0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

  • Drucken

Autor Thema: Das Ding mit der Anrede  (Gelesen 10309 mal)

Offline Antigone

  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 1.589
  • Geschlecht: Weiblich
Das Ding mit der Anrede
« am: 23. Februar 2008, 11:55:24 »
Hallo!

Wie haltet ihr es eigentlich mit der Anrede in euren Romanen? Oder anders gefragt: wie reden sich eure Protas untereinander förmlich an - sprich, wenn sie noch nicht so vertraut miteinander sind, um einfach den Vornamen zu verwenden.

Bei uns sagt man ja zb.: "Guten TAg, Herr Maier/Frau Maier." Aber haben eure Protas immer Nachnamen bzw. Titeln? Wie soll man sie dann ansprechen?

"Guten Tag, mein Herr/meine Herrin" (klingt ein bisschen nach HdR)
"Guten Tag, Herr XYZ/Herrin XYZ"?

Oder erfindet ihr Anreden und Titeln? Mir gefällt ja sehr gut das darkovanische "vai dom/vai domna", aber leider, leider, gibts das ja schon. ;)

Oder bedient ihr euch im Englischen? "Guten Tag, Sir/Lady". Mylord/Mylady?

Ich liebäugle derzeit auch ein wenig mit der Anrede Jungfer bzw. Junker, weil das ja ganz gut in eine mittelalterlich angehauchte Welt passt.

So, das waren jetzt ein paar Überlegungen meinerseits. Jetzt würd mich interessieren, wie ihr das so macht.

Lg, A.

saraneth

  • Gast
Re: Das Ding mit der Anrede
« Antwort #1 am: 23. Februar 2008, 12:26:15 »
Hallo Antigone,

meist bediene ich mich den englischen Titeln aus dem elisabethanischen Zeitalter, gemixt mit eigenen Kreationen. Es ist schwer zu sagen... mir gefällt beispielsweise die Anrede "my lord / my lady", sowie der Vorläufer des heutigen "Sir", der da wäre "Sirrah", sehr gut. Wohingegen ich Titel wie "Your Grace / Your Highness" eher ins Deutsche übersetze.

Je nachdem was für eine Gliederung es in meinen Projekten gibt, verwende ich auch Anreden aus dem Deutschen, wie Baron, Fürst.

Zur Zeit lebe ich gerade mit einem erfundenen Titel sehr gut; neben dem aber auch eine Mischung aus mehreren anderen Anreden (sowieso aus dem Englischen, als auch aus dem Deutschen) stehen.

Ich halte mich also nicht strikt an eine "Art" der Anrede, weil es teils einfach nicht passt.

Orientierung bieten mir auch diese Links:

http://www.renfaire.com/Language/address.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Anrede#Adelstitel_in_Deutschland

Wobei mir hier auch noch die Frage aufgefallen ist, ob es *wichtig* ist eine einheitliche Sorte von Titeln zu verwenden.

LG
Saraneth

Offline Grey

  • Wolfsrüdin
  • Obermotz
  • ******
  • Beiträge: 16.220
  • Geschlecht: Weiblich
  • Wer entscheidet, dass die Vögel frei sind?
    • Vom Leben, Schreiben und der Welt dazwischen
Re: Das Ding mit der Anrede
« Antwort #2 am: 23. Februar 2008, 13:42:43 »
Tja ... mittlerweile schreibe ich ja doch meistens in einem halbwegs realen bis realen Setting, bewege mich zur Zeit also mehr in der Phantastik bzw. phantastischen Historik und Endzeitszenarien auf unserer guten alten Erde. Da stellt sich die Frage nicht ganz so sehr, weil die Titel in dem Fall ja doch vorgegeben sind. Oder es duzen sich einfach alle ;)

Vorher hab ich zugegebenermaßen eigentlich bloß aus anderen Fantasyromanen abgekupfert und das genommen, was da so als gängige Anrede verwendet wurde. Aber da war ich ja auch noch klein. ;D Vielleicht hab ich auch mal ein paar grobe Militärrangbezeichnungen recherchiert. Aber das auch erst als ich schon nicht mehr ganz so klein war.
"All I desired was to walk upon such an earth that had no maps." - Michael Ondaatje

Offline Antigone

  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 1.589
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Das Ding mit der Anrede
« Antwort #3 am: 23. Februar 2008, 13:53:25 »
@ saraneth: Den Wikipedia-Artikel hab ich auch schon gelesen. Mir gehts aber weniger um die Anrede von höhergestellten Leuten - so ein Majestät, Hoheit oder Durchlaucht ist ja recht einfach dahingesagt.

Sondern mir gehts darum, wie sich unbekannte Leute auf der Straße höflich anreden. Oder Männer eine Frau, die zwar nicht adelig ist, aber zu der sie trotzdem höflich sein wollen. Und zwar eine unverbindliche Anrede meistens ohne Nachname.

Englische Titel zu verwenden, würd mir komisch vorkommen in meiner Welt, wo weit und breit keiner englisch spricht und es auch keine englisch angehauchten Namen oder Begriffe gibt. Obwohl ich seltsamerweise den Namen meiner Prota englisch ausspreche - ist aber auch der einzige.... ???

Lg, A.

saraneth

  • Gast
Re: Das Ding mit der Anrede
« Antwort #4 am: 23. Februar 2008, 14:18:03 »
@ Antigone: Hm... also da würde mir dann spontan Fräulein (klingt zwar ein bisschen spießig, aber naja) für junge Frauen einfallen und für ältere Frauen hat man hier in Deutschland häufig gnädige Frau verwendet.

Wobei Fräulein hier eher unbeliebt ist, was daran liegt, dass man damals alle unverheirateten Frauen (auch ältere) mit diesem Titel angesprochen hat. Das wurde natürlich von Seiten der weiblichen Bevölerung zusehens unbeliebter, weil man sich nicht sofort als "alte Jungfer" zu erkennen geben wollte. Des Weiteren wurde Fräulein früher wohl eher für Adlige benutzt, später etablierte sich dieser Ausdruck aber auch in Bürgerkreisen.

Deshalb würde ich eventuell eher zu Miss tendieren, auch wenn es Englisch ist.

Männer hat man meines Wissens nach meistens mit Gnädiger Herr angesprochen.

Oh, und ich habe hier noch einen anderen Link gefunden, der sich auf alle Stände bezieht; vielleicht hilft der dir weiter:

http://www.ingenieurgeograph.de/Living_History/Material/Anrede_fuer_alle_Staende.pdf


LG
Saraneth

Elena

  • Gast
Re: Das Ding mit der Anrede
« Antwort #5 am: 23. Februar 2008, 14:28:58 »
Hm, da meine Personen grundsätzlich nur Vornamen haben (ich finde es schon schlimm genug, mir Vornamen ausdenken zu müssen!), redet man sich damit an. Im Allgemeinen wird aber gesiezt, wenn man sich nicht kennt. Eine Anrede gibt es schichtweg nicht. Wenn man den Namen nicht kennt, erfragt man ihn, oder er bleibt unbenannt und wird nur gesiezt. Das funktioniert ja auch in der Realität sehr gut, wenn man den Namen des anderen nicht weiß - oder schlimmer noch, vergessen hat und sich nicht traut, nachzufragen.

Offline zDatze

  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 3.496
  • Geschlecht: Weiblich
  • Black flag huntress
    • Schreibcrawls
Re: Das Ding mit der Anrede
« Antwort #6 am: 23. Februar 2008, 14:35:16 »
Mir fällt da noch die Anrede ein:

"Guten Tag, werte/r Dame/Herr"

Wobei ich mit so geschwollenen Ausdrücken nicht wirklich klar komme. Beim Lesen fällt mir das immer besonders auf, wenn irgendwo fast gezwungenermaßen ein Titel verwendet wird. Da denk ich immer: Mein Gott, so redet doch kein Mensch. -.-'
Deswegen vermeide ich solche Titel und Anreden, wo immer es geht. Alternativen dazu gibt es genug, wenn man ein bisschen kreativ ist. Wenn man diese Kreationen geschickt einbaut, dann "schluckt" der Leser diese Begriffe und verbindet damit genau das, was man als Autor/in vermitteln will.

Offline Berjosa

  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 2.550
  • Geschlecht: Weiblich
  • Staatlich geprüfte Besserwisserin
Re: Das Ding mit der Anrede
« Antwort #7 am: 23. Februar 2008, 20:08:10 »
"Meister/in" finde ich recht praktisch für "Bürgerliche".

Wenn ich gerade meine verrückte Phase habe, erfinde ich allerdings lieber Titel in der "Landessprache". Das führt dazu, dass ich in einem Abenteuer jetzt Leute aus drei verschiedenen Ländern herumlaufen habe, die ihre Titel auf drei verschiedenen Wegen erworben haben (Wissenschaft - Militär - Adel). Alle haben Vor- und Nachnamen, und die werden unterschiedlich mit den Titeln kombiniert. Beim Lesen wird das ziemlich unübersichtlich, da muss ich wohl schweren Herzens mal ausmisten.

Englische (o.ä.) Anklänge versuche ich möglichst zu vermeiden, wenn das Abenteuer nicht auf der Erde oder in einer Parallelwelt spielt.
 
        

Offline zDatze

  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 3.496
  • Geschlecht: Weiblich
  • Black flag huntress
    • Schreibcrawls
Re: Das Ding mit der Anrede
« Antwort #8 am: 23. Februar 2008, 23:55:33 »
Ähm, sry wenn das hier nicht herpasst, aber mir ist da noch was eingefallen. In Japan wird an das Namensende manchmal eine Silbe (z.B.: -kun) drangehängt. Für eine Eigenkreation ist doch dieser Weg einer "Betitelung" auch ganz praktisch.^^

Offline Volker

  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 862
  • Geschlecht: Männlich
  • Scriba!
    • SF-Fantasy.DE
Re: Das Ding mit der Anrede
« Antwort #9 am: 24. Februar 2008, 00:58:21 »
Dann gibt es auch kulturelle Unterschiede: während in den USA asymmetrisch geduzt (bzw. Vorname/Nachname verwendet)  wird, ist dies in Deutschland strikt symmetrisch.

In Deutschland drückt das Duzen eine gleichberechtigte, informelle/enge Beziehung aus. In den USA dagegen eine Niedriger-Stellung des Geduzten. Man kennt dies vor allem in Service-Berufen ("Hello Sir, my name is Bob, hoe can I help you?") als Höflichkeitsform. Es ist höflich, als Diener eine entsprechende Ansprache anzubieten. Klar.

In Deutschland wäre es dagegen arg unhöflich, so ungefragt mit einem Duzen in die Privatsphäre eines noch Unbekannten einzufallen. Hier gilt es als höflich, den Abstand zu wahren - ausgedrückt durch die "Sie"-Form.

Man merkt schon daran: Anrede ist *extrem* kulturabhängig. Entsprechend sollte sie in eine Kultur eingebettet sein - und nicht nur hinsichtlich Titeln, sondern auch hinsichtlich Sprache...

Offline Artemis

  • Dramaqueen
  • Inaktiv
  • ***
  • Beiträge: 1.989
  • Geschlecht: Weiblich
  • Die mit dem Schaf tanzt
Re: Das Ding mit der Anrede
« Antwort #10 am: 24. Februar 2008, 14:11:26 »
Ich benutze meistens "Herr" oder bei adligen den jeweiligen Titel (Majestät, mein Fürst ect.)
Ansonsten flutscht auch mal noch ein Mylady durch, aber das ganz selten. Gesiezt wird sich nicht, ich benutze immer nur das "Ihr" und "Euch" oder bei Leuten, die sich gut kennen, das gewöhnliche "du". Besondere Titel oder exotische Anreden aus allen erdenklichen Epochen der Weltgeschichte vermeide ich, weil das dann doch etwas zu abgehoben klingt, wenn ich plötzlich eine Comtess auftreten lasse O.o   
»Gib mir einen Punkt, wo ich stehen kann, und ich werde die Welt bewegen.«
 - Archimedes

Offline Duana

  • Schräges Vögelchen
  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 3.814
  • Geschlecht: Weiblich
  • Daisy Daisy Fujimori Alonzo
Re: Das Ding mit der Anrede
« Antwort #11 am: 24. Februar 2008, 15:32:59 »
Ich mache es eigentlich auch ähnlich wie Artemis. Adelige oder generell Höhergestellte werden mit "Ihr" und "Euch" angeredet, sowie mit "Anführer XY" und "König SoUndSo". "Euer Majestät" verwende ich auch recht oft, denn "Euer Gnaden" gefällt mir nicht so und andere Titel mag ich eigentlich auch nicht besonders.
Außer ich erfinde mal einen Titel, dann fallen alle anderen weg, was aber selten passiert.

Dass Diener/innen ihre Zubedienenden mein/e Herr/in nennen, ist bei mir auch gewöhnlich. Ich halte mich da eigentlich an das mit bekannte, wobei ich erst jetzt durch den Wikipedia-Artikel gelesen habe, dass man zum Beispiel zwischen Baronin und Baroness unterscheidet ... ::)
Je lauter du schreist, desto tauber wirst du.

Offline Stefan

  • Elite
  • ******
  • Beiträge: 2.144
  • Geschlecht: Männlich
  • das Revival mit rotem Bart!
    • Barbar & Birnenbaum
Re: Das Ding mit der Anrede
« Antwort #12 am: 25. Februar 2008, 08:14:15 »
"Ihr" und "Euch" benutze ich, wenn die Charaktere sich nicht kennen oder einer Respektsperson gegenüberstehen, ansonsten "Du" und schlicht den Vornamen. Wenn es unhöflich wird, wird durch die Bank weg "Du" benutzt, gerne in Verbindung mit einem Schmähtitel, bei militärischen Dingen der Dienstrang mit dem Nachnamen.
Ich mach mir da nicht so einen Kopf drum, da sich die meisten Charaktere eh kennen oder schnell kennen lernen, was eine konsequente "unnatürliche" Anrede fast ausschließt. ;)
"Es ist idiotisch, sieben oder acht Monate an einem Roman zu schreiben, wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann."

Mark Twain

Offline Simara

  • Inaktiv
  • ***
  • Beiträge: 887
  • Lügenschmied
Re: Das Ding mit der Anrede
« Antwort #13 am: 11. Juli 2010, 19:03:46 »
In einem Land meines jetzigen Projektes werden männliche Adelige mit "Sire" und weibliche unverheiratete mit "Mistress" angesprochen. Verheiratete Frauen werden ganz klassisch mit "meine Herrin" betitelt.   

In Asalia hingegen werden junge Frauen als "Amantre" betitelt, die Herren mit "Omnus." Hier sind die Anrede Formen nicht allein auf adelige bezogen, da es in Asalia vor seiner Besetzung keine Klassenaufteilung gab. Die Herrschenden werden hier also auch mit den oben genannten Titeln angesprochen. (Ich stelle es mir sehr unterhaltsam vor wie der Akzent der Asalen bei diesen Englischen Wörtern anhört... Schließlich orientiere ich mich mit ihrer Sprache bei Ivrit und Türkisch ;D)
"Gewisse beflügelte Naturen, ungestüm und ruhig zugleich, sind für den starken Wind geschaffen. Es gibt Sturmseelen." - Victor Hugo, "1793"

Online Zitkalasa

  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 4.163
  • Geschlecht: Weiblich
  • Fuchs im Federkleid
    • 50kwords
Re: Das Ding mit der Anrede
« Antwort #14 am: 11. Juli 2010, 19:54:12 »
Meine Charaktere reden sich untereinander auch mit Ihr (Euch) an, wenn sie sich nicht so gut kennen. Nach unten geht auch schon mal ein du, wobei das auch vom Charakter abhängt. Es gibt durchaus welche, die nicht so viel auf Rangordnung geben und auch sozial niedrig Gestellte mit Ihr anquatschen.

Ist kein Name bekannt, wird nach Äußerlichkeiten/Berufen/Arten tituliert: Großmutter/Großmütterchen, Großvater/Großväterchen (für Alte), Dame (will man(n) schmeicheln), Mädchen/Bursche (für Junge), Bauer, Förster, Zauberer, Militärränge (oder auch nur Ritter/Held), Zwerg, Elf etc.

Ränge und Adelstitel sind bei mir, sofern vorhanden, realen dt. Systemen entnommen. Ich habe da so meine Probleme auf Fremdsprachen zurück zu greifen, wenn ich selber auf Deutsch schreibe, kommt mir unsinnig vor; ich versuche mich da immer nach Möglichkeit drum herum zu schlängeln. (Wobei alles seine Grenzen hat: In einem arabisch-angehauchten Land heißt der Chef nun mal Kalif/Sultan/etc. und nicht König; einfach des Flairs wegen.)

Die Mühe eigener Titel mache ich mir aber auch nicht. Auf der einen Seite ist es natürlich schön, wenn man seine eigene Welt soweit durchplant, auf der anderen Seite will ich meinen Lesern auch Einstiegspunkte bieten. (Und mir persönlich reicht es schon, eigene Namen für Land und Leute auszudenken, da will ich mich selbst mit eigenen, nirgends angelehnten, Rangbezeichnungen/Anreden nicht noch mehr verwirren. :rofl:)
"Be strong in the moments where you want to be weak cause life itself is worth living for. If you are not living the life that you want, you fight for that life." by Jensen Ackles"Wear your heart on the page, and people will read to find out how you solved being alive."
by Gordon Lish

  • Drucken