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Autor Thema: Urban Fantasy - Reaktionen der Normal-Bevölkerung auf Übernatürliches  (Gelesen 5028 mal)

Offline Solmorn

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Zitat von: Churke
Unvollständige Information.
Unser Bild der Wirklichkeit besteht nur zu einem Bruchteil aus selbst Erlebtem oder Erkanntem.

Alles, was wir nicht selbst erlebt, sondern von anderen mitgeteilt bekommen haben, ist nicht mehr nur unsere eigene Wirklichkeit, sondern eine allgemeine Wirklichkeit vieler Menschen.
Tut aber eigentlich nichts zur Sache, wir gehen wohl einfach von leicht verschiedenen Definitionen dieser Begriffe aus...

Das klingt insgesamt alles interessant, aber ich hab irgendwie das Gefühl, dass das nicht so richtig zu der Frage passt, die du eingangs zitiert hast... vielleicht verstehe ich dich auch falsch; kannst du mir nochmal den wesentlichen Kern deines letzten Posts erklären? :versteck:
"Fair is foul and foul is fair" - William Shakespeare

Offline Churke

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Alles, was wir nicht selbst erlebt, sondern von anderen mitgeteilt bekommen haben, ist nicht mehr nur unsere eigene Wirklichkeit, sondern eine allgemeine Wirklichkeit vieler Menschen.

Vollkommen korrekt. Aber wer unterscheidet das?
Nach deinem Realitätsbegriff ist ein Dämon erst real, wenn du ihn selbst gesehen hat.
So lange du den Dämon nicht gesehen hast, ist dessen Existenz eine Glaubensfrage.
Aber würdest du ihn überhaupt erkennen?
Und würdest du darüber reden, wenn du dafür ausgelacht würdest?

Multipliziere diese Probleme mit 80 Millionen, und es wird auf einmal möglich, dass es hier und jetzt Dämonen geben könnte, wie es ebenso möglich ist, dass wir überall Dämonen zu sehen glauben, obwohl es keine gibt.

Die Realität ist so verschwommen, dass das Übernatürliche immer Platz hat.
Cupitorum spes omnis Circus est maximus.
- Ammianus Marcellinus

Offline Trippelschritt

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Da es jetzt langsam philosophisch wird, erweitere ich die Angelegenheit noch ein wenig.

Der Mensch sieht seine Welt nur in einem kleinen Spektrum, den wir sichtbares Licht nennen (so zwischen 300 und 700 nm und noch etwas darüber hinaus.
Der Mensch hört seine Welt nur in einem Bereich von 20 bis 30 000 Hertz. Fledermäuse hören darüber hinaus.
Er riecht ungemein viele Düfte, braucht dafür aber recht hohe Konzentationen. Jede Hundenase ist ihm überlegen.
Er spürt Gravitationsunterschiede kaum, Magnetismus und Radioaktivität gar nicht.
Kurzum: Seine Wahrnehmung der Welt ist höchst begrenzt. Dass er trotzdem in seiner Umwelt überlebt wie andere Tiere auch, liegt daran, dass er sich aus seinen Eindrücken ein Modell für die Welt gebaut hat, das ihm erklärt, was er tun kann und was er besser zu lassen hat. Jeder Mensch hat sein höchstpersönliches Modell. Ob es etwas taugt, merkt man daran, ob er im Leben zurechtkommt. So viel zum Begriff Realität. Es gibt einige wenige Menschen, die sehen die Welt anders. Verzerrt nennen wir das oder in Wahnbildern. Und in der Tat kommen diese Menschen nicht zurecht mit ihrem Leben. Das nennen wir krank.
Aber auch im gesunden Bereich gibt es eine große Bandbreite von Wahrnehmungen und Weltmodellen. Z.B. welche mit Engeln und ohne. In einem Zweig meiner Familie gingen Engel ein und aus und niemand dachte sich etwas Böses dabei. Engel waren Teil unserer Welt.

Was ich mit all dem sagen möchte, ist, dass allein durch die begrenzte und höchst subjektive Wahrnehmung unserer Spezies es eine große Zone gibt, wo sich Realität und Irrealität überlagern. Da gehören auch viele Phobien hin und alte Angstbilder als Vorstufen auf dem Weg zur Phobie, die noch aus der Urzeit der Menschen stammen. Und zuletzt ist alles, was wir wahrnehmen ein Gehirnprodukt und nicht mehr als eine Interpretation von Signalen. Und in diesem Raum der Unschärfe werden Werwölfe, Trollbäume, bösartige Felsen und Ähnliches geboren. Manchmal sind es aber auch nur Versatzstücke aus Erinnerungen, die sich im Lauf der Zeit ständig verändern und nicht konstant sind.

Und deshalb liebe ich fantastische Geschichten so sehr, weil sie von einer Ecke, in der es um Dinge geht, die nicht sind, einen Blick auf den Teil werfen, der ist. Und die Grenze zwischen diesen beiden Teilen gibt es nicht. Es ist ein Übergangsraum, keine Grenze.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Schreiben ist nichts anderes als seine Ideen zu Tisch zu bitten

Offline Aphelion

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Unser Bild der Wirklichkeit besteht nur zu einem Bruchteil aus selbst Erlebtem oder Erkanntem.
Beispiel: Wir halten die Kugelgestalt der Erde für eine Tatsache.
Ich muss noch eins draufsetzen.  ;D Das ist übrigens kein Widerspruch zu deinem Posting, sondern eine Ergänzung.

Wir sehen nicht nur einen Ausschnitt, sondern haben auch unsere ganz eigene Verzerrung. Nicht nur bei sozialen Themen (wo sie sicherlich nicht bestritten wird), sondern auch bei physikalischen. Aus der "Sicht" bestimmter Partikel ist die Erde zum Beispiel keine Kugel.

Eine Sichtweise, die zu anthropozentrisch ist, ist problematisch - aber ganz ohne geht es auch nicht bzw. dann müssen Bedinungen definiert werden.

Das bringt mich aber auch wieder zu meiner Sichtweise auf Urban Fantasy: Es ist sowohl möglich, sehr nah an "unserer" Realität zu bleiben, als auch neue Bedingungen zu definieren.

Offline Solmorn

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@Churke
Okay, jetzt hab ich es verstanden...
Danke für die Erklärung!
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