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Autor Thema: Diskussionsrunde: Love Interest  (Gelesen 8533 mal)

Online Lothen

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Re: Diskussionsrunde: Love Interest
« Antwort #75 am: 06. Mai 2014, 17:05:28 »
Für mich als Autorin ist es daher wichtig, eigenständige, lebendige Figuren zu erschaffen, ganz gleich, ob es sich nun um den Protagonisten oder 'nur' den LI handelt. Keiner von beiden sollte perfekt, aber genausowenig vom anderen abhängig sein. Ich meine, wenn man in das echte Leben schaut, dann kommt man doch ohne seinen Partner aus, ohne gleich zum heulenden Elend zu mutieren, das überhaupt nichts mehr auf die Reihe bekommt, oder? Warum sollte es in Romanen dann anders sein?

Das unterschreibe ich so, Naudiz!

Ich glaube, in einem anderen Thread (ich glaub das war beim Quassel-Laber-Thread) hatten wir das schon einmal diskutiert: Ich finde es auch nicht zielführend, wenn die Charaktere (Protas oder nicht) auf "Teufel-komm-raus" mit irgendwem verkuppelt werden müssen. Vielleicht sind sie ja auch ohne Partner einfach besser dran :)

Offline Malinche

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Re: Diskussionsrunde: Love Interest
« Antwort #76 am: 06. Mai 2014, 17:15:20 »
Allerdings muss ich sagen, dass ich die Romanzen für meine Protas (und andere Akteure) oft nicht bewusst plane. Es würde auch nichts bringen, da sich meine Figuren sowieso meist völlig anders entwickeln als gedacht. Beispiel Lirosan und Syrina aus dem "Klosterkrieg": Ursprünglich sollte Lirosan mit jemand anderem zusammenkommen. Syrina war lediglich als eine Art geistige Schwester gedacht, als seine Vertraute. Aber er verliebte sich während des Schreibens in sie, und sein eigentlicher LI kam im Endeffekt mit seinem Bruder zusammen. Das hat den ganzen Plot noch mal umgeworfen, passte aber wirklich um Längen besser, weswegen ich mir jetzt vorgenommen habe, keine LIs mehr zu planen.

O ja, das kommt mir bekannt vor und ist mir jetzt kürzlich erst wieder in einem Romanprojekt passiert: Die Hauptfiguren sollten auf lange Sicht einfach Freundschaft schließen, einen richtigen LI hatte ich für niemanden geplant, eigentlich sollte es in der Story überhaupt keine Romanze geben. Tja, dumm gelaufen. Relativ gegen Ende musste ich feststellen, dass meine zwei Hauptfiguren sich mehr als nur ein bisschen ineinander verguckt hatten. Mehr noch: Dass sie zusammenkommen, war im Ursprungsplot zwar nicht vorgesehen, aber plötzlich die einzig sinnvolle Entwicklung, auch für die weitere Handlung.

Witzig war dann, dass ich den fertigen Roman noch einmal besorgt durchlas, weil ich fürchtete, diese Entwicklung könnte sehr konstruiert und aufgesetzt wirken. Schließlich hatte ich sie ja nicht geplant. Und mich hatte sie überrascht. Stattdessen stellte ich fassungslos fest, dass sie sich zwischen den Zeilen schon sehr, sehr früh andeutet, über den Roman hinweg logisch aufbaut und es letztlich kaum anders hätte kommen können. Das haben mir jetzt auch schon Betaleser bestätigt, ich bilde es mir also nicht nur ein. Trotzdem war das ein ziemlicher WTF-Moment, dass alles Sinn ergab, ohne dass ich mir das bewusst so überlegt hatte.

Soll heißen: Wenn die Figuren für sich genommen funktionieren, lebendig sind und einigermaßen Tiefe haben, also auch einen Charakter mit Ecken und Kanten, dann kann sich vieles "wie von selbst" ergeben, ohne dass ich als Autor das Label "LI" wie auf dem Silbertablett herumtragen muss - weil die Figuren, wie Naudiz und Guddy das ja auch schon gesagt haben, als eigenständig und plotrelevant entworfen wurden. (Und genau so verlieben sie sich dann bisweilen auch. Eigenständig und plotrelevant.  :P)
   »La noche aletea con alas de cóndor.«
- Ciro Alegría, La Serpiente de Oro

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