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Die 7-Punkte-Plotmethode (kombiniert mit 3-Akt-Struktur)

Begonnen von Fianna, 09. Dezember 2015, 18:57:50

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Tigermöhre

Ich habe gerade die 7-Punkte-Methode bei meinem aktuellen Projekt ausprobiert. Ich fand es ganz angenehm, auch wenn ich mich jetzt nicht an die Reihenfolge gehalten habe.
Ich habe für jeden Punkt in Papyrus ein Kapitel erstellt, und dann dort in den Notizen aufgeschrieben, was dann passiert. Und weil es gerade so schön war, habe ich es für den Anta auch gleich gemacht.
Ich habe da also jetzt 14 Kapitel stehen. Wahrscheinlich werde ich sie nicht alle nutzen, aber so habe ich meinen Plan immer direkt beim Text.

Vic

In gewisser Weise ist doch jeder Plot eine Heldenreise - auch ein Riddleplot?
Ich nehme an, dein Held muss dabei ein Rätsel lösen/einen Mord aufklären?
Also auch "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen ist eine Heldenreise und lässt sich nach den Punkten aufdröseln. =) Du hast nur andere Tropes die benutzt werden.

Trippelschritt

 :rofl:
Das ist gut. Mit dieser Erklärung (dass jeder Plot eine Heldenreise ist) hast du die Heldenreise als eigenen Masterplot gekonnt abgeschafft. Ich möchte noch nicht einmal widersprechen, denn ich kann mit der Heldenreise arbeitstechnisch auch nichts anfangen, denn wenn der Held keine Rätsel löst, dann bearbeitet er doch Aufgaben. Und Geschichten, in denen der Held vom Schicksal herumgeschubst wird und er nun mehr oder weniger reagiert, findet keine Leser. Für mich überraschend hat R. Robias die Heldenreise unter seinen zwanzig Masterplots erst gar nicht aufgelistet.

Ich befürchte nur, so simpel ist es nicht. Wer immer auch den Begriff Heldenreise geprägt hat, hat das bestimmt getan, um auf eine Besonderheit hinzuweisen oder einen Schwerpunkt, der nicht in allen Plots zu finden ist. Zeit für eine Neudefinition? Und die Überlegung, was das mit dem 7-Punkte-Ansatz zu tun hat?

Liebe Grüße
Trippelschritt

Vic

#33
Zitat von: Trippelschritt am 08. Juni 2016, 11:59:21
:rofl:
Das ist gut. Mit dieser Erklärung (dass jeder Plot eine Heldenreise ist) hast du die Heldenreise als eigenen Masterplot gekonnt abgeschafft.

Ich will jetzt gar nicht polemisch sein, aber der Grundplot der Heldenreise ist doch: Held stellt sich zuerst widerwillig und dann - durch einen äußeren Auslöser angetrieben - sehr motiviert einem Konflikt (in Form von Antagonisten oder inneren Konflikten oder einem widerspenstigen Love interest oder einem Mord der aufgeklärt werden muss oder was auch immer) und wächst daran, beziehungsweise verändert sich. Am Ende löst er den Konflikt (oder geht daran zugrunde). Das ist ja die ganze Basis.
Und ich denke das trifft schon irgendwie auf fast jede Geschichte zu, oder? ;)
Und die sogenannte "Reise" muss ja keine wörtliche Reise sein, sondern kann auch eine emotionale Reise sein - jedes Buch wo es ums "Erwachsen werden" geht, ist definitiv eine Heldenreise.

Bei einem Rätselplot kann ich mir vorstellen, dass der Leser die offensichtliche Reise gar nicht mitbekommt oder erst ganz am Ende (weil er ja lange im Dunkeln tappen soll, was passiert) - aber dennoch passiert dieses Schema ja im Hintergrund.

Trippelschritt

Brauchst auch nicht polemisch zu werden. :-) Ich habe Dir ja Recht gegeben. Deine Logik ist für mich absolut sauber. Wenn ich ihr folge, sind die Begriffe Heldenreise und Plot bedeutungsgleich. Zumindest innerhalb der Genreliteratur. Bleibt nur die Frage, warum fand es jemand nötig, den Begriff Heldenreise einzuführen, wenn es Plot schon gab? Oder sollte Plot nach Heldenreise gekommen sein?

Solltest Du Spott wittern, dann liegst Du richtig. Aber der ist ganz bestmmt nicht gegen Dich und auch nicht gegen irgendeine andere Person gerichtet. Aber ich finde das zum  :rofl:

Liebe Grüße
Trippelschritt

Vic

Zitat von: Trippelschritt am 08. Juni 2016, 13:55:58
Bleibt nur die Frage, warum fand es jemand nötig, den Begriff Heldenreise einzuführen, wenn es Plot schon gab? Oder sollte Plot nach Heldenreise gekommen sein?

Plot heißt ja nur Handlung. Eine Heldenreise sagt die welcher Struktur die Handlung folgt. ;)

Und ja, es gibt sicherlich irgendwelche Artsy Filme, die keiner Handlung haben oder vollkommen surreal und dadaistisch sind und den klassischen Stadien der Heldenreise nicht folgen. Oder reine Psychogramme sind, wo es nur um das Darstellen eines"Ist-Zustandes" geht und die keine Veränderung haben.
Aber in der Regel folgt die Handlung eben den verschiedenen Schritten der Heldenreise - sicher mal mehr und mal weniger deutlich.
Ich bin nur verwundert, weil ich dachte dass das allgemein bekannt sei...

Cailyn

#36
Die Heldenreise wurde nicht erfunden. Es ist der Konsens eines Mythenforschers, der beobachtet hat, dass fast alle grossen Geschichten einem bestimmten Muster folgen, das die breite Masse in ihren Bann zieht.

Fianna

Zitat von: Vic am 08. Juni 2016, 13:45:34
Ich will jetzt gar nicht polemisch sein, aber der Grundplot der Heldenreise ist doch: Held stellt sich zuerst widerwillig und dann - durch einen äußeren Auslöser angetrieben - sehr motiviert einem Konflikt (in Form von Antagonisten oder inneren Konflikten oder einem widerspenstigen Love interest oder einem Mord der aufgeklärt werden muss oder was auch immer) und wächst daran, beziehungsweise verändert sich. Am Ende löst er den Konflikt (oder geht daran zugrunde). Das ist ja die ganze Basis.
Das ist nicht die ganze Basis, das ist der ganze Plot. Bei der Heldenreise steht die Veränderung und Entwicklung des Helden vom starken zum Schwachen im Mittelpunkt. Der Konflikt mit dem Bösen, und auch jedes auftretende Hindernis, dienen nur dazu, die charakterliche Entwicklung / Veränderung des Helden voranzutreiben.

Bei anderen Master-Plots stehen andere Dinge im Mittelpunkt. Auch wenn der Held dabei eine Entwicklung durchmacht, ist es nicht automatisch eine Heldenreise.

Aber diese Diskussion um Masterplots führt ein bisschen vom eigentlichen Thema weg.

Fianna

Es git da jetzt übrigens eine Plotgruppe dazu. Wer in seinen und anderen Projekten die 7 Punkte suchen will, einfach PN an Fianna.

Lothen

Huhu ihr Lieben,

ich poliere gerade ein älteres Projekt auf und hab mich auch daran gemacht, den Plot etwas aufzudröseln, weil ich das Gefühl hatte, dass es an einigen Stellen noch hakt.

Prinzipiell funktionieren die 7 Punkte hier sehr gut, aber sie sind nicht gleich verteilt, d.h. ich habe bis zum Midpoint wesentlich mehr Inhalt als danach. Hook, Pinch 1 und Plotturn 1 umfassen jeweils ca. 4 Kapitel, Pinch 2 nur noch 3 Kapitel und die Resolution nur ein einziges.

Seht ihr darin ein grundlegendes Problem? Und würdet ihr eher versuchen, den ersten Teil zu straffen, oder den zweiten Teil auszubauen?

LG Lothen

HauntingWitch

Hallo Lothen

Meine Plots funktionieren immer nach der 7-Punkte-Struktur und ich halte mich selten genau an die Aufteilung. ;) Ich sehe die Methode wie jede Regel oder Hilfestellung: Als Hilfe. Wichtig ist, denke ich, dass die Punkte der Beschreibung entsprechen und dass das übrige Pacing des Romans stimmt. Wenn du natürlich 250 Seiten Vorgeschichte hast und auf den letzten 50 Seiten auf einmal Showdown und dann noch 100 Seiten Ausklang, geht das natürlich nicht, aber ich glaube, das weisst du schon. ;) Das spürt man ja auch ein bisschen. Wenn die Geschichte aufgeht und spannend ist, ist es gut.

Elona

Da stimme ich Witch vollkommen zu.  :)

Aber wenn du mal mit jemanden drüber sprechen möchtest, kannst du mir gerne eine PN schicken.

Tanrien

Zitat von: Lothen am 01. Dezember 2016, 10:11:10
Seht ihr darin ein grundlegendes Problem? Und würdet ihr eher versuchen, den ersten Teil zu straffen, oder den zweiten Teil auszubauen?
Ich sehe das Problem nicht darin, dass jetzt der Midpoint so weit hinten ist, sondern eher, dass dein(e) Hauptcharakter(e) erst so spät selbst aktiv werden. Es gibt sicher viele, viele Bücher, wo auch passive Hauptcharaktere okay sind, aber für diese klassische bisschen-Adventure bisschen-Genre Geschichte, für die die 7-Punkte-Methode wohl am ehesten gedacht ist, sollten die Charaktere schlicht nicht so lange passiv sein, ohne, dass sich der/die Leser/in langweilt und sich fragt, warum dieser Charakter jetzt Hauptcharakter ist.

Straffen hilft jedem Roman, aber was mir in solchen Fällen hilft, wenn ich merke, dass bei meinem Haupthandlungsstrang mehr vor als hinter dem Midpoint ist, ich aber nicht meine ganze Handlung umschmeißen will, ist, das umzudefinieren. Du selbst bestimmst ja, welche Szene es ist, in der man den Shift, die Bewegung deines Hauptcharakters von passiv auf aktiv, merkt. Ich kenne das so, dass ich ganz oft mehrere Punkte habe, die darauf zutreffen könnten, aber erst das festlegen und dass ich die Szene auch als Midpoint behandle, machen sie dann dazu. Layerst du mehrere Plotstränge übereinander? Dann könntest du auch da mit den Midpoints spielen, die müssen ja nicht alle zusammenlaufen.

In deinem Fall allerdings... Du sagst nicht, wie lang Plotturn 2 ist, aber es klingt noch halbwegs ausgeglichen zwischen den drei und vier Kapiteln? (Aber wie kriegst du 4 ganze Kapitel für den Hook zusammen?)


Lothen

@Witch : Ich würde dir da auch vollkommen zustimmen, allerdings hab ich gerade tatsächlich das Gefühl, dass vom Pacing her etwas nicht stimmt. Ich kann nur noch nicht den Finger drauflegen. Jetzt wollte ich mal überprüfen, ob es vielleicht an der Asymmetrie im Plot liegt.

@Tanrien : Hm, berechtigter Einwand. Ich sehe die Protagonisten nicht unbedingt als passiv, es ist eher ein Flucht-Szenario. Die erste Hälfte türmen sie, die zweite Hälfte gehen sie dann selbst gegen die Angreifer vor. Zudem verändert sich die Beziehung der Protas am Midpoint, die entwickelt sich aber auch schon vorher, das ist kein "Klick" in dem Sinne. Es ist eher ein schleichender Prozess. Aber ich achte mal darauf.

Plotturn 2 ist sehr kurz, der hat nur 2 Kapitel. Das ist quasi die Entscheidungsschlacht, in der sich der Konflikt (mit Unterstützung des Protas) auflöst. Das lässt sich schwer in die Länge ziehen, ohne langatmig zu werden, fürchte ich.

Zitat(Aber wie kriegst du 4 ganze Kapitel für den Hook zusammen?)
Ich hab mich entschieden, die Vorgeschichte, die ich eigentlich nur rückwirkend erzählen wollte, in den Roman aufzunehmen. Sonst wäre der viel kürzer geworden. Ob ich das so lasse, werden wohl die Betas entscheiden müssen, aber es gefällt mir leider sehr gut. Also eigentlich könnte man den Hook noch in einen Pre-Hook und einen Hook unterteilen oder so. ;D

Elona

Vielleicht wirkt es auch nur so auf dich, weil du eben die Vorgeschichte mit aufgenommen hast. Ich persönlich bin der Meinung, dass die Punkte (je nachdem) auch nahe beieinander liegen können. Und dunkel meine ich mich auch daran zu erinnern, dass Dan Wells ganz am Ende seines Beitrags auch danach gefragt wird und er auch ein Beispiel nennt, bei welchem das gegen Ende auch so ist. Hat in diesem ja auch funktioniert.

Für mich klingt es so erst einmal stimmig. Und die ganzen 4 Kapitel am Anfang würde ich ebenfalls nicht als ein Hook ansehen.