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Autor Thema: Entwicklung am deutschsprachigen Fantasymarkt  (Gelesen 11499 mal)

Offline Franziska

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Entwicklung am deutschsprachigen Fantasymarkt
« am: 20. November 2014, 20:08:16 »
Ich gehe immer regelmäßig die Fantasyveröffentlichungen durch und achte dabei besonders auf deutsche Autoren. Seit Jahren heißt es immer, Fantasy stagniert, es wird kaum veröffentlich etc. Jetzt soll es wieder etwas mehr kommen, aber man weiß es nie so genau. Eigentlich ist es aber so, dass immer einige deutsche Autoren veröffentlicht werden. Auch wenn nicht mehr so viele davon leben können wie wohl noch vor fünf Jahren. Es stimmt nicht, dass Debutautoren von großen Verlagen keine Chance gegeben wird und in den letzten Jahren sind einige seriöse Kleinverlage entstanden, die ein vorzeigbares Programm haben.
Ich finde es immer ganz motivierend und interssant zu sehen, was sich bei der deutschsprachigen Fantasyszene so tut. Werden wohl Trends aus den USA übernommen, oder neue gesetzt? Oder auch: welche Agenturen haben es geschafft, deutsche Autoren zu vermitteln? Ich finde das immer ganz interessant.

Hier sind zum Beispiel ein paar Bücher, die demnächst erscheinen:
Der Meister der Türme von Martin Alexander, Lübbe (Debut)
Der unrechte Wanderer, Michael Marcus Turner, blanvalet
Lord Limbus, Stephan Russbült , Lübbe
Tochter der Schwarzen Stadt von Torsten Fink, blanvalet
Flammenwüste - Der Gefährte des Drachen von Akram El-Bahay, Lübbe
Zwillingsmond: Roman von Christiane Spies, Knaur
KALYPTO - Die Herren der Wälder: Roman. Band 1 von Tom Jacuba, Lübbe (Debut)
Schattendämmerung von Kaja Evert, Knaur

Das sind nur einige der Bücher, vielleicht nicht so viele wie noch vor einigen Jahren, aber da wir hier öfter mal diskutieren, dass Verlage ja so wenige deutsche Autoren nehmen, finde ich es immer ganz interessant mal zu gucken, ob das auch stimmt.
Die genannten Titel sind alle HF und nicht nur Nachahmer von GoT. Auch wenn es ein wenig den Trend bestätigt, den ich seit einer Weile auf dem englischsprachigen Markt beobachte: Magier und Drachen scheinen in zu sein.
Ich weiß, dass es wenig bringt, jetzt versuchen zu wollen, etwas ähnliches wie eins dieser Bücher zu schreiben, weil es sein kann, dass in einem Jahr schon wieder niemand HF haben will.
Aber ich finde es mal interessant zu diskutieren, wie die Entwickung der deutschen Fantasy wirklich ist, anstatt immer nur theoretisch zu spekulieren.
Ich habe zum Beispiel auch diese Liste gemacht mit deutschsprachigen Fantasyromanen. Da man da immer nur für 100 abstimmen kann, sind nicht alle drauf, die ich kenne. Es hat mich selbst überrascht, wie vielfältig deutsche Fantasy ist, wenn man die Bücher so alle zusammen sieht. Großverlage, Kleinverlage zusammengenommen.
(das soll jetzt keine Aufforderung sein, nur für Tizibücher abzustimmen ;) )
https://www.goodreads.com/list/show/70717.German_Fantasy_Novels

Offline Kaeptn

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Re: Entwicklung am deutschsprachigen Fantasymarkt
« Antwort #1 am: 20. November 2014, 20:36:11 »
Ja, es gibt sie immer mal wieder, die deutschen Debüt-Autoren, zumindest Debüt bei großen Verlagen. Robert Corvus (vorher DSA) zum Beispiel (Schattenherren...) und David Falk (Der letzte Krieger/König) sind da auch noch zu nennen, generell hat zum Beispiel Piper prozentual viele deutsche Fantasy-Bücher im Programm.

Aber du sprichst den wesentlichen Punkt auch an: Davon leben kann wohl kaum einer. Nicht umsonst hat sich Heitz vermehrt der dunklen Spannung (bin gespannt, ob er nach Zwerge 5 überhaupt nochmal klassische Fantasy macht) zugewandt, Hardebusch schreibt jetzt was Historisches, oder guck hier im Forum, Lomax und Linda, die sind auch mittlerweile in anderen Bereichen unterwegs ... Und was sind schon 3-4 Programmplätze für Debüt-Autoren im Jahr, angesichts allein der Masse der Leute die sich hier tummeln und einen der Plätze gern hätten (und ohne Agentur wird ihn kaum einer kriegen). Dass immer mal wieder was geht, hat man ja an dem überraschenden Aufruf der AVA vor ein paar Monaten gesehen.

Bei Kleinverlagen hat man indes gute Chancen, ja. Man sollte sich aber klarmachen, dass das dann wirklich nur ein zeitintensives Hobby ist, da kommt monetär wirklich nicht viel bei rum. Deswegen Dinge zu schreiben, die vielleicht marktkonform aber nicht 100% dem eigenen Gusto entsprechen, halte ich für falsch, dann nimmt man sich nur die Lust am Schreiben. Dank SP kann heute jeder schreiben UND veröffentlichen wozu er Lust hat, am Markt orientieren würde ich mich allenfalls, wenn ich eine Agentur hätte und die eine konkrete Verlagsanfrage hat, man also eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen lukrativen Vertrag hat.

Was die Entwicklung am deutschen Markt insgesamt angeht, hat Nadine in den Büchernews schon auf diese Interessante Rundfrage an die Programmleiter großer deutscher Fantasyverlage verwiesen, aber es kann wohl nicht schaden, es hier nochmal zu verlinken:
http://www.phantastiknews.de/joomla/index.php?option=com_content&view=article&id=9687:die-fantasy-im-buch-&catid=36:literatur&Itemid=56
Jörg Benne
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http://www.joergbenne.de

Offline Franziska

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Re: Entwicklung am deutschsprachigen Fantasymarkt
« Antwort #2 am: 20. November 2014, 20:52:14 »
Die Antworten auf die Fragen fand ich jetzt nicht besonders informativ, kann man sich eigentlich auch so denken. Dass es nichts bringt nach einem Trend zu schreiben, meinte ich ja auch. Aber ich finde es trotzdem immer ganz interessant Trends zu beobachten.
Die meisten Fantasyautoren die in den letzten zehn Jahren aufgebaut wurden veröffentlichen schon noch, nur meist dann ein Buch im Jahr anstatt mehreren, oder eben in zusätzlichen Genre. Viele arbeiten auch als Übersetzer.
Ich habe das Gefühl, dass Kleinverlage auch eine Chance haben gut wahrgenommen zu werden, und bei SP sowiso, wenn man Glück hat. Aber dass die hierzulande große Trends setzen und man deshalb die Verlage nicht mehr fragt, finde ich auch etwas übertrieben.

Offline Charlotte

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Re: Entwicklung am deutschsprachigen Fantasymarkt
« Antwort #3 am: 26. Dezember 2014, 14:35:27 »
Ich hole den Thread nochmal raus, weil mir etwas aufgefallen ist und ich nicht weiß, ob das ein generelles Problem ist. Ich war letztens auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken und nach Büchern, die ich von meinem eigenen Weihnachtsgeld kaufen wollte, und da ich mal wieder etwas Deutschsprachiges lesen möchte, habe ich die Augen nach deutscher YA-Fantasy aufgehalten. Dem Genre geht es an sich ja ziemlich gut, die Buchhandlungen sind voll von Urban Fantasy und auch High Fantasy für Jugendliche scheint zu laufen. Aber das sind alles Übersetzungen. Unter den Neuerscheinungen in den drei Buchhandlungen, die wir hier haben, war gerade einmal eine Dystopie von einer deutschen Debutautorin und ansonsten habe ich nur die großen Namen gefunden, zum Beispiel Kerstin Gier oder Nina Blazon und Kai Meyer. Ich habe das Gefühl, Fantasy für Jugendliche verlagert sich immer mehr in den Ebook-, Kleinverlags- und Selfpublisherbereich und ich finde das sehr schade. Kann mir hierzu jemand Auskunft geben, der sich mit dem Markt auskennt? Gibt es noch deutsche Debüts oder auch neue Bücher von bereits bekannten deutschsprachigen Autoren von größeren Verlagen (soll heißen, groß genug, dass die Bücher auch im Buchhandel zu haben sind) oder setzen sie wirklich nur noch auf Übersetzungen und die schon bekannten Autoren? Wie gesagt, die Regale waren voll mit neuer Urban Fantasy für Jugendliche. Aber alles waren Übersetzungen von amerikanischen Titeln. Wenn ich im Onlinebuchhandel suche, finde ich zwar einiges, aber meist sind das Verlage, von denen ich noch nie etwas gehört habe oder Titel von Selfpublishern. Als deutschsprachige Autorin von Jugendfantasy finde ich das doch ein wenig beunruhigend. Ganz zu schweigen davon, dass ich gern auf Deutsch lesen würde, aber nur ungern Übersetzungen.  :-\

Dass es, was die Fantasy für Erwachsene angeht anders auszusehen scheint, finde ich echt interessant. Da habe ich mich gar nicht umgesehen, weil ich es nicht so oft lese. Aber das ist natürlich schön.
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Offline Grey

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Re: Entwicklung am deutschsprachigen Fantasymarkt
« Antwort #4 am: 26. Dezember 2014, 14:55:21 »
Tja, ich zitiere dazu nur mal cbj, die ja kürzlich erst mein Dämmerland abgesagt haben: Der Markt für deutsche Jugendfantasy ist quasi nicht existent. Die Jugendlichen kaufen angeblich nur die amerikanischen Trends. Und Kerstin Gier. ::)
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Offline Charlotte

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Re: Entwicklung am deutschsprachigen Fantasymarkt
« Antwort #5 am: 26. Dezember 2014, 15:02:34 »
Okay, damit bestätigst du, was ich befürchtet hatte.  :-\ Das ist echt schade. Dann konzentriere ich mich erstmal auf meine historischen Sachen und die Fantasy für Erwachsene, die scheint ja wenigstens noch ein bisschen zu laufen.
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Offline Miezekatzemaus

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Re: Entwicklung am deutschsprachigen Fantasymarkt
« Antwort #6 am: 26. Dezember 2014, 15:06:49 »
Ich kann nicht behaupten, dass ich Ahnung vom Markt habe, aber nach dem, was ich in meiner Umgebung und in der Schule mitbekomme, stimmt das. Die Edelsteintriologie ist das einzige deutsche an Büchern, was angefasst wird. Sonst greifen alle zu amerikanischen Autoren. Es gibt beispielsweise in der Bücherei auch kaum Alternativen mehr - weil offensichtliche deutsche Fantasy nicht gekauft wird. :-\
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Offline Franziska

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Re: Entwicklung am deutschsprachigen Fantasymarkt
« Antwort #7 am: 26. Dezember 2014, 15:21:05 »
Mist, jetzt habe ich meinen Beitrag gelöscht. :wums:

Also das ist schon etwas merkwürdig. Fantasy und auch Urban ist auf den Bestsellerlisten immer noch weit oben bei YA. Aber Debuts bei großen Verlagen gibt es wirklich selten. Dann eher HF. Und eher bei den ebook-Labels. Oder SP in dem Bereich ist ja auch recht erfolgreich.
Ich verlinke noch mal zu meinen Listen:
Allgemein YA:
https://www.goodreads.com/list/show/36316.YA_Books_by_German_Authors

Allgemein deutsche Fantasy:
http://www.pinterest.com/celiajansson/german-fantasy-novels/

Offline Klecks

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Re: Entwicklung am deutschsprachigen Fantasymarkt
« Antwort #8 am: 26. Dezember 2014, 15:37:32 »
Ich werde nie begreifen, warum jemand ganz bewusst keine deutschen Fantasy-Bücher - welchen Subgenres (High, YA, Low ...) auch immer - anrührt. Mir fällt kein logischer Grund dafür ein. Vor allem muss man sich da heutzutage hin und wieder Mühe geben, um dem auszuweichen, wenn dann mal eines von einem deutschen Autor veröffentlicht wurde, denn immerhin gibt es viele Pseudonyme, die nicht unbedingt deutsch klingen - und die vermutlich aus genau diesem Grund gewählt werden. Da schaut dann wohl jemand extra ins Buch rein mit dem Ziel, herauszufinden, ob es einen Übersetzer gab oder ob das Buch von einem deutschen Autor geschrieben wurde.

Dass es so schlecht aussieht für uns in diesem Fantasy-Bereich, hätte ich jedenfalls echt nicht gedacht. Ich hätte da so viele Buchideen ...  :gähn:

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Offline Klecks

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Re: Entwicklung am deutschsprachigen Fantasymarkt
« Antwort #9 am: 26. Dezember 2014, 15:46:58 »
Tut mir leid, dass das ein Doppel-Post wird, aber mir ist gerade noch etwas eingefallen, was mich sehr interessiert: Wie sieht es eigentlich mit deutschsprachiger Science Fiction aus? Ich höre oft von Bekannten, dass das als Subgenre von Fantasy empfunden wird, und mich würde interessieren, inwiefern man sich als deutscher Autor mit Science Fiction auf dem Markt platzieren kann. Weiß das jemand? Läuft es da besser als mit Fantasy, ebenso schlecht oder noch miserabler?
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Offline Charlotte

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Re: Entwicklung am deutschsprachigen Fantasymarkt
« Antwort #10 am: 26. Dezember 2014, 15:55:15 »
Franziska: Deine Listen kenne ich, aber die YA-Fantasy ist ja auch schon etwas älter. Die Bücher von Patricia Schröder sind zwischen 2011 und 2013 erschienen und nach meiner Einschätzung (ich kenne mich aber da nicht so aus), gehörten sie zum letzten Schwung YA-Fantasy aus Deutschland und seitdem liefen bloß noch die Reihen zu Ende, aber es kam nichts Neues nach. Ich hatte mir auch eingebildet, dass zum Beispiel die Bücher von Patricia Schröder, Eva Völler oder Tanja Heitmann sehr beliebt gewesen wären. Sie lagen eigentlich immer in allen Buchläden aus und wurden sicherlich auch gekauft. Aber ich weiß natürlich nicht, inwieweit sie genug gekauft wurden. Ich überlege mir, ob ich meine YA-Projekte dann einfach anpasse. Entweder die Fantasy raus, oder für ein erwachsenes Publikum zurechtschneidern. Ich schreibe natürlich vorrangig aus Spaß, aber ich mache mir da nichts vor. Natürlich möchte ich auch veröffentlichen. Und wenn die Chancen so gering sind, ist das schon etwas demotivierend.

Ich habe in Frankreich bemerkt, dass es dort zum Beispiel so gut wie überhaupt keine "eigene" Fantasyliteratur für Jugendliche gibt. Ich bin dort in die Buchläden rein mit der Aussicht mir ein paar Romane zu besorgen, die es in Deutschland nicht gibt, und bin nur auf ins Französische übersetzte amerikanische Romane gestoßen. Da habe ich noch gedacht, dass Deutschland ja eigentlich einen sehr starken eigenen Markt an Literatur für Jugendliche hat, aber anscheinend bewegen wir uns darauf zu bald ähnlich dazustehen wie Frankreich. Kann es sein, dass es einfach billiger ist, Lizenzen einzukaufen, als eigene Bücher zu machen? Ich kenne mich da überhaupt nicht aus, aber war es nicht so, dass sie auch darauf achten, welche Bücher sich in den USA gut verkauft haben, weil das Risiko dann geringer ist? Vielleicht ist das einfach die nächste Stufe davon. Wieso überhaupt irgendein Risiko eingehen, wenn man auf Nummer sicher gehen kann und Bücher, die in den USA okay liefen, kaufen kann. Allerdings sehe ich auch immer Übersetzungen von Büchern, von denen ich weiß, dass sie in den USA eben nicht gut liefen. Hm.

Klecks: Das geht mir ähnlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jugendliche ein Buch, das in Deutschland spielt oder von einem deutschen Autoren geschrieben wurde, deshalb nicht lesen wollen würden. Da fehlt für mich auch einfach der triftige Grund. Dass zum Beispiel Kerstin Gier sehr marktorientiert schreibt, ist ja kein Geheimnis. Sie hat letztens in einem Interview gesagt, dass die Bücher nur in London spielen, weil man ihr wegen der besseren Chancen auf eine Übersetzung dazu geraten hat. Aber ich glaube nicht, dass andere deutsche Autoren nicht auch nah am Markt schreiben oder Geschichten schreiben, die Jugendliche interessieren. Was Science-Fiction angeht: Wie gesagt, ich habe eine einzige Dystopie von einer deutschsprachigen Autorin entdeckt. ("Lùm" von Eva Siegmund). Ansonsten... weiß das jemand? Wie es im Erwachsenenbereich aussieht, weiß ich nicht. Ich hoffe sehr gut, denn an so etwas schreibe ich schließlich gerade.  :versteck:
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Entropy

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Re: Entwicklung am deutschsprachigen Fantasymarkt
« Antwort #11 am: 26. Dezember 2014, 16:15:24 »
Ich verstehe nicht, warum ihr nicht einfach das schreibt, was ihr gerade schreiben wollt. Wenn ihr zu den marktorientierten Autoren gehört, dann ist das natürlich nachvollziehbar. Wenn nicht, dann macht euch doch nicht so viele Gedanken. Irgendwie sieht es immer mies aus, habe ich das Gefühl. ;)

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jugendliche ein Buch, das in Deutschland spielt oder von einem deutschen Autoren geschrieben wurde, deshalb nicht lesen wollen würden. Da fehlt für mich auch einfach der triftige Grund.

Doch, das kann ich mir durchaus vorstellen. Ich lese auch nicht gerne Bücher, die hier in Deutschland spielen, ob es sich dabei nun um Urban Fantasy oder ein anderes Genre handelt. Warum nicht? Weil ich hier lebe. Diese Welt kenne ich schon. Diese Welt kann ich selbst erleben. In London war ich noch nie. Bücher, die in London spielen, haben einen gewissen Anreiz auf mich, denn diesen Ort und dieses Land kenne ich noch nicht. Das ist nun meine persönliche Meinung, die nicht unbedingt auf andere übertragbar ist. Von deutschen Autoren lese ich gerne Bücher, sogar noch lieber als Übersetzungen, weil ich dann immer das Gefühl habe, das ursprüngliche Werk vorgesetzt zu bekommen.

Wie sieht es eigentlich mit deutschsprachiger Science Fiction aus? Ich höre oft von Bekannten, dass das als Subgenre von Fantasy empfunden wird, und mich würde interessieren, inwiefern man sich als deutscher Autor mit Science Fiction auf dem Markt platzieren kann. Weiß das jemand? Läuft es da besser als mit Fantasy, ebenso schlecht oder noch miserabler?

Da ich gerade an einem SF-Roman schreibe, habe ich mich auch mal informiert. Ergebnis: Es soll ziemlich mies laufen, versuch es gar nicht erst, du armer, kleiner, naiver Neuautor. Wenn man SF schreibt, dann schreibt man definitiv nicht marktorientiert. Mit klischeehaften Dystopien inklusive Liebes/Dreiecksbeziehung kann man glaube ich ganz gut landen, nach dem Hype um die Tribute von Panem und Divergent.

http://www.flyfiction-fantasy-verlag.de/deutsche-fantasy-autoren-studie.pdf

Offline Alana

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Re: Entwicklung am deutschsprachigen Fantasymarkt
« Antwort #12 am: 26. Dezember 2014, 16:23:44 »
Ich schreibe sehr gerne deutsche Settings, habe aber tatsächlich das Gefühl, dass das teilweise schwierig ist. Vor allem bei der Erotik habe ich das Gefühl, dass es zur Zeit immer exotischer, exklusiver, reicher und vor allem provokanter sein muss. Manche Verlage wünschen sich aber ein deutsches Setting und dann freut es mich, wenn ich das machen kann. Ich bin schon marktorientiert, aber generell entscheide ich mich für ein Setting eher danach, ob es zur Stimmung der Geschichte passt. Außerdem schreibe ich nicht gerne über Orte, an denen ich noch nicht war. Man kann heutzutage zwar alles recherchieren, aber es ist wahnsinnig schwer, die richtige Stimmung rüberzubringen, wenn man den Ort gar nicht kennt. Ich habe trotzdem vor, demnächst auch mal exotischere Settings zu versuchen. (Die ich aber schon besucht habe.) Mal sehen, was der Verlag dazu sagt.
Generell denke ich auch, dass bei Jugendfantasy gerade die unbekannten Settings den Reiz ausmachen. Ein Buch darf glaube ich durchaus in Deutschland starten, sollte dann aber irgendwelche besonderen Schauplätze aufweisen. Das muss kein anderes Land sein, da reichen vielleicht auch verzauberte Katakomben oder eine Welt in der Welt oder was weiß ich. Alles andere ist wahrscheinlich tatsächlich zu wenig exotisch für eine ordentliche Realitätsflucht. Ich weiß noch, dass mir genau aus diesem Grund "Tintenherz" nicht so gut gefallen hat. Das war irgendwie nicht richtig Fantasy, weil es immer nur in unserer Welt spielte. Teil 2 und 3 fand ich dann wesentlich besser. Natürlich ist gerade das auch ein Gegenbeispiel, denn das lief ja ziemlich gut. :)


Offline Klecks

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Re: Entwicklung am deutschsprachigen Fantasymarkt
« Antwort #13 am: 26. Dezember 2014, 16:24:31 »
Ich verstehe nicht, warum ihr nicht einfach das schreibt, was ihr gerade schreiben wollt.

Ich glaube, die meisten von uns schreiben, was sie wollen. Dass man schreibt, was man will, schließt absolut nicht aus, sich über den Buchmarkt zu informieren.  :omn:

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Re: Entwicklung am deutschsprachigen Fantasymarkt
« Antwort #14 am: 26. Dezember 2014, 16:35:11 »
Franziska: Deine Listen kenne ich, aber die YA-Fantasy ist ja auch schon etwas älter.
Ich weiß, dass du die kennst. Ich versuche aber auch immer, sie zu aktualisieren, wenn ich auf was Neues stoße.
Tja, die große Welle von Fantasy-YA ist wohl vorbei. Schon seit einer Weile. Es gibt wirklich wenig neues aus Deutschland. Das erwähnte Lum, wäre mir eingefallen und Die Herrscher von Daleth. Aber die Autorin war auch nicht ganz neu.
Von Jenny-Mai Nuyen erscheint demnächst ein Urban Fantasy-Buch, das in Berlin spielt. Man kann das bereits online mitlesen. Aber sie ist natürlich auch schon etabliert, ähnlich wie Nina Blazon oder Kai Meyer, von denen auch noch YA-Fantasy erscheint. Debuts gibts wirklich nur in Ausnahmen oder bei Impress werden ja auch wenige Titel dann gedruckt (Pan-Trilogie).
Ich muss aber auch sagen, dass mich die meisten dieser Bücher, die erscheinen nicht ansprechen. (außer Jenny-Mai Nuyen).
Ich finde es sehr schade, dass es so wenig Urban Fantasy gibt, die hier spielt. Berlin finde ich da als Schauplatz sehr schön und nicht jeder kennt Berlin.
Zum Beispiel Lena Klassen aka Maja Winter veröffentlicht jetzt auch im SP.

Hier kann man bei amazon auch nach deutschen Autoren sortieren. Das ist etwas tricky. Hier
Das einzige Fantasy Buch, das demnächst erscheint, das mir da aufgefallen ist: Die Buchspringer von Mechthild Gläser.
Ansonsten sieht es wirklich mau aus. Dafür sehe ich immer wieder, dass deutsche Verlage Lizenzen von Büchern kaufen, die in englisch kaum bekannt sind und beispielsweise nur 200, 500 Stimmen auf goodreads haben. Da sieht man dann schon, wie bekannt die Bücher sind. Oder da eher mittelmäßige Reviews haben. Das wundert mich manchmal dann auch.
Gleichzeitig wenn man sich die Bücher anguckt, die bald erscheinen, fast nur Fantasy, vor allem Fortsetzungen von Reihen, Thriller und Liebesromane.

Aber wie oben gesagt sieht das bei Erwachsenenromanen anders aus.

Wie das mit SF aussieht, weiß ich nicht. Da ist Nadine die Expertin, da könnten wir auch mal einen eigenen Thread für aufmachen.
Die Diskussion, ob für den Markt schreiben oder nicht, hatten wir auch schon öfter.

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