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Autor Thema: Das Aussehen unserer Helden  (Gelesen 34809 mal)

Offline Witch

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Re: Das Aussehen unserer Helden
« Antwort #180 am: 04. Februar 2017, 15:18:11 »
Habe festgestellt dass in meinem aktuellen Manuskript mein Prota unbeschrieben bleibt? Kann man das vollkommen der Fantasie des Lesers überlassen oder sollte ich doch noch etwas nachlegen?

Ich finde, das kann man schon machen. Du musst einfach konsequent bleiben und ihn wirklich nie beschreiben, sonst passiert das, was ich weiter oben bemängelt habe. Gar keine Beschreibung geht, Beschreibung früh in der Geschichte geht. Nur eine Beschreibung, die viel zu spät kommt, geht meiner Meinung nach nicht.
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Offline Araluen

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Re: Das Aussehen unserer Helden
« Antwort #181 am: 04. Februar 2017, 17:57:07 »
Das seh ich genauso wie @Witch : Entweder du läst dem Leser die absolute Freiheit oder du gibst ihm gleich zu Beginn eine Orientierung, aber nicht erst irgendwo zwischendrin.

Offline Coppelia

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Re: Das Aussehen unserer Helden
« Antwort #182 am: 11. März 2018, 08:11:59 »
Ich habe mal eine kurze Frage an euch und kapere dafür meinen uralten Thread. Witzigerweise habe ich am Anfang geschrieben, dass ich es mag, wenn meine Figuren nicht schön oder sogar hässlich sind. Das ist noch immer so. Nun ja, momentan arbeite ich an einer Art Liebesroman. Ich weiß nicht, ob er noch ins Genre der romantischen Fantasy einzuordnen ist, weil er viele düstere Aspekte hat. Es geht um die entstehende Liebe einer Prinzessin zu einem Schwarzmagier-General des Evil Overlords. :wolke: Es wird aus der Sicht beider Figuren erzählt, aber die Prinzessin hat mehr Perspektive.
Nun. Die Figur des Schwarzmagiers wurde mal von Kylo Ren inspiriert und geht zum Teil auch optisch in die Richtung. Bei der ersten Begegnung schießt meine Prota ihm einen Pfeil ins Auge. Dank eines Paktes mit dem Tod bringt ihn das nicht um. Ich dachte mir, "kein Problem, das Auge wächst ja bestimmt nach." Aber nun habe ich quasi von ihm erfahren, dass zwar seine Wunden - auch schwere - schnell heilen, dass aber der vorige Zustand des Körpers nie wieder hergestellt wird. Eigentlich hätte ich auch vorher darauf kommen können, denn er hat Narben und hinkt auch etwas. Aussehen tut er aber insgesamt super. :P Nun, mit nur einem Auge wäre das freilich nach gängigen Maßstäben nicht mehr der Fall. Auch wenn Augenklappen vielleicht cool sind.

Meine Frage also: Ist das ein No-Go? Meine Prota könnte ihm auch woanders hin schießen (nicht, was ihr jetzt denkt! :snicker:). Oder das Auge wächst doch nach. Oder es wächst irgendwie seltsam nach, ist anschließend rot oder so.
Mich interessiert mehr, ob ein einäugiger "Love Interest" euer Ansicht nach für die Leser_innen ein No Go wäre, als wie ihr das selbst als Autoren handhaben würdet.

Offline Maubel

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Re: Das Aussehen unserer Helden
« Antwort #183 am: 11. März 2018, 08:31:09 »
Wäre für mich kein No Go. Die meisten Leser würden sich das trotzdem cool aussehend vorstellen ob mit oder ohne Augenklappe. Ich bin ehrlich,beim Lesen werden die Charaktere in meiner Vorstellung eh relativ schnell beschönigt. Gerade Narben oder andere Merkmale treten dabei kaum auf, solange sie nicht am laufenden Band erwähnt werden. Sprich, kurz um - in der Realität wäre eine leere Augenhöhle grausig, aber im Roman nicht halb so erschreckend. Was mir wichtiger wäre, wären die Folgen des verlorenen Auges, z.B. Die fehlende Tiefensicht.

Wo ich gerade schreibe, fällt mir auf, dass mein Protagonist aus Ravenblood auch sein Auge verloren hat. Er lässt da anfangs immer sein Haar drüber fallen, weil er (zurecht) glaubt, dass es furchtbar aussieht, aber er ist auch generell nicht so selbstsicher wie ein Schwarzmagier-General.
   

Online KaPunkt

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Re: Das Aussehen unserer Helden
« Antwort #184 am: 11. März 2018, 08:34:09 »
Für mich wäre das kein No-Go. Das ist eine Eigenschaft, mit der man spielen kann. Und noch dazu eine Verbindung, die die beiden teilen. (Sie ist ihm quasi sofort ins Auge gefallen / er hat ein Auge auf sie geworfen *hier gequältes Lachen einfügen*)
Es wird schon eine Rolle spielen und sie wird sich irgendwie damit auseinandersetzen müssen, was sie mit ihm angestellt hat (und er mit sich selbst) und zwar jedes Mal, wenn sie ihm ins Gesicht schaut.

Es gibt außer Augenklappe ja auch noch andere Möglichkeiten, wie er mit der Verletzung umgehen könnte.
Wie wäre es mit einem Glasauge? Oder einer aus einem anderen Material? Oder verschiedenen, für verschiedene Gelegenheiten? Oder mit einem überlangen 'Emo'-Pony? Oder er benutzt einen Zauber, um das fehlende Auge zu verstecken?

Ich finde, ein fehlendes Auge ist einer dieser Klassiker in Hinsicht auf "Diese Figur ist nicht perfekt" als auch "Diese Figur hat gefährliche Dinge erlebt/getan".

Liebe Grüße,
KaPunkt
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Offline Angela

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Re: Das Aussehen unserer Helden
« Antwort #185 am: 11. März 2018, 08:48:54 »
Erinnerst du dich noch an Moshe Dajan? Den fand ich immer ziemlich sexy, gerade auch wegen der Augenklappe. Er hat auf ein Glasauge verzichtet, weil die Augenhöhle zerschmettert war.
Ich habe einen Prota, dem beide Augen ausgerissen wurden. Ich persönlich finde ihn immer noch sehr anziehend( er ist ein Superlover, klar), ob ein Verlag das so sieht, weiß ich noch nicht.

Offline Mönchen

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Re: Das Aussehen unserer Helden
« Antwort #186 am: 11. März 2018, 11:17:52 »
Wär für mich auch absolut kein no go!
Im Gegenteil, bei den ganzen Stereotypen fänd ich das sogar ganz erfrischend, wenn mir mal so jemand begegnen würde.

Und vielleicht würde es sie anfangs abschrecken, aber je mehr sie ihn kennenlernt, desto weniger bemerkt sie es noch. 
Wie gesagt, bei den ganzen Stereotypen habe ich oft das Gefühl, dass sich die Prota in das Aussehen des super tollen, perfekten Typen verliebt, nicht in IHN, den Menschen dahinter.   
Charakter kann einen Menschen ja auch schön machen, bzw seine Taten. Und ein scheiß Charakter einen auch gut aussehenden Typen ganz häßlich machen.
Ich hoffe, du weißt, was ich meine ;-)

Ich als Leser würde mich wohl auch fragen, wieso er als Magier das Auge nicht nachwachsen lassen kann mit einem Zauber?
Eine Augenklappe fänd ich auch ganz cool, begegnete mir oft in einer Serie und machte die Darsteller nicht weniger attraktiv. Im Gegenteil, dass kann interessant machen.

Es ist natürlich die Frage, inwieweit die beiden im weiteren Verlauf damit umgehen.
Könnte ja passieren, dass sie sich immer Vorwürfe macht deswegen. Oder er es ihr zum Vorwurf macht.
Immerhin verliert er ein Auge wegen ihr und das für immer, wenn er es nicht mit einem Zauber das Auge wieder herstellen kann.
Oder sie schießt ihm doch woanders hin? Vielleicht mitten ins Herz, wo sie ihn auch so trifft? ;-)

Offline PBard

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Re: Das Aussehen unserer Helden
« Antwort #187 am: 11. März 2018, 12:40:53 »
Daß die Protagonistin von Zeit zu Zeit mal durch einen Blick auf die Augenklappe damit konfrontiert wird, was man sich da anfangs mal gegenseitig antun wollte und auch angetan hat, bietet ja wirklich einiges an Potenzial.

Aber insgesamt kann ich sagen: Erfahrungsgemäß überschätzen die Leute die Wirkung, die eine Augenklappe im alltäglichen Leben hat. Die meisten von uns kennen sie ja auch eher aus Filmen (wo sich innerhalb von 2h kein "Alltag" einstellen kann).

Ich war aber überrascht, als ich jemanden mit Augenklappe kennenlernen durfte, und ab dem zweiten Tag überhaupt nicht mehr mitbekommen habe, daß er eine solche trägt. Das Teil war einfach nur ein weiteres Accessoire. Und selbst der erste Eindruck war ein ganz anderer, als wenn ein Einäugiger in einem Film auftritt. Klar, erst einmal sticht es als Merkmal hervor - aber auch nicht mehr oder weniger als eine Kopfbedeckung, ein besonderes T-Shirt oder ein Piercing. Aber dieses leicht Verruchte, vielleicht Unheilvolle, das ein Einäugiger auf der Leinwand mit sich bringt? Keine Spur davon.

Und der junge Mann hat durch die Augenklappe auf mich (und wenn man den Aussagen unseres Umfeldes glauben mag, auch auf andere) weder weniger, noch mehr attraktiv gewirkt.

Von daher denke ich, gerade wenn du es schaffst, diese Alltäglichkeit auch in den Gedanken der Protagonistin einzubauen, dann wird eine Augenklappe auch in den Gedanken der Leser nicht als "Störfaktor" empfunden.

Offline Araluen

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Re: Das Aussehen unserer Helden
« Antwort #188 am: 11. März 2018, 13:00:23 »
Bei Christoph Marzis Uralter Metropole ist die Protagonistin einäugig - ein Rohrstock war schuld als sie vier Jahre alt war. Erst trug sie ein Glassuge, zwischendrin nichts und dann eine Mondsteinkugel. Passend dazu langer Pony, wobei sie auch da mehr Selbstvertrauen entwickelt. Marzi ist nun wahrlich kein Vorreiter der Romance, aber auch diese Protagonistin hat innerhalb von 5 Bänden 3,5 Beziehungen. Dabei ist das fehlende Auge immer ein großes Thema, wirkt aber nicht abschreckend, weder auf Partner noch auf Leser. Aldo würde ich sagen, es funktioniert.

Offline Coppelia

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Re: Das Aussehen unserer Helden
« Antwort #189 am: 11. März 2018, 17:43:44 »
Ganz lieben Dank für eure Rückmeldungen. Das geht ja in eine eindeutige Richtung. Und es freut mich natürlich, weil ich den Schwarzmagier ganz gern einäugig hätte. :) Wäre aber auch ok für mich gewesen, es zu ändern.
Moshe Dajan war etwas vor meiner Zeit. Mein Typ wäre er nicht, aber das liegt nicht an der Augenklappe. Die gefällt mir. ;D
Ich kenne nur eine Glasaugen-Trägerin, bei der man schon genau hinsehen muss, damit etwas auffällt. Der Hinweis, dass etwas normalerweise eher Ungewöhnliches wie eine Augenklappe bald selbstverständlich wird, ist auch nützlich.

Mein Schwarzmagier legt auf Äußerlichkeiten nicht allzu viel Wert, daher würde er wahrscheinlich irgendeinen Anreiz brauchen, eine Augenklappe zu tragen.
Es ist jedenfalls eine sehr gute Idee, auf diese Weise die erste Begegnung der Figuren in den Roman aufzunehmen und immer wieder in Erinnerung zu rufen. Auch in Hinblick auf die Entwicklung ihrer Beziehung.
Auch gut zu wissen, dass es in anderen Romanen durchaus eine Chance hat.

Jetzt muss ich meine beiden Schnuffis nur noch dazu bringen, sich wirklich ineinander zu verlieben.

Bei Magiern wird ja oft gefragt, wieso sie nicht mit Magie das oder das zaubern. Für mich ist Magie automatisch immer sehr begrenzt in ihren Möglichkeiten, aber ich sollte noch mal deutlicher machen, warum er es nicht kann. (Er ist vor allem Nekromant, und abgesehen davon beherrscht er noch ein paar Lähmungszauber und so für den Nahkampf, aber keine Heilmagie).

Offline Witch

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Re: Das Aussehen unserer Helden
« Antwort #190 am: 13. März 2018, 12:53:41 »
Hier wollte ich auch noch antworten. Auch wenn es jetzt etwas spät ist, ich möchte trotzdem gern noch meine Ansicht da lassen. @Coppelia, wenn du das so machen willst, mach das. Ich finde, das ist kein No-Go, ich finde, das ist eine Zielgruppenfrage. Wenn du möchtest, dass Twilight-Leserinnen deinen Roman mögen, ist das vermutlich nicht so eine gute Idee. Leute wie du und ich aber, denke ich, würden sehr gerne mal etwas Lesen, in dem der Love Interest kein muskelbepackter Surferboy-Werwolf ist. ;) Man sagt ja, man soll das schreiben, was man selbst gerne lesen würde. Insofern finde ich, dass man sich von solchen Gedanken nicht aufhalten lassen sollte (auch wenn es schwierig ist). Jene Leser, die dann ein Problem damit haben, sind dann eben nicht deine Zielgruppe. Aber es gibt eine Zielgruppe für so etwas und ich denke, das Werk wird diese Zielgruppe auch finden (oder die Zielgruppe findet das Werk).
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Offline Coppelia

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Re: Das Aussehen unserer Helden
« Antwort #191 am: 13. März 2018, 18:13:56 »
Danke, Witch. :)
Ich bin nicht sicher, ob Twilight-Leserinnen zu meiner Zielgruppe gehören. An sich möchte ich mit diesem Buch mehr oder weniger jeden Leser ansprechen, aber dabei auch etwas schreiben, womit ich mich identifizieren kann. Ob der Protagonist ein Auge mehr oder weniger hat, ist mir dabei nicht so wichtig wie andere Dinge.
Jedenfalls werden hier Klischees genutzt und auch gebrochen. Es gibt viel Schönheit und viel Hässlichkeit, viel Action, Drama und, ich hoffe, Liebe. ::) Romantik an sich - oder die kitschige Spielart davon - liegt mir nicht so, glaube ich. Aber ich tue mein Bestes.

"Leute wie du und ich", also Autoren mit Sinn für Originalität, sollten den Roman auch gern lesen, aber sie sind auf keinen Fall meine Zielgruppe.
Ist schwierig, wenn man sein gewohntes Genre verlässt. :hmmm:

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