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Autor Thema: Terminologische Entwicklung  (Gelesen 3213 mal)

Offline wortglauberin

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Re: Terminologische Entwicklung
« Antwort #30 am: 15. Mai 2016, 23:43:47 »
Sehr viele Dinge, denen ich zustimmen würde, wurden schon gesagt- ich persönlich bin immer ein bisschen zwiegespalten.
Zum Einen bin ich der Meinung, dass Sprache sich verändern darf und das auch tut, und dass dadurch ja auch eine durchaus gewollte Abgrenzung kultureller oder geographischer Millieus erfolgt; zum anderen ist da mein Germanistinnen- Tochter- Herz, das bei gewissen Falschverwendungen einfach zu bluten beginnt, zum Beispiel bei dem bereits erwähnten "Verhunzen" von aus dem Lateinischen stammenden Worten oder bei eingedeutschten Ausdrücken aus dem Englischen, die auf deutsch einfach grausig klingen ("da bin ich fein mit").

Englische Begriffe an sich benutze ich allerdings auch sehr, sehr häufig- mir ist das schon fast wieder unangenehm, weil man schnell riskiert, "pretentious" zu klingen (Hah!); manchmal beschreibt aber ein Wort aus einer anderen Sprache einfach besser, was man sagen möchte, und bis zu einem gewissen Grad gibt es entlehnte Worte ja schon immer. Ich finde nur ein bisschen lächerlich, wenn Dinge anglisiert werden, um dem Gesagten einen "cooleren" Touch zu verleihen.
Neuestes Beispiel: in meiner Heimatsstadt gibt es sowohl einen "City- Manager" als auch ein "Cityfest", da musste ich bei einer urschwäbischen Stadt schon ein bisschen schmunzeln  ;)

Oh, und was mir dazu noch einfällt: Meike Winnemuth hat zu dem Thema mal eine Kolumne geschrieben.  ;D

Offline Waldhex

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Re: Terminologische Entwicklung
« Antwort #31 am: 16. Mai 2016, 12:59:31 »
Ich finde nur ein bisschen lächerlich, wenn Dinge anglisiert werden, um dem Gesagten einen "cooleren" Touch zu verleihen.
Neuestes Beispiel: in meiner Heimatsstadt gibt es sowohl einen "City- Manager" als auch ein "Cityfest", da musste ich bei einer urschwäbischen Stadt schon ein bisschen schmunzeln  ;)


Besonders "toll" ist es, wenn Sachen im Deutschen einen englischen Namen bekommen, der aber im englischen etwas völlig anderes bedeutet. Bestes Beispiel "Handy". Da frage ich mich schon, ob es unbedingt ein englischer Begriff sein muss.
Wobei es ja Leute gibt, die behaupten, dass das ein schwäbisches Wort ist, weil ein Schwabe dazu meinte: "ja hendie den koi Kabl?" oder hochdeutsch "ja haben die denn kein Kabel?" OT, passte aber gerade so schön.

Offline Tigermöhre

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Re: Terminologische Entwicklung
« Antwort #32 am: 19. Mai 2016, 23:24:55 »
Besonders "toll" ist es, wenn Sachen im Deutschen einen englischen Namen bekommen, der aber im englischen etwas völlig anderes bedeutet. Bestes Beispiel "Handy". Da frage ich mich schon, ob es unbedingt ein englischer Begriff sein muss.

Da sind meine Lieblinge "Public Viewing" und "Bodybag" (das hat irgendein Geschäft mal ernsthaft versucht als Begriff für einen Rucksack zu etablieren)

Ok "ich gehe mit meinem Bodybag zu einem Public Viewing" ergibt auch im Englischen einen gewissen Sinn, aber ob man das wirklich will ... :rofl:
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Offline wortglauberin

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Re: Terminologische Entwicklung
« Antwort #33 am: 22. Mai 2016, 19:03:49 »
Wobei es ja Leute gibt, die behaupten, dass das ein schwäbisches Wort ist, weil ein Schwabe dazu meinte: "ja hendie den koi Kabl?" oder hochdeutsch "ja haben die denn kein Kabel?"

Ohh aber das ist großartig, das kannte ich gar nicht  ;D Wieder eine große Errungenschaft, die sich zu Spätzle und Maultascha g'selle ko...

Und @Tigermöhre, die Bodybag war mir bisher unbekannt! Was ich aber beinahe genauso schlimm finde wie Worte, die vollkommen ihre Bedeutung wechseln, sind die Ausdrücke, die eine deutsche Schreibweise verpasst bekommen- bringt nichts, sieht nur weitaus grausliger aus. Ich denke hier beispielsweise an den Diskonter (wobei ich grade mal gegoogled habe und nicht weiß, ob das nicht einfach ein österreichischer Begriff ist) oder auch an Verben wie googeln, downloaden, snowboarden... die auch ich häufig verwende, mich aber deshalb nicht weniger vor der Konjugation grusele.

Offline Manu

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Re: Terminologische Entwicklung
« Antwort #34 am: 24. Mai 2016, 00:25:13 »
Ich bekomme kreisrunden Haarausfall bei dem Satz "Ich habe Rücken". Entweder hat man einen Rücken - was bei der Mehrheit der Menschen der Fall sein dürfte, denn zwei Rücken oder einen Hals, der direkt aus dem Becken wächst, hat wohl kaum jemand. Oder man hat Rückenschmerzen. Ähnlich geht es mir mit: "Kann ich Schokolade?". Ja, was kannst du denn mit der Schokolade? Sie essen, kaufen, aus dem Fenster werfen?
Ich prokrastiniere nicht. Ich schiebe Dinge auf Deutsch vor mir her.

Offline Big Kahuna

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Re: Terminologische Entwicklung
« Antwort #35 am: 24. Mai 2016, 09:53:25 »
Zitat
Ich bekomme kreisrunden Haarausfall bei dem Satz "Ich habe Rücken". Entweder hat man einen Rücken - was bei der Mehrheit der Menschen der Fall sein dürfte, denn zwei Rücken oder einen Hals, der direkt aus dem Becken wächst, hat wohl kaum jemand. Oder man hat Rückenschmerzen. Ähnlich geht es mir mit: "Kann ich Schokolade?". Ja, was kannst du denn mit der Schokolade? Sie essen, kaufen, aus dem Fenster werfen?

Oooh ja, da dreht es mir auch die Zehennägel hoch.
Ebenso solche geistreichen Satzkonstruktionen, die ich als Teenager häufig gehört habe und leider heute noch höre: "Lass heute JUZ (Jugendzentrum) gehen". Ist es denn so schwer, hier noch ein "uns" und ein "ins" zu spendieren, damit es "Lass uns heute ins JUZ gehen" heißt?!  :wums:
Wenn du kritisiert wirst, dann musst du irgend etwas richtig machen. Denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. - Bruce Lee

Offline Tigermöhre

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Re: Terminologische Entwicklung
« Antwort #36 am: 24. Mai 2016, 10:45:36 »
Ebenso solche geistreichen Satzkonstruktionen, die ich als Teenager häufig gehört habe und leider heute noch höre: "Lass heute JUZ (Jugendzentrum) gehen". Ist es denn so schwer, hier noch ein "uns" und ein "ins" zu spendieren, damit es "Lass uns heute ins JUZ gehen" heißt?!  :wums:

Soweit ich weiß, kommt das ganz stark aus dem Türkischen. Dort gibt es diese ganzen Präpositionen nicht, oder nur sehr eingeschränkt. Mich nervt es aber auch.
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Offline JarlFrank

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Re: Terminologische Entwicklung
« Antwort #37 am: 24. Mai 2016, 11:30:33 »
Was ich aber beinahe genauso schlimm finde wie Worte, die vollkommen ihre Bedeutung wechseln, sind die Ausdrücke, die eine deutsche Schreibweise verpasst bekommen- bringt nichts, sieht nur weitaus grausliger aus. Ich denke hier beispielsweise an den Diskonter (wobei ich grade mal gegoogled habe und nicht weiß, ob das nicht einfach ein österreichischer Begriff ist) oder auch an Verben wie googeln, downloaden, snowboarden... die auch ich häufig verwende, mich aber deshalb nicht weniger vor der Konjugation grusele.

Diese Verben haben doch herrliches Potential...
"Hey, was hast du vor diesen Winter zu machen?"
"Ach, ich denke ich mach Urlaub in den Alpen. Ich boarde gerne snow, und da gibt es tolle Skigebiete!"

-

"Ich hab hier sonen Link gefunden auf dem man sich Filme downloaden kann, aber auf meinem PC funktioniert das nicht. Loade mir doch bitte mal den neuen Batman down."


Ich finde es wundervoll. Einfach wundervoll. ;D
Mила Родино,
ти си земен рай,
твойта хубост, твойта прелест,
ах, те нямат край.

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