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Autor Thema: Gay Romance: Trennung statt Diversität?  (Gelesen 2220 mal)

Online Lothen

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Re: Gay Romance: Trennung statt Diversität?
« Antwort #30 am: 14. August 2017, 15:16:09 »
Ich finde es auch extrem schwierig, dass alle Bücher mit schwulem Protagonisten-Pärchen gleich mit "Gay Romance" übertitelt werden, denn darin finde ich mich mit meinem aktuellen Projekt auch nicht wieder.

Ja, die Protagonisten sind schwul. Ja, es gibt eine Liebesgeschichte. Ja, es gibt Sex. Steht das alles unbedingt im Vordergrund? Nein. Vermutlich hätte der Roman auch ohne die Liebesgeschichte funktioniert, er hätte nur an Würze und Intensität verloren. Wahrscheinlich hätte er auch funktioniert, wenn das Pärchen hetero gewesen wäre, aber so war es eben nicht. Die Geschichte kam genauso so mir, wie sie jetzt ist, und nicht anders. Warum also verbiegen?

Prinzipiell sehe ich konzeptuell gar keinen großen Unterschied zwischen meinem aktuellen Gay-Fantasy-Projekt und meiner Orient-Fantasy vom letzten Jahr. In beiden gibt es eine Liebesgeschichte und sie spielt eine gewisse Rolle für den Plot, aber nicht die zentrale. Trotzdem würde niemand mein Orient-Märchen als (Hetero-)Romanze bezeichnen, die Gay Fantasy hingegen wird dieses Label mit Sicherheit bekommen. Warum? Weil die Protas schwul sind? In meinen Augen sollte das gar keine Rolle spielen, tut es beim Marketing aber leider. Grund dafür ist in meinen Augen, dass sich für schwule Literatur einfache eine gewisse (Klein-)Verlags-Branche herauskristallisiert hat und die Bücher mit genau diesem Alleinstellungsmerkmal verkauft. Ehrlich, mir wäre viel lieber gewesen, ich hätte mit meiner Gay Fantasy in einen "normalen" Fantasy-Verlag gehen können, aber das war einfach chancenlos, also wurde es doch ein Gay Verlag.

Insofern fühle ich mich auch oft wie @Steffi . Ich will keinen Stempel mit "Gay Romance Autorin" haben. Ich will generell keine Stempel. Ich will schreiben, was mir Spaß macht, und womit ich mich wohlfühle. Das ist eben mal das eine und mal das andere. Aber trotzdem fühle ich mich mittlerweile immer irgendwie angegriffen, wenn ich lese, dass Gay-Autorinnen (überspitzt formuliert) nichts anderes tun würden, als schwule Beziehungen für ihren persönlichen Fetisch zu missbrauchen. Ich mach mir immer Gedanken über meine Figuren, ihre Beziehungen, ihre Persönlichkeit, ihre Sexualität usw., dabei ist es vollkommen egal, ob sie hetero, bi, schwul, lesbisch oder wasauchimmer sind. Sie erzählen eine Geschichte. Das sollte doch zählen.

Zitat von: Leann
Aber ich sehe mich nicht als Kämpferin für irgendwas und werbe auch nicht damit. Ich möchte nur gute Geschichten schreiben.
Genau das.  :-*

Offline Aphelion

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Re: Gay Romance: Trennung statt Diversität?
« Antwort #31 am: 14. August 2017, 15:48:54 »
Erst einmal danke für die Antworten. Die rege Diskussion finde ich schön. :)

Mir ist bei vielen Antworten von Gay-Romance-Autorinnen bis jetzt aufgefallen, dass die Beschreibungen (wer schreibt was wie) im Vordergrund stehen, aber das Warum sehr vage bleibt - was keine Bewertung meinerseits sein soll, einfach nur eine Beobachtung.



Edit: Wer mir jetzt widerliche Ansichten unterschieben möchte, wie es im Verlauf des Threads leider vorgekommen ist, sollte zuerst diesen Beitrag lesen.



@Marta

Zitat
Am besten erst mal hier: Gay Romance bedeutet nicht, dass alle Charaktere im Buch schwul sind.
Das habe ich nicht behauptet, also nein, das meinte ich nicht.

Zitat
Zu fragen: »Warum Gay Romance, wenn du meinst, dass alle Liebesgeschichten zwischen allen Geschlechtern gleich wertvoll sind?« ist genauso leicht zu beantworten wie: »Warum verliebst du dich immer nur in Frauen, obwohl du meinst, dass Männer und Frauen gleich gut/berechtigt/wertvoll sind?«.
Das sind für mich zwei völlig verschiedene Fragen. Einerseits ist eigene sexuelle Präferenz im Gegensatz zu Schreibthemen nicht frei wählbar. Andererseits kann es für die Wahl der sexuellen Orientierung der Protagonisten noch andere Gründe geben, als die eigenen Vorlieben.

Zitat
Andere schreiben gern Krimi oder Steampunk, ich halt Gay Romance.
Gay Romance ist allerdings nicht mit den anderen Genres vergleichbar. Natürlich, es ist ein Genre, eine Schublade. Aber in dieser Schublade wird strikt nach sexueller Orientierung sortiert, was bei anderen Genres nicht der Fall ist. Mir ging es allerdings weniger um eine Kritik an der Existenz dieser Schublade (und glaub mir, die habe ich auch), sondern darum, warum jemand persönlich diese Trennung mitmacht. Insofern beantwortet das nicht wirklich meine Frage.

Zitat
Weitere Gründe fallen mir natürlich trotzdem ein. Die sind aber letzten Endes so sinnvoll wie zu sagen: »Männer haben sind größer und haben mehr Geld, deshalb fühlt man sich bei ihnen sicherer.« Klingt so weit logisch (na ja). Das hat aber keine lesbische Frau je davon abgehalten, sich trotzdem in eine andere Frau zu verlieben. Ich hoffe, es kommt rüber, was ich meine. Eine 100%ig zufriedenstellende Antwort werde ich dir nicht liefern können.
Ich verstehe um ehrlich zu sein nicht, was dieser Vergleich mit meiner Frage zu tun hat - vielleicht liegt as aber auch an dem eingänglichen Missverständnis?

Zitat
[...] finanziellen Erfolg [...]
Vollkommen legitimer Grund.

Zitat
- Es ist für mich fast unmöglich, über eine Mann-Frau-Beziehung zu schreiben, ohne in Klischees zu verfallen, und zwar die schädliche Sorte Klischee.
Das finde ich interessant, auch wenn es mir persönlich nicht so geht. War dir das schon vorher bewusst oder ist dir das im Nachhinein aufgefallen, z.B. nachdem du schon mehrere Gay-Romance-Bücher geschrieben hast?

Zitat
- Ich liebe Drama! Je mehr Konflikt in einer Story steckt, desto besser. Und ein schwules Pärchen hat es trotz allem heute immer noch schwerer als ein Hetero-Pärchen. Das ist übrigens der Punkt, den ich selbst am Kritischsten sehe. Ich benutze hier etwas, um die Spannung zu erhöhen, das in der Realität ein ernstzunehmendes Problem ist.
Ich finde so etwas okay, wenn es nicht um reine Effekthascherei geht. Wenn es (auch) darum, reale Konflikte abzubilden und dadurch evtl. (ganz beiläufig) zum Nachdenken anzuregen oder auf Probleme hinzuweisen, sehe ich darin kein Problem. (Dein Ansatz klingt eher nach Letzterem, so wie du es beschreibst.)

Zitat
- Eine super-heiße Hetero-Romanze erlebe ich jeden Tag zu Hause. Beim Schreiben will ich in andere Welten eintauchen.
Das ist genau der Punkt, den ich so kritisch an dem ganzen Genre sehe. Das hat für mich etwas von "Komm, wir gehen in den Zoo und schauen uns die exotischen Tiere an." Das ist jetzt sehr hart formuliert, aber eigentlich meine ich das nicht als Übertreibung. Das Problem dabei ist, welche Auswirkungen das in der Realität hat.

Ich finde die letzten beiden Punkte interessant, wenn man sie im Zusammenhang betrachtet.



@Steffi

Ich teile im Wesentlichen deine Meinung (in allen Beiträgen, die ich in diesem Thread bisher von dir gelesen habe). :) Aber ich sehe das Ganze vermutlich noch eine Spur schärfer.



@Sprotte

Bei deinem Beitrag ist mir aufgefallen, dass "HeteRo" eine schöne Abkürzung wäre. ;D

Zitat
Vielleicht habe ich schwule Helden ausgewählt, um den Cut zu den Heroics noch deutlicher zu machen.
Auch wenn du diesen Satz nur beiläufig eingeworfen hast: Empfindest du den Wechsel von heterosexuellen zu homosexuellen Protagonisten selbst als Cut - oder hast/hattest du die Vermutung, dass Leser es so empfinden?

Zitat
Ich schmachte sie auch durchaus an und habe meinen Spaß daran. Bei den Gay Romances habe ich gleich zwei Jungs zum anschmachten.
Fair. ;)

Zitat
Dadurch, dass ich im Fantasy-Setting schreibe, kann ich die schwule Liebe als selbstverständlich darstellen oder mit anderen Problemen behaftet als in dieser Welt.
Das ist in meinen Augen ein wichtiger Punkt und einer der großen Vorteile von Fantasy.

Zitat
Der Spaßfaktor ist für mich immens wichtig.
Das ist auch gut so. Die Frage ist: Warum macht Gay Romance (besonders viel) Spaß?



@Tintenteufel

Zitat
Ich weiß nicht so ganz, ab wann etwas als GR gilt und ab wann eben als Drama oder Fantasy oder Krimi mit "zufällig" schwulen Hauptcharakteren.
Ich bin ja selbst keine Expertin auf dem Gebiet ;), aber die Übergänge scheinen sehr fließend zu sein. Einiges, das andere Tintenzirkler geschrieben haben, würde ich persönlich eher als Fantasy mit zufällig schwulen Protas bezeichnen. Trotzdem passen diese Beiträge für mich hier sehr gut rein, weil es ja irgeneinen Grund geben muss, warum jemand immer wieder schwule Protagonisten wählt.

Zitat
Vielleicht mache ich es mir auch zu einfach, aber...naja, homosexuelle Erotik ist auch bei Männern beliebt - nur eben in einem anderen Medium. Da der Buchmarkt tendenziell frauenlastig ist, wundert es mich jetzt nicht, dass sich das Bedürfnis nach Erotik mit Bezug auf das Andere Geschlecht in Literatur niederschlägt
Die Parallele sehe ich persönlich auch. Allerdings bin ich auch gegenüber des durchschnittlichen Lesbenpornos sehr kritisch... Und ja, ich bin ein diskussionsfreudiger Mensch.  :rofl:

Zitat
Von der Warte aus finde ich Segregation nicht den richtigen Begriff, um das Ganze zu beschreiben. Weil Diversität, Abbildung und Emanzipation von LGBT usw. ja überhaupt nicht der Anspruch dieser Art von Büchern ist.
Den Begriff Segregation habe ich als Beschreibung verwendet. Ob diese Trennung beabsichtig ist oder nicht bzw. ob sie bewusst oder unbewusst stattfindet, spielt dabei erst einmal keine Rolle. Um diesen Punkt aber klarzustellen: Ich gehe nicht davon aus, dass dahinter eine schädliche Absicht steht und jemand sich sagt: "Wen grenze ich denn heute aus?" Auch solche AutorInnen gibt es leider, aber sie sind eine absolute Minderheit und ganz gewiss nicht hier im TZ vertreten.



@Leann

Meiner Meinung nach sind die Romane, die gegenwärtig mit dem Label "Gay Romance" versehen werden, zu breit gefächert, um sie auf seichte Liebesgeschichten zu reduzieren.
Ich möchte nochmal bekräftigen, dass ich das auch so sehe und die Probleme für mich woanders liegen (s.o.).

Zitat
Darum finde ich es schwierig, hier gemeingültige Aussagen zu treffen im Stil von "die Gay Romance Autorin" oder "die Gay Romance Romane", denn es gibt, wie ich finde, eben nicht nur eine Sorte.
Definitiv! Trotzdem können persönliche Aussagen getroffen werden oder Beobachtungen, die sich auf einige oder auch einzelne Autorinnen beziehen. :)

Zitat
Zur Diversität: Allein schon die Tatsache, dass es mittlerweile Romane mit homosexuellen Figuren gibt, und die auch offen und ohne Scham geschrieben, verkauft und gelesen werden, ist für mich schon Diversität.
Für mich ist es, um ehrlich zu sein, eine Strohpuppe. Ein Alibi, das gern vorgeschoben wird: „Wir haben doch schon … was wollt ihr eigentlich noch alles?!“

Es kann ein Türöffner sein oder werden. Hier wurden schon mehrfach Mangas angesprochen: Dort hat es definitiv nicht geklappt.

Zitat
Es muss nicht jeder Roman gleichzeitig kritisch oder satirisch sein, um zur Vielfalt beizutragen.
Das sehe ich auch so. Trotzdem sollte jedem Autor und jeder Autorin bewusst sein, dass Geschichten etwas bewirken. Selbst wenn es im Einzelfall nur darum geht, etwas (nicht) mitzumachen und dadurch (nicht) zu einer Masse beizutragen, die etwas Problematisches tut. Sich explizit gegen etwas zu stellen ist noch einmal etwas anderes. Das beziehe ich ausdrücklich auch auf die (in meinen Augen zutreffende) Feststellung, bei Verlagsbewerbungen gäbe es mit schwulen Protagonisten außerhalb des Labels GR größere Probleme.

Zitat
Außerdem habe ich den Eindruck gewonnen, dass durch den zunehmenden Erfolg einiger dieser Kleinverlage auch große Verlage mittlerweile darauf aufmerksam geworden sind, dass hier durchaus ein Markt besteht und dass sie ihre Programme geöffnet haben.
Ich nehme das ein wenig anders wahr. Meistens scheint es sich dabei um Imprints zu handeln, die von den meisten Lesern ohnehin als eigenständiger Verlag wahrgenommen werden. Dadurch wird das gesamte Verlagsgebäude allerdings nicht bunter, es gibt lediglich einen zusätzlichen rot/grün/blauen Anbau.

Nachtrag: Maja hat inzwischen so etwas ähnliches geschrieben.



@Charlotte @Maja

Ich finde es sehr auffällig, dass andere queere Protagonisten nicht so stark vertreten sind wie schwule – und dass eben schwule Protagonisten gleich in ein eigenes Genre eingeordnet werden. Weil es diesen Unterschied gibt, würde ich in der Diskussion deshalb deutlich zwischen „allgemein queer“ und „schwul“ unterscheiden.

Insbesondere bei Frauen, die Gay Romance schreiben, kann es ihnen ja gar nicht darum gehen, sich selbst repräsentiert zu sehen oder eigene Erfahrungen einfließen zu lassen.

Ansonsten sehe ich viele Dinge genauso.

Online Leann

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Re: Gay Romance: Trennung statt Diversität?
« Antwort #32 am: 14. August 2017, 15:58:01 »
Zitat
Insbesondere bei Frauen, die Gay Romance schreiben, kann es ihnen ja gar nicht darum gehen, sich selbst repräsentiert zu sehen oder eigene Erfahrungen einfließen zu lassen.

Natürlich kann ich eigene Erfahrungen einfließen lassen. Ich bin schließlich ein Mensch. Und in meinen Geschichten, in denen Figuren schwul sind, geht es nicht nur um Sachen, die nur Schwule erleben können (gibt es die überhaupt?). In meinem aktuellen Roman geht es u.a. ums Tauchen. Natürlich fließen da meine Erfahrungen ein. Und auch was die Romanze angeht, kann ich von eigenen Erfahrungen zehren. Nur mal so als Beispiel.

Offline Franziska

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Re: Gay Romance: Trennung statt Diversität?
« Antwort #33 am: 14. August 2017, 16:08:53 »
Puh, das ist eine schwierige Diskussion.
Zur Ausgangsfrage. Es gibt immer noch wesentlich mehr hetero-Romance als Gay. Warum sollte ich dann als Autorin auch hetero schreiben müsssen?

Ich verstehe, wenn es Leute nervt, wenn alles mit schwulen Figuren in Gay Romance einsortiert wird. Aber das ist nicht die Schuld von "Gay Romance". Das liegt meiner Meinung nach auch teilweise an den Autoren selbst, die das falsch einsortieren. Auch wenn es stark gewachsen ist, ist die Anzahl von Büchern mit schwulen Figuren immer noch relativ gering und es gibt Leser, die alles in dem Bereich lesen. Autoren wollen, dass ihre Bücher gefunden werden, also packen sie sie beim großen A in die entsprechende Kategorie.
Aber wie Leann sagte, man muss eben zwischen Romance und schwuler Literatur unterscheiden. Ich habe da teilweise das Gefühl, dass sich Meinungen über das Genre gebildet werden, ohne sich wirlich damit beschäftigt zu haben. Natürlich gibt es Autoren, die nur Klischees bedienen und es gibt natürlich zuckersüße Romance. Aber das Genre ist vielfältig. Es gibt  Untergenre von Krimi bis Fantasy. Es gibt Tropes wie Hurt/Comfort, es gibt harte Erotik genauso wie sehr tolle Fantasy-Plots mit Romance dabei.

Ich lese und schreibe das Genre seit ich fünfzehn bin. Es hat sich seitdem enorm entwickelt. Klar waren die Anfänge auf Fanfitkion etc. oft klischeehaft und von jungen Mädchen geschrieben, die nicht immer viel Ahnung von männlicher Anatomie hatten. Aber seitdem ist viel passiert. Es gibt sehr tolle Bücher in dem Genre, die sehr gut geschrieben sind, sich um ernsthafte Themen wie Mobbing, Trauer, pschische Probleme etc. handeln und das sehr gut verarbeiten. Nur weil ein Buch Romance ist, heißt es nicht, dass es oberflächlich und plüschig ist. Das ist etwas, was mich in der Ablehnung von Romance sehr stört. Ich gebe zu, vieles in dem Bereich möchte ich auch nicht lesen. Manchmal mag ich auch zuckersüße Liebesgeschichten. Und? Ich kritisiere auch niemanden dafür, blutige Krimis zu lesen.
Romance ist ein Genre das von Frauen für Frauen geschrieben wird und da Frauen viel lesen ist es sehr erfolgreich. Gerade deshalb denke ich, wird oft darauf herabgesehen.

Ich persönlich lese keine heterosexuelle Romance. Ich habe kaum je eine gefunden, die ich gut fand. Mich stören die Rollenklischees. Sicher gibt es auch gute dazwischen. Aber Gay Romance lese ich einfach lieber. Daher möchte ich auch niemandem vorschreiben, dass er Gay Romance lesen soll, wenn ihn das nicht interessiert. Ich kenne von amerikansichen Autoren die Forderung, dass man diese Labels abschaffen sollte und alles einfach Romance nennt. Ich verstehe den Standpunkt. Aber als Leser muss ich sagen, ich bin froh über die Kategorie bei Amazon, weil ich da einfach schnell finde, was ich suche.

Zum großen Thema, ist Gay Romance politisch? Für mich jein. Es gibt wohl Leser und Autoren die sich damit gar nicht beschäfitigen, die sich auch nicht darum kümmern, ob die Figuren Klischees bedienen und vielleicht eher schaden, weil sie falsche Dinge vermitteln. Aber da ich auch auf facebook viel mit den deutschen Gay Romance  Autoren interagiere möchte ich mal eine Lanze für sie brechen. Die meisten, die ich kenn engagieren sich auch politisch für LGBT-Rechte. Sei es, dass sie entsprechende Sachen über facebook teilen. Es gab schon mehrere Benefiz-Anthologien zugunsten der Aids-Hilfe etc. Autoren sind zum Beispiel beim CSD und verkaufen da ihre Bücher. Ich persönlich bin ein sehr politischer Mensch und für mich ist das Schreiben von queeren Figuren durchaus politisch. Sei es in Romance oder nicht. Es ist nunmal so, dass es lange Zeit nicht möglich war, das zu schreiben, weil es zensiert  wurde. Es ist noch nicht lange her, dass Menschen wegen ihrer Homosexualität eingesperrt wurden. In vielen Teilen der Welt werden sie das immer noch oder gar getötet. Das hat mich an historischer Gay Romance gereizt, diese Themen aufzuarbeiten und darüber zu schreiben. Weil es eben zu der Zeit damals nicht möglich war. Man kann sagen, dass man das nicht in Form von Romance machen sollte. Aber ich finde, warum denn nicht?

Ich weiß außerdem von vielen Autoren, dass sie selbst queer sind und das gerade der Grund ist, warum sie mit dem Genre angefangen haben. Weil sie sich selbst in dem was sie vom Mainstream bekommen haben nicht repräsentiert gefühlt haben und dann eben selbst Geschichten erzählen, die sie lesen wollen.
Ich würde auch bestreiten, dass Gay Romance eine Blase ist, in der nur Frauen für Frauen schreiben. Ich kenne einige Männer, die in dem Genre schreiben und lesen, auch wenn die Mehrheit Frauen sein mögen.
Mir persönlich ist es immer wichtig, die Männerfiguren authentisch zu gestalten und ich suche mir immer männliche Testleser. Und ich weiß von vielen Autorinnen, denen das genauso wichtig ist.
Andererseits finde ich einige Themen auch schwierig zu behandeln, eben als Frau. Es gibt schwule Literatur von schwulen Autoren, die von schwulen gelesen wird, um sich widerzufinden, eigene Erfahrung zu spiegeln, eigene Geschichte zu erzählen etc. Das ist ein Bereich, der größtenteils abgetrennt von Gay Romance ist. Es gibt eigene schwule Verlage, wobei die immer mehr pleite gehen. Genauso gibt es schwule Figuren auch in Bestsellern. Das schließt sich für mich alles nicht aus.

Übrigens einige sehr interessante Artikel zum Thema auf Englisch gibt es auf dieser Seite:
http://www.queerromancemonth.com/

edit: warum postet ihr alle gleichzeitig?  ;)

@Leann kann dir nur zustimmen.
@Aphelion  sorry, aber der Tiere im Zoo-Vergleich stimmt wirklich nicht. Die meisten Autoren in dem Genre, die ich kenn haben auch viel mit schwulen Männern zu tun und betrachten sie sicher nicht wie Tiere im Zoo, sondern als ganz normale Menschen. Menschen die sich genauso verlieben wie Hetero-Leute und genau deshalb schreiben sie darüber. Ja für mich ist es auch so, dass ein Aspekt ist, dass ich es interessant finde, weil ich es selbst nicht erleben kann. Da ich bi bin ist es die einzige Möglichkeit da etwas zu schreiben, wozu ich eine gewisse Distanz habe und ich glaube das ist bei vielen der Grund, damit anzufangen. Aber das heißt ja nicht, dass man sich nicht in die Männer hineinversezten könnte. Es geht ja darum, mit den Figuern mitzufühlen, dadurch würde ich mal sagen, fühlt man sich den Figuren nah, man sieht sie nicht als exostisch. Sicher nicht.

Offline Marta

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Re: Gay Romance: Trennung statt Diversität?
« Antwort #34 am: 14. August 2017, 21:21:20 »
@Franziska @Leann @Sprotte @Pandorah : Vielen Dank. Ihr drückt das alles so viel besser aus, als ich es je könnte. :)

@Aphelion : Danke für deine Antworten. :)
Vielleicht haben wir einfach unterschiedliche Philosophien, was das Schreiben betrifft. Zu deinem »Tiere-im-Zoo-anschauen«-Vergleich: Schreiben und Anschauen sind doch vollkommen verschiedene Dinge. Wenn ich schreibe, BIN ich meine Charaktere, egal, ob die Männer, Frauen, dick, dünn, alt, selbstbewusst, schüchtern oder was auch immer sind. Da ist keine Distanz. Da ist kein Glotzen oder gar auf jemanden herabsehen. Ich schlüpfe in eine andere Haut. Da ist »schwul« oder »Mann« bei weitem nicht der interessanteste Aspekt. Viel spannender finde ich, wie es sich anfühlt, extrovertiert oder optimistisch zu sein, zwei Charaktereigenschaften, die mir im echten Leben vollkommen fremd sind. Ich lerne etwas, indem ich mich in einen anderen hineinversetze. Und ja, ich recherchiere. Das macht den Prozess nämlich deutlich leichter. Selbst, wenn ich am Ende nicht die realistischsten Charaktere schreibe (Ich neige zur Übertreibung). Ich gebe mir immer Mühe, dass sie eben keinen Klischees entsprechen. Und natürlich werde ich es nie schaffen, mich zu hundert Prozent in einen schwulen Mann hineinzuversetzen. Aber ich weiß, wie es ist, ein Mensch zu sein, und damit kommt man schon relativ weit.

Wie @Franziska habe ich männliche Leser und Testleser. Und die meisten davon lieben meine Bücher. Das ist auch der Grund, warum ich in den angesprochenen Kritikpunkten inzwischen viel entspannter bin. Früher habe ich mir weit mehr Gedanken darum gemacht, ob ich mit meinen Büchern irgendetwas falsch oder gar schädlich darstelle. Aber nach 13 Gay-Romanzen, ohne, dass zumindest diese Kritik geäußert wurde, bin ich sehr viel ruhiger. "Langweilig" oder "zu albern" höre ich dagegen regelmäßig.

Zu den Mann-Frau-Klischees: Das ist mir aufgefallen, nachdem ich zwei Hetero-Romanzen und eine Gay-Romanze geschrieben habe. Es ist (für mich) so viel leichter, über zwei Männer (oder zwei Frauen) zu schreiben. Ich kann mich viel stärker auf die unterschiedlichen Charaktereigenschaften konzentrieren, wenn ich nicht von Geschlechterklischees abgelenkt werde.

Zitat
Das sind für mich zwei völlig verschiedene Fragen. Einerseits ist eigene sexuelle Präferenz im Gegensatz zu Schreibthemen nicht frei wählbar. Andererseits kann es für die Wahl der sexuellen Orientierung der Protagonisten noch andere Gründe geben, als die eigenen Vorlieben.
Meiner Meinung nach sind Schreibthemen nur theoretisch frei wählbar. Am Ende muss es, zumindest bei mir, dann doch das sein, für das ich brenne. Aber du hast natürlich recht, der Vergleich hinkt. Ich könnte statt Gay Romance auch eine Sci-Fi-Dystopie schreiben, wenn ich wollte. Habe ich sogar mal gemacht. Die Rohfassung hat ein Jahr gedauert, ich war kreuzunglücklich, ausgebrannt und hätte das Schreiben beinahe aufgegeben. Gegen die eigenen Vorlieben zu schreiben halte ich für ziemlich gefährlich, aber ja, machen kann man das. Eine Zeitlang zumindest.

Zitat
Ich finde so etwas okay, wenn es nicht um reine Effekthascherei geht. Wenn es (auch) darum, reale Konflikte abzubilden und dadurch evtl. (ganz beiläufig) zum Nachdenken anzuregen oder auf Probleme hinzuweisen, sehe ich darin kein Problem. (Dein Ansatz klingt eher nach Letzterem, so wie du es beschreibst.)
Nein, Effekthascherei würde ich es nicht nennen. :) Es kommt auch auf die Charaktere bzw. deren Umfeld an, wie stark das Thema überhaupt im Vordergrund steht. Der achtzehnjährige Fußballer hat da natürlich mehr Probleme als der Sechsundzwanzigjährige, der in der Großstadt lebt und seine Wahlfamilie längst um sich gesammelt hat. Ich merke auch, dass das Thema eine immer kleinere Rolle spielt, je mehr Bücher ich schreibe. Wobei ich es unrealistisch fände, wenn absolut niemand blöd reagiert. Einer ist leider immer dabei, wenn ich so an die Outings in meinem Umfeld denke. Aber wie viel Realismus sein darf/kann/sollte, ist für mich schwer zu beantworten. Ich bin ganz froh, dass es im Gay Romance-Bereich fast alles gibt.

Wie gesagt, ich kann dir keine zufriedenstellende Erklärung liefern, abgesehen davon, dass ich das Schreiben liebe und es mich glücklich macht. Und dass ich Erfolg damit habe, das natürlich auch.

Dass meine Bücher für mehr Diversität sorgen oder irgendetwas Wundertolles für schwule Männer bewirken, habe ich nie behauptet. Also außer für die paar schwulen Männer, die sich über ein neues Buch von mir freuen. Die haben dann halt ein paar Stunden Lesefutter. Die Einstellung begegnet mir in der Szene auch eher weniger. Kann natürlich sein, dass es das gibt, ich kenne ja auch nicht jeden. Und dass alle Bücher mit schwulen Protagonisten als »Gay Romance« bezeichnet werden, ist natürlich blöd. Das würde mich auch stören.

Ich glaube aber nicht, dass Gay Romance andere Genres davon abhält, diverser zu werden. Es ist doch eher ein Argument für mehr queere Protagonisten, wenn die irgendwo funktionieren. Romantik ist gar kein schlechter Ansatzpunkt, finde ich. Im Hetero-Bereich ist sie immerhin ein sehr mächtiges und finanziell erfolgreiches Genre, wenn nicht sogar das erfolgreichste überhaupt. Ich bin auch für diversere Fantasy, nur fürchte ich, dass die tatsächlich zurzeit nicht ohne Warnlabels auskommt. Ich habe einfach zu viele Negativ-Rezis zu Büchern gelesen, in denen nicht klar genug vermittelt wurde, dass der Prota schwul ist. »Nicht klar genug vermittelt« heißt oft, dass es im Klappentext stand. Anscheinend kaufen Menschen Bücher, ohne den zu lesen.

Übrigens habe ich letztens herausgefunden, dass eine der Größen der Lesbian Romance ein männlicher Autor ist. Der wird von Frauen wie Männern im Genre gelesen und respektiert. Eigentlich hat das nichts mit dem Thema zu tun. Ich finde es nur lustig, dass es für alles ein Spiegelbild gibt. :)

Offline Steffi

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Re: Gay Romance: Trennung statt Diversität?
« Antwort #35 am: 15. August 2017, 09:18:27 »
Mir ist bei vielen Antworten von Gay-Romance-Autorinnen bis jetzt aufgefallen, dass die Beschreibungen (wer schreibt was wie) im Vordergrund stehen, aber das Warum sehr vage bleibt -

Dann wage ich jetzt mal folgende Behauptung, auch wenn mich dafür einige hier vermutlich köpfen werden: Romance schreiben und lesen ist immer eine Form von Eskapismus, was ich völlig wertfrei meine. Als Autorin und Leserin möchte man sich in den Helden verlieben und ihn anschmachten - und bei Gay Romance hat man direkt zwei davon. Man bekommt also zwei Dinge zum Preis von einem  - eine romantische Liebesgeschichte und zwei heiße Kerle. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum das Genre hauptsächlich von Frauen für Frauen geschrieben wird - und warum es umgekehrt sehr wenig Romance über lesbische Pärchen gibt.

Ich finde das als Grund nicht verwerflich - aber ich denke man muss Romance eben auch als das sehen, was sie ist, und sich im Klaren darüber sein, warum man sie als Leser konsumiert (wie gesagt, ich lese das ja ab und zu auch), oder eben als Autorin schreibt.  :)

(Mir geht es übrigens in allen meinen Beiträgen ganz klar um Romance, nicht um alle Bücher mit schwulen Protagonisten oder Pärchen.)

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Online Leann

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Re: Gay Romance: Trennung statt Diversität?
« Antwort #36 am: 15. August 2017, 10:20:15 »
Ist nicht auch Fantasy schreiben und lesen immer eine Form von Eskapismus?

Klar geht es bei Romance um Schmachten, aber ich finde, nicht nur. Jedenfalls gilt das nicht für jeden Roman, in dem auch Liebe eine Rolle spielt. Ich schreibe absichtlich "auch", denn auch wenn viele einen Roman gleich angewidert von sich schleudern, nur weil Liebe darin ein Thema ist, und ihn als "Romanze" schmähen, so ist die Liebe darin oft eben genau das: ein Thema unter anderen. Ich finde es schade, dass gerade dieses Thema von so vielen so ungern oder gar nicht gelesen wird und sogar zur Abwertung von Romanen führt. Aber gut, ist halt so. Gibt ja auch einiges, was ich nicht so gerne lese. Ich persönlich finde Liebe in all ihren Facetten und Erscheinungsformen äußerst spannend und faszinierend und auch äußerst vielschichtig. Liebe muss nicht immer seichte Romanze bedeuten. Und nicht in jeder Romanze geht es ausschließlich ums Schmachten und Flirten und die Frage, "ob sich zwei kriegen".

Offline Franziska

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Re: Gay Romance: Trennung statt Diversität?
« Antwort #37 am: 15. August 2017, 10:57:25 »
Da kann ich Leann nur zustimmen. Klar gibt es "Groschenromane", aber nicht jede Romance ist seicht. Wie ich schon geschrieben habe, kann in Romance auch ernsthaft Themen behandelt werden. Es gibt eben beides. Genauso wie es Fantasy, SF, Krimis etc. in leichter und anspruchsvollerer Form gibt. Und ich finde beides in Ordnung. Nur bei letzteren Genre müssen sich die Leser oder Autoren nicht rechtfertign, es zu schreiben oder zu lesen. Wenn ich sage, dass ich Romance schreibe, kommt ganz oft der Kommentar, dass ich es wohl nur schreibe, weil es sich gut verkauft. Nein, ich schreibe es, weil ich es gerne schreibe. Aber als halbwegs intelligenter Mensch, muss ich das immer erklären. Weil Romance ist ja was für Hausfrauen oder so.  ::)
Ich will nicht abstreite, dass die meisten Leser es lesen, weil sie eine schöne Ablenkung vom Alltag wollen. Natürlich gehört das Schmachten auch dazu. Romance ist ein Genre mit festen Konventionen. Es gehört natürlich ein Happy End dazu. Und meistens ein bisschen Erotik. Die Figuren sollten möglichst nicht zwischendruch mit anderen als dem LI zusammen sein. Wenn es noch mehr gibt, würde mich das auch interessieren.
Nicht jede Liebesgeschichte ist daher Romance. Aber wie gesagt, Romance kann eben auch mal ernstere Themen behandeln. Und die sind gar nicht so unbeliebt.
Ich persönlich lese meistens auch lieber solche Art Romance als die seichte.

Meine Lieblingsautoren im Genre sind KJ Charles, ihre Magpie-Serie finde ich richtig gut. Historische Urban Fantasy mit richtigen Plots und tollen Figuren. Ebenso "Think of England", historisches Setting mit Spionen etc. Oder Heidi Cullinans "Carry the ocean", darin geht es um einen Jungen mit Autismus und einen mit schweren Depressionen, die sich verlieben. Die erfolgreichste Autorin in Deuschland ist wohl Chris P. Rolls und sie schreibt auch mal über "schwierige Themen". Oder das erwähnte "Das Monster des Prinzen", habs nicht gelesen, aber es geht darum, dass sich ein Mobbingopfer in seinen früheren Mobber verliebt.
In meinem eigenen letzten Buch ging es vor allem darum,  dass die eine Figur Selbstbewusstsein entwickelt. Ich verarbeite oft Themen, die mich selbst beschäftigen in abstrakter Weise in meinen Texten.       
Genauso schreibe ich auch lustigere leichtere Texte gerne als Ablenkung  zwischen schwierigeren Texten.

Offline Steffi

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Re: Gay Romance: Trennung statt Diversität?
« Antwort #38 am: 15. August 2017, 12:03:28 »
Ich weiß nicht, warum du mirunterstellen willst, ich würde auf das Romance-Genre hinabsehen. Ich beschäftige mich tatsächlich ziemlich ausführlich mit dem Genre, weil es mich fasziniert und interessiert, und ich habe hier mehrmals erwähnt, dass ich großen Respekt vor gut gemachter Romance habe (unabhängig von der Sexualität der Protagonisten). Das ändert aber nichts daran, dass ich mich zu bestimmten Punkten kritisch äußern kann, zumal ich ebenfalls mehrmals betont habe, dass ich "Eskapismus" nicht wertend meine.

Echte Romance folgt nun mal bestimmten Regeln und bedient bestimmte Lesersehnsüchte und -wünsche. "Ich lese lieber eine Liebesgeschichte mit zwei Männern, weil ich dann zwei Helden habe, in die ich mich als Leser verlieben kann" ist für mich ein durchaus legitimer Grund, an dem so nichts Verwerfliches ist. Das Wertende liest du in meine Aussagen rein.



EDIT: Entschuldige Leann, ich glaube, ich hatte deinen Post falsch verstanden, und löschen kann ich die Antwort nicht.

Wobei ich dabei bleibe, dass ich den größten Respekt für Romance habe - echte Romance, nicht Bücher mit Liebesgeschichten. Und dass Fantasy kein Eskapismus ist, hab ich nie behauptet ;) Fakt bleibt aber, dass bei Romance gewisse (und recht eng gesteckte) Sehnsüchte und Wünsche bedient werden, dafür ist das Genre schließlich da.
Sic parvis magna


Online Leann

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Re: Gay Romance: Trennung statt Diversität?
« Antwort #39 am: 15. August 2017, 12:30:27 »
Das Durchgestrichene hab ich jetzt aber doch gelesen und bin froh, dass du meinen Post nicht so verstanden hast, dass ich dir da was unterstelle. Das finde ich in meinem Post nämlich überhaupt nicht und deinen habe ich auch gar nicht wertend aufgefasst. Ich finde ja auch rein gar nichts Verwerfliches daran, wenn man gerne zwei Männer anschmachtet. Und ich weiß, dass du nicht auf das Romance Genre hinabsiehst. Auch wenn jemand nichts von Romanzen lesen will, unterstelle ich demjenigen nicht, dass er auf das Genre hinabsieht, das ist nun mal eine Geschmacksfrage (ist nicht auf dich bezogen).

Und mit der Frage zu Anfang wollte ich nur wertfrei verdeutlichen, dass auch andere Genres Eskapismus sein können.

Wobei ich aber bleibe: Auch "echte" Romance, und ich verstehe unter echter Romance eben nicht nur Romane, in denen es ausschließlich darauf ankommt, dass sich ein Paar findet, kann mehr, als Sehnsüchte bedienen. Ob die Leser das wollen oder annehmen oder ob es ihnen überhaupt auffällt, ist eine andere Sache. Warum sollte das so eingeschränkt sein? Ist Romance "falsch", wenn da mehr dahintersteckt? Wünsche und Sehnsüchte kann sie ja trotzdem bedienen.

Offline Franziska

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Re: Gay Romance: Trennung statt Diversität?
« Antwort #40 am: 15. August 2017, 12:38:11 »
Ja, da stimme ich Leann zu. Ich hatte es zuerst etwas so gelesen, als wenn Romance immer nur seicht wäre. Das stimmt eben nicht. Aber wenn du das nicht meintest, hab ich es falsch verstanden. Es ist wohl etwas, wo ich empfindlich reagiere, weil man es eben sehr oft hört.

Offline Steffi

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Re: Gay Romance: Trennung statt Diversität?
« Antwort #41 am: 15. August 2017, 13:39:58 »
@Leann  :knuddel:

Natürlich kann Romance mehr. Sie ist zum Beispiel ein ziemlich feministisches Genre, weil - zumindest bei Het Romance - die Wünsche und Nöte der Protagonistin ganz klar im Vordergrund stehen, und sich die Bücher an Leserinnen richten. In guter Romance sind zwar auch die Helden voll ausgebildete Figuren mit eigenen Sorgen und Dämonen, aber letztendlich dienen sie dazu, die Heldin glücklich zu machen. Natürlich gibt es das auch in anderen Genres, aber bei Het Romance gehört das ganz klar mit zum Aufhänger.
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Offline Koriko

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Re: Gay Romance: Trennung statt Diversität?
« Antwort #42 am: 15. August 2017, 16:30:50 »
Eine durchaus spannende Diskussion, die ich persönlich schon sehr oft geführt habe und noch öfter innerhalb von Interviews beantwortet habe. Ich muss erstmal ganz dick bei Maja unterschreiben, denn das, was sie geschrieben hat, kann ich nur 100%ig so bestätigen. Sie hat mir wahrlich aus der Seele gesprochen. Auch ich finde, dass wir mehr "normale" Geschichten mit queeren Figuren brauchen, gerade bei Groß-Verlagen. Hier kommt dann schon die Krux an der Sache: Im Grunde gibt es bereits eine Menge Geschichten mit queeren Figuren. Es gibt großartige Krimis mit schwulen Ermittlern, die eine Menge Preise eingeheimst habe, es gibt lesbische Polizistinnen, die für Recht und Ordnung kämpfen und inzwischen auch tolle transgender Romane (gerade der Fischer Verlag hat sich auf Kinder-/Jugendbücher und Sachbücher zu diesem Thema spezialisiert). Im Kinder- und Jugendbuch Segment erleben queere Figuren gerade einen Aufschwung, wenngleich es da natürlich eher um Alltagsthemen und die üblcihe Konfliktbewältigung geht. Dennoch finde ich es schön, dass es große Verlage mehr Mut haben und mehr in dieser Richtung veröffentlichen - auch von deutschen Autoren (siehe Laura Kuhn, die den Tolino-Wettbewerb gewonnen hat, Anne Freytag und Antje Wagner). Letztere veröffentlicht sowieso tolle Jugendbücher (Krimi/Thriller), die in keine Schublade passen und in denen queere Figuren stets vollkommen natürlich eingebaut werden.
Der Markt für Erwachsene schwächelt ein wenig, aber es gibt auch den schwulen Krieger in "Glühender Stahl" und der Fortsetzung, die lesbische Heldin in der "Rabenschatten"-Trilogie, erschienen im Klett Cotta Verlag und die absolut geniale, vollkommen unvoreingenommene Reihe "Die Flüsse von London", wo überall queere Figuren (schwule Cops, lesbische Göttinen, transgender Magier) rumhüpfen und für die Handlung enorm wichtig sind.

Es gibt sie - diese Bücher, sie sind halt nur schwer zu finden und gehen in der schieren Masse einfach unter. Man braucht Zeit und Geduld, um sie zu finden, doch im Grunde gibt es durchaus auch bei Großverlagen Romane, in denen queere Charaktere sind. Und in den mittelständigen Verlagen (Querverlag, Albino, etc.) findet man viele Romane für Erwachsene, gerade im Krimi-Genre - ist zwar wieder eher ein Nischenverlag, aber sie haben ein breites Programm.

Das Problem ist halt, dass Gay Romance im Social Media Bereich soviel lauter, bunter und offensiver ist. Die Autoren und Autorinnen sind einfach präsenter und aktiver, machen forscher auf sich aufmerksam und werden natürlich auch innerhalb eines Fankreises gehypt, was für eine entsprechende Bekanntheit sorgt. Daran ist nichts verkehrt, es sorgt nur dafür, dass viele Bücher hinten runterfallen, die im Grunde nur bedingt viel mit dem 08/15-GR zu tun haben und mehr bieten, als Liebe, Drama, Sex - zumindest erscheint es auf den ersten Blick so. Dabei muss man einfach nur ein wenig die Augen offen halten, denn innerhalb der GR Szene verstecken sich etliche Perlen, die man schnell übersieht. Es wäre einfach falsch zu sagen, dass GR nur aus einer Liebesgeschichte zwischen zwei Männern besteht. Wie Leann schon gesagt hat, ist das Genre sehr vielseitig und bietet für jeden was - auch für diejenigen, die nicht nur Wert auf Matratzensport legen. Man muss halt nur ein wenig Zeit investieren und die offensichtlichen, gehypten Titel hinter sich lassen, um auf Romane zu stoßen, die gänzlich andere Töne anschlagen und auch Themen ansprechen, die für die Community nicht uninteressant sind.

Eine Sache noch zum Thema, dass die Autorinnen zumeist die kitschigsten und unrealistischsten GR-Bücher schreiben. Die Verlegerin von Cursed hat mir mal den Autor der "Liebe"-Reihe beschrieben, einer extrem kitschigen, dramatischen und zuckersüßen Reihe, deren Bücher zumeist nach dem üblichen Schema ablaufen: Es handelt sich um einen Motorradrocker, dick, bärtig, aber sehr schüchtern. Sein Ehemann sieht genauso aus - sprich genau das Gegenteil von dem, was man sich hinter einem GR-Autor vorstellt. Er steht auf Romantik und Kitsch und verabscheut harte oder dramatische Bücher ...
Und ich kenne auch Schwule, die mich mal gefragt haben, wie GR Autorinnen das machen und die Gefühlswelten und Sexszenen so realistisch beschreiben können (er ist ein Riesenfan von Chris P. Rolls und Bianca Nias).
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Offline Sascha

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Re: Gay Romance: Trennung statt Diversität?
« Antwort #43 am: 15. August 2017, 16:38:32 »
… und die absolut geniale, vollkommen unvoreingenommene Reihe "Die Flüsse von London", wo überall queere Figuren (schwule Cops, lesbische Göttinen, transgender Magier) rumhüpfen und für die Handlung enorm wichtig sind.
Und der Witz ist: Das ist tatsächlich so normal mit eingebaut, daß es einem nicht mal auffällt. Ich mußte jetzt echt eine Weile überlegen, bis mir ein oder zwei der Figuren einfielen.
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Offline Franziska

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Re: Gay Romance: Trennung statt Diversität?
« Antwort #44 am: 15. August 2017, 16:46:49 »
@Koriko: das kann ich auch nur besätigen. Ich finde die Bücher von Männern im Genre teilweise kitischiger. Schon lustig. Und auch zum Thema queere Figuern in anderen Genre. Da gibt es doch echt viel. Klar kann es immer noch mehr geben. Aber wenn man sich dafür interessiert, dann findet man auch die entsprechenden Bücher. Ich habe hier schon etliche Male Listen zum Thema verlinkt. Da kann man wirlich nicht behaupten, dass das schwer zu finden ist. Man muss nur eben danach suchen.

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