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Autor Thema: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?  (Gelesen 1264 mal)

Offline Siara

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Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
« am: 03. Mai 2014, 00:01:22 »
Hallo zusammen. :)

Folgendes ist mir so oder so ähnlich inzwischen mehr als einmal passiert und nun frage ich mich, ob ich mit dem Problem alleine dastehe:

Eine neue Idee spukt im Kopf herum, wird weitergesponnen, langsam zu einem Plot verarbeitet, bis die Handlung im Groben steht. Bei meinem letzten (und ersten beendeten) Roman ist mir aufgefallen, dass meine Erklärungen und Hintergünde zwar in sich logisch, aber extrem verstrickt sind. Dabei ist die Sorge aufgekommen, ob ein Leser dem überhaupt folgen kann oder will. Außerdem ist dieser Roman auch schlicht ein wahres Monster, und ein solches möchte ich so bald nicht wieder schreiben.

Bei meinem neuen Projekt habe ich mir fest vorgenommen, es nicht unbedingt flach, wohl aber gut verständlich zu halten. Der Plot stand, und ich war zufrieden. Bis ich auf eine kleine Sache gestoßen bin, einen Zusammenhang, für den ich keine Erklärung hatte. (In diesem Fall ging es darum, dass zwei Gegner nach Jahrhunderten auf einander losgehen, nachdem sie sich lange stumm ertragen haben.) Die Frage war: Warum gerade jetzt? Die Frage wurde beantwortet, doch das hat weitere Handlungsstränge, weitere Hintergründe, weitere Personen ins Spiel gebracht. Und die wiederum führen wieder zu all den Fragen: Warum? Wie? Wer? Weshalb konnte dieser oder jener nicht einfach...?

Kurz gesagt: Ein Plot, der anfangs stabil erschien, gerät durch eine Kleinigkeit ins Wanken. Diese kann gerichtet werden, führt aber nur zu mehr Fragen. Ich sehe es schon wieder auf mich zukommen, dass aus dem geplanten 400-Seiter ein 1000-Seiter wird und ich selbst den ganzen Strängen kaum noch folgen kann. Und das alles nur, weil ich unfähig bin, für Logikfehler einfach Lösungen zu finden. :seufz:

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Neil Gaiman

Offline Christopher

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Re: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
« Antwort #1 am: 03. Mai 2014, 00:25:16 »
Klingt für mich, als müsstest du alles begründen. Dabei ist es meiner Meinung nach einer der größten Fehler überhaupt, zu glauben, man müsse alles begründen. Ständig lese ich irgendwelche Nebensätze, die wie Rechtfertigungen/Entschuldigungen klingen, aber im Grunde nur unnötig sind. Wenn zwei Personen einander nicht leiden können, kann ich das als Leser erst mal so als gegeben hinnehmen. Da muss nicht direkt eine längere Erklärung folgen und ich muss auch nicht jeden Nebencharakter kennenlernen, um das nachvollziehen zu können.
Ehrlich: Wenn du sagst, die können einander nicht leiden, nimmt das der gemeine Leser öfter so hin, als du glaubst. Ganz ohne Erklärungen ;)
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Offline Pandorah

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Re: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
« Antwort #2 am: 03. Mai 2014, 00:44:04 »
Ich glaube, es war nicht das Problem, dass sich die beiden nicht leiden können. Das schien mir einfach gegeben zu sein. Sondern eher, warum sie den Waffenstillstand, der trotz Antipathie herrschte, brechen und zwar ausgerechnet jetzt.

In diesem Fall ging es darum, dass zwei Gegner nach Jahrhunderten auf einander losgehen, nachdem sie sich lange stumm ertragen haben.) Die Frage war: Warum gerade jetzt? Die Frage wurde beantwortet, doch das hat weitere Handlungsstränge, weitere Hintergründe, weitere Personen ins Spiel gebracht. Und die wiederum führen wieder zu all den Fragen: Warum? Wie? Wer? Weshalb konnte dieser oder jener nicht einfach...?

Und das ist definitiv eine Sache, die man zumindest im Kopf klären sollte. Die Frage ist, ob man die Erklärung auch ausführlich ins Buch reinbringen muss. Wenn das nicht für den Hauptplot von Interesse ist und du nicht einen Wälzer schreiben willst, würde ich beim Ausführen der Erklärung einfach rabiat die Schere ansetzen. ;D

Offline Thea

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Re: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
« Antwort #3 am: 03. Mai 2014, 09:52:28 »
Ich würde die Erklärung so hinbiegen, dass sie in den Plot hinein und nicht hinausführt. A und B hassen sich - OK. Sie haben sich ein Jahrtausend lang belauert - auch OK. Um den Konflikt neu anzufachen, muss A oder B sich stark genug fühlen, den anderen eins aufs Maul zu geben und das auch versuchen. Das Ergebnis dieser Handlung muss den Grundkonflikt vorbereiten. Dann setzt die Haupthandlung ein.

Vor allem bei Romanprojekten von begrenztem Umfang ist es wichtig, nicht "nach Hinten" zu begründen, sondern den Konflikt von allen Seiten "nach vorne" zu treiben.

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Offline Churke

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Re: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
« Antwort #4 am: 03. Mai 2014, 09:59:18 »
Sondern eher, warum sie den Waffenstillstand, der trotz Antipathie herrschte, brechen und zwar ausgerechnet jetzt.
In solchen Fällen ist es meist entweder ein nichtiger Zwischenfall, an dem sich ein alter Streit entzündet. Oder man gerät aneinander, weil sich das Gleichgewicht verschoben hat. Erdachte Plots lassen sich eigentlich immer so straffen, dass sie nicht ausufern. Bei historischen Themen hat man dieses Privileg nicht.

Im Grunde braucht man keine einfachen Erklärungen. Die Erklärungen müssen nur einfach sein.  :)
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Offline Siara

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Re: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
« Antwort #5 am: 03. Mai 2014, 13:57:17 »
Klingt für mich, als müsstest du alles begründen. Dabei ist es meiner Meinung nach einer der größten Fehler überhaupt, zu glauben, man müsse alles begründen. Ständig lese ich irgendwelche Nebensätze, die wie Rechtfertigungen/Entschuldigungen klingen, aber im Grunde nur unnötig sind.
Das sehe ich eindeutig anders. Mich stört es auch in Büchern, wenn irgendetwas nicht begründet ist und durch "ist eben so" erklärt wird. Natürlich existieren Zufälle (die ich allerdings auch für sehr problematisch halte), aber Menschen haben in der Regel mehr oder minder nachvollziehbare Gründe, das zu tun, was sie tun. Und wenn es einen einfacheren Weg gäbe, ein Ziel zu erreichen, oder der Entschluss zum Angriff plötzlich aus dem Nichts zu kommen scheint, hake ich da schon nach. Wenn die Geschichte keine andere Erklärung gibt als "Hätte er es nicht oder anders gemacht, hätte es keine Handlung gegeben.", reicht das in meinen Augen absolut nicht aus. Aus diesem Grund möchte ich auch nicht so schreiben. Ein Plot muss logisch sein und das nicht nur, indem er sich nicht selbst widerspricht, sondern auch, indem nichts einfach so geschieht. Dabei geht es mir nicht um Begründungen oder sogar Rechtfertigungen in Nebensätzen, sondern um die Stabilität des Plot-Netzes und der großen Zusammenhänge.

Ich glaube, es war nicht das Problem, dass sich die beiden nicht leiden können. Das schien mir einfach gegeben zu sein. Sondern eher, warum sie den Waffenstillstand, der trotz Antipathie herrschte, brechen und zwar ausgerechnet jetzt.
Ja, genau das ist in diesem Fall das Problem. ;)

Ich würde die Erklärung so hinbiegen, dass sie in den Plot hinein und nicht hinausführt.
Das ist einerseits einfacher gesagt als getan, aber der Satz hat trotzdem gerade etwas Ordnung in meinen Kopf gebracht. Daran sollte ich mich dringend halten. ;D

In solchen Fällen ist es meist entweder ein nichtiger Zwischenfall, an dem sich ein alter Streit entzündet. Oder man gerät aneinander, weil sich das Gleichgewicht verschoben hat. Erdachte Plots lassen sich eigentlich immer so straffen, dass sie nicht ausufern.
Das könnte in meinem Fall der richtige Ansatz sein und ich war einfach ein wenig blind. Ich bin bisher der "verschobenes Gleichgewicht"-Spur gefolgt. Ein nichtiger Zwischenfall könnte das um einiges einfacher machen.

Danke für Meinungen und Ideen. Wenn es jetzt auch sehr spezifisch geworden ist, hat mir das schon mal geholfen. :D
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Neil Gaiman

Offline Verwirrter Geist

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Re: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
« Antwort #6 am: 03. Mai 2014, 14:59:28 »
Das sehe ich eindeutig anders. Mich stört es auch in Büchern, wenn irgendetwas nicht begründet ist und durch "ist eben so" erklärt wird. Natürlich existieren Zufälle (die ich allerdings auch für sehr problematisch halte), aber Menschen haben in der Regel mehr oder minder nachvollziehbare Gründe, das zu tun, was sie tun.

Das kann ich zwar grundsätzlich nachvollziehen, finde es aber andererseits auch schwierig. Denn natürlich gibt es zumeist Gründe für eine Tat, aber nur selten sind diese für die Handelnden auch wirklich bewusst. Ich z.B kann nicht jede Aversion gegen meine Mitmenschen wirklich erklären, ich weiss auch nicht, warum ich lieber Tomaten als Gurken mag und selbst meine Vorliebe für Impressionimus kann ich nicht mit einer wirklich stimmigen Kausalkette belegen.

Und ich gehe davon aus, dass meine Protagonisten ebenfalls bestimmte Vorlieben und Motivationen haben, die KEINEN Grund haben. Ich fände es in diesem Falle sogar höchst problematisch mir irgendetwas aus den Fingern zu saugen, nur damit der Leser das Gefühl hat, wirklich über jede Herleitung informiert zu werden.
 
Zitat
Und wenn es einen einfacheren Weg gäbe, ein Ziel zu erreichen, oder der Entschluss zum Angriff plötzlich aus dem Nichts zu kommen scheint, hake ich da schon nach. Wenn die Geschichte keine andere Erklärung gibt als "Hätte er es nicht oder anders gemacht, hätte es keine Handlung gegeben.", reicht das in meinen Augen absolut nicht aus. Aus diesem Grund möchte ich auch nicht so schreiben.


Bei großen Handlungspfeilern ist das natürlich verständlich. Wobei mir bei diesem Beispiel die Frage kommt, inwiefern die mögliche Lösung den Handelnden bewusst ist?
Weil wenn keiner der Perspektivträger mit dieser Frage in unmittelbare Berührung kommt, sehe ich eigentlich kein Problem darin, sie auch nicht zu beantworten.

Zitat
Ein Plot muss logisch sein und das nicht nur, indem er sich nicht selbst widerspricht, sondern auch, indem nichts einfach so geschieht.


Hier wäre ich gleich doppelt vorsichtig. Zum einen sprichst du - glaube ich - eher von Deduktion als von Logik und die muss für Leser und Autor keinesfalls gleich funktionieren.
Wenn du schreibst "Er mochte keine Hunde, nachdem ihm einmal einer gebissen hatte.", mag das nachvollziehbar sein, aber es ist nicht zwingend logisch, oder für jeden Leser im gleichen Maße nachvollziehbar.

Um mal beim Titel des Themas zu bleiben: Komplexität und Einfachheit sollten immer Hand in Hand gehen, finde ich. Übererklärungen sind vermutlich genauso anstrengend wie Deus Ex Machina.


Offline Siara

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Re: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
« Antwort #7 am: 03. Mai 2014, 15:19:34 »
Denn natürlich gibt es zumeist Gründe für eine Tat, aber nur selten sind diese für die Handelnden auch wirklich bewusst.
Dem stimme ich so zu. Was ich meinte, war allerdings nicht, dass eine persönliche Abneigung erklärt wird (Sympathie und Antipathie entstehen nunmal), sondern die Handlung, die sich daraus ergibt. Der Handelnde ist sich vielleicht nicht bewusst, warum er dieses oder jenes Ziel erreichen will, aber der Weg dorthin wird zumeist schon durchdacht. Die Motivation muss keinen Grund haben, aber die Figur wird darüber nachdenken, wie sie ihre Ziele durchsetzt. Und warum sie zu einem bestimmten Schluss kommt und etwas Bestimmtes tut, muss aus meiner Sicht schon nachvollziehbar sein.

Zum einen sprichst du - glaube ich - eher von Deduktion als von Logik und die muss für Leser und Autor keinesfalls gleich funktionieren.
Wenn du schreibst "Er mochte keine Hunde, nachdem ihm einmal einer gebissen hatte.", mag das nachvollziehbar sein, aber es ist nicht zwingend logisch, oder für jeden Leser im gleichen Maße nachvollziehbar.
Hier ist wieder zwischen gesetztem Ziel und gewähltem Weg zu diesem Ziel zu unterscheiden. Was das Ziel angeht, stimme ich zu, das muss beim Leser nicht unbedingt auf Verständnis stoßen.

Was Deduktion und Logik angeht, hast du recht, das war die falsche Wortwahl. ;)

Irgendwie liegt der Schwerpunkt momentan ziemlich auf meinem Beispiel (das ist für diesen Thread eindeutig zu komplex ist, aber die Anregungen haben schon geholfen :) ).
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Neil Gaiman

Offline Amberle

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Re: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
« Antwort #8 am: 03. Mai 2014, 15:28:58 »
In denke der Unterschied besteht darin wie direkt der Plot und die Figuren mit dem Problem und/oder seiner Ursache in Berührung kommen.
Wenn es z.B. darum geht warum der Prota von Zuhause weggelaufen ist, dann sollten das sowohl Autor als auch Leser erfahren.
Wenn es z.B. darum geht aus welchen illegalen Quellen der Vater des Protas sein Vermögen hatte sollte der Autor es wissen um die Familiensituation entsprechend darstellen zu können, der Leser muss es aber nicht zwingend erfahren, wenn es keine weitere Bedeutung für den Plot hat.
Und wenn es darum geht warum die Räuberbande gerade in dieser und nicht in der Nachtbarstadt unterwegs ist, ist da mMn für beide egal.

Ebenso ist es mit den Hintergründen von Hintergründen. Je weiter sie sich von der eigentlichen Handlung entfernen, umso unwichtiger werden sie und können sich (in vielen Fällen) einfach im Nichts verlieren. So halte ich es zumindest.     
"Ich möchte wissen, wer es gewesen ist, der den Menschen als vernünftiges Tier definiert hat. Der Mensch ist vielerlei, aber er ist nicht vernünftig"
Oscar Wilde, Das Bildnis des Dorian Gray
   If you have a grenade in your climax, always pull the pin.
James Maxwell

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