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Autor Thema: The Rabbit Hole  (Gelesen 440 mal)

Offline Roca Teithmore

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The Rabbit Hole
« am: 10. November 2017, 02:34:07 »
Hallo Ihr lieben. Im Moment ist es für Nano nicht wichtig... doch es stört mich  :wums:
Aber so wie ich gerade angefangen habe und teilweise schreibe... sigh das ist definitiv ein first Draft.

Seit langen habe ich mich mal wieder an einen High Fantasy Roman gemacht, der in einer älteren Welt spielt, die ein ziemliches Rework von mir bekommen hat. Für mich ist der Ort also wie ein zweites zu Hause und vieles ist klar. Für den Leser eigentlich nicht. Naja... Im ersten Kapitel passiert unglaublich viel auf einmal und sehr viel Action. Mir war danach mal mit so einem Punkt anzufangen, auch wenn es nicht den normalen weg vom Geschichten erzählen belegt. Erstmal rein reißen und dann langsam aufatmen, so wie es eben für den Charakter in dem Moment ist. An sich experimentiere ich gerne mit Anfängen.

Die erste Szene beginnt damit dass eine der beiden Hauptfiguren sich gerade versteckt. Sie ist auf der Flucht, weil man ihren Mann im Schlaf ermordet hat und nun hinter ihr her ist. Das ist zwar mal ein interessanter Twist mit "die Geschichte beginnt, mit der Hauptfigur, wie sie aufwacht" - und das gefällt mir auch gut so. Da trotz der Flucht der einstig in die Geschichte eher langsam ist, da sie sich ausruht und über ihre Situation reflektiert. Aber ich erkläre so viele Weltdetails (später) nebenher. Mir fehlt so ein bisschen das "Rabbit Hole" wo ich den Leser abhole, damit ihm klar ist, was überhaupt los ist, was ist die Basis Regel der Welt Setting etc. Viele High Fantasies nutzen ja einen Prolog oder ähnliches wo erstmal Kultur und so erklärt wird... Er lernt in den ersten drei Seiten die neuen Charaktere Kennen, den Antagonisten, das das nicht das hier und jetzt ist. Nach.... schwer in Worten so einfach in Bildern  :gähn: (zumindest für mich...)

Das Problem ist vermutlich dadurch entstanden, das ich Geschichten in letzter Zeit sehr optisch geplant habe für Comics etc... d.h. man kann dem Betrachter sehr viel Informationen nebenher geben ohne sie wörtlich zu erklären. Aber das ist ja auch ein anderes Medium....

In Nano werde ich erstmal so weitermachen. Aber habt ihr einen guten Weg, wie man ohne Prolog Leute in eine High Fantasy Welt einlädt, die eben NICHT auf unserer basiert? So oft ist es ja eben erst "bekannt" und dann passiert der Twist eben wie bei Alcie im Wunderland, wo der Leser durch das Rabbit hole in die Geschichte und deren Regeln geschmissen wird...

Vermutlich mache ich mir im Moment zu viele Gedanken, da Nano ja sowieso nur ein First Draft (zumindest für mich in den meisten Fällen ist) Aber das ist ein Gedanke der mich immer wieder nebenher stört, wenn ich wieder was neues erkläre. :wart: Das lenkt einfach ab...

Vermutlich brauche ich Dezember einfach einen Betaleser, der noch nichts über die Welt weiß... na ja. Kennt ihr das Problem? Über Feedback freue ich mich sehr.
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Offline Elona

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Re: The Rabbit Hole
« Antwort #1 am: 10. November 2017, 07:42:17 »
Ehrlich gesagt glaube ich, dass du dir wirklich zu viele Gedanken im Augenblick machst. Das ist natürlich nur mein persönlicher Eindruck, aber zunächst sehe ich da erst mal kein Problem oder ich übersehe/-lese gerade etwas.

Gegenfrage: Warum sollte es nicht funktionieren?
Nur weil es eine neue Welt ist? In meinen Augen hängt das stark davon ab, wie du die Details einflechtest. (Das sagt übrigens jemand, der supertoll darin ist, den Leser mit ganz vielen Details (auch am Anfang) zu verwirren.  :hmhm?: )
Oder weil du direkt in die Handlung einsteigst? Da gibt es auch genug Beispiele, bei denen es funktioniert. Von daher würde ich mich nicht an Prolog etc. aufhängen.

Ein Anfang kann so durchaus funktionieren, auch wenn es eine neue Welt ist. Aber das werden dir am Ende nur Betaleser sagen können.  ;)
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Offline Alina

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Re: The Rabbit Hole
« Antwort #2 am: 24. November 2017, 16:30:16 »
Ich finde das auch nicht einfach, einen Anfang zu schreiben, der packend ist, den Leser fesselt, evtl. - so wie bei dir - mit viel Action - und gleichzeitig dem Leser die Ausgangssituation und das Setting zu vermitteln.
Weil ich das auch schwierig finde, tue ich mir gerade mit Anfängen schwer ...

Ich kann dazu nur sagen: Überlegen, welche Infos braucht der Leser zu Beginn, und welche kann man auch später noch liefern? Und dann versuchen, die Infos nebenbei in der Handlung einstreuen - so wie du es ja auch machst. Wenn die Frau sich versteckt, und gerade aufwacht, kann man  z.B. Infos vermitteln, indem man Gegenstände in der Umgebung beschreibt, oder vielleicht Geräusche, die sie von draußen hört. 
Ich finde übrigens, dass die Sache auch nicht einfacher wird, indem man einen Prolog voranstellt. Das Problem ist doch, dass ich den Leser von Anfang an für die Geschichte interessieren will und da sind lange Beschreibungen mit viel Tell meist nicht so hilfreich, egal ob sie nun im Prolog stecken oder im ersten Kapitel.

Zitat
So oft ist es ja eben erst "bekannt" und dann passiert der Twist eben wie bei Alcie im Wunderland, wo der Leser durch das Rabbit hole in die Geschichte und deren Regeln geschmissen wird...
Da fallen mir aber eine Menge (High) Fantasy Romane ein, bei denen das nicht so ist. Game of Thrones - Wheel of Time - die Schwerter-Saga von Tad Williams usw.

Offline Guddy

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Re: The Rabbit Hole
« Antwort #3 am: 24. November 2017, 16:47:12 »
Habe bei meinem Projekt die gleichen Bedenken wie du.

Die meisten Fantasywelten sind sehr stark an die Realität bzw. menschliche Epochen angelehnt, sodass der Leser automatisch eine Vorstellung erhält, selbst wenn man nur wenig beschreibt. Weicht die Welt jedoch von dem Bekannten ab, ist es schwierig, die handelsüblichen Vorstellungen aus den Köpfen des Lesers zu vertreiben. Man geht einfach grundsätzlich erst mal davon aus, dass es typisches Pseudomittelalter/Orient/whatever ist.

Einen guten Weg das zu verhindern bzw. besser zu machen habe ich leider nicht. Am einfachsten ist es, aus der Perspektive einer Figur zu schreiben, die sich selber nicht so gut in der Welt auskennt. Beispielsweise kann er oder sie neu in der Stadt bzw. im jeweiligen Umfeld sein und das aus seiner eigenen Sicht in Relation zu seinen Erfahrungen setzen und vergleichen.

Aber die richtige Balance zwischen Show und Tell oder zu viel und zu wenig habe ich noch nicht gefunden. :-\
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Offline Arcor

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Re: The Rabbit Hole
« Antwort #4 am: 24. November 2017, 17:03:44 »
Gerade bei High Fantasy sehe ich da eigentlich weniger Probleme. Denn dieses Genre erlaubt, bzw. verlangt geradezu nach ausschweifenden Informationen und einem großen Weltenbau. Wenn der nicht da wäre, würde etwas fehlen.

Natürlich darf man es nicht übertreiben, aber ich führe als Beispiel mal Tad Williams' Shadowmarch an, das ich gerade lese. Hab jetzt ungefähr 130 Seiten gelesen, außer einem Mord ist noch nicht viel passiert, dafür sind sicher schon 10 Figuren eingeführt worden und 50 weitere aufgetaucht, ich weiß was über die Welt, die Geschichte des Landes, die Königsfamilie, ein paar Kriege, drei bis fünf Völker. Williams hat hier zwar mit einem Prolog gearbeitet, aber ich sehe das ganze Infodropping nicht als Problem. Wie gesagt, bei High Fantasy rechne ich am Anfang sogar damit/stelle mich im ersten Band darauf ein.
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Offline Aphelion

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Re: The Rabbit Hole
« Antwort #5 am: 24. November 2017, 22:12:26 »
Schwierig.

Beim Lesen nehme ich erst einmal an, die Welt sei unserer zumindest ähnlich, wenn ich keine gegenteilge Information bekomme. Die Frage ist: Wie stark weicht deine Welt tatsächlich von unserer ab? Wenn die dominante Spezies auf neun Beinen geht, blaue Haut besitzt und sich mit Zischlauten verständigt, möchte ich das möglichst früh wissen. ;) Ob ihr Atemstoffwechsel auf Sauerstoff oder Methan basiert, kann ich auch getrost später noch erfahren.

Einen actionlastigen Einstieg finde ich völlig in Ordnung und nutze ich auch gerne (und grobe Rahmenbedingungen wie die o.g. lassen sich auch mal eben einstreuen) - ich finde allerdings zumindest einige Orientierungspunkte ab der zweiten Szene sinnvoll.

Um bei deinem Beispiel zu bleiben: Die Protagonistin flüchtet in der ersten Szene - der Leser erfährt, ob es sich um einen Menschen handelt, ob der Planet unserem ähnelt, ob die Welt eher High oder Low Tech ist. Wenn ich von einer Flucht durch den Wald lese und die Welt anschließend hochtechnologisiert ist, fühle ich mich verarscht. Dann sollte sich die Figur vorher wenigstens wünschen, sie hätte Futuristische Waffe X oder Superfunktionale Kleidung Y oder Obercooles Unsichtbarkeitsgadget Z mitnehmen können, weil sie das bei der Flucht dringend gebraucht hätte. Man kann auch die Waffen/Transportmittel/Hilfsmittel der Verfolger beschreiben - Hauptsache, es gibt schonmal einen Anhaltspunkt.

In der zweiten Szene reflektiert sie über die Geschehnisse - der Leser erhält weitere Informationen, z.B. wie die Personen leben (Häuser, Höhlen, Was-auch-immer), welche sozialen Strukturen als normal gelten usw. Das empfindest du vielleicht gar nicht als Erklärung deiner Welt, weil es so selbstverständlich ist. Ich behaupte, dass auch die meisten Leser solche Schilderungen gar nicht als Weltenbau bemerken. Letztlich ist das aber ein wichtiger Baustein, um nach und nach deine Welt darzulegen.

Wenn du die Geschichte eigentlich für einen Comic entwickelt hast, könnte das schwierig werden. Ich persönlich mag keine allzu langen Beschreibungen (aber ganz umgehen kann ich sie auch nicht :P). Das ist aber auch eine Frage des persönlichen Geschmacks und Stils; schau einfach mal, wie sich das Projekt entwickelt und wie du den Text beurteilst, wenn du etwas mehr Abstand und keinen NaNo-Stress hast. Mach dir jetzt noch nicht zu viele Gedanken. :)

Offline Churke

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Re: The Rabbit Hole
« Antwort #6 am: 24. November 2017, 22:48:07 »
Da trotz der Flucht der einstig in die Geschichte eher langsam ist, da sie sich ausruht und über ihre Situation reflektiert.

Rein gefühlsmäßig habe ich bei diesem Einstieg massive Bedenken. Wenn die Flucht als Actionszene funktionieren soll, halte ich es für keine gute Idee, mittendrin den Blick nach innen zu richten und den Erklärbär zu geben.

Das Problem ist vermutlich dadurch entstanden, das ich Geschichten in letzter Zeit sehr optisch geplant habe für Comics etc... d.h. man kann dem Betrachter sehr viel Informationen nebenher geben ohne sie wörtlich zu erklären. Aber das ist ja auch ein anderes Medium....
In Büchern löst man das am besten durch szenische Darstellungen. Das berühmte "show don't tell".
Cupitorum spes omnis Circus est maximus.
- Ammianus Marcellinus

Offline Cailyn

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Re: The Rabbit Hole
« Antwort #7 am: 07. Dezember 2017, 08:43:28 »
Ich glaube auch, du machst dir zu viele Gedanken.
Wenn in dieser Anfangsszene eine Flucht und später eine Reflexion kommt, ist die Welt "da draußen" noch unwesentlich. Natürlich muss der Leser irgendwie spüren, dass er sich in einer anderen Realität befindet. Aber wenn jemand das Buch ausgewählt hat, weiß er ja bereits, dass es sich um Fantasy handelt. Wie genau die Welt funktioniert, musst du nicht zu Beginn darstellen. Im Gegenteil, es ist oft sogar besser, wenn das erst nach und nach kommt.

Offline Koboldkind

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Re: The Rabbit Hole
« Antwort #8 am: 08. Dezember 2017, 04:55:54 »
Immer wieder Show. Eine Actionhandlung als Einleitung finde ich dafür sogar viel besser, ich glaube, dass ich da als Leser gewissen Infodump eher verzeihe, weil ich paralell noch unterhalten werde. Allerdings ist in einer Actionhandlung auch nur das Worldbuilding zu nennen, was gerade wichtig ist (Eher auf der Flucht als im Reflexionsmoment).
Charakter rennt aus Wohnhöhle, versteckt sich hinter Fahrkutschen und greift sich an die tatoowierten Oberarme, die sie um diese Uhrzeit auf den Gassen der Kleinstadt als Freiwild bezeichnen - und Zack denk ich mir als Leser "Oha, wo bin ich hier gelandet?!". Wenn der Leser hier ins Rabbit Hole fällt, super, wenn nicht, dann kann sie vielleicht mit der Welt nichts anfangen, aber das liegt dann nicht an deinen Erklärungen.
Alles Worldbuilding, was danach kommt (Magie? Staatsform? Flora und Fauna?) muss ja nicht alles gleich in den ersten fünfzig Seiten angerissen werden. Ich erkläre meine Welt dann wenn es wichtig ist. Wenn ich Magier in meiner Welt habe, die aber weder Handlungsrelevant noch Käsekuchen sind, dann kann ich einen Zeitungsartikel darüber fallen lassen, nur damit es erwähnt wurde (Für nachfolgende Geschichten z.B.). Ansonsten mach dir über das Worldbuilding/Rabbit Hole jetzt noch keine Gedanken, schreib erstmal :)
Wer jetzt nicht wahnsinnig wird, muss verrückt sein.

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