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Autor Thema: Der berühmte erste Satz  (Gelesen 3663 mal)

Offline Trippelschritt

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Der berühmte erste Satz
« am: 03. Oktober 2015, 09:31:53 »
Nachdem wir einen Fingerübung-Thread für Romananfänge haben, in dem sich jeder austoben kann, möchte gern eine Sammlung erster Sätze anlegen, die uns als Leser beeindruckt haben. Das schließt Kurzgeschichten mit ein. Und wenn wir außerdem noch die entsprechenden Meinungen dazu sammeln, warum dieser erste Satz uns denn so grandios erscheint, können wir auch noch eine ganze Menge lernen. Übers Schreiben, aber auch über uns selbst.
Der erste Satz ist in Kurzgeschichten wichtiger als in Romanen, aber seine Funktion ist in beiden gleich. Er soll den Leser so sehr in den Text hineinziehen, dass er auch noch den zweiten und dritten Satz liest und am besten dann den ganzen Absatz. Der erste Absatz soll dann so geschrieben sein, dass er einlädt, das erste Kapitel zu lesen u.s.w. Aber der erste Absatz ist ein anderes Thema.

Erlaubt sind auch zwei Sätze, wenn der erste extrem kurz ist. Beispiel: "Ah, Billy." Das ... Ein Satz aus zwei oder drei Worten ist selten mehr als ein Räuspern zum Warmreden.

Hier sind meine beiden ersten Beispiele aus dem Fantasy-Bereich

Dawn of a cold hard day. A low flat millstone of a sky remorslessly grinding out the thin, grey flour of a winter's daybreak
against the rocky coast of Brittany
aus Richard Cowper: A dream of kinship 1981

Es tut mir leid, dass ich mit einem englischen Text beginne. Ich habe ihn nicht auf deutsch und ich traue mich auch nicht, ihn zu übersetzen, weil ich einiges daraus nicht packen kann. Mich hat das Bild des arbeitenden Mühlsteins fasziniert und der Vergleich des Himmels mit grauem frisch gemahlenem Mehl. Die vielen Adjektive sind alle einsilbig und geben dem Satz überdies einen ganz besonderen Klang.



The island of Gont, a single mountain that lifts its peak a mile above the storm-recked Northeast Sea, is a land famous for wizards.
aus Ursula LeGuin: A Wizard of Earthsea 1968

Vor allem diesen Anfang bewundere ich sehr, weil er so unspektakulär einherkommt. Erst ein klares Bild in wenigen Worten. Und am Ende des Satzes "famous for wizards". Damit ist alles gesagt, und der Leser weiß, worum es geht. Die Besonderheit von Gont im Vergleich zu dem Rest der Welt und um Zauberei oder Magie. Das ist einfach ganz große Klasse! "... is a land full of wizzards" oder 2crowded with wizzards" wäre von der aussage her auchgegangen. Aber mit "famous" wird gleichzeitig angedeutet, dass man darüber redet, davon erzählt und tatsächlich geht es in eienr art Erzählstimme weiter in einen einseitigen grandiosen Anfang. Und ich war eingefangen.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Offline Dämmerungshexe

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #1 am: 03. Oktober 2015, 10:27:44 »
Ich weiß ja nicht, ob dieser Thread sich rein auf das Genre Fantasy bezieht - ein erster Satz, der mir immer im Gedächtnis bleiben wird ist:

"Call me Ishmael."
(aus: Moby Dick, von Herman Mellville)


Ich habe mich immer gefragt, ob er nicht doch einen anderen Namen hat, und ob das, was er erzählt, wirklich ihm passiert ist ... usw.
Und ja - der Satz dürfte einer der bekanntesten "Ersten Sätze" der Weltliteratur sein. Und er kann die Leute wirklich fürs Lesen begeistern: Als mein Bruder und ich zusammen "Die Liga der außergewöhnlichen Gentleman" angeschaut haben und Nemos Maat sich vorstellte, habe ich gelacht und mein Bruder hat gefragt, was daran denn lustig sei. Ich habe ihm "Moby Dick" gegeben. Danach hat er sich "Das Bildnis des Dorian Grey" geholt, und andere Klassiker.
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SvenNeitsch

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #2 am: 03. Oktober 2015, 10:47:55 »
Vielleicht nicht Welt berühmt und perfekt, aber der erste Satz aus dem Hobbit geht mir nicht aus dem Kopf und ist mir sympathisch, liegt vielleicht daran das ich allgemein ein Fan von der ganzen Schose bin  :rofl: :versteck:

“In einem Loch im Boden, da lebte ein Hobbit. Nicht in einem feuchten, schmutzigen Loch, wo es nach Moder riecht und Wurmzipfel von den Wänden herabhängen, und auch nicht in einer trockenen, kahlen Sandgrube ohne Tische und Stühle, wo man sich zum Essen hinsetzen könnte: nein, das Loch war eine Hobbithöhle, und das heißt, es war sehr komfortabel.”

Der Hobbit
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Offline Ratzefatz

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #3 am: 03. Oktober 2015, 10:56:21 »
Ein sehr berühmter erster Satz (wobei ich zugeben muss, das Buch selbst nicht gelesen zu haben):

"Im Sommer 1963 verliebte ich mich, und mein Vater ertrank."
(Charles Simmons, Salzwasser, engl. 1989, dt. 1999)

LG
Ratzefatz
„Dein Name ist Venko“, raunte Zoya in sein Ohr. „Venko, Venko, Venko.“ Sie gab ihm für jedes „Venko“ einen Kuss und ermahnte ihren Mann: „Vergiss deinen Namen nicht!“
„Wie könnte ich ihn vergessen, meine Zoya“, raunte er zurück, „wenn ihn vergessen auch dich vergessen hieße?“

Barbara Schinko, Ein Mantel so rot, 2017

Offline Trippelschritt

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #4 am: 03. Oktober 2015, 11:27:14 »
Ich weiß ja nicht, ob dieser Thread sich rein auf das Genre Fantasy bezieht - ein erster Satz, der mir immer im Gedächtnis bleiben wird ist:

"Call me Ishmael."
(aus: Moby Dick, von Herman Mellville)

Hallo Dämmerungshexe,
vor allem bei diesem Satz wäre es schön, ein paar Worte der Erklärung hinzuzufügen, denn die Besonderheit erschließt sich nur dem, der mit Ishmael etwas anzufangen weiß. Du weißt bestimmt, dass Du mit Deiner Bewunderung dieses Satzes nicht allein stehst.
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Offline pink_paulchen

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #5 am: 03. Oktober 2015, 14:59:54 »
Da muss ich gar nicht nachdenken:

Zitat
Am Samstagmorgen erwachte ich blind und halbseitig gelähmt. Ich bin schon oft blind gewesen und auch schon oft halbseitig gelähmt, aber in letzter Zeit bin ich öfter beides gleichzeitig, und das fängt allmählich an, mir Sorgen zu machen.

Andreas Eschbach, Der letzte seiner Art

Ich finde,  der macht unglaublich neugierig. Wer da wohl spricht und was das Geheimnis ist? Wer hier nicht weiterliest ist selbst schuld! Zudem folgt direkt eine ziemlich spannende Einstiegsszene. Insgesamt für mich ein tolles Buch mit herausragendem Einstieg.
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Offline Churke

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #6 am: 03. Oktober 2015, 15:27:57 »
"Das Galaktische Imperium zerfiel."

Isaac Asimov, Der galaktische General
Cupitorum spes omnis Circus est maximus.
- Ammianus Marcellinus

Offline Dämmerungshexe

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #7 am: 03. Oktober 2015, 17:38:44 »
"Die Tür zum Chaos war nur angelehnt. Von Salomon fehlte jede Spur."

(Ralf Isau - Das Netz der Schattenspiele)

Ich glaube aus dem Anfang könnten zehn Autoren insgesamt hundert Romane machen und das in unterschiedlcihsten Genres, wobei man einige extra neu erfinden müsste.
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Offline jokergirl

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #8 am: 03. Oktober 2015, 19:20:25 »
"It was a pleasure to burn.
It was a special pleasure to see things eaten, to see things blackened and changed."

Ray Bradbury, Fahrenheit 451
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Offline Malinche

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #9 am: 03. Oktober 2015, 20:04:01 »
Ich fände es übrigens schön, wenn tatsächlich jeder noch mal ein paar Worte zu dem gewählten ersten Satz sagen würde, so wie Trippelschritt ja auch eingangs geschrieben hat:

Und wenn wir außerdem noch die entsprechenden Meinungen dazu sammeln, warum dieser erste Satz uns denn so grandios erscheint, können wir auch noch eine ganze Menge lernen. Übers Schreiben, aber auch über uns selbst.

Klar sprechen manche erste Sätze auch schon irgendwie für sich selbst, aber letztlich ist die Frage, warum wir sie großartig finden, ja auch noch mal etwas sehr Persönliches und es kann durchaus bei jedem etwas anderes berührt werden.

Einer meiner absoluten liebsten ersten Sätze:

Zitat
"This is my favourite book in all the world, though I have never read it."
(William Goldman, The Princess Bride)

Ich finde den einfach großartig. Mit diesem scheinbaren Widerspruch hat mich der Satz jedenfalls sofort am Haken, und natürlich will ich auch wissen, warum es das Lieblingsbuch ist. Und wenn man das Buch erst einmal durch hat, ist auch irgendwie klar, dass dieser augenzwinkernde Einstieg ganz wundervoll zu allem passt, was in dem Buch so passiert. Mir gefällt auch sehr, wie der scheinbare Widerspruch aufgelöst wird und was da für eine Geschichte eingeflochten ist.
Hach. Und jetzt merke ich, dass ich es mal wieder lesen sollte. :vibes:
      »Caminante, no hay camino
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paso de polvo y canela ...«
- Lila Downs, Malinche

Offline Aleya Sihana

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #10 am: 04. Oktober 2015, 12:39:53 »
Ich habe nicht einen, sondern drei Sätze, also eher einen ersten Absatz, der mir besonders gefällt. Ich hoffe, das ist auch okay. :versteck:

Zitat
"Ich heisse jetzt Zawinul. Ich habe ihn geerbt, den Namen, aber nicht von meinen Eltern. Von einem Freund habe ich ihn geerbt, denn Zawinul ist ein Name zum Weitergeben."
(Hanna Johansen, Dinosaurier gibt es nicht)

Mich haben diese ersten drei Sätze einfach gepackt, weil ich mich sofort fragte, was das für ein merkwürdiger Name ist und wozu man ihn weitergibt und was das überhaupt mit Dinosauriern zu tun hat. Ich finde auch toll, wie dieser erste Absatz den Stil des ganzen Buches perfekt einfängt - irgendwie schräg, wundersam und verrückt.
Klar, es ist eine Kindergeschichte, nichts "Besonderes", aber seit ich zehn bin, ist das mein absolutes Lieblingsbuch und ich lese es auch heute noch gern und oft. Diese Geschichte in seiner ganzen Eigenheit hat bei mir einfach einen bleibenden Eindruck hinterlassen. :wolke:

Offline Nadine

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #11 am: 04. Oktober 2015, 14:09:43 »
Für mich sieht es aufrgund der Beispiele so aus, dass die Melodie des ersten Satzes den Leser so weit packt, dass er den ersten Absatz liest und wenn diese 3-4 Sätze das Versprechen einhalten, das der erste Satz gibt, wird weitergelesen. Ich überlege, ob man im englischen einfacher packende erste Sätze formulieren kann, wofür sich das Deutsche auf mehrere Sätze entfalten muss.

Zitat
Es friert, außerordentliche 18 Grad Celsius, und es schneit. In der Sprache, die nicht mehr meine ist, heißt der Schnee qanik, er schichtet sich zu Stapeln, fällt in großen, fast schwerelosen Kristallen und bedeckt die Erde mit einer Schichtaus pulverisiertem, weißem Frost.
Das Dezemberdunkel kommt aus dem Grab, dasgrenzenlos wirkt, wie der Himmel über uns.
Für mich ist "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" nicht nur ein Beispiel für eine der eckigsten, genialsten Frauenfiguren der Literatur, sondern auch für eine wundervolle Sprache, die mich von Anfang an am Wickel hatte.
Der Autor verlangsamt mit einem schnellen Strich alles zu eisiger Kälte, macht klar, dass diese Protagonistin zerrissen, heimatlos ist, beobachtet ... und gerade noch jemanden verloren hat.

Ich erinnere mich, dass ich das Buch wie in Trance aus der Bibliothek trug und ich meine, noch im selben Jahr das Folgende:
Zitat
Im achzehnten Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche gehörte.
"Das Parfum" beginnt da eigentlich richtig verboten, also mit einem ewigen Schachtelsatz und dazu noch von einem fast Erzähler präsentiert. Für mich hat genau diese Mischung funktioniert: Eine märchenhafte Sprache und das Versprechen, über das Böse zu berichten. Der Erzähler präsentiert sich als jemand, der sich auskennt, mit den Niederungen der menschlichen Natur, und der uns mitnehmen möchte, die Szenen zu begehen wie Gemälde in einer Kunstgalerie.


Edit: Ein Fantasybeispiel möchte ich noch ergänzen. Hardebuschs "Werwölfe". Lassen wir den Prolog einmal weg – mich begeistern nur sehr wenige Prologe –, ist dies der erste Satz:
Zitat
"Es war eine dunkle und stürmische Nacht"
Und zwar finde ich den deshalb so genial, weil man ihn ja als das Beispiel kennt, wenn jemand nicht weiß, was er schreiben und wie es weitergehen soll. Im nächsten Satz wird auch klar, dass Hardebusch das einem Nachwuchsschreiber in den Mund legt, der gerade jemandem aus seinem (nicht besonders guten) Werk vorliest. Das finde ich ziemlich spannend, denn es charakterisiert die Figur und zeigt gleich, dass der Roman einen lockeren Tonfall hat.
:haj: Hai-Fantasy ist immer Trend!
Wenn der Wind das Leben durcheinanderwirbelt, ist man vielleicht auf der silbernen Blattunterseite der Pappel.

Offline jokergirl

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #12 am: 04. Oktober 2015, 19:14:14 »
"It was a pleasure to burn.
It was a special pleasure to see things eaten, to see things blackened and changed."

Ray Bradbury, Fahrenheit 451

Sorry, sass vorhin in der Ubahn und war dementsprechend kurz angebunden.

Der Satz und die Mysterie dahinter (was ist das für ein Psycho, und was verbrennt er?) haben mich beim ersten Lesen gepackt und in die Erzählung gesaugt. Und spätestens, als ich am Ende der Seite herausfand, dass die Bücher verbrennen, gab es kein Zurück mehr. So ein Frevel! Was steckt da für eine kranke Welt dahinter?
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Offline KaPunkt

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #13 am: 04. Oktober 2015, 19:32:54 »
Zitat
Barrabas kam auf dem Seeweg in die Familie.
Das Geisterhaus von Isabel Allende

Ich weiß nicht, warum ausgerechnet dieser Satz sich festgesaugt hat, aber ich kann ihn einfach nicht vergessen.
Ich denke, es liegt an der Sprachmelodie - der Satz singt, wie ich finde -, ich mag auch das ganz leicht antiquierte (In die Familie kommen), und das es gleichzeitig etwas heimeliges hat. Ich fühle mich wohl, wenn ich diesen Satz lese.

Liebe Grüße,
KaPunkt
     Wenn ich mich noch weiter von der Realität entferne, nähere ich mich ihr von hinten.

Offline Nadine

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Re: Der berühmte erste Satz
« Antwort #14 am: 04. Oktober 2015, 20:47:54 »
Zitat
Barrabas kam auf dem Seeweg in die Familie.

Und man überlegt gleich, wer das ist, denn einerseits ist er ein Fremder, wenn er über den Seeweg kam und andererseits scheint er entweder schon als Familienmitglied aufgenommen zu sein oder muss sich jetzt in die Familie integrieren.
Ich kenne das Buch nicht, finde aber den Satz hervorragend! Er transportiert Atmosphäre, einen Namen und eine Frage.
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