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Autor Thema: Vorausblenden in Romanen  (Gelesen 237 mal)

Offline Malinche

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Re: Vorausblenden in Romanen
« Antwort #15 am: 11. Oktober 2017, 17:15:32 »
Ich muss da auf Anhieb an García Márquez' "Chronik eines angekündigten Todes" denken. Es ist eine Weile her, dass ich das im Ganzen gelesen habe, und soweit ich mich erinnere, gibt es keine Vorausblende in dem Sinne, dass eine als konkrete Szene vorangestellt wäre. Aber der ganze Roman ist letztlich eine einzige Vorausblende (wobei es zugleich auch eine Rückblende ist, weil es stellenweise wie eine Reportage aufgezogen wird und sich einzelne Figuren an jenen Tag erinnern): Es ist von Anfang an klar, dass Santiago Nasar sterben und wer ihn umbringen wird. Es wird auch immer wieder angedeutet und darauf verwiesen, dass das letztendlich auch so passiert. Trotzdem lässt sich das Buch durchaus mit Nägelkauen lesen, weil zu Beginn eben die ganzen Fragen noch offen sind, warum das passieren soll und wie es dazu kommen wird.

Das bietet sich so nicht für jede Geschichte an und ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob es tatsächlich zur Frage nach Vorausblenden passt. Aber mich hat das Buch damals vom Erzählhandwerk her sehr beeindruckt und ist für mich noch immer eins der besten Beispiele, dass eine Geschichte spannend sein kann, obwohl man von Anfang an weiß, was geschehen wird - das Wie und Warum sind aber so gut aufbereitet, dass der Leser am Ball bleibt.
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Offline Feuertraum

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Re: Vorausblenden in Romanen
« Antwort #16 am: 11. Oktober 2017, 18:34:29 »
Die 1-Satz-Voraussage ist eine "Unart"(?), die man insbesondere in den früheren Horror-Groschenromanen a la Larry Brent oder John Sinclair findet. Immer wieder findet man Textpassagen wie "Zu diesem Zeitpunkt wusste Figur nicht, dass sie getötet werden würde."
Allerdings muss eingeräumt werden, dass das Niveau der Groschenromane inzwischen gestiegen ist. Die Serie "Vampira" zum Beispiel ist eine solche, die sich immer mehr entwickelte und einen Schreibstil, eine Wortwahl, aber auch eine Logik einflocht, die hinter den "seriösen" Taschenbüchern in nichts nachsteht. Dort arbeiteten die Autoren (Weinland/Stahl) schon mit zwar kürzeren Sätzen, aber doch hin und wieder mit Vorausblenden. Allerdings sind diese eher spärlich eingesetzt, wenn, dann als eine Art Wahrsagerei oder Traumwelt.
Das Fahrrad heulte herzergreifend, weil an ihm ein Hund  seine Notdurft verrichtete.

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