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Autor Thema: Gestolpert und hingefallen, ich find meine Krone nicht mehr  (Gelesen 389 mal)

Offline Zauberfrau

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Hallo, Ihr lieben TiZis  :winke:

Hab zwar noch nicht so viel zum Tintenzirkel beigetragen, bin aber heute extrem unten und finde nicht so recht Trost... Und vielleicht will ich einfach mal ein bisschen die Meinungen von Gleichgesinnten lesen.  :bittebittebitte:

Seit 20 Jahren schreibe ich jetzt schon an Mauxa. Ist ja wirklich so, dass mein High-Fantasy-Epos richtig eng mit mir verwachsen ist. Aber manchmal komme ich mir vor wie dieser alte Mann in Spanien, der sein ganzes Leben schon an seiner Kathedrale baut, obwohl er weiß, dass er sie wohl nicht fertig bauen wird/kann. Ich will auch, dass die Geschichte bleibt, wenn ich einmal gehe. Aber im Moment kommt mir das so vor, als wollte ich den Mount Everest besteigen. Wohl weiß ich den Plot im Groben, aber die Feinheiten, die kommen ja immer erst wirlich beim Schreiben. Und gerade stehe ich vor einem Kapitel, das zwar thematisch sehr schön werden wird, aber halt erst mal wenig die Handlung voranbringt, weil das erst später passiert. Egal. Jedenfalls traue ich mich nicht drauflos zu schreiben, weil ich Angst habe, es könnte ja doch nur irgendwann dem Lektorat zum Opfer fallen, weil es eben nur schön ist, zwar die Verhältnisse der Figuren zueinander festigt, aber nicht stringend zum Ziel führt.

Aber deswegen habe ich das Thema gar nicht angefangen. Das ist nur so der Grundschmerz, den ich die ganze Zeit herumtrage.

Vielmehr geht es mir darum: http://forum.tintenzirkel.de/index.php?topic=22189.msg1049778#msg1049778
Um diese Ausschreibung vom Littera Magia - Verlag mit dem Titel Galaxy Moon.

Das Coverbild hat mich tatsächlich gepackt. Und dann habe ich mich mal ernsthaft damit beschäftigt, habe mir die Absichten des Verlags angesehen, mich über die angestrebten Genres und Zielgruppen schlau gemacht. Mit LGBTQI kann ich nicht so viel anfangen (ja, ich weiß, was das heißt). Aber mit dem Genre Erotic Fantasy könnte ich mich schon anfreunden. Habe dann ein bisschen die kreative Zone im Gehirn von der Leine gelassen, und der Plot sprudelte gerade so aus einer unerschöpflichen Quelle. Ich hatte vor 17 Jahren mal eine - ganz anständige - Fantasy-Miniatur geschrieben, die hier sehr gut als Einstieg passen würde. Die habe ich also in Gedanken immer mehr aufgebohrt und war gestern sehr begeistert von der Idee, mal was ganz anderes zu schreiben.

Als ich heute Morgen dem besten Ehemann von allen meine Absichten erzählte, wollte er davon nichts wissen. Das wäre kein vernünftiger Verlag, ich solle mich nicht mit Unwichtigkeiten aufhalten und endlich an meinem Epos weiterschreiben, das wäre nämlich gut. Ich würde immer nur tagein, tagaus in irgendwelchen Foren rumhängen und nix schreiben, obwohl ich doch so viel tun wollte. Von der neuen Idee und dem Plot wollte er nichts wissen. Kein Interesse. Aber dann der schöne Nachsatz: "Du weißt ja, dass ich alles lese, was du schreibst."  :ithurtsandstings!:

Ja. Und nun weiß ich nicht, was ich tun soll. Ich bin einfach unsicher, ob ich überhaupt sowas wie erotische Literatur schreiben darf... Ein gestrenges Wesen in meinem Inneren schimpft mit mir: "Wie kannst du nur!!" Und der Schelm gleich daneben grinst: "Warum denn nicht?" Ich habe einfach Hemmungen, ob meine Ideen nicht zu heftig sind (oder vielleicht auch zu lahm?), die mir da eingefallen sind. Und hätte gerne mal mit jemandem darüber geredet. Mein Göttergatte will davon nichts wissen. Und hier öffentlich, nee, das geht auch nicht. Das trau ich mich nun wirklich nicht.
Vor Jahren hatte ich mal den Mut und habe in einer (mittlerweile ehemaligen) Autorengruppe ein für mich selbst nur erotisches, eigenes Gedicht vorgelesen. Das wurde damals von den ca. 20-40 Jahre älteren Damen als pornographisch abgetan und schweigend unter die Tischkante gekehrt. Das hat mich sehr getroffen, weil mir das Gedicht (8 Zeilen lang) eigentlich ganz gut gefallen hat und heute immer noch gefällt (aber nur für mich in meinem stillen Kämmerlein, ohne Publikum).

Zur Zeit ist der Himmel grau und ich finde das Krönchen nicht mehr, das ich mir wieder auf meinen gerade gerückten Kopf setzen könnte (weil er noch so weit runterhängt, dass es sowieso gleich wieder runterrutscht). Ich fühle mich dilettantisch, wie eine Träumerin, die den Schuss nicht gehört hat, wie jemand, der gar nichts kann, aber meint, alles irgendwann können zu können. Und mein Deutsch wird auch immer schlechter  :seufz:

Liebe Grüße in die Runde an den ach so lustigen Faschingstagen...

Zauberfrau
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Offline Angela

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Re: Gestolpert und hingefallen, ich find meine Krone nicht mehr
« Antwort #1 am: 11. Februar 2018, 17:46:12 »
Viele von uns tragen ja so ein Epos mit sich herum, an dem sie gerne immer noch weiterarbeiten. Das dann zu veröffentlichen, ist eine ganz andere Geschichte. Insofern halte ich so kleinere Einheiten schon ganz sinnvoll. Und wenn du mal etwas anderes probierst, ist es doch völlig in Ordnung.
Erotik kann doch von leicht bis heftig sein, je nachdem, welche Gruppe es lesen soll.
Du kannst diese Art Texte natürlich nicht mit Leuten bereden, die da keinen Zugang zu haben. Ist bei SM ja auch so.

Offline Denamio

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Re: Gestolpert und hingefallen, ich find meine Krone nicht mehr
« Antwort #2 am: 11. Februar 2018, 17:56:40 »
Mir ist nicht ganz klar was genau du benötigst, weshalb ich das mal in Schritten durchgehe.

Zitat
Das wäre kein vernünftiger Verlag

Das ist aktuell nicht klar, weil es nach kurzer Rückforschung ein sehr neuer Verlag ist. Ob dieser sich etabliert, bleibt erst einmal abzuwarten. Ich weiß nicht ob du auf das betreffende Unterforum bereits Zugriff hast, aber normalerweise gibt es hier gute Informationen zu Verlagen und zu Littera Magia gibt es zumindest bisher noch garkeine Infos.
Natürlich ist mir klar, dass er mit vernünftig wahrscheinlich was anderes meint.

Zitat
ich solle mich nicht mit Unwichtigkeiten aufhalten

Hast du Spaß an der Sache? Vom Lesen her: Ja. Dann ist daran nichts unwichtiges. Eine der nützlichsten Talente für einen Autoren ist die Bereitschaft, den eigenen Blickpunkt zu ändern und sich immer wieder neuen Erfahrungen auszusetzen. Selbst wenn das kleine Erotik Experiment völlig in die Grube fällt, wirst du dabei sehr viel lernen und deine Schreibkunst nachher besser sein als vorher. Von daher ist daran nichts unwichtiges.

Zitat
und endlich an meinem Epos weiterschreiben, das wäre nämlich gut.

Hey du hast einen Fan, das ist super. Aber Autoren arbeiten selten in geraden Linien. Ich glaub die meisten haben hier vier bis fünf Projekte gleichzeitig offen und dutzende in diversen Schubladen. Schreib was dein Unterbewußtsein sagt. Das weiß am Besten wo du deine Kunst mit förderst.

Zitat
Von der neuen Idee und dem Plot wollte er nichts wissen. Kein Interesse. Aber dann der schöne Nachsatz: "Du weißt ja, dass ich alles lese, was du schreibst."

Okay, von einem Familienmitglied ist das hart zu lesen. Habe ich auch zu hören bekommen für mein Werk. Bei mir war es die Stieftochter, die allein das erste Kapitel so zerrissen hat, dass es erst einmal tief saß. Schlussendlich aber liest nicht jeder alle Sachen gleich gerne. Es ist lieb wenn Familie darüberliest, aber wenn diese Person Abneigung gegenüber ein Genre hat, dann ist es wenig klug sie in den Schöpfungsprozess mit einzubinden.
Mein Ratschlag: Mach deine Sache und irgendwann darfst du hier im Betaleser Forum einen Beitrag eröffnen und dir Leute suchen, die an genau der Literatur Interesse (und Erfahrung) haben und dir mit hilfreicher Kritik zur Seite stehen können.


Zitat
Ja. Und nun weiß ich nicht, was ich tun soll. Ich bin einfach unsicher, ob ich überhaupt sowas wie erotische Literatur schreiben darf...

Kurz und knapp: Aber sicher darfst du. Vom Gesetz her sowieso, aber auch sozial und kulturell sind wir heute soweit, alles schreiben zu können. Wenn es dir peinlich ist, mach ein Pseudonym. Aber es ist absolut legitim und außer man ist ein Bestseller, sogar die gefühlt lukrativste Sparte der Literatur.

Zitat
Ich habe einfach Hemmungen, ob meine Ideen nicht zu heftig sind (oder vielleicht auch zu lahm?), die mir da eingefallen sind.

Es gibt Leser für zu heftig und Leser für Vanilla. Da gibt es kein richtig oder falsch, sondern jeweils eine eigene Zielgruppe. Aber einfach aus Erfahrung heraus: Zu heftig glaub ich kaum. Ehrlich. Bin ich fast bereit zu wetten, dass du nicht einmal im Ansatz an das Stratum zu heftig gerätst, wenn du dir selber unsicher bist ob man sowas schreiben darf.

Zitat
Das wurde damals von den ca. 20-40 Jahre älteren Damen als pornographisch abgetan und schweigend unter die Tischkante gekehrt.

Dann war es die falsche Zielgruppe, wenn ich das so sagen darf. An pornographischen Texten ist nichts verkehrt, da gibt es ganze Communities für, die davon leben. Die Situation wird dir hier im Forum so auch nicht passieren, einfach weil es hier viele gibt, die selber erotische Texte schreiben, von denen manche - als Betaleser bekunde ich das - ziemlich zur Sache gehen. Nicht zuletzt auch weil wir eine andere, professionellere Einstellung an Texte haben.

Also:
So bitter es vielleicht klingt, aber auch Familienmitglieder sind nur ein Konsument was das Buch angeht. So wie nicht jeder Science Fiction oder Krimis leiden kann, so kann nicht jeder mit erotischen Geschichten umgehen. Das diese so ein Buch dann mitunter ziemlich grob ablehnen ist logisch, weil sie nicht die Zielgruppe sind.

Aber in dem Fall musst auf dich selber hören und dir Leute suchen, welche mit deinen erotischen Varianten etwas anfangen können. Deren Feedback bringt dich in dem Fall weiter, während der Ehemann beim Epos mehr beisteuern kann, weil es ihm mehr liegt. Anders formuliert: Realisiere und benutze das richtige Werkzeug fürs Projekt.

Und abschließend: Erotische Literatur ist nicht verwerflich. Aber manchmal unangenehm weil wir soziokulturell gern in Tabus versinken. In dem Fall schreibe unter Pseudonym. Was ich dir unabhängig vom Erfolg garantieren kann: Du wirst sehr viel über das Schreiben lernen. Beispiel: Ich hab nie mehr soviel gelernt, wie beim Versuch einen gleichgeschlechtlichen Dreier zu beschreiben. Holla die Waldfee gehen einem da schnell die sie/sie/sie auf den Zeiger und man muss kreativ wie nie werden, um alle sichtbar auseinanderzuhalten. Danach war ich in zukünftigen Situationen - Kampf, Handel, was auch immer - mit vielen Akteuren sehr viel besser geworden.

Hab Mut dazu. Mach was dir Spaß macht, du lernst am meisten dabei.
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Online Coppelia

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Re: Gestolpert und hingefallen, ich find meine Krone nicht mehr
« Antwort #3 am: 11. Februar 2018, 18:08:31 »
Ich sehe auch überhaupt keinen Grund, warum du nicht schreiben solltest, was dir Spaß macht. Du kannst es ja erstmal nur für dich schreiben und dir ein begeistertes Publikum ausmalen. Und wenn du dann fertig bist und es dir noch immer gefällt, kannst du dir überlegen, ob du es der Öffentlichtkeit zugänglich machen willst.

Mir hilft beim Schreiben auch, mir zu überlegen, dass es ja erstmal nicht top sein muss; es kann beim Überarbeiten noch immer verbessert werden. Aber niemand zwingt einen, eine Szene, die man extrem mag, aus dem Text zu nehmen! Wenn man sie so mag, dann ist sie unverzichtbar, und das wird sogar ein Lektorat zeigen.

Aber ist denn der nächste Schritt bei dir wirklich die professionelle Veröffentlichung? Für mich hört es sich eher so an, als ob erstmal Schreiben oder Fertigschreiben angesagt wäre und du vielleicht den zweiten (oder dritten oder zehnten) Schritt vor dem ersten machen möchtest.

Ansonsten kenne ich den großen Frust, der mit großen und geliebten Projekten einhergeht, nur zu gut.
 :knuddel:

Offline Waldhex

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Re: Gestolpert und hingefallen, ich find meine Krone nicht mehr
« Antwort #4 am: 11. Februar 2018, 18:32:59 »
Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen: Was Du wann schreibst ist erstmal Deine Sache. Eine Pause vom Herzensprojekt kann sogar mal gut tun. Ich versuche zwar zumeist, mich auf ein Projekt zu beschränken, aber das funktioniert nicht immer. Eines meiner Herzensprojekte liegt schon seit über einem Jahr auf Eis, weil mir ein paar Kurzgeschichten "dazwischen" gekommen sind.
Aus dieser Erfahrung heraus kann ich Dir aber auch sagen, dass es durchaus befriedigend sein kann, eine Kurzgeschichte dazwischenzuschieben. Einfach ein kurzes Projekt, das man aber auch zum Abschluss bringt. Erstmal einfach nur für sich selbst. Hat dann ein Verlag Interesse daran gut - wenn nicht, auch gut. Man hat auf jeden Fall was dabei gelernt.
Und was Dein Herzensprojekt angeht: schreib einfach das, was Dir einfällt. Selbst wenn eine Szene dann im fertigen Werk tatsächlich rausfliegt (weil Du es willst, nicht weil ein Lektor das sagt), kannst Du die immer noch als "deleted Scene" als Bonus oder als Marketingwerk nutzen. Grundsätzlich gilt auch hier: Schreib den Roman für Dich, wenn er irgendwann Leser und einen Verlag findet (oder Du das im SP machst) - schön, wenn nicht, hast Du für Dich einen schönen Roman geschrieben.

Offline Elona

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Re: Gestolpert und hingefallen, ich find meine Krone nicht mehr
« Antwort #5 am: 11. Februar 2018, 18:42:36 »
Kopf hoch und *Krönchen wieder zurückreich*

Mach das, womit du dich wohl fühlst und wonach dir ist. Ich denke jeder hat sein Herzenprojekt. Bei mir sind das meine Dämonen. Vielleicht ist das Beispiel ganz hilfreich für dich, von daher führe ich es einfach mal aus.
Angefangen haben meine Dämonen mit einem Buch. Dann kam mir die Idee für die Vorschichte, in die ich mich dann ein wenig mehr verliebt, weshalb ich die ursprüngliche Idee über den Haufen geworfen habe. Und weil ich überall gehört habe, dass es als unbekannte Autorin so furchtbar schwer sei, hatte ich schon ein schlechtes Gewissen, nun eine Trilogie geplant zu haben. Das Ergebnis davon war einfach nur unterirdisch. Ich habe meine Welt, meine Ideen dermaßen in diesen Rahmen gequetscht, dass es nichts halbes und nichts ganzes mehr war.
Die liebe Hexe (hier im Forum) hat es dann im Endeffekt gerettet, indem sie mich in die richtige Richtung stupste. Aus meinen Dämonen wird nun eine Reihe. Und dann eben kein Verlag sondern SP. So einfach ist das.  :)

Das bedeutet aber nicht, dass ich meine Dämonen mittlerweile auch nicht mal ruhen lasse. Generell schreibe ich die Geschichten, auf die ich grundsätzlich in den Moment Lust habe. Darunter kommt dann aber meistens auch ein Ende (bezogen auf die Reihe eben der eine Band). Ausnahmen bilden hier natürlich Überarbeitungen.

Was ich auch lernen musste ... man kann nicht mit jedem über die Schreiberei reden. So lieb man die Menschen um sich auch hat, wenn diese selbst nicht Schreiben, können sie es mitunter auch nicht nachvollziehen, wovon man da redet. Und wenn es ganz mies läuft, kann das pures Gift für einen sein (das sage ich auch aus eigener Erfahrung). 

Edit: Mit Waldhex überschnitten.
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Offline Trippelschritt

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Re: Gestolpert und hingefallen, ich find meine Krone nicht mehr
« Antwort #6 am: 11. Februar 2018, 19:54:16 »
Ich weiß nicht, ob es Dir hilft, aber ich habe ein paar Jahre lange eine ganze Reihe von pornographischen Kurzgeschichten geschrieben und mich nie dafür schämen müssen. Na ja, ich könnte sie auch als erotische Geschichten bezeichnen, dann klingt es nicht sich hart. Ich weiß, warum ich sie geschrieben habe, was ich damit erreichen wollte und habe es darum auch gemacht. Pornographie muss nicht schmuddelig sein. Man kann sie auch anders schreiben. Sogar literarisch. Sie haben etwas mit Sex zu tun, und Sex ist eine der wichtigsten Triebfedern im Menschen. Und darüber sollte ein Schriftsteller nicht schreiben dürfen?

Also sag ich einfach: Trau Dich!

Ich habe Kurzgeschichten in fast allen Genres geschrieben. es ist also nicht so, dass ich da festgelegt bin. Aber eigentlich schreibe ich mehr Romane. Mein siebter Roman geht demnächst ins Lektorat und dann fange ich mit einer Serie an. Was ich schreibe, entscheide ich. Das ist die freiheit eines Schriftstellers, die ich mir nicht nehmen lasse.

Nur Mut
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Offline Christopher

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Re: Gestolpert und hingefallen, ich find meine Krone nicht mehr
« Antwort #7 am: 11. Februar 2018, 20:06:58 »
Was den Epos angeht:
Daran schreibst du seit 20 Jahren? Das klingt vertraut - auch wenn es bei mir noch keine 20 Jahre sind. Ich hab auch mit was ganz großem angefangen "Warum kleine Brötchen backen? Lieber gleich mit dem größten Brot der Welt anfangen und Zeit sparen!".

Nachdem die ersten drei Bücher davon "fertig" waren und ich einen genaueren Blick zurück geworfen habe, hab ich festgestellt, wie grottenschlecht der Anfang überhaupt war im Vergleich zum neuesten. Der Versuch es zu überarbeiten, endete mit der Erkenntnis, dass Neuschreiben sogar schneller wäre und zu etwas besserem führt.
Warum erzähle ich diese kleine Anekdote? Weil ich denke, dass es bei dir ähnlich sein wird. Du dürftest in diesen 20 Jahren eine Menge gelernt haben. So viel, dass noch mal von vorne anfangen mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar besser wäre. Und das führt dann zu einem weiteren Problem: Fertig werden. Das ist schwieriger als man glaubt, allerdings auch ein absolut essenzieller Teil des Schreibens. Bist du schon mal "fertig" gewesen?

Ich rate dir dringend, etwas anderes zu schreiben. Egal was. Erstens lernst du mit Sicherheit etwas daraus und zweitens um zu sehen, ob du tatsächlich "fertig" werden kannst. Denn wenn du das nicht kannst, wirst du Mauxa auch niemals beenden. Und ein gutes Ende hinzubekommen ist verdammt schwer. Da würde ich Übung empfehlen. Versuch mal mit Absicht eine kure Geschichte zu schreiben und diese zu beenden. Ich meine keine Kurzgeschichte, sondern eher etwas in Richtung 200 Normseiten oder so.

In kurz:
Du solltest unbedingt was anderes schreiben. Dabei kannst du viel lernen, was dir hilft.
"Jedem Moment folgt der Rest des Lebens."
"Change yourself and the world changes with you." Terra
  

Offline Marta

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Re: Gestolpert und hingefallen, ich find meine Krone nicht mehr
« Antwort #8 am: 11. Februar 2018, 21:11:26 »
Mein Freund hat mir vor Jahren etwas Ähnliches gesagt - und leider hatte er recht. Es ging nicht ums Schreiben, sondern ums Veröffentlichen. Damals war ich in allen möglichen Foren und Gruppen unterwegs, habe stundenlang Podcasts über Selfpublishing gehört ... aber immer, wenn ein Buch fast soweit war, habe ich mir neue Steine in den Weg gelegt (»Braucht NOCH eine Überarbeitung«, »Das Cover ist noch nicht richtig« und das Tödlichste von allem: »Eigentlich habe ich gar keine Lust mehr, die Story ist eh blöd und ich würde lieber was Neues anfangen.«). Natürlich hat es mir überhaupt nicht gefallen, als er meinte, ich sollte endlich mal was veröffentlichen und nicht immer nur davon erzählen. Aber wie gesagt, er hatte leider recht. Ich hasse es, wenn er recht hat.

Natürlich habe ich keine Ahnung, wie es bei euch aussieht. Ob es stimmt, was dein Mann sagt, kann ich nicht bewerten. Und was du schreiben solltest, kann ich dir ebenfalls nicht sagen. Falls es stimmt, dass du mehr in Schreibforen bist als zu schreiben (Das war ich zum Beispiel sehr, sehr lange), dann wäre es vermutlich gut, das zu ändern.

Ich kenne leider alle Seiten. Ich kenne die Frustration, nichts fertig zu bekommen, auch wenn man für die Story brennt. Ich kenne es, die paar Freunde, die das Werk lesen, immer wieder enttäuschen und vertrösten zu müssen. Und ich kenne es, auf ein Werk zu warten, das nie fertig wird. Fast keiner meiner ebenfalls schreibenden Freunde hat je ein Buch fertig bekommen. Zum Teil haben sie sechs halb fertige Manuskripte und unter keins werden sie je das Wörtchen »Ende« setzen. Und es ist anstrengend, immer wieder darauf zu hoffen, dass es weitergeht. Na ja, das ist wohl Karma. Eine sehr liebe Freundin wartet seit 20 (!) Jahren darauf, dass ich endlich einen Comic beende ...

Sorry, dass ich so weit abschweife. :) Ich denke, @Christopher hat recht damit, wie wichtig es ist, fertig zu werden. Egal, mit welchem Projekt. Hauptsache man schafft es. Hauptsache, man schreibt und gibt nicht mittendrin auf. Wenn man ein Buch (eine Novelle, eine Kurzgeschichte ...) beendet hat, weiß man, dass man es immer wieder schaffen wird. Und ich denke, letztendlich ist es egal, was dein Mann denkt, was wir denken oder was deine alte Schreibgruppe von deinem Gedicht gehalten hat. Wenn du schreiben willst, schreib. Und zwar das, was du schreiben willst. Im besten Fall bis zum Ende.

Offline Silvia

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Re: Gestolpert und hingefallen, ich find meine Krone nicht mehr
« Antwort #9 am: 11. Februar 2018, 22:14:11 »
Du hast noch ausreichend Zeit, den kleinen Verlag zu beobachten und ihm beim Wachsen zuzusehen. :-) Zur Leipziger Buchmesse soll, soweit mir bekannt, spätestens das erste Buch raus sein und die Webseite ist auch noch in Arbeit. Du kannst dem Verlag und der Martina auch auf Facebook folgen und Dir das ganze ein bisschen ansehen, ob es zu Dir und Deiner Idee passt.
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Offline Sternsaphir

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Re: Gestolpert und hingefallen, ich find meine Krone nicht mehr
« Antwort #10 am: 11. Februar 2018, 22:43:57 »
20 Jahre an einen Epos schreiben. Das kommt mir sehr bekannt vor, denn ich hab auch so ein Baby, dass ich nun endlich flügge werden lassen will.
Warum sollst Du Dich nur auf ein Werk konzentrieren? Warum nicht mal andere Erfahrungen sammeln, Neues ausprobieren, dazulernen? Viele Wege führen nach Rom.
Ich sehe keinen Grund, warum Du nicht an einer Ausschreibung teilnehmen solltest.
Natürlich klingt das Urteil von Deinem Mann sehr hart. Ich wäre auch recht niedergeschmettert, aber manchmal muss man auch mal ausreißen, um mit neuer Weitsicht zurückzukehren.
Außerdem: DU bist die Autorin, nicht er.
Ich habe neben meinem Riesenbaby auch schon andere Romane geschrieben und nehme auch immer wieder an KG-Ausschreibungen teil. Das hindert mich nicht daran, meinem Urprojekt untreu zu werden.
Also hau in die Tasten.
Ich überlege auch grad, ob ich an dieser Ausschreibung teilnehmen soll.
Der frühe Vogel fängt den Wurm, aber die zweite Maus kriegt den Käse.

Offline Alana

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Re: Gestolpert und hingefallen, ich find meine Krone nicht mehr
« Antwort #11 am: 11. Februar 2018, 23:46:26 »
Die ganz große Frage ist: was möchtest du denn? Was ist dein Ziel? Einfach nur schreiben, um Spaß zu haben? Dann mach genau das und lass dir von niemandem reinreden. (Aber überprüf den Verlag trotzdem sorgfältig, zu dem kann ich nichts sagen.) Möchtest du unbedingt veröffentlichen? Dann wäre mein Tipp: Lass das Epos liegen und schreib einen Kurzroman, der sich auf das wichtigste beschränkt, mach den richtig gut und veröffentliche ihn. So hab ich es gemacht, beste Entscheidung meines Lebens. Mein Epos ist inzwischen auch komplett fertig und veröffentlicht, aber wäre ich den ersten Schritt mit dem Kurzroman nicht gegangen, wäre es vielleicht nie dazu gekommen, weil ich mich so reinverbissen habe. Oder möchtest du vor allem das Epos fertig stellen und alles andere ist egal? Auch dann könnte es sinnvoll sein, erst mal was anderes zu schreiben, um Abstand zu gewinnen. Mein Fazit: Wenn du diese Erotikgeschichte schreiben willst, dann mach es. Und nein, niemand wird dir das vorhalten. Ich veröffentliche auch Erotik und Jugendbücher, nicht unter dem gleichen Namen, aber doch öffentlich und niemand, vor allem nicht der Jugendbuchverlag, hat sich je darüber mokiert. :)



Offline Zauberfrau

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Re: Gestolpert und hingefallen, ich find meine Krone nicht mehr
« Antwort #12 am: 12. Februar 2018, 00:11:35 »
Vielen lieben Dank an alle! Das sind wirklich sehr aufmunternde Worte.

Erotik kann doch von leicht bis heftig sein, je nachdem, welche Gruppe es lesen soll.
Du kannst diese Art Texte natürlich nicht mit Leuten bereden, die da keinen Zugang zu haben. Ist bei SM ja auch so.

Hallo Angela,
Ja, da hast du recht. Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht, dass es ja fast so viele Vorlieben wie Menschen gibt. Es muss tatsächlich nicht jedem gefallen. Es reicht ja auch, einen Teil von Lesern abzudecken. Werde wohl dafür solche Leute als Testleser dafür suchen müssen, die genau daran Gefallen finden. Danke!


Hast du Spaß an der Sache? Vom Lesen her: Ja. Dann ist daran nichts unwichtiges. Eine der nützlichsten Talente für einen Autoren ist die Bereitschaft, den eigenen Blickpunkt zu ändern und sich immer wieder neuen Erfahrungen auszusetzen. Selbst wenn das kleine Erotik Experiment völlig in die Grube fällt, wirst du dabei sehr viel lernen und deine Schreibkunst nachher besser sein als vorher. Von daher ist daran nichts unwichtiges.

Wow, Denamio, du hast aber viel geschrieben! Dann mach ich mich mal ans Antworten  :D

Ich habe definitiv Spaß an der Sache  :jau: Ich war noch nie so Feuer und Flamme wie gestern beim Plotten. Immer mehr ist mir zu meinem Thema eingefallen und alles hat irgendwie zusammengepasst. Den zeitlichen Rahmen habe ich auch schon und muss nur noch den Plot in kleinen Häppchen in den Rahmen einpassen. Und dann wird die Ursprungsgeschichte mal verschärft, da freu ich mich wahnsinnig drauf. Zumal ich in diesem Genre noch nie geschrieben habe und es absolut ein Abenteuer für mich bedeutet. Das mit dem Spaß ist tatsächlich eine gute Frage, Danke!


Mein Ratschlag: Mach deine Sache und irgendwann darfst du hier im Betaleser Forum einen Beitrag eröffnen und dir Leute suchen, die an genau der Literatur Interesse (und Erfahrung) haben und dir mit hilfreicher Kritik zur Seite stehen können.


Oh, ja, das ist eine gute Idee. Von dem Betaleser Forum wusste ich noch gar nichts. Da komme ich gerne drauf zurück !


Es gibt Leser für zu heftig und Leser für Vanilla. Da gibt es kein richtig oder falsch, sondern jeweils eine eigene Zielgruppe. Aber einfach aus Erfahrung heraus: Zu heftig glaub ich kaum. Ehrlich. Bin ich fast bereit zu wetten, dass du nicht einmal im Ansatz an das Stratum zu heftig gerätst, wenn du dir selber unsicher bist ob man sowas schreiben darf.

Ja, ich glaube auch, dass ich noch bei den Gänseblümchen zuhause bin. Ich kann mich ja mal langsam vortasten. So wie die Dame auf dem Cover der Ausschreibung aussieht, ist sie, denke ich, auch nicht im Hardcore-Bereich anzutreffen, sondern eher auf der soften Seite.


Zitat
Das wurde damals von den ca. 20-40 Jahre älteren Damen als pornographisch abgetan und schweigend unter die Tischkante gekehrt.

Dann war es die falsche Zielgruppe, wenn ich das so sagen darf. An pornographischen Texten ist nichts verkehrt, da gibt es ganze Communities für, die davon leben. Die Situation wird dir hier im Forum so auch nicht passieren, einfach weil es hier viele gibt, die selber erotische Texte schreiben, von denen manche - als Betaleser bekunde ich das - ziemlich zur Sache gehen. Nicht zuletzt auch weil wir eine andere, professionellere Einstellung an Texte haben.
...
Aber in dem Fall musst auf dich selber hören und dir Leute suchen, welche mit deinen erotischen Varianten etwas anfangen können. Deren Feedback bringt dich in dem Fall weiter, während der Ehemann beim Epos mehr beisteuern kann, weil es ihm mehr liegt. Anders formuliert: Realisiere und benutze das richtige Werkzeug fürs Projekt.

Ja, gerade jetzt, mit der Absicht, etwas Ungewöhnliches auf die Füße zu stellen (wahlweise etwas Tabu-Behaftetes), da merke ich, dass ich nicht jeden zum Testlesen animieren kann. Vielleicht sollte ich einfach mal drauflos schreiben. 30 Seiten habe ich ja schon (von der Ursprungsgeschichte) und meine Protagonistin durfte schon erfahren in welche Richtung "der Zug geht" (hab gestern schon ein bisschen umformuliert). Ich warte einfach mal auf das Betaleser-Forum, wenn ich mal soweit bin. Abgabe ist der 1. Juli. Da habe ich mir mal vorgenommen, die Rohfassung bis Mitte Mai stehen zu haben. Ein Synonym habe ich schon vor längerer Zeit ausgeknobelt, das ich nehmen kann.


Und abschließend: Erotische Literatur ist nicht verwerflich. Aber manchmal unangenehm weil wir soziokulturell gern in Tabus versinken. In dem Fall schreibe unter Pseudonym. Was ich dir unabhängig vom Erfolg garantieren kann: Du wirst sehr viel über das Schreiben lernen. Beispiel: Ich hab nie mehr soviel gelernt, wie beim Versuch einen gleichgeschlechtlichen Dreier zu beschreiben. Holla die Waldfee gehen einem da schnell die sie/sie/sie auf den Zeiger und man muss kreativ wie nie werden, um alle sichtbar auseinanderzuhalten. Danach war ich in zukünftigen Situationen - Kampf, Handel, was auch immer - mit vielen Akteuren sehr viel besser geworden.

Au ja, mit drei weiblichen Akteuren in einer Szene stelle ich mir die Schreiberei wirklich schwer vor.


Hab Mut dazu. Mach was dir Spaß macht, du lernst am meisten dabei.


Danke, ich werde es probieren  :jau:

Ich sehe auch überhaupt keinen Grund, warum du nicht schreiben solltest, was dir Spaß macht. Du kannst es ja erstmal nur für dich schreiben und dir ein begeistertes Publikum ausmalen. Und wenn du dann fertig bist und es dir noch immer gefällt, kannst du dir überlegen, ob du es der Öffentlichtkeit zugänglich machen willst.
Mir hilft beim Schreiben auch, mir zu überlegen, dass es ja erstmal nicht top sein muss; es kann beim Überarbeiten noch immer verbessert werden. Aber niemand zwingt einen, eine Szene, die man extrem mag, aus dem Text zu nehmen! Wenn man sie so mag, dann ist sie unverzichtbar, und das wird sogar ein Lektorat zeigen.
Aber ist denn der nächste Schritt bei dir wirklich die professionelle Veröffentlichung? Für mich hört es sich eher so an, als ob erstmal Schreiben oder Fertigschreiben angesagt wäre und du vielleicht den zweiten (oder dritten oder zehnten) Schritt vor dem ersten machen möchtest.
Ansonsten kenne ich den großen Frust, der mit großen und geliebten Projekten einhergeht, nur zu gut.
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Hallo Coppelia,

ich denke, du beziehst dich auf mein Epos. Ja, du hast recht. Ich glaube, ich bin viel zu voreilig. In erster Linie schreibe ich es wahrscheinlich wirklich für mich selbst.  Nach 20 Jahren sind mir meine Figuren so detailliert vor Augen: Ich weiß, was sie in den Windeln erlebt haben, ich kenne ihre komplette Vita, ihre Freunde, atme die Luft mit ihnen und habe - im Tagtraum - auch schon mit ihnen auf einer Bergwiese gesessen (als Autorin), um mich mit ihnen zu unterhalten. Ja, ich habe auch Freunde in der Realität  ;) Ich glaube, dass meine größte Angst nun die Angst vor dem Ungewissen ist. Denn so weit wie gerade war ich in meinem Epos noch NIE! Wohl habe ich wegen der langen Zeit immer mal wieder angefangen - und das erste Kapitel ist jetzt auch schon wieder 10 Jahre alt - , aber so weit wie jetzt war ich noch nie gekommen. Es ist quasi tatsächlich Neuland und der ganze restliche Plot, der immer nur theoretisch in den grauen Zellen waberte, der muss jetzt auf den Bildschirm. Und das ist glaube ich mein größtes Problem, dass ich einfach auf ein Terrain spaziere, das ich vorher noch gar nicht richtig kannte. Also sollte ich wohl die Abenteurer-Stiefel anziehen und auf Entdecker-Tour gehen, sprich die Kapitel schreiben und mich durch den Urwald kämpfen  :hmmm: Danke!

Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen: Was Du wann schreibst ist erstmal Deine Sache. Eine Pause vom Herzensprojekt kann sogar mal gut tun. Ich versuche zwar zumeist, mich auf ein Projekt zu beschränken, aber das funktioniert nicht immer. Eines meiner Herzensprojekte liegt schon seit über einem Jahr auf Eis, weil mir ein paar Kurzgeschichten "dazwischen" gekommen sind.
Aus dieser Erfahrung heraus kann ich Dir aber auch sagen, dass es durchaus befriedigend sein kann, eine Kurzgeschichte dazwischenzuschieben. Einfach ein kurzes Projekt, das man aber auch zum Abschluss bringt. Erstmal einfach nur für sich selbst. Hat dann ein Verlag Interesse daran gut - wenn nicht, auch gut. Man hat auf jeden Fall was dabei gelernt.
Und was Dein Herzensprojekt angeht: schreib einfach das, was Dir einfällt. Selbst wenn eine Szene dann im fertigen Werk tatsächlich rausfliegt (weil Du es willst, nicht weil ein Lektor das sagt), kannst Du die immer noch als "deleted Scene" als Bonus oder als Marketingwerk nutzen. Grundsätzlich gilt auch hier: Schreib den Roman für Dich, wenn er irgendwann Leser und einen Verlag findet (oder Du das im SP machst) - schön, wenn nicht, hast Du für Dich einen schönen Roman geschrieben.

Ja, Herzensprojekt ist gut. Danke, Waldhex! Es muss tatsächlich erst mal mir gefallen. Ich bin da ein bisschen wie Tollkien: Wer's so nicht mag, der mag's halt nicht. Mir gefällt's. Obwohl ich schon Einwände von meinen Testlesern sehr ernst nehme (Hallo Bianca  :winke: ), weil es meist genau die Passagen im Text sind, bei denen man sowieso irgendwie Magengrimmen hatte, aber das nicht genau lokalisieren konnte. SP steht bei mir sowieso schon ganz oben auf der Liste. Wer will schon so ein Epos verlegen?!?!

Kopf hoch und *Krönchen wieder zurückreich*

Mach das, womit du dich wohl fühlst und wonach dir ist. Ich denke jeder hat sein Herzenprojekt. Bei mir sind das meine Dämonen. Vielleicht ist das Beispiel ganz hilfreich für dich, von daher führe ich es einfach mal aus.
Angefangen haben meine Dämonen mit einem Buch. Dann kam mir die Idee für die Vorschichte, in die ich mich dann ein wenig mehr verliebt, weshalb ich die ursprüngliche Idee über den Haufen geworfen habe. Und weil ich überall gehört habe, dass es als unbekannte Autorin so furchtbar schwer sei, hatte ich schon ein schlechtes Gewissen, nun eine Trilogie geplant zu haben. Das Ergebnis davon war einfach nur unterirdisch. Ich habe meine Welt, meine Ideen dermaßen in diesen Rahmen gequetscht, dass es nichts halbes und nichts ganzes mehr war.
Die liebe Hexe (hier im Forum) hat es dann im Endeffekt gerettet, indem sie mich in die richtige Richtung stupste. Aus meinen Dämonen wird nun eine Reihe. Und dann eben kein Verlag sondern SP. So einfach ist das.  :)

Hallo Elona, danke für's Finden vom Krönchen  :winke:

Das mit dem Unterirdisch, das kenne ich auch. Das geht mir jetzt so mit meinen ersten Kapiteln, die schon 10 Jährchen auf dem Buckel haben. Aber ich will jetzt definitiv nicht mehr von Vorne anfangen, weil ich wirklich einen Schlussstrich ziehen will. Deshalb dienen sie als Platzhalter für die Szene und für den Plot an sich. Sie kommen erst wieder an die Reihe, wenn ich fertig bin.


Was ich auch lernen musste ... man kann nicht mit jedem über die Schreiberei reden. So lieb man die Menschen um sich auch hat, wenn diese selbst nicht Schreiben, können sie es mitunter auch nicht nachvollziehen, wovon man da redet. Und wenn es ganz mies läuft, kann das pures Gift für einen sein (das sage ich auch aus eigener Erfahrung). 


Ja, diese Erfahrung sammle ich gerade auch.

Ich weiß nicht, ob es Dir hilft, aber ich habe ein paar Jahre lange eine ganze Reihe von pornographischen Kurzgeschichten geschrieben und mich nie dafür schämen müssen. Na ja, ich könnte sie auch als erotische Geschichten bezeichnen, dann klingt es nicht sich hart. Ich weiß, warum ich sie geschrieben habe, was ich damit erreichen wollte und habe es darum auch gemacht. Pornographie muss nicht schmuddelig sein. Man kann sie auch anders schreiben. Sogar literarisch. Sie haben etwas mit Sex zu tun, und Sex ist eine der wichtigsten Triebfedern im Menschen. Und darüber sollte ein Schriftsteller nicht schreiben dürfen?

Also sag ich einfach: Trau Dich!

Ich habe Kurzgeschichten in fast allen Genres geschrieben. es ist also nicht so, dass ich da festgelegt bin. Aber eigentlich schreibe ich mehr Romane. Mein siebter Roman geht demnächst ins Lektorat und dann fange ich mit einer Serie an. Was ich schreibe, entscheide ich. Das ist die freiheit eines Schriftstellers, die ich mir nicht nehmen lasse.

Nur Mut
wünscht der Trippelschritt

Hallo Trippelschritt,

wie wahr, wie wahr. Sex bedeutet auch Macht, nicht nur Triebfeder. Bzw. das Eine hängt mit dem Anderen zusammen. Ich finde das hochinteressant und habe auch vor, das Ganze literarisch und nicht platt zu verpacken (mein Ziel). Natürlich geht es schon zur Sache. Ich werde es einfach mal ausprobieren und mich trauen. Danke dir!

Was den Epos angeht:
Daran schreibst du seit 20 Jahren? Das klingt vertraut - auch wenn es bei mir noch keine 20 Jahre sind. Ich hab auch mit was ganz großem angefangen "Warum kleine Brötchen backen? Lieber gleich mit dem größten Brot der Welt anfangen und Zeit sparen!".

Nachdem die ersten drei Bücher davon "fertig" waren und ich einen genaueren Blick zurück geworfen habe, hab ich festgestellt, wie grottenschlecht der Anfang überhaupt war im Vergleich zum neuesten. Der Versuch es zu überarbeiten, endete mit der Erkenntnis, dass Neuschreiben sogar schneller wäre und zu etwas besserem führt.
Warum erzähle ich diese kleine Anekdote? Weil ich denke, dass es bei dir ähnlich sein wird.

 Hallo Chrisopher,

nein, es ist nicht ähnlich, es ist genau so!

Du dürftest in diesen 20 Jahren eine Menge gelernt haben. So viel, dass noch mal von vorne anfangen mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar besser wäre. Und das führt dann zu einem weiteren Problem: Fertig werden. Das ist schwieriger als man glaubt, allerdings auch ein absolut essenzieller Teil des Schreibens. Bist du schon mal "fertig" gewesen?

Na,  da haben wir es ja schon: Nee, noch nie. Kurzgeschichten, ja. Kleine Erzählungen von ein paar Seiten, ja. Aber Fräulein Mauxa? Nö. Oder die Dystopie, die noch in der Schublade darauf wartet, dass Mauxa endlich im Kasten ist? Nö. Gelernt habe ich jedoch schon einiges, weil ich mich eigentlich immer - wenn auch nicht täglich - damit beschäftigt habe und mich auch mit Autoren hier vor Ort austausche. Obwohl es ja da auch Spreu und Weizen gibt. Wenn jemand oberlehrermäßig mit spitzem Bleistift in meinem Manuskript herumfuhrwerkt, mir noch meinen Titel streicht und dann meint, ich dürfte nur an der bevorstehenden Lesung teilnehmen, wenn ich die korrigierten Textstellen genau so übernehmen würde, dem pfeif ich was. (Du lachst dich schlapp: Der Titel "Mit Tonne in der Kiste" war zu anzüglich -> Kiste oder Klangkiste war der Name einer ehemaligen Disco vorort). Aus der Autorengruppe bin ich dann rausgeflogen, bevor ich überhaupt richtig drin war. Hat mir nicht weh getan. Die Alternativgruppe, in der ich jetzt bin, kennt solche Allüren überhaupt nicht und ich fühle mich wohl. Wie gesagt: Anmerkungen - gerne, spitze Bleistifte - nein.

Ich rate dir dringend, etwas anderes zu schreiben. Egal was. Erstens lernst du mit Sicherheit etwas daraus und zweitens um zu sehen, ob du tatsächlich "fertig" werden kannst. Denn wenn du das nicht kannst, wirst du Mauxa auch niemals beenden. Und ein gutes Ende hinzubekommen ist verdammt schwer. Da würde ich Übung empfehlen. Versuch mal mit Absicht eine kure Geschichte zu schreiben und diese zu beenden. Ich meine keine Kurzgeschichte, sondern eher etwas in Richtung 200 Normseiten oder so.

In kurz:
Du solltest unbedingt was anderes schreiben. Dabei kannst du viel lernen, was dir hilft.

Sehr gut, danke! Das wird jetzt meine Challenge werden: Fertig machen! Und zwar das kleine erotische 200-Seiten Abenteuer  :prost:

Natürlich habe ich keine Ahnung, wie es bei euch aussieht. Ob es stimmt, was dein Mann sagt, kann ich nicht bewerten. Und was du schreiben solltest, kann ich dir ebenfalls nicht sagen. Falls es stimmt, dass du mehr in Schreibforen bist als zu schreiben (Das war ich zum Beispiel sehr, sehr lange), dann wäre es vermutlich gut, das zu ändern.

Hallo Marta,

ja, es stimmt schon, ich mach im Moment viel nebenher, was mich vom Schreiben abhält. Aber ich war noch nie so lerneifrig, wie im Moment. Ich tausche mich auch privat mit einer Autorin aus. Wir korrigieren uns gegenseitig die Texte. Und weil jede eine völlig andere Schreibweise hat, ist es sehr spannend. Da sieht man mal, wie ein Text auch geschrieben werden kann. Ich bin so mehr die Schwaflerin, will alles bis ins Detail genau beschreiben. Meine Freundin ist da mehr diejenige, die sich ganz karg auf das Wesentliche konzentriert. Sie hat viel mehr Tempo als ich. Und ich habe mir da auch schon abgeguckt, dass ich auch weniger schreiben muss, wenn ich Tempo haben will. Das fasziniert mich jedes Mal wieder auf's neue, wenn ich unbekannte Texte von ihr lese oder ich meine kommentierten Texte zurückbekomme. Natürlich haben wir auch ganz unterschiedliche Auffassungen, wie Figuren ticken. Aber anstatt uns gegenseitig zu zerfleischen, hilft das uns, unsere Figuren mal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und vielleicht den ein oder anderen Schönheitsfleck vor der "Veröffentlichung" noch zu entfernen.

Ich kenne leider alle Seiten. Ich kenne die Frustration, nichts fertig zu bekommen, auch wenn man für die Story brennt. Ich kenne es, die paar Freunde, die das Werk lesen, immer wieder enttäuschen und vertrösten zu müssen. Und ich kenne es, auf ein Werk zu warten, das nie fertig wird. Fast keiner meiner ebenfalls schreibenden Freunde hat je ein Buch fertig bekommen. Zum Teil haben sie sechs halb fertige Manuskripte und unter keins werden sie je das Wörtchen »Ende« setzen. Und es ist anstrengend, immer wieder darauf zu hoffen, dass es weitergeht. Na ja, das ist wohl Karma. Eine sehr liebe Freundin wartet seit 20 (!) Jahren darauf, dass ich endlich einen Comic beende ...

Au ja. Meine Fangemeinde sitzt mir auch im Nacken. Hab einige Testleser, die ganz wild auf neue Kapitel sind. Weil du grade Comic schreibt: So einen hatte ich auch mal angefangen. Das war aber nur ein großer Spaß, den ich mal aus Jux mit zarten 16 Jahren angefangen habe. Es ging da um einen Kunststudenten, der mit verrückten Kritzeleien die halbe Welt auf den Arm nimmt (es grüßt "Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht" von Kishon). Aber das ist natürlich auch im Sande verlaufen. War aber witzig.

Sorry, dass ich so weit abschweife. :)  Ich denke, @Christopher hat recht damit, wie wichtig es ist, fertig zu werden. Egal, mit welchem Projekt. Hauptsache man schafft es. Hauptsache, man schreibt und gibt nicht mittendrin auf. Wenn man ein Buch (eine Novelle, eine Kurzgeschichte ...) beendet hat, weiß man, dass man es immer wieder schaffen wird. Und ich denke, letztendlich ist es egal, was dein Mann denkt, was wir denken oder was deine alte Schreibgruppe von deinem Gedicht gehalten hat. Wenn du schreiben willst, schreib. Und zwar das, was du schreiben willst. Im besten Fall bis zum Ende.

Habe es ja bei Christopher geschrieben: Ich zieh das Ding jetzt durch, egal, ob ich es dann zu diesem Verlag schicke oder nicht. Punkt! Nein, Ende kommt dahinter.  :rofl:

Du hast noch ausreichend Zeit, den kleinen Verlag zu beobachten und ihm beim Wachsen zuzusehen. :-) Zur Leipziger Buchmesse soll, soweit mir bekannt, spätestens das erste Buch raus sein und die Webseite ist auch noch in Arbeit. Du kannst dem Verlag und der Martina auch auf Facebook folgen und Dir das ganze ein bisschen ansehen, ob es zu Dir und Deiner Idee passt.

Hallo Silvia,

die Geschichte passt haargenau auf das Bild. Obwohl es wirklich ein großer Zufall war, dass gerade diese kleine Geschichte seit 17 Jahren in meiner Schublade schlummert. So ähnlich hatte ich mir das immer vorgestellt wie dort auf dem Cover. Deshalb war ich ja auch so angetan. Ich beobachte gerne, weiß aber nicht genau, was ich beobachten soll? Wie viele verschiedene Bücher bis Juli raus sind? Den Ansturm auf Facebook? Wie sich die Webseite entwickelt? Ich finde das immer toll, wenn sich etwas Neues, Eigenes irgendwo zum Licht reckt. Vielleicht wird es ja wirklich gut. Wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Aber Beurteilen, ob sich ein Verlag nun "lohnt" oder nicht, das kann ich nicht. Dazu bin ich viel zu sehr Laie. Ich danke dir für den Tipp  :winke:

20 Jahre an einen Epos schreiben. Das kommt mir sehr bekannt vor, denn ich hab auch so ein Baby, dass ich nun endlich flügge werden lassen will.
Warum sollst Du Dich nur auf ein Werk konzentrieren? Warum nicht mal andere Erfahrungen sammeln, Neues ausprobieren, dazulernen? Viele Wege führen nach Rom.
Ich sehe keinen Grund, warum Du nicht an einer Ausschreibung teilnehmen solltest.
Natürlich klingt das Urteil von Deinem Mann sehr hart. Ich wäre auch recht niedergeschmettert, aber manchmal muss man auch mal ausreißen, um mit neuer Weitsicht zurückzukehren.
Außerdem: DU bist die Autorin, nicht er.
Ich habe neben meinem Riesenbaby auch schon andere Romane geschrieben und nehme auch immer wieder an KG-Ausschreibungen teil. Das hindert mich nicht daran, meinem Urprojekt untreu zu werden.
Also hau in die Tasten.
Ich überlege auch grad, ob ich an dieser Ausschreibung teilnehmen soll.

Hallo Sternsaphir,
danke, du machst mir Mut! Und wenn du tatsächlich auch mitmachen solltest, da bin ich (vielleicht irgendwann?) mal gespannt, was du aus dem Bild gemacht hast  :buch:

Die ganz große Frage ist: was möchtest du denn? Was ist dein Ziel? Einfach nur schreiben, um Spaß zu haben? Dann mach genau das und lass dir von niemandem reinreden. (Aber überprüf den Verlag trotzdem sorgfältig, zu dem kann ich nichts sagen.) Möchtest du unbedingt veröffentlichen? Dann wäre mein Tipp: Lass das Epos liegen und schreib einen Kurzroman, der sich auf das wichtigste beschränkt, mach den richtig gut und veröffentliche ihn. So hab ich es gemacht, beste Entscheidung meines Lebens. Mein Epos ist inzwischen auch komplett fertig und veröffentlicht, aber wäre ich den ersten Schritt mit dem Kurzroman nicht gegangen, wäre es vielleicht nie dazu gekommen, weil ich mich so reinverbissen habe. Oder möchtest du vor allem das Epos fertig stellen und alles andere ist egal? Auch dann könnte es sinnvoll sein, erst mal was anderes zu schreiben, um Abstand zu gewinnen. Mein Fazit: Wenn du diese Erotikgeschichte schreiben willst, dann mach es. Und nein, niemand wird dir das vorhalten. Ich veröffentliche auch Erotik und Jugendbücher, nicht unter dem gleichen Namen, aber doch öffentlich und niemand, vor allem nicht der Jugendbuchverlag, hat sich je darüber mokiert. :)

Hallo Alana,

ja, auf deiner Webseite hab ich mich heute auch schon getummelt und war sehr beeindruckt von deinen drei offenen Pseudonymen in  so unterschiedlichen Genres. Das macht richtig Mut, dank dir  :prost:


Hui, das war ein Good-Vibes-Maraton  :vibes: Und ich fühle mich auch nicht mehr ganz so am Boden. Ganz lieben Dank euch allen! Ich nehme die Challenge an und werde jetzt die Rohfassung bis Mitte Mai runterreißen. Mauxa darf so lange bei ihren Freunden einmal ausruhen und es sich gut gehen lassen.

Liebe Grüße,
Zauberfrau
"Das ist unmöglich" - sagt die Angst.
"Zu viel Risiko" - sagt die Erfahrung.
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"Versuch es mal" - flüstert das Herz.

Offline canis lupus niger

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Re: Gestolpert und hingefallen, ich find meine Krone nicht mehr
« Antwort #13 am: 12. Februar 2018, 16:53:15 »
Liebe Zauberfrau,

da möchte ich unbedingt auch noch meinen Senf in die Suppe brocken. ;D

Wir leben in einem freien Land. Du darfst alles schreiben und veröffentlichen (oder das wenigstens versuchen), was Du willst. Mit der Option, nicht angenommen zu werden, oder von der Kritik verrissen zu werden, natürlich. Du darfst, muss aber nicht. Ich hab eher das Problem, dass mein Mann manchmal mit diesem lüsternen Blick zu mir sagt: "Schreib doch mal was Erotisches!" Mag ich nicht, kann ich nicht, will ich nicht. Punkt!

Wenn Du nicht eine mega-produktive Phase im Schreiben Deines Epos unterbrechen musst, sondern etwas im Prinzip Fertiges für diese Ausschreibung liegen hast, und Spaß an dieser Art Literatur hast und es sich nicht um einen Bezahl-Verlag handelt, der Dir und Deinem Renommé als Autorin nur schaden kann, ja, meine Güte, dann mach das doch!!!

Und wenn Du Bedenken hast, dass Dein Name und Erotik in der Öffentlichkeit zusammen nicht auftauchen sollten, oder dass Dein Mann Dir (aus welchen Gründen auch immer) nicht "erlaubt", etwas Erotisches in "so einem Verlag" zu veröffentlichen ... Du bist mündig! Dann veröffentliche das Ding eben unter einem Pseudonym!

Niemand muss jemals davon erfahren, dass sich hinter dem Namen Rosa Rosella (oder einem passenden anderen) in Wirklichkeit jemand namens Zauberfrau verbirgt. Nichtmal Dein Mann, wenn Du das nicht willst. Aber da Dein künstlerisches Selbstverständnis gerade ein bisschen Seelenbalsam zu benötigen scheint, könnte es Dir sehr gut tun, diese kleine Geschichte mal einzusenden und damit vielleicht angenommen zu werden. Und vielleicht, ganz vielleicht, möchtest Du ja, wenn Deine Geschichte erfolgreich veröffentlicht ist, dem Kerl doch davon erzählen, weil Du ein bisschen stolz darauf bist und es auch sein darfst.  :knuddel:

Du wärst nicht die erste Autorin, die mit einem Pseudonym in der erotischen Literatur so richtig erfolgreich wird.


Offline Aphelion

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Re: Gestolpert und hingefallen, ich find meine Krone nicht mehr
« Antwort #14 am: 13. Februar 2018, 13:10:57 »
Wenn du veröffentlichen willst, sieh das doch mal aus unternehmerischer Sicht:

Würdest du deinen Mann entscheiden lassen, wie du als selbstständige Ergotherapeutin/Juristin/Ingenieurin/Sonstwas arbeitest? Irgendwie nicht, oder? Immerhin ist das dein Spezialgebiet und es ist dein Ein-Frau-Unternehmen. Er kann seine Meinung dazu äußern, du kannst diese Meinung bei deiner Entscheidung berücksichtigen, aber mehr auch nicht. Es ist und bleibt deine Entscheidung.

Dein Partner hat in dem Fall - meiner Meinung nach - allerdings ein Mitspracherecht dabei, ob du deinen Realnamen oder ein Pseudonym benutzt. Denn eine Erotik-Veröffentlichung unter deinem Realnamen führt dazu, dass auch über sein Sexleben spekuliert wird, ohne dass er es beeinflussen kann. (Ob er das mitbekommt, ist eine andere Frage. Manche sagen: "Was ich nicht weiß, …", andere finden schon die Möglichkeit eklig.) Das fände ich nicht fair; deshalb denke ich, dass er bei der Frage Pseudonym/Realname schon mitreden darf.

Aber darum geht es bei dir ja noch gar nicht, sondern erst einmal "nur" ums Schreiben, dann um die Einreichung, dann … mal abwarten.

Ich finde übrigens Pornos doof und bestenfalls amüsant, egal in welcher Form. Du kannst damit allerdings definitiv Geld verdienen, wenn du einen Geschmack bedienst. Wenn dir das Spaß machen würde, mach ruhig. Und ja, du wirst damit leben müssen, dass manche Leute das doof finden und dir das auch mitteilen.

Okay, so weit zum Genre.

Jetzt aber mal etwas anderes - vielleicht lese ich das auch falsch. Ist deine schreiberische Produktivität wirklich ein Problem im Moment? Hängst du tatsächlich zu viel in Foren herum, wie dein Mann meint? Falls ja, wäre das vielleicht (auch) ein wichtiger Ansatzpunkt. Es spricht nichts dagegen, sowohl dein Epos zu schreiben als auch einen Erotikroman. Oder irgendwas.

An Ausschreibungen teilzunehmen und neue Genres auszuprobieren kann neue Motivation verleihen. Es kann aber auch ablenken. Manchmal darf man allerdings nicht auf Motivation warten, sondern muss "einfach" machen. Das hängt immer vom Einzelfall ab.

Jede Entscheidung kann sich als richtig oder falsch herausstellen. Aber es ist - immer noch :D - deine Entscheidung. Das Schlimmste wäre allerdings, gar keine Entscheidung zu treffen, denn dann wärst du mit er Situation nur weiterhin unglück. Niemand sagt, dass gleich der erste Versuch erfolgreich sein muss. Romanschreiben ist ein Marathon, kein Sprint. Aber selbst für einen guten Sprint musst du vorher trainieren.

Was du veröffentlichst, kannst du nicht mehr zurücknehmen (aber auch hier gehören Weiterentwicklungen und ggf. Experimente manchmal dazu). Was du im stillen Kämmerlein schreibst, kannst du immer noch löschen oder in der Schublade verschwinden lassen. Insofern: Schreib ruhig erstmal, wonach dir der Sinn steht. Du musst nicht alles, was du schreibst, kommerziell verwerten.

Wie bei einer Szene, die möglicherweise gestrichen werden könnte: Du brauchst erst einmal eine Grundlage. Ob die Szene/der Roman gut ist, kannst du erst beurteilen, wenn du eine Entscheidungsgrundlage hast. Ob die Entscheidung eine dataillierte Handlungszusammenfassung benötigt, einen fertigen Roman bzw. die fertige Szene oder zumindest einen Anfang, hängt von deiner Arbeitsweise ab.

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