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Autor Thema: Erzählerstill oder Ich-Still  (Gelesen 254 mal)

Offline Usaria

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Erzählerstill oder Ich-Still
« am: 08. April 2018, 15:38:09 »
Hallo liebe Tintenzirkler,
Ich bin Usaria und noch ganz neu hier, brenne aber darauf endlich meine handgeschriebene Geschichte Dämonenblut zu überarbeiten und hier rein zu stellen, doch ich habe ein Problem.
Denn ich weiß nicht ob ich auch den bisherigen Schreibstil also die Ich-Version abändern soll und in den Erzählerstill. Und bevor ich dies nicht weiß bringt es auch gar nicht´s mit der Überarbeitung an zu fangen, weil die Art des Erzählens nun einmal das A und O ist.
Wieso überlege ich mir den Stil zu ändern?
Dämonenblut ist eine von denen Geschichten die ich vor meiner großen  Schreibblockade hatte. Kurz zur Info. Die Schreibblockade wurde aus gelöst, als ich fest stellte dass ich in meinen Geschichten unbewusst mein Trauma verarbeitet habe. Nun könnte ich ja auch die Geschichte einfach lassen, doch ich finde sie hat Potenzial. Und ich glaube dass durch die Veränderung des Erzählstils ich etwas Abstand bekomme. Doch ich bin mir dann eben nicht sicher ob sich damit dann nicht die gesamte Dynamik der Geschichte verändern wird.
Auf der anderen Seite würden dadurch die wichtigsten Nebencharaktäre mehr Raum bekommen. Was bestimmt auch nicht schlecht wäre.

Ich weiß jeder der beiden Stile hat seine Vor und Nachteile.
Vielleicht könnt ihr mir helfen einen neutralen Blick auf diese Vor und Nachteile zu werfen. Damit ich endlich mich entscheiden kann. Ich danke euch schon mal im Voraus für die Hilfe.

Lieben Gruß Usaria

Offline Aphelion

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Re: Erzählerstill oder Ich-Still
« Antwort #1 am: 08. April 2018, 16:22:32 »
Hm, hier gehen die Begriffe noch ein bisschen durcheinander. Ich drösle die erstmal auf, damit wir über dasselbe reden. :)

Jede Geschichte hat einen Erzähler, einen "Erzählerstil" gibt es also nicht. Es gibt personale, auktoriale und neutrale Erzähler. Ein neutraler Erzähler steht außerhalb des Geschehens und bleibt stets objektiv. Ein auktorialer Erzähler kann allwissend sein (muss aber nicht) und das Geschehen kommentieren.

Ein personaler Erzähler hängt sich an eine Figur innerhalb der Geschichte und erzählt aus ihrer Perspektive. Das ist die häufigste Variante in der heutigen Literatur. Es gibt aber unterschiedliche Arten von personalen Erzählern.

Ich- und Er/Sie/Es-Form beschreiben die Erzählform. Ein Ich-Erzähler kann personal oder auktorial sein. Wenn du die Er/Sie/Es-Form wählst, muss der Erzähler aber nicht zwingend "weiter weg" sein, d.h. auch in dieser Form kannst du hautnah Gedanken und Gefühle beschreiben.

Ich vermute, dass du mit "Erzählerstil" einen personalen Erzähler meinst, der die Er/Sie/Es-Form benutzt. Wie nah oder fern dein Erzähler deinen Figuren ist, kommt auf deinen Stil an, und in deinem Fall auch darauf, was dir guttut. ich würde solches Therapeutisches Schreiben übrgens nicht veröffentlichen und auch nicht anderen "einfach so" zum Lesen geben - dazu haben wir einen Thread, den du dir vielleicht mal angucken magst.

Ein Ich-Erzähler kann sehr persönlich klingen, aber diese Perspektive ist sehr beschränkt. Wenn du also mehrere Figuren hast, die du nicht nur von außen, sondern auch von innen beschreiben möchtest, dann bietet es sich an, mehrere Perspektive zu nutzen und zwischen ihnen zu wechseln. Das ist erst einmal völlig unabhängig davon, ob du "ich" oder "er/sie/es" verwendest. Das ist die Entscheidung #1.

Entscheidung #2 würde ich von folgender Fragestellung abhängig machen:

Müssen die Wechsel relativ häufig stattfinden, sodass nur kleine Brocken aus derselben Perspektive entstehen? Dann sind mehrere Ich-Ezähler hinderlich, weil sie extrem verwirren können. Auch in der Er/Sie/Es-Form sind das immer noch Perspektivwechsel, aber die Brüche sind nicht so extrem, du kannst relativ fließend von einem Kopf in den nächsten springen.

Erfolgen die Perspektivwechsel in größeren Abständen? Dann kannst du z.B. ein Kapitel aus der Sicht von Ich-Erzähler A schreiben, das zweite Kapitel aus der Sicht von Ich-Erzähler B usw. Wie oft du wechselst, ist dabei dir überlassen. Ich würde nicht mehr als drei Perspektivträger nutzen. Du kannst aber auch bei dieser Variante die Er/Sie/Es-Form nutzen.

Wenn die Geschichte nur eine einzige Perspektive braucht, ist es dir komplett freigestellt, wie du dich entscheidest. Vom Bauchgefühl her würde ich sagen: Distanz zu gewinnen ist in deinem Fall die Priorität, wenn du die Geschichte später veröffentlichen möchtest. Da du vorher die Ich-Form verwendet hast, wäre also ein Wechsel zu "er/sie/es" naheliegend.

Edit: "Hier rein stellen" gibt es nicht, weil im Tintenzirkel keine Textkritik erlaubt ist. :)

Offline Gizmo

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Re: Erzählerstill oder Ich-Still
« Antwort #2 am: 08. April 2018, 17:25:16 »
Aphelion hat alles schon so schön zusammengefasst, deshalb möchte ich nur kurz etwas hinzufügen. Wenn ich mich für eine Perspektive entscheide, stelle ich mir zunächst diese beiden Fragen:

1. Mit welcher Perspektive fühle ich mich als Autor wohl?
Ich habe auch schon Geschichten geschrieben, mit denen ich etwas verarbeitet habe, und in diesen Fällen habe ich mich mit der Ich-Perspektive sehr unwohl gefühlt. Ich fühlte mich damit viel zu nahe an etwas dran, dass ich schon durchgemacht hatte. Es war wie noch einmal erleben, nicht verarbeiten. 3. Person Singular (Er/Sie/Es) schaffte mehr Distanz zu den Geschehnissen. So konnte ich sie 'von außen' betrachten, und das hat mir wirklich geholfen.
Abgesehen vom Thema der Geschichte gibt es natürlich Perspektiven, die einem mehr liegen als andere. Ich tue mich mit der Ich-Perspektive grundsätzlich am schwersten, auch der allwissende Erzähler liegt mir nicht besonders. Mit dem Personalen Erzähler (3. Person Singular, aber auf einen Charakter beschränkt) komme ich dagegen am besten zurecht.
In letzter Zeit habe ich ein wenig mit der Du-Perspektive experimentiert, aber das ist wirklich ungewohnt und bis jetzt ist mir nur ein Thema bzw. Charakter begegnet, bei dem sie mir sinnvoll erschien. Interessant war es allemal.  :)

2. Welche Perspektive eignet sich am besten für die Geschichte?
Hier kommt es wirklich darauf an, wie deine Geschichte erzählt werden soll. Soll der Leser nur das wissen, was einem oder zwei Charakteren geschieht? Hier wäre die Ich-Perspektive auf jeden Fall etwas. Im Moment schreibe ich über ein fiktives historisches Ereignis, das ich aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchte. In diesem Fall ist ein Personaler Erzähler viel besser geeignet, weil ich ständig die Perspektiven wechseln kann, um die unterschiedlichen Vorgänge zu zeigen.
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Offline Trippelschritt

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Re: Erzählerstill oder Ich-Still
« Antwort #3 am: 08. April 2018, 19:07:37 »
Aphelion hat es gut zusammengestellt. Für die Entscheidung hilft es zu wissen, ob die Geschichte einen oder mehrere Protagonisten hat. Bei mehr als einem wird es mit der Ich-Perspektive schwierig. Liam Hearn hat es einmal gewagt, sowohl aus der Ich- als auch aus der er/sie/es Perspektive zu schreiben. Laut Ratgeber ein No-go, aber sie hat es gemeistert und seitdem redet keiner mehr davon, dass an so etwas nicht tut.

Die Perspektive hat auch viel mit Nähe zu tun. Die Ich-Perspektive erlaubt mehr Nähe als die Er-Perspektive, obwohl man auch in dieser sehr nahe herankommt, wenn man weiß, wie das geht. Ich-Perspektive ist also die erste Wahl beo großer Nähe und ur enem Protagonisten.

Und als drittes zählt die Fähigkeit, bei Perspektiven zu beherrschen.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Schreiben ist nichts anderes als seine Ideen zu Tisch zu bitten

Offline Usaria

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Re: Erzählerstill oder Ich-Still
« Antwort #4 am: 12. April 2018, 20:20:21 »
@ Aphelion

Erst einmal danke für die schöne Erklärung der einzelnen Schreibstile. Ich werde sie mir kopieren und in meinen Ordner tun. Dann kann ich jeder Zeit darauf zurück greifen. Auch danke für den Hinweis für das therapeutische Schreiben, dass weiß ich (mit ein Grund weshalb ich mich hier beworben habe) doch ich muss mich dort erst anmelden, weil dies ja ein internes Forum ist.
Es ist lieb von dir, dass du mich darauf aufmerksam machst, solche Geschichten lieber nicht zu veröffentlichen. Das Problem mit dieser Geschichte ist, dass ich es unbewusst verarbeitet habe. Doch die Grund-Idee ne gute Idee ist. Darum will ich sie ja auch umschreiben. Vielleicht sollte ich sie mir noch mals ganz durchlesen und schauen was sie in mir auslöst!
Danke für deine Antwort.

@Gizmo ,
Hm, das mit den Fragen ist ein guter Einwand. Also wenn ich jetzt von den Yu-Gi-OH! FF´s ausgehe die ich in den letzten 2 Jahren geschrieben habe und an der ich im Moment noch schreibe dann schreibe, dann habe ich immer den Er/Sie/Es Stil verwendet, bis auf eine einzige. Weil mir der Er/Sie/Es Stil besser liegt. Bzw. Es kommt bei mir auf die Geschichte darauf an. Ob ich will das der Hauptcharakter sie erzählt, oder ... ich kann es jetzt schlecht in Worte fassen. Wenn ich, nein anders wenn mich der Protagonist wiederspiegeln soll. Diese Entscheidung treffe ich aber eher unbewusst. hmm. Ich glaube je mehr ich darüber nachdenke welcher Stil es sein soll, desto deutlicher klopft der Gedanke an: >>Ich sollte es noch mal lesen und zwar alle Teile, und nicht nur den 1. mit dem ich anfangen wollte!<<

@Trippelschritt
Ja, diese wichtige Information habe ich irgendwie unterschlagen. In der Geschichte gibt es 3 Hauptcharaktäre. Das Mädchen, der Prinz der Finsternis, also der Enkel des Teufels und dessen menschlicher Doppelgänger. Daneben gibt es noch 4 sehr wichtige Nebencharaktäre. Die doch etwas blass rüberkommen. Denn ich habe die Geschichte, zmdst. einige Kapiteln aus dem 1. Teil überflogen.  Und dabei habe ich eben festgestellt, dass diese gerade von der Beschreibung her, also wie sie aussehen und ihren Charaktereigenschaften etwas schwammig beschrieben sind. Sollte ja eigentlich bei wichtigen Nebencharaktären die zur Handlung der Geschichte bei tragen, nicht sein.

Hmm, allmählich glaube ich, dass die Überarbeitung mehr ist, als nur den Stil zu ändern! Grübel, grübel!
Aber dies ist mir meine Geschichte wert.

Auf jeden Fall danke ich euch drei für eure Gedanken die helfen mir jetzt wirklich etwas weiter!
Lieben Gruß an euch Usaria

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