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Autor Thema: Schau mir ins Auge, Kleines  (Gelesen 1978 mal)

Offline Lothen

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Schau mir ins Auge, Kleines
« am: 03. Juni 2016, 10:02:23 »
Huhu ihr Lieben,

ich hab da eine etwas ungewöhnliche sprachliche Frage.

Einer meiner Protagonisten hat seit einem "Unfall" nur noch ein Auge. Jetzt gibt es aber ja sehr viele sprachliche Wendungen und Bilder, die mit den Augen im Plural arbeiten, z.B. jemandem in die Augen sehen, jemanden mit traurigen Augen angucken, ein bestimmter Ausdruck, der in den Augen liegt usw.

Ehrlich gesagt empfinde ich es als störend, teilweise sogar als unfreiwillig komisch, wenn ich hier mit dem Singular arbeite ("sie blickte ihm ins Auge", nur als Beispiel). Manchmal kann man noch auf "Blick" ausweichen, aber das geht auch nicht immer.

Würde euch das stören, wenn da weiterhin der Plural steht, obwohl bekannt ist, dass der Protagonist nur noch ein Auge hat? Oder würdet ihr trotz der Bedenken auf den Singular zurückgreifen?

LG Lothen

Online Maubel

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Re: Schau mir ins Auge, Kleines
« Antwort #1 am: 03. Juni 2016, 10:16:19 »
Ich würde weiterhin mit dem Plural arbeiten. Einer meiner Prota hat auch nur noch ein Auge, aber das andere existiert ja im Sinne noch - bzw. selbst wenn der Augapfel ganz fehlt, ist doch meistens die Augenhöhle zu sehen und so kann eine andere Person immer noch in die Augen sehen. Lediglich wenn er aktiv etwas macht mit dem verbliebenden Auge, dann sollte es bei Singular bleiben, weil er nur damit schaut.
   

Offline Feuertraum

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Re: Schau mir ins Auge, Kleines
« Antwort #2 am: 03. Juni 2016, 10:34:41 »
Schwierig, und um eine Floskel zu zitieren: Es kommt ganz auf den Kontext an. So von meinen Gedanken her hätte ich persönlich kein Problem damit, wenn es im Singular geschrieben ist, allerdings sollte da dann immer ein gewisser Abstand zwischen liegen.
Das Fahrrad heulte herzergreifend, weil an ihm ein Hund  seine Notdurft verrichtete.

Offline Nycra

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Re: Schau mir ins Auge, Kleines
« Antwort #3 am: 03. Juni 2016, 10:39:04 »
Naja, rein objektiv betrachtet, sieht man eh niemanden in die Augen, sondern immer nur in ein Auge. Versucht es mal aus, ihr könnt euch selbst im Spiegel nicht in beide Augen gleichzeitig schauen.  ;)

Ich für meinen Teil würde mich darüber wundern, wenn ein Einäugiger angesehen wird und es dann heißt, man sieht ihm in die Augen, statt ins Auge.

Offline magico

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Re: Schau mir ins Auge, Kleines
« Antwort #4 am: 03. Juni 2016, 10:39:39 »
Ich würde solche Redewendungen mit "Augen" komplett umgehen. Statt "sie blickte ihm ins Auge/in die Augen", würde ich einfach "sie sah ihn (lange/durchdringend oder was auch immer) an" (o.ä.) schreiben.
Wie oft kommt denn in deinem Projekt eine Situation vor, in der du dich auf das Auge des Protagonisten beziehen musst?

Offline Lothen

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Re: Schau mir ins Auge, Kleines
« Antwort #5 am: 03. Juni 2016, 10:46:05 »
Einer meiner Prota hat auch nur noch ein Auge, aber das andere existiert ja im Sinne noch - bzw. selbst wenn der Augapfel ganz fehlt, ist doch meistens die Augenhöhle zu sehen und so kann eine andere Person immer noch in die Augen sehen.
Na ja, in meinem Fall hat der Prota eine Augenklappe, es ist also faktisch wirklich nur ein Auge zu sehen.

So von meinen Gedanken her hätte ich persönlich kein Problem damit, wenn es im Singular geschrieben ist, allerdings sollte da dann immer ein gewisser Abstand zwischen liegen.
Hm, ich weiß nicht, ich finde, das hört sich einfach merkwürdig an. Ich möchte auch ungern ständig betonen, dass der Prota nur ein Auge hat, das weiß der Leser an sich ja. Es könnte sonst etwas aufrdringlich wirken.

Ich für meinen Teil würde mich darüber wundern, wenn ein Einäugiger angesehen wird und es dann heißt, man sieht ihm in die Augen, statt ins Auge.
Das war eben auch mein Problem, dem Leser würde es sicher auffallen, und dann wirkt der Plural vielleicht auch unfreiwillig komisch, weil sich der Leser denkt: "Wie, in die Augen? Der hat doch nur eins!"

Wie oft kommt denn in deinem Projekt eine Situation vor, in der du dich auf das Auge des Protagonisten beziehen musst?
Na ja, "müssen" ist immer relativ. Ich bin mir sicher, es gäbe Möglichkeiten, die Formulierung zu umgehen, so, wie du es vorgeschlagen hast. Vielleicht ist das sogar eine gute Chance, mal alternative Wendungen zu benutzen. ;D

Offline magico

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Re: Schau mir ins Auge, Kleines
« Antwort #6 am: 03. Juni 2016, 10:51:58 »
Zitat von: Lothen
Das war eben auch mein Problem, dem Leser würde es sicher auffallen, und dann wirkt der Plural vielleicht auch unfreiwillig komisch, weil sich der Leser denkt: "Wie, in die Augen? Der hat doch nur eins!"

Das denke ich nicht. Die meisten werden einfach drüber lesen. Unser Gehirn hat die erstaunliche Gabe, sich da schon einen sinnigen Kontext daraus zu basteln. Bestes Beispiel: Ich habe beim Thread-Titel anfangs "Schau mir in die Augen, Kleines" gelesen. Erst später, nachdem ich den Inhalt gelesen hatte, fiel mir auf, dass er im Singular dasteht.

Zitat von: Lothen
Ich bin mir sicher, es gäbe Möglichkeiten, die Formulierung zu umgehen, so, wie du es vorgeschlagen hast. Vielleicht ist das sogar eine gute Chance, mal alternative Wendungen zu benutzen.

Zumindest kannst du versuchen, die "Auge-Formulierungen" zu reduzieren.
Es gibt allerdings auch Beispiele im Singular: Dem Schicksal ins Auge blicken. (usw.)

Offline Evanesca Feuerblut

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Re: Schau mir ins Auge, Kleines
« Antwort #7 am: 03. Juni 2016, 13:19:42 »
Ich gehöre zu denen, die das permanent irritieren würde, wenn da von "Augen" die Rede ist und ich genau weiß, dass der nur eins ist. Jeder Leser ist anders und es wird welche geben, die darüber hinweglesen. Und welche, die das am Ende als Hauptgrund für einen Stern Abzug in der Bewertung angeben.
Allen Recht machen kannst du es nicht, aber es wäre zumindest eine Überlegung wert, hier die Irritationen für die pingeligeren Leser zu verringern.
Darum würde ich dir auch empfehlen, die Formulierungen zu umgehen und/oder nach treffenden Wendungen mit Singular bewusst suchen und diese verstärkt einzubauen.
Gerade mit Augenklappen kann man bestimmt auch tolle Wendungen schaffen, weil das kein alltäglicher Gegenstand ist und somit auch die sprachliche Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Offline magico

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Re: Schau mir ins Auge, Kleines
« Antwort #8 am: 03. Juni 2016, 13:29:42 »
Zitat von: Evanesca
Gerade mit Augenklappen kann man bestimmt auch tolle Wendungen schaffen, weil das kein alltäglicher Gegenstand ist und somit auch die sprachliche Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Stimmt. Das könnte ein ziemlich cooler Aspekt werden, wenn "sie" (oder wer auch immer) ihm ins Gesicht schaut und stets von der Augenklappe abgelenkt wird.

Offline Lothen

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Re: Schau mir ins Auge, Kleines
« Antwort #9 am: 03. Juni 2016, 14:04:05 »
@Evanesca Feuerblut : Wahrscheinlich hast du recht und das ist die pragmatischste Lösung. Ich denke, ich werde da künftig einfach drauf achten und bei der Überarbeitung noch einen Fokus darauf legen.

@magico : Das stimmt, allerdings will ich es dem Leser jetzt auch nicht ständig aufs Auge (haha - Wortspiel) drücken, dass der Kerl eine Augenklappe hat. Das weiß der Leser ja - zumal deren Ursache auch ein relevanter Aspekt des Plots ist. Insofern werd ich das bestimmt einige Male einfließen lassen, aber zu oft ist dann auch schwierig.

Offline Maja

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Re: Schau mir ins Auge, Kleines
« Antwort #10 am: 03. Juni 2016, 14:10:48 »
Ich habe bei der "Gauklerinsel" akribisch darauf geachtet, dass immer nur von einem Auge die Rede ist, wenn es um meinen augenklappenbewehrten Rosi geht, weil mir das als Leser sonst auch aufgestoßen wäre. Habe am Ende das ganze Manuskript auf Verwendnung des Wortes "Augen" abgesucht, um auf Nummer Sicher zu gehen.

Zusatz, hat nichts mit der sprachlichen Umsetzung zu tun: Denk daran, dass einäugige Protagonisten nicht dreidimensional sehen können und ein deutlich eingeschränktes Sichtfeld haben.
         

Offline Waldhex

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Re: Schau mir ins Auge, Kleines
« Antwort #11 am: 19. Juni 2016, 10:34:00 »
Zusatz, hat nichts mit der sprachlichen Umsetzung zu tun: Denk daran, dass einäugige Protagonisten nicht dreidimensional sehen können und ein deutlich eingeschränktes Sichtfeld haben.

Nur als Anmerkung dazu: Eines meiner Augen ist deutlich schwächer als das andere, weshalb ich faktisch von Kind an nur mit einem Auge geschaut habe. Mein räumliches Vorstellungsvermögen ist aber deutlich besser, als das anderer. Ich denke, das Gehirn ist da sehr lernfähig. Kommt natürlich darauf an, wie lange es Zeit hatte, sich an den Zustand zu gewöhnen. Das Gesichtsfeld ist an der einen Seite natürlich tatsächlich etwas eingeschränkt.

DeteHo

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Re: Schau mir ins Auge, Kleines
« Antwort #12 am: 24. Juli 2016, 23:08:11 »
Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass es auch auf die Persönlichkeit des Charakters an sich ankommt. Also wie kommt die Figur mit dem Verlust des halben Augenlichts klar? Je nach Gemütszustand könnte es ja mal häufiger und mal seltener der Fall sein, über das verlorene Auge zu sprechen und vielleicht lassen sich dadurch ebenfalls mehrere Formulierungen und Möglichkeiten finden, sprachliche Alternativen aufzubauen. Ich hoffe, du weißt, was ich meine. :)

Offline chaosqueen

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Re: Schau mir ins Auge, Kleines
« Antwort #13 am: 12. September 2016, 14:34:59 »
Zusatz, hat nichts mit der sprachlichen Umsetzung zu tun: Denk daran, dass einäugige Protagonisten nicht dreidimensional sehen können und ein deutlich eingeschränktes Sichtfeld haben.

Nur als Anmerkung dazu: Eines meiner Augen ist deutlich schwächer als das andere, weshalb ich faktisch von Kind an nur mit einem Auge geschaut habe. Mein räumliches Vorstellungsvermögen ist aber deutlich besser, als das anderer. Ich denke, das Gehirn ist da sehr lernfähig. Kommt natürlich darauf an, wie lange es Zeit hatte, sich an den Zustand zu gewöhnen. Das Gesichtsfeld ist an der einen Seite natürlich tatsächlich etwas eingeschränkt.

Kenne ich auch von Freunden, aber hier geht es ja um jemanden, der als Erwachsener (?) ein Auge verliert. Der wird sich erstmal daran gewöhnen müssen, dass er nicht mehr räumlich sehen kann.

Was das Ansehen generell betrifft: Ich schaue niemandem in die Augen. Nicht, weil ich es unhöflich, seltsam oder sonstwas finde, sondern weil ich Menschen auf den Mund schaue, wenn ich ihnen zuhöre. Führt dazu, dass ich teilweise nach Jahren noch nicht sicher sagen kann, welche Augenfarbe meine Freunde haben. Der Spruch "er sah ihr in die Augen" ist für mich daher immer mit einer sehr engen emotionalen Verbindung der Personen verbunden, weil ich meinem Partner natürlich schon in die Augen schaue, allerdings reden wir dann meistens nicht. ;)
(Ist übrigens nicht so, dass ich es total vermeide. Ich hab nur ganz lange nicht verstanden, warum man ausgerechnet beim Zuhören dem anderen in die Augen sehen soll. Dann hör ich doch nur die Hälfte! ;D).

Offline Phea

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Re: Schau mir ins Auge, Kleines
« Antwort #14 am: 12. September 2016, 16:46:47 »
Eine Freundin von mir hat wegen MS eine Entzündung des linken Sehnerves und kann darauf seit etwa 3 Monaten nicht mehr sehen. Man merkt es ihr gar nicht an und hätte sie Mittwoch nicht erwähnt, dass es noch immer nicht besser geworden ist, hätte ich das tatsächlich nicht wahrgenommen. Das Auge blickt dich noch an, es fixiert dich regelrecht, aber sie sieht einfach nichts darauf.

Sie selbst ist in den ersten Wochen vor Wände und Türen gelaufen, weil es so ungewohnt war. Erst nach etwa 3 Wochen gewöhnte sie sich daran und es ist, als würde sie schon immer nur mit einem Auge sehen. Um sicher zu gehen, hat sie ihr Auto verkauft und fährt nicht mehr, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob sie das hätte machen müssen. Es ist sicherer für sie und sie hat es nicht wegen dem Auge getan, sondern wegen den Schüben, die MS nun einmal mit sich bringen.

Vielleicht als kleiner Anreiz, wie man damit umgehen kann, wenn jemand plöltzlich auf einem Auge erblindet. Sie kommt mittlerweile gut damit zurecht und übersieht auch keine Gegenstände mehr.

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