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Autor Thema: Schimpfen und Fluchen in Geschichten  (Gelesen 3107 mal)

Offline Naudiz

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Re: Schimpfen und Fluchen in Geschichten
« Antwort #15 am: 20. April 2016, 22:06:48 »
Ich störe mich auch nicht daran, wenn Figuren gelegentlich fluchen. Es muss aber zur Geschichte und vor allem zu den Figuren passen. Bei jemandem aus einer Zeit, Gesellschaft oder gar Welt, in der öffentliches Fluchen nicht gesellschaftlich akzeptiert ist, würde es mich sehr stören. Ich ziehe als Beispiel mal Steve Rogers aka Captain America heran: Wer um 1940 in den USA fluchte, war schnell als nicht respektabler Mensch verpönt. Als ein gut erzogener Mensch, der ein strahlendes Vorbild für andere sein sollte, wäre es also höchst out of character für ihn, wenn er fluchen würde wie ein Seemann.

Bei Figuren wie Logen "Bloody Nine" Ninefingers aus der Klingen-Reihe von Joe Abercrombie würde ich allerdings stutzig werden, wenn sie sich gewählt ausdrücken würden. Ich meine, ein Krieger aus einer Gesellschaft, welche die Härtesten der Härtesten ehrt, mit einem Beinamen, der anderen das Blut in den Adern gefrieren lässt ... der nicht flucht? Das wäre zwar eine interessante Abwechslung, aber im kulturellen und soziologischen Kontext wenig glaubwürdig.

Jedenfalls wird es für mich erst dann kritisch, wenn der halbe Text nur noch aus F-Bombs besteht. Das würde mir irgendwann einfach unsäglich auf die Nerven gehen, und ich würde mich fragen, ob der Autor irgendetwas damit kompensieren oder, noch schlimmer, sich durch diese "edginess" bei der Jugend anbiedern will. Das hätte dann was von dem vermeintlich trendigen Slang aus den alten Bravo-Zeitschriften, den nicht mal die Zielgruppe wirklich ernst nehmen, geschweige denn cool finden konnte.

(Ich sage "würde" und "hätte", weil mir zum Glück bisher noch kein Roman untergekommen ist, in dem das so extrem übel war. Bei Grim&Gritty erwarte ich häufiges Fluchen aber auch. Das wäre ohne einfach nicht dasselbe. Bei High Fantasy nach Tolkien'scher Art sehe ich das ein bisschen anders, aber in die Richtung hab ich schon seit Jahren nichts mehr gelesen.)

In meinen eigenen Romanen lasse ich meine Figuren aber trotz allem nur selten fluchen. Nicht, weil ich es mich nicht trauen würde, sondern, weil ein exzessiver Gebrauch von Schimpfwörtern in den meisten einfach überhaupt nicht passt. Die Hauptpersonen in meinem High Fantasy-Epos sind zum Beispiel fast ausschließlich Adlige in einer Gesellschaft, in der Fluchen als Sprache der Unterschicht gilt. In ganz besonders brenzligen Situationen rutscht ihnen zwar auch schon mal ein gepflegtes "Scheiße" raus, aber selten Schlimmeres.
Bei meinen Urban Fantasy-Werken bin ich da ein bisschen großzügiger. Aber die meisten davon spielen auch in Berlin, und wer von dort kommt oder schon mal dort war, weiß, dass die Berliner Schnauze ohne deftiges Fluchen einfach nicht dasselbe ist ;) Wobei da auch nur selten "richtige" Schimpfwörter vorkommen, sondern eher mehr oder weniger beleidigende Phrasen.

Kurz gesagt also: Fluchen ist für mich okay, solange es passt und nicht maßlos damit übertrieben wird.

Ich liebe ja spezifische Schimpfwörter, die der Welt eigen sind und zum Beispiel das "Gottverdammt" ablösen.

Das finde ich übrigens auch immer richtig klasse! Besonders positiv ist es mir bei den Chronicles of the Unhewn Throne von Brian Staveley aufgefallen - dort werden die Namen der Götter in die Flüche eingebunden, teils auch in verkürzter Form. Beispiel: "'shael-spawned", das sich von der Kurzform des Totengottes Ananshael ableitet und das man in einer anderen Welt ungefähr mit "höllengeboren" übersetzen könnte. Das fand ich echt nett.

Offline Maubel

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Re: Schimpfen und Fluchen in Geschichten
« Antwort #16 am: 20. April 2016, 22:17:07 »
Beim Schreiben... habe ich ein Problem. Jetzt nicht mehr so extrem wie früher, aber als ich Version zwei meines Erstlings anfertigte und dort mein Protagonist als "Pussy" beschimpft wurde, hatte ich Probleme, das Wort auszuschreiben.
Ich war so blockiert von der Konditionierung, dass es nicht ging.
Das wird langsam, weil ich sehr charakteregesteuert schreibe und einige von denen nun mal sehr derb sprechen. Aber es fällt mir oft schwer oder kostet mich Überwindung.
Und ja, ein wenig fürchte ich, dass Leser dann das Gefühl haben, die Autorin hätte einen Besenstiel da, wo die Sonne nie hinscheint...

Genau so geht es mir auch, da ich selber so schrecklich wenig fluche. (wobei englisch leichter fällt) Es kostet mich immer riesige Überwindungen so richtige Schimpfwörter auszuschreiben. Manche könnte ich wahrscheinlich gar nicht in den Mund nehmen oder in den Stift, da ist meine Abneigung einfach zu groß dafür. Aber aber, ich bemühe mich, wenn es zum Charakter/Situation passt.  ;D

Offline Lothen

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Re: Schimpfen und Fluchen in Geschichten
« Antwort #17 am: 20. April 2016, 22:20:59 »
Das ist spannend, Evanesca und Maubel. Ich glaube, ich fluche auch ziemlich selten, zumindest derb, aber mit Flüchen in meinem Romanen hatte ich noch nie Probleme.

Ich finde übrigens, Flüche sind auch eine schöne Möglichkeit für Worldbuilding. Ich hab das schon in einigen Geschichten erlebt, dass dort in den Flüchen ("beim Barte des ..." oder wie auch immer) Details aus dem Weltgeschehen, der Geschichte oder dem Glauben verwoben waren, und seitdem bemühe ich mich darum auch. Klappt aber nicht immer. ;)

/EDIT: Ups, gerade erst gesehen, Naudiz hatte das ja auch schon angesprochen, der Beitrag ist mir nur entglitten. Egal, doppelt hält besser. :P
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Offline Churke

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Re: Schimpfen und Fluchen in Geschichten
« Antwort #18 am: 21. April 2016, 00:04:22 »
Jedenfalls wird es für mich erst dann kritisch, wenn der halbe Text nur noch aus F-Bombs besteht.

Wie bei Hillary Clinton...  :P

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Offline Naudiz

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Re: Schimpfen und Fluchen in Geschichten
« Antwort #19 am: 21. April 2016, 01:10:38 »
@Churke: :o Ungefähr so meinte ich das, ja.

@Evanesca: Ja, Konditionierung kann schon sehr viel ausmachen. Ich habe Freunde, bei denen das ganz ähnlich ist, weil in der Familie einfach niemand flucht und es generell als unschicklich angesehen wird. Auch Jahre später bekommen sie immer noch einen kleineren Schock, wenn ich anfange, zu schimpfen. Ich bin ja sonst doch eher jemand, der sich etwas kultivierter ausdrückt. Was mich nicht daran hindert, zu fluchen wie ein Seemann. Das ist dann wohl meine Konditionierung, denn in meiner Familie hält sich damit niemand zurück, außer vielleicht in Gegenwart kleinerer Kinder.

Offline Lina Franken

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Re: Schimpfen und Fluchen in Geschichten
« Antwort #20 am: 23. April 2016, 01:12:08 »
Ich für meinen Teil habe kein Problem mit Gewalt oder derben Flüchen in Romanen/Serien etc., allerdings muss ich immer innehalten und überlegen ob meine sehr kreativen Schimpf-Triaden nicht zu übertrieben sind und schreibe sie dann meist doch ein wenig um. Wir Osteuropäer sind ja unglaublich krativ beim Fluchen :snicker: Da gibt es allein dutzende Bezeichnungen für "Jemanden der ein intimes Verhältniss zu seiner Mutter hat", aber so richtig austoben kann ich mich da in meinen Geschichten leider selten, weil zu derbe Schimpf-Triaden den Sympathie-Wert eines Charakters erheblich absenken könnten, der eigentlich nicht als Anthagonist gemeint ist. Meistens wird Schimpfen mit "Anthagonist" in Verbindung gebracht, weil es eben "ungebührliches Verhalten" ist. Andererseits bin ich aber auch ein großer Fan von "Anti-Helden", die mehr fluchen und kaputter sind als der eigentliche Antagonist.
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Offline Angela

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Re: Schimpfen und Fluchen in Geschichten
« Antwort #21 am: 23. April 2016, 08:31:47 »
Ich höre in Kanada und den USA sehr selten Leute in der Öffentlichkeit (also in meinem Fall in den Bussen, U-Bahn, Zug, beim Essen) fluchen, selbst die Kiddies halten sich zurück. Wenn, sieht man ihnen meist schon sehr an, dass da etwas in ihrem Leben neben der Spur verlaufen ist, oder sie schlicht ein mentales Problem/Drogenproblem haben. Am Anfang hat mich das gewundert, weil in den Filmen oft so viel geflucht wird, als wäre es normal.

Offline funkelsinlas

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Re: Schimpfen und Fluchen in Geschichten
« Antwort #22 am: 24. April 2016, 11:32:53 »
@Lothen : Das mit dem Worldbuilding stimmt. Da kann man besonders mit spielen, wenn man verschiedene Nationalitäten, Bildungsklassen und anderweitig definierte Gruppen auf einander stoßen lässt.
Das Problem hierbei ist aber finde ich oft die Religion. Bei FLuchen und Danken ist man sehr schnell bei geflügelten Wörtern mit Gott und Teufel. Bei mir gibts das nicht, das verlangt dann teilweise echte Kreativität...

Schimpfwörter, Fluchen und andere Beleidigungen finde ich für die Bücher sogar irgendwie wichtig. Das malt ein glaubhafteres Bild für die Gesellschaft, natürlich in den einzelnen Schichten mit Abstufung. Es zu schreiben fällt mir zwar am Anfang jedesmal schwer, aber wenn ich es dann nochmal durchlese passt es schon.

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Offline JarlFrank

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Re: Schimpfen und Fluchen in Geschichten
« Antwort #23 am: 25. April 2016, 13:42:48 »
Ich für meinen Teil habe kein Problem mit Gewalt oder derben Flüchen in Romanen/Serien etc., allerdings muss ich immer innehalten und überlegen ob meine sehr kreativen Schimpf-Triaden nicht zu übertrieben sind und schreibe sie dann meist doch ein wenig um. Wir Osteuropäer sind ja unglaublich krativ beim Fluchen :snicker: Da gibt es allein dutzende Bezeichnungen für "Jemanden der ein intimes Verhältniss zu seiner Mutter hat", aber so richtig austoben kann ich mich da in meinen Geschichten leider selten, weil zu derbe Schimpf-Triaden den Sympathie-Wert eines Charakters erheblich absenken könnten, der eigentlich nicht als Anthagonist gemeint ist. Meistens wird Schimpfen mit "Anthagonist" in Verbindung gebracht, weil es eben "ungebührliches Verhalten" ist. Andererseits bin ich aber auch ein großer Fan von "Anti-Helden", die mehr fluchen und kaputter sind als der eigentliche Antagonist.

Das kommt aber doch echt aufs Genre an. In einem "grimdark" Fantasyroman in dem es hart hergeht und die Protagonisten Diebe, Kämpfer oder Prostituierte sind erwartet der Leser doch regelrecht, dass auch mal ein Fluch aus deren Mund kommt. Die beliebtesten Charaktere aus George Martins "Game of Thrones" sind Antihelden, die vor rauem Umgang nicht zurückschrecken - man denke nur an Tyrion und den Söldner Bronn, oder die feiste kleine Arya.
Und in den hard boiled detective novels muss der Protagonist auch ein Antiheld sein, am besten kettenrauchender Alkoholiker der vor Schlägereien nicht zurückschreckt.

Ich fand einen Antihelden bisher noch nie unsympathisch - aber ich denke, Bücher mit Antihelden haben auch eine andere Lesergruppe als Bücher mit netten, anständigen Helden. :D
Mила Родино,
ти си земен рай,
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ах, те нямат край.

Offline Snöblumma

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Re: Schimpfen und Fluchen in Geschichten
« Antwort #24 am: 25. April 2016, 17:52:38 »
Ich muss mich immer ein wenig zurück halten beim Schreiben... Ich fluche selber recht gerne (und meistens ist es nur halb so schlimm gemeint wie es vielleicht klingt), und lasse meine Charaktere so etwas wie "verdammt" oder "verflucht" relativ häufig sagen bzw denken. Für mich ist so etwas wie "Kreizzefix noamal" oder das geflügelte "l.m.a.a." vollkommen normale Sprache und daher noch nicht fluchen oder schimpfen im eigentlichen Sinne, sondern eher Ausdruck allgemeiner Stressbewältigung.

Von daher muss ich bei Charakteren, die so etwas nicht tun würden, immer ganz besonders aufpassen, dass es mir nicht zu oft in deren Rede oder Erzählpassagen rutscht. Und sowas zu vermeiden ist auch nicht so ganz einfach...
Wer nicht auf seine Autorin hört, muss eben leiden.

catlord

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Re: Schimpfen und Fluchen in Geschichten
« Antwort #25 am: 15. Mai 2016, 08:22:03 »
@Evanesca Feuerblut
Danke für den Einblick, hab mich bei Wächter der Nacht und Metro 2033 schon manchmal gefragt, warum da so wenig geflucht wird  8)

Ich respektiere Leute, die ihre Sprache rein halten wollen,
Zitat
"Donald Trump ist ein genetisch mit sich selbst verwandtes Produkt eines doppelten Afterausgangs"
  :jau: ;D,
aber ich fluche viel und irgendwie gerne, daher kommt es auch in meinem Geschreibe oft durch.

Der für mich wichtigste Punkt ist, wie von einigen erwähnt, Immersion. Da muss man höllisch aufpassen. Gerade bei Fantasy in einer fiktiven Welt haben manche Schimpfworte die wir kennen einfach keine Grundlage, weil sie z.B. an eine Sprache oder Ereignisse angelehnt sind, die dort nicht existieren.

Offline Vic

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Re: Schimpfen und Fluchen in Geschichten
« Antwort #26 am: 15. Mai 2016, 10:51:08 »
Ich finde Fluchen auch wichtig, wenn es zum Charakter und zum Setting passt.
Schade finde ich, dass wir Deutschen dabei offensichtlich nicht so kreativ sind - in englischen Geschichten gibt es so  viele wunderbare, einzigartige Flüche, die schon beinah Charaktermerkmale sind und im Deutschen ist es doch meistens "Scheiße" "Mist" "verdammt" etc.
Und die Charakterbeschimpfungen arten schnell in Richtungen auf, die ich ganz und gar nicht in Ordnung finde (alles mit "Spasti" oder "voll behindert" - sorry, aber das ist echt grässlich und sollte vermieden werden).
Eigentlich bräuchte man mal einen Thread hier wo man schöne, neue Flüche und Beleidigungen sammelt. *g*
     

Offline Guddy

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Re: Schimpfen und Fluchen in Geschichten
« Antwort #27 am: 17. Mai 2016, 17:25:46 »
Schade finde ich, dass wir Deutschen dabei offensichtlich nicht so kreativ sind - in englischen Geschichten gibt es so  viele wunderbare, einzigartige Flüche, die schon beinah Charaktermerkmale sind und im Deutschen ist es doch meistens "Scheiße" "Mist" "verdammt" etc.
Würde ich nicht sagen. Im Eifer des Gefechts rutscht Englischsprachlern auch eher nur ein "Fuck" oder "Shit" raus, als dass sie sich da besonders kreativ hervortun würden. Andersrum gibt es doch auch etliche deutsche Kreationen (Deren konkrete Beispiele mir dummerweise und natürlich gerade nicht einfallen wollen. ;D Allein bei Moers wird man aber schon fündig. Und selber ausdenken kann man sich immer viel. Die Frage ist nur, ob das zur Figur und zur Situation passt.)

Bezüglich Charaktermerkmale fallen mir aber auch gerade nur Kapitän Haddock (franz.) und Ronja Räubertochter (schwed.) ein. Gibt da sicherlich noch mehr.
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Offline Coehoorn

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Re: Schimpfen und Fluchen in Geschichten
« Antwort #28 am: 19. Mai 2016, 01:50:11 »
Meine Charactere fluchen je nach Herkunft mal mehr mal weniger deftig.
Das kann bei Personen aus einem höheren Stand mal bei einem "Dorftrottel" oder "verdammt" bleiben, mal ist es auch eine unterschwellige Beleidigung (Wieso rede ich überhaupt mit ihm?), während bei der Armee oder Söldnern "Hurensohn" eher zum standartmäßigen Wortschatz gehört.
Die derbste Beleidigung kriegen meine Protagonisten an den Kopf geworfen als sie auf ihren Pferden durch eine Menschenmenge auf einem Marktplatz reiten und diese dabei achtlos auseinandertreiben und herumschubsen. Einer nicht näher definierten Person aus besagter Menschenmenge kommt ein kräftiges "Tausendfach verflucht sei die Fotze die euch ausgekotzt hat!" über die Lippen.

Es muss halt einfach passen. Ein Edelmann, der bei einer förmlichen Zeremonie sitzt, wird nicht mit Flüchen um sich werfen. Spricht er aber mit seinem Vertrauten über seinen ärgsten politischen Gegner könnte er durchaus extrem unflätig werden.
Genauso passt es einfach nicht, wenn ein Söldner oder Söldat sich am Lagerfeuer hemmungslos betrinkt und dann nett und freundlich reagiert, wenn er von jemandem angerempelt wird. In Gegenwart seines Kommandanten weiß er sich aber sicherlich zu benehmen.

Ich bin wieder dahaaaa!

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Re: Schimpfen und Fluchen in Geschichten
« Antwort #29 am: 19. Mai 2016, 17:08:10 »
Es muss halt einfach passen. Ein Edelmann, der bei einer förmlichen Zeremonie sitzt, wird nicht mit Flüchen um sich werfen.
Das würde ich jetzt auch nicht kategorisch ausschließen, auch das kommt auf den Kontext an. Es muss nicht einmal etwas großartig Dramatisches geschehen, um den Edelmann da zum Fluchen zu bringen. Es gibt in der Geschichte genügend Höfe, an denen eine grobe Sprache verbreitet war, das höfische Ideal ist vor allem ein literarisch tradiertes Idealbild.
Dann gibt es eigentlich in jeder Regierungszeit mindestens ein exzentrisches Original, dem man sowas auch theoretisch immer zutrauen muss. Hinzu kommt, dass auch nicht immer alle Zuschauer in unmittelbarer Nähe / Hörweite der hauptakteure sitzen und da durchaus auch mit anderen Dingen beschäftigt sind, als atemlos der Zeremonie zu folgen (sich beispielsweise über die schlechten Plätze oder die Positionierung in der Nähe von im Rang unter ihnen vermutetetn Leuten ärgern und so weiter).

Die von mir zitierte Aussage finde ich recht verallgemeinernd. Das mag für viele Geschichten und Szenen zutreffen, aber als allgemeine Aussage kann das nur gelten, wenn man ein undifferenziertes Aristokratiebild nutzt, das sich eng an dem höfischen Idealbild hält, welches mit der Realität wenig zu tun hat.

Natürlich ist das nur meine Meinung, die man auch doof finden kann.
    "Egal, wie nahe zwei Menschen sich kommen: die Entfernung zwischen ihnen bleibt unendlich." Harry Morgan, "Dexter".

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