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Autor Thema: Der berühmte erste Satz  (Gelesen 3640 mal)

Offline Araluen

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #45 am: 19. Juli 2017, 23:25:17 »
Ich habe mir gerade "Das Labyrinth der Lichter" von Carlos Ruiz Zafón gegriffen und mir den ersten Satz angesehen:
Zitat
In jener Nacht träumte ich, ich kehrte in den Friedhof der Vergessenen Bücher zurück.
Warum ich diesen Satz toll finde? Er ist für mich ein Versprechen und ein Wink heim an den warmen Kamin an einem gemütlichen Abend. "Das Labyrinth der Lichter" ist der vierte Band und Abschluss einer wunderbaren Buchreihe, auf die der Leser auch lange warten durfte. Daher wirkt dieser Einstieg auf mich umso stärker.

Offline Sascha

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #46 am: 20. Juli 2017, 08:31:15 »
Zitat
»Asterix ist der doofste Doofkopf überhaupt!«

Also ich find jetzt absolut toll! Würde ich sofort große Augen bekommen und mich freuen, verspricht gute Unterhaltung. Ganz nach meinem Geschmack. Allerdings würde ich keinen Fantasy-Krimi erwarten dabei.
Und letzteres ist der Punkt. Da streiten sich zwei Kinder von 6 und 8 Jahren. Dieser Streit führt zu einem Unfall und dieser wiederum zu besagter "Gottes-Erfahrung", die allerdings dann auch anders daherkommt, als man bei dem Begriff meinen könnte. Aber wenn man mit dem Streit der Kinder um Asterix einsteigt, erwartet man eben keinen Fantasy-Krimi. Oder umgekehrt, wenn man mit der Erwartung "Fantasy-Krimi" ins erste Kapitel reinschaut und das so anfängt, könnte sehr gut ein "Was soll das denn?" die Folge sein. Und zwar ein verständnisloses, kein neugieriges.
Ich hoffe, dieser eine Satz davor macht neugierig genug und gibt dem Leser auch gleich einen Tip, warum hier so ein kindischer Streit geschildert wird und daß dieser durchaus seinen Sinn hat.
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Offline Gwendi

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #47 am: 23. September 2017, 13:34:46 »
Ich lege normalerweise beim Lesen keinen zu großen Wert auf erste Sätze oder Absätze. Jedoch gibt es einen ersten Satz der mir seit Jahren nicht mehr aus dem Kopf geht und den ich einfach fantastisch großartig finde:

Zitat
Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.

Stephen King - Schwarz (Der Dunkle Turm)

Dieser erste Satz umreißt die Handlung, macht neugierig und wirft viele Fragen auf.

Ich finde es ist kein Muss, aber erste Sätze können viel wenn man sie nur lässt.

Offline Désirée

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #48 am: 29. September 2017, 00:35:14 »
Ich habe erst angefangen, auf den ersten Satz zu achten, als mir die Wichtigkeit in den zahlreichen Schreibratgebern begegnet ist. 

Habe daher mal einige der Bücher aus dem Regal gefischt, die mich auf ihre Art begleitet / begeistert haben und meine Erinnerungen an Inhalt und Atmosphäre mit dem ersten Satz abgeglichen :) Am Einstieg kann man schon erahnen, wie Autoren ihr Buch sehen, finde ich, wenn sie dann versuchen, das wesentliche Gefühl bzw. die wesentliche Frage/Stimmung in den ersten Satz zu packen.

Zitat
Heute, am fünften November, beginne ich mit meinem Bericht. Ich werde alles so genau aufschreiben, wie es mir möglich ist.
Maren Haushofer - Die Wand
Das Buch und vor allem die Stimmung darin haben mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt. Es geht um Grenzen in vierlei Hinsicht und die Protagonistin gibt ihr Bestes, um zu berichten, was für unerklärliche Dinge (mit) ihr geschehen. Aus den ersten beiden Sätzen deuten sich schon die Verzweiflung und Fassungslosigkeit an.

Zitat
Die Tage waren damals länger, in jenem längst vergangenen Sommer an der See, und die Luft war milder und das Sonnenlicht goldener, dass sich flimmernd und flirrend auf einem blauen Meer brach.
Walter Satterthwait - Miss Lizzie
Neben der Geschichte ist mir bei diesem Buch vor allem die melancholische Atmosphäre im Gedächtnis geblieben. Wer kennt ihn nicht, den einen, besonderen Sommer(urlaub) in der Kindheit, an den man sich immer erinnern wird?

Zitat
Es hat etwas seltsam Beruhigendes zu wissen, dass ich in Kürze sterben werde.
Sebastian Niedlich - Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens
Erster Satz Prolog. Erster Satz 1. Kapitel: "Ich traf den Tod das erste Mal, als ich sieben Jahre alt war."
Beides funktioniert für mich, sofort bin ich in der Geschichte und möchte wissen, wie die Situation zu verstehen ist. Die Verbindung zum Tod macht es natürlich direkt brisant.

Offline Fledermaus

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #49 am: 29. September 2017, 21:42:49 »
Zitat
Heute, am fünften November, beginne ich mit meinem Bericht. Ich werde alles so genau aufschreiben, wie es mir möglich ist.
Maren Haushofer - Die Wand
Das Buch und vor allem die Stimmung darin haben mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt. Es geht um Grenzen in vierlei Hinsicht und die Protagonistin gibt ihr Bestes, um zu berichten, was für unerklärliche Dinge (mit) ihr geschehen. Aus den ersten beiden Sätzen deuten sich schon die Verzweiflung und Fassungslosigkeit an.
Oh, da möchte ich mich gerne voll und ganz anschließen! Auch, wenn die ersten beiden Sätze ja an sich recht "harmlos" klingen, ist doch im Subtext eine Art Resignation oder Verzweiflung zu "hören", die einen sofort ins Buch hineinzieht. "Die Wand" ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher, alleine beim Gedanken daran kriege ich Gänsehaut.
Die anderen beiden Bücher, die du zitiert hast, kenne ich nicht. Aber die ersten Sätze ziehen mich auch sofort an, ich habe mir beide gleich mal gespeichert.

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