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Autor Thema: Angst vorm Ende...  (Gelesen 3187 mal)

Dorte

  • Gast
Angst vorm Ende...
« am: 16. Januar 2007, 22:08:23 »
Ich stecke 2 1/2 Kapitel vor der Beendigung meines ersten Buches (alle anderen Buchversuche habe ich viel früher abgebrochen) und jetzt stagniert es schon wieder. Der Showdown beginnt mit dem nächsten Satz, ich kann mich aber nicht aufraffen, ihn anzufangen.
Ich habe Angst, dass das wieder mal nichts wird und ich mit "unvollendetes Buch Nr. 17" (oder welche Nummer auch immer, ich zähle die nicht mehr) hier sitze. Und das wurmt mich diesmal wirklich, weil es ein schönes Buch mit netten Charas ist und beim Schreiben NUR Spaß gemacht hat! Soviel Spaß hatte ich beim Schreiben selten. Und jetzt ist er irgendwie weg.
Ich habe einfach Panik davor, Romane zu beenden. Genauer gesagt: irgendwas zu beenden (mein Studium gehört ja auch dazu). Kennt das irgendjemand hier? Was macht ihr dagegen? Wie kriegt ihr es fertig, ein Buch einfach bis zum Schluss zu schreiben, "Ende" drunterzusetzen, es dann gemütlich zu überarbeiten?

Termoniaelfe

  • Gast
Re: Angst vorm Ende...
« Antwort #1 am: 17. Januar 2007, 06:03:32 »
Ach Dorte. Ich kann dir nur den Rat geben. Versuch es einfach. Schreib es zu Ende. Hör auf immer an dir zu zweifeln. Für mich gibt es kein tolleres Gefühl als, ENDE unter einen Roman zu setzten. Es befreit umgemein und gibt einem das Gefühl etwas geschafft zu haben. Davon mal ab, richtig zu ende ist es ja eh nicht wirklich, die Überarbeitung lässt mich dann sowieso nicht mehr los ;)

Aber tu es einfach, vertrau mir, es ist klasse.

LG
Termi

Rei

  • Gast
Re: Angst vorm Ende...
« Antwort #2 am: 17. Januar 2007, 08:07:00 »
Oder überliste Dich einfach: Schreib das Ende in Stichpunkten und kleinen Notizen. Und dann überarbeite den Text, und das Ende wird von selbst kommen.

So mach ich das immer, wenn ich merke, daß mir die Luft ausgeht.

Offline Aryana

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Re: Angst vorm Ende...
« Antwort #3 am: 17. Januar 2007, 08:52:42 »
Was mir hilft, wenn ich stecke - mit anderen über das Buch reden, die Geschichte denen erzählen, die sie noch nicht kennen und mich durch die Kommentare und Anregungen inspirieren lassen. Meistens klappts, zumindest zum weiterplanen.
So ein gespräch hat mich gestern davon überzeugt, daß das Ende meiner Geschichte, um das ich mich in der Art eigentlich rumdrücken wollte, wirklich das beste ist.

Katzen sind Wörter mit Pelz. Wie die Wörter, so streifen sie um die Menschen herum, ohne sich je zähmen zu lassen. Wörter und Katzen gehören zur Rasse der Nichtgreifbaren. (Erik Orsenna)

Aneirin

  • Gast
Re: Angst vorm Ende...
« Antwort #4 am: 17. Januar 2007, 09:00:40 »
Hallo Dorte,

ich kenne das, wenn auch aus etwas anderen Gründen. Wenn ich beim letzten Drittel angelangt bin, macht sich Wehmut breit, dass die Sache dem Ende entgegengeht, ich meine liebgewordenen Figuren demnächst alleine lassen muss *schnüff*

Ich gönne mir dann ein zwei Ablenkungsmanöver und schiebe eine zusätzliche Szene rein, die ich beim Überarbeiten wieder rausstreiche oder die manchmal die Sache auch schöner macht. Zuletzt beiße ich die Zähne zusammen und schreibe einfach und natürlich schreibe ich nicht das grässliche Wort "Ende " unter den Text, ich höre einfach auf.

Beim letzten Mal hat mir natürlich geholfen, dass ich für das Buch einen Vertrag und einen Abgabetermin hatte. Ich habe mir dann einen eigenen Termin gesetzt, bis zum dem die Erstfassung fertig sein musste und das hat gut geklappt.

Am besten einfach weiterschreiben oder lass doch den nächsten Satz einfach von deinem Partner schreiben nach deinem Diktat.

Grüße
Aneirin

Offline Coppelia

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Re: Angst vorm Ende...
« Antwort #5 am: 17. Januar 2007, 09:04:32 »
Hallo Dorte!

Na ja, du weißt ja, was ich immer zum Fertigschreiben sage ...  ;D Aber weil dir meine Methode nicht liegt, vielleicht hilft dieses hier:

Ich mag immer Computerspiele, die ich gern hatte, nicht durchspielen, weil das schöne Spiel dann aus ist, die liebgewonnenen Figuren weg usw. Vielleicht geht es dir hier ähnlich.

Deine Geschichte ist ja gar nicht aus, wenn sie zu Ende ist, zumindest hast du ja eine Fortsetzung in Planung. Daher kannst du dir vielleicht einfach sagen, dass sie gar nicht zu Ende ist. Vielleicht hilft das.

Ich schreibe übrigens Enden sehr gern, aber mit der Fertigstellung der Gesamtgeschichte hapert es meist.

Offline Judith

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Re: Angst vorm Ende...
« Antwort #6 am: 17. Januar 2007, 09:59:44 »
Hm, das Problem ist ja vermutlich nicht, dass du nichts abschließen kannst, denn kurze Geschichten schreibst du ja auch zu Ende. (und auch etwas längere *auf "A Sorcerer's Dream deut"*) :) Also ist die Frage: Warum klappt es bei längeren Geschichten nicht?

Vielleicht ist das Problem ja gerade, dass dir das Schreiben dieser Geschichte so viel Spaß gemacht hat und du sie deshalb noch nicht loslassen willst? Aber bestimmt werden dir auch die weiteren Teile viel Spaß machen, oder meinst du nicht?
Du könntest ja eventuell den nächsten Teil schon mal genauer planen - dann juckt es dich bestimmt in den Fingern, daran zu schreiben. Und dann möchtest du vielleicht auch den 1. Teil beenden, damit du mit dem nächsten beginnen kannst.
Also das ist jetzt nur so eine kleine Idee, die mir vor allem deshalb gekommen ist, weil du das mit dem Studium erwähnst. Und das Problem kenne ich - gut, ich kann das Ende nicht wirklich hinauszögern, weil ich sonst in echte finanzielle Schwierigkeiten gerate, aber ich brenne halt nicht gerade darauf, fertig zu werden, weil ich einfach nicht weiß, wie es danach weitergehen soll. Wenn ich dann aber ein bisschen rumplane (mögliche Themen für eine Diss überlege, etc.), dann kommt meistens auch der Wunsch, das Diplomstudium jetzt mal abzuschließen.
Und vielleicht ist es bei dir mit Romanen genauso - zu wissen, was als nächstes kommt (und zwar nicht nur ungefähr, sondern schon mal genauer), bietet dir möglicherweise einen Anreiz, das jetzige Projekt zu beenden.
Naja, sind jetzt sehr vage Vermutungen, aber vielleicht liege ich ja nicht völlig daneben...  :hmmm:

Dorte

  • Gast
Re: Angst vorm Ende...
« Antwort #7 am: 17. Januar 2007, 11:35:52 »
Uiii, so viele Antworten!  :o Dank euch allen! Das war auf jeden Fall sehr aufbauend.
Also, einer nach dem anderen ;)

Termi: Ach, ich glaub ja auch, dass es toll wäre, das Ding zu beenden. Aber ich kann nicht weiterschreiben. Es geht einfach nicht. Das läuft auf "pro Tag ein halber Satz" raus im Moment, in dem Tempo bin ich in 4 Jahren noch nicht fertig. :( Sobald ich die Datei angucke, kriege ich Panik, und Panik führt bei mir immer zu totaler Handlungsunfähigkeit. Dann kann ich das Ding nur weglegen und irgendwas anderes tun, um meinen Puls zu beruhigen.

Oder überliste Dich einfach: Schreib das Ende in Stichpunkten und kleinen Notizen. Und dann überarbeite den Text, und das Ende wird von selbst kommen.

So mach ich das immer, wenn ich merke, daß mir die Luft ausgeht.
Hmm... das wäre natürlich einen Versuch wert, verklapsen kann ich mich selbst ganz gut, zumindest unbeabsichtigt. ;) Andererseits hatte ich mich eigentlich so auf den Showdown gefreut... eigentlich schade, ihn in Stichpunkten zu skizzieren, statt energiegeladen zu schreiben. Aber bevor ich ihn gar nicht schreibe... ich werd's dieses Wochenende mal versuchen.

Was mir hilft, wenn ich stecke - mit anderen über das Buch reden, die Geschichte denen erzählen, die sie noch nicht kennen und mich durch die Kommentare und Anregungen inspirieren lassen. Meistens klappts, zumindest zum weiterplanen.
So ein gespräch hat mich gestern davon überzeugt, daß das Ende meiner Geschichte, um das ich mich in der Art eigentlich rumdrücken wollte, wirklich das beste ist.
Wenn ich mit Leuten rede, bin ich ja immer begeistert. Was ich schreiben muss, weiß ich auch genau. Aber ich kann/will dann halt nicht schreiben. Total bescheuert.

Beim letzten Mal hat mir natürlich geholfen, dass ich für das Buch einen Vertrag und einen Abgabetermin hatte. Ich habe mir dann einen eigenen Termin gesetzt, bis zum dem die Erstfassung fertig sein musste und das hat gut geklappt.
Etwas Druck würde mir sicher helfen, leider habe ich den nicht. Ich hatte mir als Termin eigentlich den 23.12. gesetzt, habe aber seit Anfang Dezember fast gar nichts geschrieben. Ich mache mir selbst eben nicht genug Druck, das ist genauso wie im Studium...

Deine Geschichte ist ja gar nicht aus, wenn sie zu Ende ist, zumindest hast du ja eine Fortsetzung in Planung. Daher kannst du dir vielleicht einfach sagen, dass sie gar nicht zu Ende ist. Vielleicht hilft das.
Ich glaube nicht, dass das mein Problem ist. Geschichten beenden kann ich ja und eigentlich gar nicht schlecht - nur Romane nicht, da bekomme ich Panik. Harzsilber 2 ist halb fertig geplant und wartet nur darauf, dass das erste Buch fertig ist und ich mit dem Schreiben anfangen kann.
Ich habe nicht Angst davor, dass die Geschichte zu Ende ist. Das ist sie nicht. Ich habe Angst davor, die letzten Sätze in die Datei zu schreiben und dann abzuspeichern. Vielleicht spielt da meine Angst vorm Veröffentlichen ein - solange ich kein Buch fertig habe, kann mich niemand überreden wollen, es zu einem Verlag zu schicken. Wenn ich es fertig habe, wird keiner verstehen, warum ich es nicht einfach versuche - mich eingeschlossen.

Du könntest ja eventuell den nächsten Teil schon mal genauer planen - dann juckt es dich bestimmt in den Fingern, daran zu schreiben. Und dann möchtest du vielleicht auch den 1. Teil beenden, damit du mit dem nächsten beginnen kannst.
Ja, ich WILL ja den nächsten schreiben :( Aber ich bin zu stur, jetzt damit anzufangen, ohne den ersten zu beenden. Könnte ich natürlich auch machen, aber dann jaule ich hier im Sommer rum, dass ich Teil 1 und 2 meines Vierteilers jeweils ohne die letzten paar Kapitel hier rumliegen habe und Teil 3 auch fast fertig ist ;)

Wahrscheinlich bin ich einfach ziemlich meschugge. *seufz*
Auf jeden Fall tat es gerade sehr gut, eure lieben Vorschläge zu lesen. Werde ich in den nächsten Tagen noch öfter tun, vielleicht wühlt sich da ja was durch meine Gehirnrinden und tritt mein Schreibzentrum.

Elena

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Re: Angst vorm Ende...
« Antwort #8 am: 17. Januar 2007, 23:02:10 »
Mir hilft bei der Beendung von Romanen immer meine Arbeitszeit, die sehr spät liegt. Wenn ich dann am Ende angekommen bin, ist es so gegen eins oder zwei, und ich sage mir dann: Ach, das Ende schreibst du noch, dann gehst du endlich ist Bett. Wirkt sich ungemein postiv aus, nur noch ins Bett zu wollen und es erst zu können, wenn man fertig ist ... Klar, das Romanende an sich leidet darunter, aber dafür gibt es Überarbeitungen.
Ansonsten hilft es auch immer, ein wenig so nebenbei herumzukritzeln, das heißt, ein Kapitel zu schreiben, in dem es um gar nichts geht, das aber irgendwie die Figuren beinhaltet. Um rein zu kommen. Und dann ist es auch schon wieder so spät ...  ;D

Elena, die es genauso hasst wie liebt, Romane zu Ende zu schreiben.

Offline Judith

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Re: Angst vorm Ende...
« Antwort #9 am: 18. Januar 2007, 14:12:45 »
Zitat
Vielleicht spielt da meine Angst vorm Veröffentlichen ein - solange ich kein Buch fertig habe, kann mich niemand überreden wollen, es zu einem Verlag zu schicken. Wenn ich es fertig habe, wird keiner verstehen, warum ich es nicht einfach versuche - mich eingeschlossen.
Wenn du es nicht an einen Verlag schicken willst, dann macht das doch nichts. Und ich würd mich da auch nicht davon stören lassen, was andere sagen. Das ist schließlich ganz allein dein Buch und ich finde es eigentlich gar nicht seltsam, wenn man etwas Fertiges nicht an einen Verlag schicken will. (ich wills auch nicht *gg*)

Dorte

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Re: Angst vorm Ende...
« Antwort #10 am: 19. Januar 2007, 17:45:47 »
Juchu, ich habe heute eine Seite geschafft, jetzt sind meine zwei Protas endlich auf dem Zwergenschnellweg *froi* Ihr habt mich unglaublich motiviert und aufgemuntert, vielen lieben Dank euch allen! Hoffentlich geht das jetzt auch weiter...

Offline Moni

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Re: Angst vorm Ende...
« Antwort #11 am: 19. Januar 2007, 18:36:30 »
Juchu, ich habe heute eine Seite geschafft, jetzt sind meine zwei Protas endlich auf dem Zwergenschnellweg *froi* Ihr habt mich unglaublich motiviert und aufgemuntert, vielen lieben Dank euch allen! Hoffentlich geht das jetzt auch weiter...

Das ist doch prima!  :jau: Und wie Judith schon sagte: es ist dein Buch und niemand außer die selbst kann dich zwingen, es an einen Verlag zu schicken. Also nicht unter Druck setzen und einfach weitermachen.   :omn:

Lg
Moni

P.S. Ich kenn das mit dem "Anfangen und nicht zu Ende führen" ... der innere Schweinehund will einfach überwunden werden, das ist es.  8)
Deutsch ist die Sprache von Goethe, von Schiller...
und im weitesten Sinne auch von Dieter Bohlen

Stefan Quoos, WDR2-Moderator
   »Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen,
ist alles andere im Leben ein Kinderspiel.«

Johann Wolfgang von Goethe

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