker

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Zurück zum Ausgang: wenn die Vampirin sich bisher telepathisch "unterhalten" hat, wie sah das aus? War das einfach nur bewusste Sprache, oder der Austausch von innerem Monolog, oder "mitreisen" auf den Gedanken und Eindrücken? Sprache ist dann im Vergleich sehr eingeschränkt - was zusätzlich frustrieren dürfte.

Vermutlich hat sie ja keine Probleme, die Worte mit Bedeutung zu verknüpfen - aber umgekehrt nicht die einfachen Worte für die sonst einfach nur direkt ausgetauschten komplexen Begriffswelten zu finden? Folge wäre eine rennende Überschneidung, äh, triefende Abschattung, nein, wie heißt das Wort? laufende Konflation? Versuch' mal einen medizinischen Fachtext nach Toki Pona zu übersetzen...

Oder aber die Grammatik einer (zeit)linearen Sprache passt halt nicht in ihre verwobenen Gedankengebäude die sie sonst austauscht? Dann kommt etwas sowas dabei heraus:
Deutsch Wortver"Youda-Talk"drehungen weniger-als Englisch "Stark sein Du musst" (möglich passen unfremd vs. komisch) klingt.

Je nach Ursache muss dann ihre "Dolmetscherin" eher Wortsucherin oder Satzsortiererin sein. Oder kann die Vampirin schlicht stimmmechanisch die Laute nicht produzieren? Dann wäre sie "nur" die Stimme.


Offline Churke

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Die grundsätzliche Frage ist doch, ob man eine Sprachbarriere a) als Problem betrachtet oder b) als wesentlichen Bestandteil des Plots. Während man im Fall a) eine minimalinvasive Lösung braucht, schreibt man das Thema in Fall b) richtig aus. Entsprechend verschiebt sich auch das Thema der Geschichte.
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Offline Evanesca Feuerblut

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Zurück zum Ausgang: wenn die Vampirin sich bisher telepathisch "unterhalten" hat, wie sah das aus? War das einfach nur bewusste Sprache, oder der Austausch von innerem Monolog, oder "mitreisen" auf den Gedanken und Eindrücken? Sprache ist dann im Vergleich sehr eingeschränkt - was zusätzlich frustrieren dürfte.
Hat sie nicht.
Und sie ist zu dem Zeitpunkt erst ein paar Nächte Vampirin, die erste ihrer Art und hat keine Ahnung von nichts. Sie merkt nur, dass SIE zwar alle versteht, aber wenn sie den Leuten antwortet, reagieren die so komisch, mit "Was redet die da? Ist das überhaupt eine Sprache? Klingt merkwürdig..." Ich hatte den größten Spaß daran, diese Stelle zu überarbeiten, weil einige meiner langjährigen Betaleser diese Dame nur als selbstsichere und kühle Person kennen und ich so auch mal ihre unsichere Seite herausarbeiten musste.
Sie musste also erstmal mitbekommen, warum sie die anderen versteht, aber die anderen sie nicht. Und dann überlegen, wie sie das so abkoppeln kann, dass sie auch wirklich die Wörter wahrnimmt.
(Dass die Stimmen, die sie die ganze Zeit alle in ihrem Kopf hört, Gedanken von anderen Leuten sind, hat sie auch erst ein paar Szenen zuvor herausgefunden.)
Ihre Denkstrukturen sind auch noch fast menschlich zu dem Zeitpunkt.
Es  ging mir also wirklich damals darum, dass sie lernen muss, die Sprache, die sie ohnehin versteht, auch noch zu sprechen. Wofür sie dann in der ersten Überarbeitung (in der Rohfassung mache ich mitten im Kapitel einen Zeitsprung und dann kann sie es halt. Ich könnte mich dafür ohrfeigen) eine Übersetzerin an die Backe kriegt, die sie unterrichten soll. Und die notfalls verdollmetscht, was die Vampirin will.

Das Problem, das Roca und ich beim Zeigen der Sprachvermittlung dem Leser gegenüber hatten, ist, dass es vielleicht zum Lesen nicht besonders spannend ist, das Ganze zu zeigen.
Wobei ich den Vorteil habe, durch den Telepathie-Kniff vom "Ich Tarzan-Du Jane"-Sprech wegzukommen. Aber wenn die Protagonisten normale Menschen sind, wird das knifflig.
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