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Autor Thema: Freiheiten der Kommasetzung bei Adverbialbestimmungen  (Gelesen 258 mal)

Offline flowrite

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Freiheiten der Kommasetzung bei Adverbialbestimmungen
« am: 07. September 2017, 22:23:00 »
Nicht dass ich sagen könnte, ein neues Schreibprojekt gediehe unter meinen Fingern ... anderweitig bin ich über einen für mich komplizierten, für euch hoffentlich interessanten Kommafall gestolpert: Würdet ihr ein Komma setzen im Satz
Zitat
Bitter enttäuscht[,] kämpfte sie mit den Tränen
?

Ich würde, was auch immer der Duden sagen mag. Der scheint da allerdings beides zu erlauben (Aufl. 23, "K 114"). Anders sähe es kurioserweise aus mit dem folgenden, in seiner grammatikalischen Struktur gleichartigen Satz, wo ich ebenso eindeutig kein Komma setzen würde:
Zitat
Bitter enttäuscht zog sie vondannen.

Ein Erklärungsversuch: In beiden Fällen habe ich ein adverbiales Partizip vor mir. Im ersteren Fall fungiert es allerdings mehr als verkürzter kausaler Nebensatz ("Warum kämpft sie mit den Tränen?" – "Weil sie bitter enttäuscht ist"), während es im zweiten Fall eher die Art und Weise vorhebt, also vielmehr einem echten Adverb ähnelt: "Wie zog sie vondannen?" – Bitter enttäuscht = Mit hängenden Schultern, schlurfendem Schritt und gesenkten Lidern.

Auch wenn ich mir diese Frage nicht aus konkretem Anlass stelle, sondern weil ich mir bisher eigentlich immer recht kommasicher vorkam und mich das wurmt, erlaube ich mir einfach mal in die Runde zu fragen, wie ihr das seht.

Offline Alana

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Re: Freiheiten der Kommasetzung bei Adverbialbestimmungen
« Antwort #1 am: 07. September 2017, 22:28:59 »
Lustigerweise ist ersterer Fall der, bei dem es mir häufiger passiert, dass mir ein Koma entkommt, dass ich gar nicht setzen wollte. Also irgendwas scheint da dran zu sein. ;D Allerdings lösche ich das immer wieder, denn für mich sieht es falsch aus und stört vor allem den Lesefluss, weil es den Satz in meinen Augen grundlos unterbricht.


Offline Solmorn

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Re: Freiheiten der Kommasetzung bei Adverbialbestimmungen
« Antwort #2 am: 07. September 2017, 23:38:57 »
Also dass da ein Komma hindürfen soll, erscheint mir seltsam. Als Leser würde ich bei so einem Satz immer vom Modaladverbial ausgehen, da würde ein Komma eher den Lesefluss stören.
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Offline Sascha

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Re: Freiheiten der Kommasetzung bei Adverbialbestimmungen
« Antwort #3 am: 08. September 2017, 09:06:09 »
Deine Unterscheidung der beiden Beispiele kapiere ich nicht. Sie kann doch genauso gut von dannen ziehen, weil sie eben enttäuscht ist.
Und ich würde da nie ein Komma setzen, da es für mich nur eine Beschreibung des Subjekts ("sie") ist. Wenn ich in solchen Konstrukten Kommata lese, stolpere ich immer drüber.
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Offline Appletree

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Re: Freiheiten der Kommasetzung bei Adverbialbestimmungen
« Antwort #4 am: 08. September 2017, 10:12:51 »
Ich schließe mich an, dass Komma würde mich beim Lesen rausfallen lassen.

Diese Unterbrechung ergibt für mich, egal was der Duden sagt, an der Stelle keinen Sinn.
Grüßle
Sarah

Offline Churke

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Re: Freiheiten der Kommasetzung bei Adverbialbestimmungen
« Antwort #5 am: 08. September 2017, 10:53:21 »
Deine Unterscheidung der beiden Beispiele kapiere ich nicht. Sie kann doch genauso gut von dannen ziehen, weil sie eben enttäuscht ist.

Ich denke, flowrite geht es darum, dass beides unterschiedliche grammatische Konstruktionen sind, obwohl sie gleich aussehen.
In "bitter enttäuscht, kämpfte sie mit den Tränen" könnte man das Partizip als gleichgeordnete Reihung betrachten. Die Tränen als Steigerung der Enttäuschung. Das Komma soll dies deutlich machen.
Vielleicht fällt uns das Komma auch nur auf, weil der Satz isoliert steht und wir den Zusammenhang nicht kennen.  :hmmm:

Beim zweiten Beispiel müsste man eine Gleichordnung mit der Brechstange herbeikonstruieren. Was ich damit sagen will: Es ist die Semantik, die über das Komma entscheidet.
Cupitorum spes omnis Circus est maximus.
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Offline Appletree

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Re: Freiheiten der Kommasetzung bei Adverbialbestimmungen
« Antwort #6 am: 08. September 2017, 11:06:45 »
Deine Unterscheidung der beiden Beispiele kapiere ich nicht. Sie kann doch genauso gut von dannen ziehen, weil sie eben enttäuscht ist.

Ich denke, flowrite geht es darum, dass beides unterschiedliche grammatische Konstruktionen sind, obwohl sie gleich aussehen.
In "bitter enttäuscht, kämpfte sie mit den Tränen" könnte man das Partizip als gleichgeordnete Reihung betrachten. Die Tränen als Steigerung der Enttäuschung. Das Komma soll dies deutlich machen.
Vielleicht fällt uns das Komma auch nur auf, weil der Satz isoliert steht und wir den Zusammenhang nicht kennen

Auch, wenn ich mich nun möglicherweise blamiere:
Aber mir geht das nicht auf.

Wenn, dann höchstens so:

"Bitter enttäuscht, kämpfte sie die Tränen zurück"

Das 'klingt' immer noch ... naja. Aber so würde ich das wohl eher akzeptieren, wenn sich der erste Teil auf die Tränen bezieht.
Grüßle
Sarah

Offline Aphelion

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Re: Freiheiten der Kommasetzung bei Adverbialbestimmungen
« Antwort #7 am: 08. September 2017, 11:53:46 »
Ich würde ebenfalls in beiden Fällen kein Komma setzen. "Enttäuscht" nehme ich in diesem Satz nicht als Partizip wahr, jedenfalls nicht in erster Linie. Damit ich "enttäuscht" als Partizip lese, müsste der Satzteil anders konstruiert oder zumindest länger sein, z.B.:

Zitat
Über diese Niederlage bitter enttäuscht, kämpfte sie mit den Tränen.

In diesem Satz ist das Komma allerdings ebenfalls optional.

Im ersten Beispiel kann "enttäuscht" auch ein normales Adjektiv darstellen. Als normales Adjektiv ist das Wort sogar gängiger und wird im Duden auch so aufgeführt. Deshalb lesen die meisten es vermutlich intuitiv als Adjektiv, wenn der Satz so kurz ist wie in deinem Beispiel.

Offline Solmorn

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Re: Freiheiten der Kommasetzung bei Adverbialbestimmungen
« Antwort #8 am: 08. September 2017, 17:00:26 »
Zitat
Über diese Niederlage bitter enttäuscht kämpfte sie mit den Tränen.

Auch hier ergibt das Komma für mich keinen Sinn. Alles vor "kämpfte" ist ein großes Adverbial und nach normalen Adjektiven - die ja eigentlich den gleichen Stellenwert haben - setzt man doch auch kein Komma.
Die einzige Satzkonstruktion, die ein Komma legitim machen würde, ist
Zitat
Ob dieser Niederlage war sie bitter enttäuscht, kämpfte sie mit  den Tränen.
"Fair is foul and foul is fair" - William Shakespeare

Offline Aphelion

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Re: Freiheiten der Kommasetzung bei Adverbialbestimmungen
« Antwort #9 am: 08. September 2017, 20:11:56 »
@Solmorn

flowrite hat im ersten Beitrag ja schon die Kommaregel (K114) für Partizipien angegeben. :) Ich habe (wie ich im obigen Beitrag auch geschrieben habe) nur ein Beispiel für einen Satz genannt, wo ich die Konstruktion überhaupt (vorrangig) als Partizip bzw. als Partizipgruppe lesen würde.

Du musst wie gesagt kein Komma setzen, das ist optional.

Dein Beispiel eliminiert das Partizip (und in meinen Augen ist der Satzbau nach dem Komma falsch, aber das führt jetzt völlig vom ursprünglichen Thema weg ;)). Ohne Partizip greift natürlich die Kommaregel für Partizipien nicht mehr, d.h. die Grammatikfrage ist dann eine völlig andere.

Offline flowrite

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Re: Freiheiten der Kommasetzung bei Adverbialbestimmungen
« Antwort #10 am: 12. September 2017, 11:29:07 »
Hey, Sascha,

Zitat
Deine Unterscheidung der beiden Beispiele kapiere ich nicht. Sie kann doch genauso gut von dannen ziehen, weil sie eben enttäuscht ist.

Da hast du sicherlich recht. Ich vermute, dass ich von Französisch, dem Schulfach mein ich, verunsichert wurde. Die Franzosen haben ja oft so satzinitiale Nebensätze mit einem Partizip: Dépitée, elle se battait contre les larmes. (Wenn ich mein Schulfranzösisch noch richtig im Kopf habe; Viererabitur. :( )

Auch lieben Dank den anderen für die Beiträge. Ich sollte mit der Kommasetzung also kritischer sein. Weniger ist manchmal mehr.


Viele Grüße
-- flowrite

Offline Sonnenblumenfee

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Re: Freiheiten der Kommasetzung bei Adverbialbestimmungen
« Antwort #11 am: 12. September 2017, 13:47:14 »
Ich habe keine Regel dafür an der Hand, obwohl ich sonst einigermaßen Kommata-firm bin, aber ich würde jedenfalls in der von Apehlion genannten Abwandlung ein Komma setzen. Bei den anderen Varianten bin ich mir gerade nicht sicher, tendiere aber auch eher gegen das Komma. In der Aphelion-Variante ist es einfach die Länge des Satzes und die Atempause, die ich da automatisch beim Lesen mache, die für mich das Komma sinnvoll werden lässt, auch wenn ich mir bewusst bin, dass das keine Regeln sind.
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Offline Zitkalasa

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Re: Freiheiten der Kommasetzung bei Adverbialbestimmungen
« Antwort #12 am: 12. September 2017, 20:07:53 »
Ich würde Aphelions Beispiel eher so sehen, dass es sich um zwei Hauptsätze handelt und ein Komma daher ganz gut ist an der Stelle.

Im Ausgangssatz sehe ich eher einen Tausch der Satzteile: "Sie zog bitter enttäuscht von dannen." (MMn heißt das auch, dass "bitter enttäuscht" die Frage auf "Wie zog sie von dannen?" ist, und nicht "Warum?".) Insofern würde ich da kein Komma setzen.

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