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Autor Thema: Sprachen  (Gelesen 28863 mal)

Offline flowrite

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Re: Sprachen
« Antwort #90 am: 21. August 2016, 12:23:37 »
Ich würde es übrigens unterstützen, wenn wir Hardcore-Sprachbastler (im Unterschied zu uns selbst und vielen anderen, die wir manchmal an unserer eigenen Muttersprache verzweifeln), ihr eigenes Unterforum "Fiktive Sprachen" bekämen, und zwar entweder neben Weltenbau oder als Unterforum zum Sprachbastelboard.

Die einzelnen Threads könnten Beschreibungen einzelner Sprachwerke sein, oder Themen, die den Sprachbau an sich betreffen.

Was meint ihr? Denn meiner einzelner wird wohl kaum die oberste Tizi-Kaste dazu bewegen können ;). Hängt halt vom Bedarf ab.

BTW, bei Interesse: Pègla

Offline Evanesca Feuerblut

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Re: Sprachen
« Antwort #91 am: 21. August 2016, 15:08:48 »
Da wäre ich auf alle Fälle dabei. Ein Board, in dem man einzelne Threads zum Thema "Wie leitet ihr neue Vokabeln ab" und einer zum Thema "Auf einer realen Sprache basieren - ja oder nein?" und so weiter... Da fallen mir sofort zig Themen ein.
Ich glaube, man muss das im Vorschlagthread ansprechen.

Offline Layka

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Re: Sprachen
« Antwort #92 am: 21. August 2016, 18:24:50 »
Ich denke ehrlich gesagt, es reicht, solche Threads im Weltenbau-Unterforum zu erstellen. Das Forum hat im letzten Jahr noch nicht einmal eine ganze Seite voll mit aktiven Themen beisammen bekommen, ich denke, da gehen die Sprachenthreads dann auch nicht zu sehr unter. Aber vielleicht könnte man einen [Sprachenentwicklung]-Tag hinzufügen, damit man die Threads auf Anhieb findet.

Offline flowrite

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Re: Sprachen
« Antwort #93 am: 22. August 2016, 21:20:53 »
Layka, ja, das Argument des ungenügenden Traffics zu Kunstsprachen ist nicht von der Hand zu weisen. Ich denke allerdings, dass ein Thread zu einem konkreten Thema der Sprachentwicklung Gefahr läuft, von einem fleißigen Mod mit dem Sprachthread vereinigt zu werden, wo es den schon mal gibt. Ein einziger Thread wird der Vielgestaltigkeit dieses Themengebiets eigentlich nicht gerecht.

Aber gut, ich muss auch mal die Kirche im Dorf lassen. Da arbeitet sich ein Kerl an seinem toten Pferd ab und schon will er dafür nen eigenen Thread haben. Naja, war ja nur ein Vorschlag.

Offline Rakso

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Re: Sprachen
« Antwort #94 am: 25. August 2016, 20:00:00 »
Ich bin der Idee für ein eigens Unterboard für Sprachenbastler auch nicht abgeneigt. Das würde die Möglichkeit geben, entsprechende Themen besser zu besprechen, da in einem "großen" Thread auch vieles einfach untergeht.

Das Forum hat im letzten Jahr noch nicht einmal eine ganze Seite voll mit aktiven Themen beisammen bekommen, ich denke, da gehen die Sprachenthreads dann auch nicht zu sehr unter.

Stimmt zwar, aber ich könnte mir vorstellen, dass (zumindest in der Anfangsphase) da schon einiges zusammen kommen könnte, sowohl an Threads, als auch an Beitragschreibern. Ich muss leider gestehen, dass mich der jetztige Thread ein wenig abschreckt und ich mir nicht sicher bin, wie detailreich ich etwas vorstellen oder Themen ansprechen "darf", eben weil es mir unübersichtlich vorkommt.

Aber die Idee mit dem Tag ist auch eine gute Alternative.
ehemals Szajkó | Achtung, Aspie!

Offline Rakso

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Re: Sprachen
« Antwort #95 am: 27. Juni 2017, 11:11:43 »
Mal eine andere, wenn auch sicher nicht gleichwertige Idee, zum Thema Unterforum:
Man könnte ja, ähnlich wie beim Brainstorming-Chat, je nach Bedarf Treffen im Chat ausmachen und über allgemeine und/oder spezielle Probleme rund ums Sprachenbastlen besprechen. Sofern daran Interesse besteht.
ehemals Szajkó | Achtung, Aspie!

Offline Rakso

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Re: Sprachen
« Antwort #96 am: 16. Oktober 2017, 23:33:36 »
Edit: Sorry für den Dreifach-Post

Hallo,

bereits vor Jahren hatte ich mir vorgenommen, eine kleine Übersicht zum Sprachenbasteln für diesen Thread zu schreiben. Ich hatte @Moni auch schon vor längerer Zeit um Erlaubnis gebeten. Leider ist aus diesem „Leitfaden“ bisher nichts geworden, was unter anderem an meiner langen off-Phase lag.

Der Grundgedanke ist, dass ich hier ein paar sprachliche Universalien vorstelle. Etwa „Basics“ was Phonetik/Phonologie, Morphologie, Syntax und Schrift anbelangt mit ein paar Beispielen aus realen Sprachen.
Gedacht waren bisher folgende Punkte:
  • Konsonanten, Vokale und phonetische Grundlagen (Stand 10/17)
  • Lautsystem vs. Schrift (fehlt)
  • Derivation/Ableitung (in Vorbereitung)
  • Nomina und Nominalphrase (in Vorbereitung)
  • Verben und Verbalphrase (fehlt)
  • Syntax (fehlt)
  • Aktantenmarkierung (fehlt)
  • Sprachwandel (fehlt)
  • Vorgehensweise/Strategien beim Sprachenbasteln I + Nachtrag zur Phonologie (Stand 10/17)
  • Vorgehensweise/Strategien beim Sprachenbasteln II (fehlt)
Ich würde nach und nach dazu etwas posten und hier verlinken und auch auf Ergänzungen, Verbesserungen und Nachträge aufmerksam machen.

Kritik, Anregungen und Diskussionen zu einzelnen Punkten sind natürlich mehr als erwünscht. Besonders zum letzten Punkt „Vorgehensweise/Strategien beim Sprachbasteln“.



Konsonanten, Vokale und phonetische Grundlagen

Laute sind die Realisierung von Sprache und wahrscheinlich das Erste, was man als Conlanger erarbeitet. Je nach Ansatz imitiert man Laute und deren Kombinationen aus bekannten Sprachen oder versucht besonders exotisch wirkende Verbindungen zu finden.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Konsonanten und Vokalen.

Eine kleine Anmerkung: Ich werde in diesem Post IPA-Symbole (International Phonetic Alphabet) verwenden. Die werde ich mit // markieren. Beispiel /ɪpʰa-zʏmboːlə/. Weiter unten gibt es auch ein paar Links dazu und ich werde auch noch das ein oder andere dazu schreiben.
IPA dient dazu, besonders Laute, die nicht in den bekannteren Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, usw.) vorkommen mehr oder weniger genau zu verschriftlichen, unabhängig davon wie sie in Sprachen, in denen sie vorkommen, geschrieben werden. So repräsentieren etwa gn, ñ, nh, ny, ń, ņ, ň nj, нь und њ (in etwa) den selben Laut, nämlich /ɲ/, jedoch in unterschiedlichen Sprachen, Schriften und Orthographien.

Konsonanten:
Konsonanten werden durch eine Verengung im Mund- und/oder Rachenraum erzeugt. Die aus- oder einströmende Luft wird blockiert oder umgeleitet, je nach dem welche Artikulationswerkzeuge an der Produktion eines Lautes beteiligt sind.
Konsonanten werden nach dem Ort und der Art der Artikulation klassifiziert.
Der Artikulationsort beschreibt wo und mit welchen „Werkzeugen“ der Luftstrom verändert wird. Also an welche Stelle im Mund die Zunge bewegt wird oder ob die Lippen oder das Velum (Gaumensegel) beteiligt sind.
Die Artikulationsart betrifft das Strömen der Luft im Mund, also ob der Luftstrom gestoppt, durch die Nasenhöhle gelenkt wird, „Reibung“ erzeugt oder eher ungehindert ausströmen kann.
Zudem können die meisten Konsonanten stimmhaft (mit Schwingung der Stimmlippen, m, n, b, d, g, l, r) oder stimmlos (ohne Schwingung der Stimmlippen, p, t, k) gebildet werden

Artikulationsort:
bilabial: Werden durch die Öffnung der Lippen gebildet (dt. m, b, p)
labio-dental: Die untere Lippe wird gegen die oberen Schneidezähne geführt (dt. f, dt. w /v/)
dental: Die Zungespitze wird zwischen die Schneidezähne (interdental) oder an die Schneidezähne gelegt (engl th /θ, ð/, isl þ /θ/, ð /ð/
alveolar: Die Zungenspitze (apikal-alveolar) oder das Zungenblatt (laminal-alveolar) werden gegen den Zahndamm oberhalb der Schneidezähne gesetzt (dt. n, d, t, s /z/, ß /s/, z /ts/, l; span. r /ɾ/, rr /r/) Der Unterschied zwischen apikal-alveolar und laminal-alveolar kann phonemisch sein, etwa im Baskischen.
postalveolar/palatoalveolar: Zungenspitze oder -blatt werden hinter den Zahndamm gesetzt (dt. sch /ʃ/; franz. j /ʒ/)
alveolopalatal: Wie postalveolar, jedoch wird der Zungenrücken in Richtung harter Gaumen gehoben. (pol. ć /tɕ/, ś /ɕ/, ź /ʑ/)
retroflex: Zungenspitze oder -blatt wird hinter den Zahndam gelegt und nach hinten gebogen (schwed. -rt /ʈ/, -rd /ɖ/, -rs /ʂ/), sehr häufig in indischen oder australischen Sprachen.
palatal: Der Zungenrücken wird an den harten Gaumen geführt (dt. j, ich-Laut /ç/, span. ll /ʎ/)
velar: Der Zungenrücken wird an den weichen Gaumen geführt (Gaumensegel) geführt (dt. k, g, ng in Ding /ŋ/, russ. ch /x/)
uvular: Der Zungenrücken wird an das Zäpfchen (Uvula) gefürht (dt. r /ʁ/ „Zäpfchen-r“, ach-Laut /χ/; arab. q „Qāf“ /q/)
pharyngal: Die Zungenbasis wird gegen die Rachenwand gedrückt (arab. ḥ „Ḥā‘“ /ħ/)
epiglottal: Die Epiglottis (Verschluss der Luftröhre beim Essen/Trinken) wird geschlossen
glottal: Die Lippen des Kehlkopfs werden geschlossen (dt. h, „Knacklaut“ /ʔ/ = Unterschied zwischen verreisen /fɛɐʁɑɪzn/ und vereisen /fɛɐʔɑɪzn//)

Natürlich nutzen nicht alle Sprachen auch alle möglichen Artikulationsorte. Das Deutsche etwa hat keine dentalen, alveolopalatalen, retroflexen, pharyngalen oder epiglottalen Konsonanten.

Artikulationsarten
Nasal: Das Gaumensegel leitet die Luft durch die Nasenhöle (n, m, ng in Ding /ŋ/)
Plosiv: Der Luftstrom wird mit dem Artikulationsorgan blockiert und dann ausgestoßen (p, b, t, d, k, g)
Affrikat: Der Luftstrom wird gestoppt Artikulationsorgan, jedoch nicht abrupt gelöst so das ein leichtes „Zischen“ entsteht (dt. z /ts/, pf /pf/ oder schweizerdeutsch "kch" /kx/)
Frikativ: Das Artikulationsorgan bildet keinen Verschluss, die Luft entweicht „zischend“ zwischen den Artikulationsorganen (dt. s /z/, ß /s/, f, w /v/, ch /ç, χ/)
Approximant: Die Luft strömt weitestgehend ungehindert, die Artikulationsorgane nähern sich an (dt. j, engl. w /w/)
Flap/Tap: Ein einzelner Schlag mit der Zunge (span. r /ɾ/)
Trill: Die Artikulationsorgane (in der Regel Zunge, Uvula oder Lippen) werden relativ lange zum Schwingen gebracht (dt. „Rollendes-r“ /r, ʀ/, span. rr /r/)

Dazu kommen noch die lateralen Affrikaten, Frikative oder Approximanten. Dabei wird die Zungenspitze nach oben gedrückt, so das die Luft nur seitlich entweichen kann. Ein lateraler Approximant etwa ist das deutsche l /l/. Affrikate (Nahuatl tl /tɬ// und Frikative (walisisch ll /ɬ/) sind in Europa vergleichsweise selten, kommen aber in anderen Weltgegenden relativ häufig vor.

Konssonanten sind immer eine Kombination aus Artikulationsart, -ort und Stimmhaftigkeit. So ist das deutsche p /p/ ein stimmloser (ohne Schwingung der Stimmlippen) bilabialer (mit beiden Lippen gebildet) Plosiv (Verschluss).

Pulmonic vs. Non-Pulmonic
Alle oben genannten Konsonanten sind pulmonisch/pulmonic, sie werden einen aus der Lunge herausströmenden Luftstrom gebildet. Die folgenden Konsonantenarten werden anders gebildet.

Ejektive: Es wird ein Unterdruck aufgebaut, die Glottis senkt sich und die Luft wird in einem Stoß entlassen. Ejektive finden sich etwa in den Sprachen des Kaukasus (Georgisch, Tschetschenisch), Nord- und Südamerikanischen Sprachen (Navajo, Quechua, Aymara), Südsemitischen Sprachen (Amharisch) oder Bantusprachen des südlichen Afrikas (Zulu, Xhosa). Ejektive beschränken sich oft auf Plosive und Affrikate, es gibt aber auch ejektivierte Frikative (Yapisch). In IPA: /t', p', ts', f'/ usw.
Klicks/Schnalzlaute: Der Laut wird durch einen schnalzende Bewegung gebildet. Es gibt keinen Luftstrom aus der Lunge. Klicks findet man fast ausschließlich in den sogenannten Khoisan-Sprachen Afrikas, wurden aber auch in andere Sprachen entlehnt, etwa Zulu und Xhosa.
Implosive: Anstatt eines Luftstroms aus dem Mund heraus, werden bei Implosiven Luft angezogen. Implosive finden sich in Afrika (Bantusprachen und andere Niger-Kongo-Sprachen) oder Südostasien (Vietnamesisch).

Sekundärartikulationen
Aspiration: Konsonanten (meist stimmlose Plosive und Affrikaten, weit seltener stimmhafte) werden mit einer hörbaren Behauchung gesprochen. Im Deutschen und Englischen sind p, t, k normalerweise aspiriert, sie sind jedoch nicht phonemisch. Das hört man deutlich wenn man sie etwa mit einem französischen oder russischen p vergleicht. Sprachen mit einem phonemischen Unterschied zwischen behauchten und nicht-behauchten Konsonanten sind Armenisch, wahrscheinlich Altgriechisch, die meisten indo-arischen Sprachen (Hindi, Bengali, Dhivehi, Singhala, Romani). IPA, z. B. /pʰ, tʰ, kʰ/ usw.
Wird die Aspiration vor dem Konsonant realisiert, spricht man von Präaspiration.
Pharyngalisierung: Konsonanten werden mit einer Verengung des Rachenraumes gesprochen. Beispiele wären arab. ṭ „Ṭā‘“ /tˁ/ oder ṣ „Ṣād“ /sˁ/.
Palatalisierung: Der Zungenrücken wird zusätzlich noch leicht in die nähe des weichen Gaumens gehoben. Palatalisierte Konsonanten sind typisch für Russisch (etwa Endung des russ. Infinitivs -t‘ /tʲ/), Litauisch, Irisch. IPA, z. B. /pʲ, rʲ, sʲ, mʲ/ usw.
Labialisierung: Weitaus seltener als Palatalisierung. Die Konsonanten werden mit einer zusätzlichen Rundung der Lippen ausgesprochen. Kommt unter anderem in Mikronesischen und Neukaledonischen Sprachen vor, mutmaßlich auch im Laotischen. In einigen Fällen (Shona) hören sich labalisierte Konsonanten wie Pfeiflaute an. IPA, z. B. /tʷ, sʷ, nʷ/ usw
Koartikulation: Zwei ähnliche Laute werden gleichzeitig artikuliert, etwa kp, gb, tp, db, etc. Kommt, unter anderem,  häufig im westlichen Afrika vor.
Velarisierung: Die Zunge wird in Richtung Velum bewegt, was einem Laut einen „breiteren“ Klang verleiht. Das engl. dark-l ist ein velarisiertes l /lˠ, ɫ/. Kommt unter anderem im Irischen vor. IPA, z. B. /tˠ, sˠ/ usw.
Entstimmtheit: Darunter kann mein zwei Phänomene zusammengefasst: 1.) Das stimmlose Gegenstück zu einem normalerweise eher stimmhaften Laut (m, n, l, r, etc.) oder 2.) die Entstimmung eines stimmhaften Lautes, und zwar so, dass er zwischen stimmhaft und stimmlos rangiert. Normalerweise sind im dt. b, g, d entstimmt stimmhafte Plosive, im Gegensatz zum Englischen.
Pränasalierung: Der Luftstrom wird teilweise durch die Nase geleitet und es werden "kurze" homorgane, also an den gleichen Stellen produzierte Nasale vorangesetzt, z. B. nd, nt, mb, mp, ng /ŋg/, nk /ŋk/. Pränasalierung kommt unter anderem in einigen Sprachen Westafrikas oder Zentralamerikas vor. Sie sind hörbar von zufälligen Kombinationen von z. B. nt, nd unterscheidbar.
Unreleased: In vielen Sprachen Südostasiens werden finale Konsonanten, meist Plosive, bei der Aussprache nicht realisiert. Der Mund ist aber auf ihre Aussprache „eingestellt“, und beeinflussen so die entstehende Pause, bzw. den Vokal, dass man dennoch „etwas“ wahrnehmen kann und sogar zwischen unrealisiertem p, k, t unterscheiden kann.

Hier einige Links. Auf diesen Seiten könnt ihr euch die IPA-Symbole anzeigen und auch aussprechen lassen. Für die Tabelle gilt, dass die Spalten den Ort anzeigen, die Zeilen die Art. Es wird aber eine aktuelle Version vom Flashplayer gefordert.
Konsonanten
Konsonanten (non-pulmonics)
Modifizierte Konsonanten und Vokale
Weitere Konsonanten

Hier der Link zum englischen Wikipedia. Wenn ihr etwas weiter runterscrollt kommt ihr zu den gleichen Tabellen. Hier müsst ihr auf die jeweiligen Symbole klicken, dann wird euch der entsprechende Artikel angezeigt. Im Kasten auf der rechten Seite könnt ihr euch die Laute ebenfalls anhören.
Konsonanten (Wiki)

Vokale:
Im Gegensatz zu Konsonanten ist der Luftstrom bei Vokalen freier und wird allenfalls leicht modelliert.
Bei der Erzeugung von Vokalen spielen vor allem der Öffnungsgrad des Mundes, die Stellung der Zunge und die Rundung der Lippen eine Rolle.
Der Öffnungsgrad unterscheidet sich nach Art der Vokale, die man produzieren möchte. Z. B. Deutsches i, o, ä, a. Beim deutschen  kurzen i /ɪ/ ist der Mund relativ geschlossen, während er beim kurzen a /a/ stärker geöffnet ist. Die Laute o /o/ und ä /ɛ/ liegen dazwischen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen: geschlossen (dt. langes ie /iː/, üh /yː/ und uh /uː/), fast geschlossen (dt. kurzes i /ɪ/, ü /ʏ/ und u /ʊ/), halbgeschlossen (dt. ee /eː/, oh /oː/ und öh /øː/), mittel (dt. bitte-e/Schwa /ə/), halboffen (dt. e/ä /ɛ/,d kurzes ö /œ/ und „offenes“ o /ɔ/), fast offen (engl a in cat /æ/) und offen (dt. a).
Die Zungenstellung wiederum gibt Auskunft darüber, ob der Vokal mit dem vorderen Teil der Zunge gebildet wird, bzw. die Zunge leicht nach vorn verschoben wird oder ob sie sich nach hinten bewegt/mit dem hinteren Teil der Zunge gebildet wird, wie im Kontrast von dt. i und u. Man unterscheidet vordere („palatale“) Vokale wie dt. i, ie, e, ö, zentrale Vokale wie Schwa /ə/ oder a und hintere („velare“) Vokale wie u, o, oder das bayerische dunkle a /ɒ/.
Das letzte Parameter ist Rundung der Lippen. Sie bilden den unterschied zwischen dt. i und ü, e und ö, sowie zwischen dem türk. u /u/ und „i ohne Punkt“ ı /ɯ/.

Auch Vokale können weiter modifiziert werden. Auch diese Unterschiede können phonemisch sein.
Länge/Quantität: Grundsätzlich unterscheidet man zwischen langen und kurzen Vokalen, wie dt.  Maat /maːt/ und matt /mat/. Relativ häufig ist auch, dass sich mit der Länge des Vokals auch sein Artikulation leicht ändert. Das ist im Deutschen der Fall, da ein kurzes i, ü, oder u eigentlich einen anderen Vokal beschreiben, als die Langvarianten (natürlich abgesehen von der eigentlichen Längung). Andere Sprachen, wie Finnisch oder Tschechisch kennen dieses Phänomen nicht. Neben der relativ häufige Opposition von lang vs. kurz, kann es auch noch eine dritte Variante geben: überlang. Das ist etwa der Fall im Estnischen koli /koli/ „Kram“, kooli /koːli/ „Schule“ im Fall Genitiv, kooli /koːːli/ „Schule“ im Fall Partitiv. Die Länge wird orthographisch nicht wiedergegeben.
Nasalierung: Der Luftstrom wird ganz oder teilweise durch die Nase gelenkt, wie etwa im franz. fin /fĩ/ oder im Portugiesischen.
Pharyngalisierung: Bei der Vokalartikulation wir der Rachenraum leicht verengt.
Glottalisierung: Der Kehlkopf bildet ein kleines Vakuum bei der Artikulation.
Breathy Voice: Die Stimmbänder schwingen leicht bei der Artikulation mit.
Creaky Voice: Der Kehlkopf wird angespannt und der Vokal klingt leicht „zerrieben“.
Tenderness: Die Muskulatur der Zunge und/oder des Kiefers wird angespannt.

Neben diesen „Einzelvokalen“ (Monophthongen) gibt es noch Doppel- (Diphthonge) oder Dreifachvokale (Triphthonge). Welche Kombinationen als Diphthonge/Triphthonge gelten sind abhängig von der Sprachen und deren Geschichte. Deutsche Diphthonge sind ei/ai /aɪ/, au /aʊ/, eu/äu /ɔʏ/ und auch ui /uɪ/. Zufällige Kombinationen wie oa in Koala sind keine Diphthonge des Deutschen, da sie keinen Silbenkern bilden, sonder der Kern zweier Silben sind (Ko-ala). Später mehr zum Silbenaufbau.
Finnisch etwa ist eine sehr diphthongreiche Sprache mit bis zu 20 Diphthongen: ai /ai/, äi /æi/, ei /ei/, oi /oi/, öi /øi/, ui /ui/, yi /yi/, au /au/, eu /eu/, ou /ou/, iu /iu/, äy /æy/, ey /ey/, öy /øy/, iy /iy/, ie /ie/, uo /uo/ und yö /yø/.

Auch hier einige Links dazu:
Vokale
Diphthonge
Vokale (Wiki)


Phoneme, Allophone und andere Varianten:
Kommen wir nun zu einigen Phonetik-Grundlagen. Anstatt von Lauten spricht man eher von Phonemen, also bedeutungsunterscheidenden Lauten.
Das heißt, sobald wir Wortpaare finden, die sich durch einen Laut unterscheiden wissen wir, dass wir es mit einem Phonem zu tun haben. Etwa wie in Haus und Maus, sowie rot und Rat. Wir wissen nun, dass /h/, /m/, /o/ und /a/ Phoneme des Deutschen sind. Es können aber auch andere Faktoren eine Rolle spielen, etwa die Länge von Vokalen wie in Maat /maːt/ und matt /mat/, sekundäre Merkmale wie Aspiration, wie im Armenischen tak‘ /takʰ/ „warm“ und tak /tak/ „unten“ oder Töne wie etwa im Chinesischen /ma1/ „Mutter“ und /ma3/ „Pferd“.

Allophone sind Phoneme, die abhängig von ihrer Position und/oder lautlichen Umgebung unterschiedlich realisiert werden. Ein Paradebeispiel ist das deutsche ch. Nach a, o, und u wird es /x/ wie in ach /ax/ oder Buche /buːxə/ ausgesprochen. Nach e, i, ä, ö, ü und Konsonanten wird es /ç/ gesprochen, wie in ich /ɪç/ oder Milch /mɪlç/.
Die Verteilung von /x/ und /ç/ ist vorhersagbar und es gibt kein Wort im Deutschen in dem es einen Unterschied machen würde ob man nun den ich- oder ach-Laut sagt. Es handelt sich also um ein Phonem des Deutschen mit zwei Allophonen.

Dazu kommen noch Aussprachevarianten. Ein Phonem kann mehrere Varianten haben, die nicht, wie bei Allophonen, von der lautlichen Umgebung abhängig sind, sondern von außerphonetischen Umständen. Etwa von Dialekt, Sprachstufe oder sogar einzelnen Sprechern.
Das deutsche r wird standardsprachlich als Zäpfchen-r /ʁ/ gesprochen. Es kann aber auch gerollt /r/ gesprochen werden, wie in Gebieten, die von oberdeutschen Dialekten beeinflusst sind. Hier ändert sich die Bedeutung eines Wortes auch nicht, das Wort rot hat immer noch die selbe Bedeutung, egal ob es /ʁoːt/ oder /roːt/ ausgesprochen wird.
ehemals Szajkó | Achtung, Aspie!

Offline Rakso

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Re: Sprachen
« Antwort #97 am: 29. Oktober 2017, 14:03:02 »
(Sorry für den Vierfach-Post)

Vorgehensweise/Strategien zum Sprachenbasteln I + Nachtrag zur Phonologie

Wie ihr in der Übersicht sehen könnt, habe ich zwei Post geplant, in denen ich ein paar Strategien zum Erstellen von fiktiven Sprachen aufzeigen möchte, sowie einen kleinen Überblick über sprachliche Universalien im Allgemeinen.

Silbenaufbau:
Die traditionelle Auffassung ist, das eine Silbe aus bis zu drei Bestandteilen bestehen kann: dem Anlaut, dem Kern und dem Auslaut. Anlaut und Auslaut sind optional, während der Kern obligatorisch ist.
Der Silbenkern ist meist ein Vokal (egal ob lang oder kurz, Monophthong oder Diphthong) oder ein silbischer Konsonant. Das sind Konsonanten, meist Nasale, Approximanten oder Frikative, bei denen, ebenso wie bei Vokalen, der Luftstrom zwar moduliert wird, aber nicht unterbrochen wird, im Gegensatz zu Plosiven und Affrikaten. Im Deutschen gibt es auch silbische Konsonanten, die können jedoch nie in der betonten Silbe auftreten. Beispiele sind etwa „haben“ /habn/ oder /habm/ oder „Kittel“ /kʰɪtl/. Der Vokal in der letzten Silbe wird in der Standardsprache nicht artikuliert und das n/m und l werden silbisch. Ausnahmen sind die oberdeutschen/süddeutschen Dialekte, in denen auch die letzte Silbe meist „vollständig“ artikuliert wird.
Silbische Konsonanten können natürlich auch in betonter Silbe auftreten, wie etwa im tschechischen vlk /vlk/ „Wolf“ oder in Krk, und können sogar lang sein, wie im slovakischen vĺča /vlːtʃa/ „Wolfsjunges“. Ein Beispiel für silbische Frikative und Nasale ist Miyako, einer mit japanisch verwandten Sprache vom Ryukyu-Archipel, pstu /pstu/ „Person“ (silbisches s), mta /mta/ „Erde“ (silbisches m), vv /vː/ „verkaufen“ (silbisches langes v) oder fks /fks/ „bauen“ (silbisches f und s).
Der Aufbau von Anlaut und Auslaut einer Silbe hingegen sind stärker abhängig von der jeweiligen Sprache. So gibt es etwa Sprachen, die im Anlaut eines Wortes nur einen Konsonanten erlauben, wie etwa, Finnisch, Türkisch oder die meisten iranischen Sprachen außer Ossetisch und Pashto (Farsi-Muttersprachler haben z. B. die Tendenz Frankfurt als „Ferankfurt“ auszusprechen), oder nur beschränkte Kombinationen zulassen, wie etwa Spanisch, das zwar Anlaute wie in creer /kɾeeɾ/ „glauben“ oder blanco /blaŋko/ „weiß“ erlaubt, nicht aber die Anlaute sp, st und sk.
Wenn solche „verbotenen“ Anlautkombinationen auftreten – egal ob durch Entlehnung oder durch Sprachwandel, werden, entweder wie im Spanischen, Vokale eingeschoben, vgl. espejo /espexo/ „Spiegel“ von lateinisch speculum oder der Anlaut wird reduziert, wie im Estnischen rand /rant/ „Strand“, das wohl mit dem deutschen Wort Strand verwandt ist. Gleichzeitig gibt es aber auch Sprachen, die große Cluster im Anlaut erlauben, wie etwa georgisch: t‘k‘bili /t‘k‘bili/ „süß“ oder mc‘vrtneli /mts‘vrtneli/ „Trainer“ (t‘, k‘ und c‘ /ts‘/ sind Ejektive).
Gleiches gilt für den Auslaut, jedoch sind die im Vergleich oft einfacher als der Anlaut.
Reale Sprachen haben oft Beschränkungen, was den Aufbau von Silben betrifft. So haben polynesische Sprachen grundsätzlich nur offene Silben (also keinen Auslaut), andere erlauben, wie etwa Mandarin, nur -n, -ng oder nichts im Auslaut.

*Ich mache mir immer viele Gedanken über den Silbenaufbau meiner Sprachen. In dem Setting für meine aktuellen Projekte sind etwa fünf bis sieben Sprachen relevant, die von fünf verschiedenen Spezies gesprochen werden. Dies Sprachen haben teilweise stark unterschiedliche Restriktionen, was den Aufbau von Silben angeht. In Kombination mit orthographischen Besonderheiten der jeweiligen Sprache kann ein aufmerksamer Leser, selbst wenn er nicht besonders sprachlich interessiert ist, die Zugehörigkeit einer Figur zu einer Spezies/einem Volk/einer Sprachgruppe erahnen, ohne dass ich das immer explizit beschreiben muss. Zumindest im Idealfall.
Außerdem habe ich ein Faible für interessante Konsonantenkombinationen, aus denen man dann auch Morpheme ableiten kann. So hat eine Sprache aus einer anderen Region meiner fiktiven Schreibwelt sehr häufig Konsonantencluster mit -t im Auslaut, wie etwa kt, pt, st, lt, rt, vt, gt, usw., woraus ich dann einen Kasusmarker gemacht habe.


Lautsysteme:
Reale Sprachen können sehr unterschiedliche Lautinventare haben. Bei Konsonanten reicht das von 6 (Rotokas) bis 8 (Hawaiisch), über 22 (Deutsch, ohne entlehnte Konsonanten) bis zu 84 (Ubychisch, „Rekordhalter“ ohne Clicks) und 122 (!Xóõ, „Rekordhalter“ mit Clicks) phonemischen Konsonanten. Weltweiter Durchschnitt sind 20 bis 25 Konsonanten.
Auch bei Vokalen gibt es starke Schwankungen von 1-2 (Abchasisch, da wird aber noch gestritten ob es zwei oder einen Vokal gibt), 5 (Spanisch), 10 (Hawaiisch und Rotokas, lang vs. kurz) hin zu 16 (Deutsch, mit Diphthongen), bis zu mehr als 40 (Tschetschenisch, mit nasalierten und pharyngalisierten Vokalen und Diphthongen).
Anmerkung: Die Zahlen stellen die Anzahl der Phoneme dar, nicht wie häufig sie in Wörter auftauchen.

Was die Konsonanten angeht, gibt es allgemein die Tendenz, dass Artikulationsparameter (Ort, Art, stimmhaft vs. stimmlos, Ejektiviertheit usw.) in Gruppen auftreten. Hat also eine Sprache den Kontrast von p vs. b, kann man erwarten, dass sie auch zwischen k vs. g und t vs. d unterscheidet (Arabisch ist da eine Ausnahme, da es weder p noch g kennt, letzteres nur im ägyptischen Dialekt).

In Konsonantensystemen gibt es ein paar allgemeine Tendenzen, z. B. das bestimmte Artikulationsparameter oft in Gruppen auftauchen. Hat eine Sprache einen Kontrast von stimmhaften und stimmlosen Plosiven (z. B. b vs. p), dann hat sie wahrscheinlich auch einen Kontrast zwischen stimmhaften und stimmlosen Frikativen und gelegentlich auch Affrikaten (Möglich ist auch ein Kontrast zwischen von stimmhaften und stimmlosen Nasalen, Approximanten oder Trills). Gleiches gilt auch für Sekundärartikulationen, Artikulationsorte und -arten. So hat zum Beispiel eine Sprache, die Plosive, Affrikate, Frikative und Nasale unterscheidet und einen Artikulationsort „retroflex“ hat oft auch eben retroflexe Plosive, Affrikate, Frikative und Nasale.
Daneben gibt es noch grundlegendere Ausformungen von Konsonanteninventaren: Etwa die Abwesenheit eines Kontrast, wie stimmhaft vs. stimmlos, sprich es gibt nur p, t, k oder b, d, g (letzteres ist auffallend selten). Auch können ganze Artikulationsarten „fehlen“, so gibt es Sprachen, die keine Nasale, (Rotokas), keine Frikative (die meisten Australischen Sprachen), oder die keine Unterscheidung zwischen einem rhotic sound (/r/, /ɹ/, /ɾ/, /ʀ/, usw.) und einem l-artigen Laut (/l/, /ɮ/, /ɭ/) aufweisen, wie etwa Japanisch. Auch ein bestimmte Artikulationsorte werden nicht bedient, so hat haben die meisten Sprachen Europas keine pharyngalen Laute (außer Maltesisch), oder keine lateralen Frikative (außer Walisisch). Andere Sprachen, etwa haben keine bilabialen Konsonanten (vor allem einige Na-Dené-Sprachen in Nordamerika).
Es gibt aber auch auffallende Lückenerscheinungen. Relativ häufig können bestimmte Konsonanten  „fehlen“. So hat Arabisch zwar die Laute /b/ und /k/, aber kein /p/ und /g/ (/g/ nur im ägyptischen Dialekt). Thai hat einen Kontrast von stimmlosen, stimmhaften und stimmlos aspirierten Plosiven (/b/, /p/, /pʰ/) außer bei den Velaren, dort „fehlt“ das /g/.

Auch bei Vokale gibt es einige Tendenzen. Relativ häufig sind z. B. 3-Vokal-Systeme mit den Vokalen a, i, u (etwa Arabisch, Quechua/Aymara, Australische Sprachen, Sanskrit), weniger häufig sind a, e, o (da der Kontrast zwischen i und u größer ist als zwischen e und o). Auch sehr weit verbreitet sind 5-Vokal-Systeme mit a, e, i, o, u oder 6-Vokalsysteme die zusätzlich noch einen „zentralen“ Vokal haben, etwa Schwa, /ɨ/ (polnisches y oder russisches ы) oder /ɯ/ (türkisches ı „i ohne Punkt“). Weniger häufig sind dann 8-Vokal-Systeme wie etwa in den Turksprachen oder in einigen Altaischen und Fino-Ugrischen Sprachen mit a, /ɯ/, o, u, e/ä, i, ö, ü, mit dem Kontrast von hinteren/“velaren“ (velaren, a, ɯ, o, u) und vorderen/“palatalen“ ( e/ä, i, ö, ü) Vokalen.
Weniger häufig, aber doch auffallend sind sogenannte vertikale Vokalsysteme, diese Sprachen unterscheiden nur die „Höhe“, bzw. den Öffnungsgrad der Vokale, die auch eher zentral artikuliert werden (z. B. /ɨ/, /ə/, /ɜ/, /ɐ/). Beispiele dafür sind Marshallesisch, marokkanisches Arabsich oder Westkaukasische Sprachen. Häufig haben diese Sprachen noch labialiserte, palatalisierte und/oder velarisierte Konsonanten und es kommt zu Assimilationen der Vokale (siehe später Sprachwandel).
In der Theorie gibt es noch Konzepte zu Sprachen ohne Vokalen, bzw. Sprachen mit Wörtern ohne Vokalen. Die sind aber umstritten und die betroffenen Sprachen (Berber-Sprachen, nordamerikanische Salish-Sprachen, Westkaukasische Sprachen) zeigen da unterscheidliche Phänomene. So werden etwa in westkaukasischen und Berber-Sprachen oft ein Schwa-Laut eingefügt, wenn zu viele Konsonanten aufeinander Treffen und Salish eher mit silbischen Frikativen arbeitet.
Anmerkung: Bei der Klassifizierung dieser Vokalsysteme geht es um die Qualität, nicht die Quantität der Vokale oder anderen Modifizierungen, wie Nasalierung, Pharyngalisierung, etc. Das heißt, eine Sprache kann die „Grundvokale“, a, i, u haben plus deren Langformen und z. B. nasalierten Formen. Die Basis bleibt ein 3-Vokal-System obwohl es dann neun Vokalphoneme wären.

*Das alles sind nur einige Auffälligkeiten von Phoneminventaren in realen Sprachen. Meine Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig, und soll auch keine Einschränkung sein, sondern als Inspirationsquelle dienen. 
Interessant sind auch das Verhältnis zwischen Vokal- und Konsonanteninventar. Ubychisch zum Beispiel hat zwar um die 84 Konsonanten, dafür wohl aber nur 2-3 Vokale (Lässt sich nicht genau sagen, da Ubychisch seit Oktober 1992 als ausgestorben gilt). Hingegen hat !Xóõ mehr als 26 Vokale (abhängig vom Dialekt, ohne Berücksichtigung von Tönen, aber mit Modifizierungen wie Nasalierung, Pharyngalisierung und breathy voice). Im Gegensatz dazu haben Rotokas und Hawaiisch mehr Vokale als Konsonanten.
Also auch hier gilt, dass dem Conlanger keine Grenzen gesetzt sind, was der Aufbau eines Lautsystems angeht, sowohl in Größe, als auch Ausprägung.
ehemals Szajkó | Achtung, Aspie!

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