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Autor Thema: Eine Auszeit fürs Schreiben - Ja, nein, wann, wo, wie?  (Gelesen 3861 mal)

Offline Kunstmut

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Re: Eine Auszeit fürs Schreiben - Ja, nein, wann, wo, wie?
« Antwort #45 am: 22. März 2018, 21:59:07 »
Ich habe 2016 und 2017 lange nachgedacht, hatte Depressionen, war komplett lethargisch. Da machst du ein Studium, quälst dich durch tausende von Jahren an geisteswissenschaftlichen Theorien, lebst so bescheiden, dass du dich schon Spartaner nennen kannst, und musst ansehen, wie diverse Menschen, die weniger Kultur haben, materialistisch zehnmal so viel besitzen und es sich gut gehen lassen und dennoch nur jammern. Gerade bei den letzten Wahlen, Brexit, USA, Deutschland kam mir irgendwann der Gedanke: Warum brauchen wir eigentlich noch Schulen und Universitäten, wenn am Ende immer einige populistische Rattenfänger den naiven Teil der Bevölkerung eines Landes für ihre Agenda ködern?

Geholfen hat mir dann Thoreau mit Walden - Leben in den Wäldern. Und noch mehr geholfen hat mir dann die daoistische Ethik. Ich habe jetzt den radikalen Schritt gemacht und mein Leben komplett umgekrempelt. Mein Studium abgebrochen. Natürlich ist der Druck so riesig, dass es sich anfühlt, als hätte ich jeden Tag eine Pistole auf der Brust. Und jedes Mal, wenn ich ein Messer sehe oder ein hohes Fenster gehen mir witzige Gedanken durch den Kopf. Dann wiederum denke ich an all die philosophischen Grundsätze zurück. Solange du dich an die Gesetze hältst und anderen Menschen nicht ihre Freiheit nimmst, kannst du dein Leben so leben wie du es für richtig hältst. Und wenn andere damit ein Problem haben, dann ist das eben so, aber damit muss ich leben. Das werden dann eben nicht meine Freunde.

Selbstverständlich leben wir im Dogma vom ewigen Wachstum und alle Menschen müssen in Jobs gebracht werden, sonst ... ja was dann? Kommt dann die Apokalypse? Ich lese so viel zu dem Thema. Technisierung, Wegfall von Arbeitsplätzen. Rückgang der Geburtenrate durch Erhöhung des Wohlstandes. Roboter für die Altenpflege, weil die keine Ausfallzeiten durch eine überlastete Psyche haben. Und mit Sicherheit wird es dazu kommen, dass ich in irgendeiner Ausbildung, Weiterbildung oder Gruppengespräch etc. lande. Weil ich fehlerhaft bin und angepasst werden muss. Aber das macht mir jetzt nichts mehr aus. Ich weiß, wer ich bin, was meine Leidenschaften und Hobbies sind, welche sexuelle Präferenz ich habe. Ich weiß, welche Atmosphäre ich im Raum um mich herum haben muss: Birkenholz, Grünlilien, lichtdurchflutet. Ich strebe ein Dasein wie Laotse selbst an. Sollen sie doch alle über mich lachen, und hinter meinem Rücken weiter über mich reden. 'Vielleicht hat der Junge an der Uni mit Drogen experimentiert', 'Vielleicht wurde er bedroht', 'ach der simuliert doch nur', 'der ist bloß faul', 'der ist krank, der muss wieder fit gemacht werden' (damit er sich danach wieder völlig erschöpft).

Ist es moralisch verwerflich, dass ich keine Lust mehr habe, mit Menschen zu reden, die weniger als hundert Bücher gelesen, weniger als hundert Filme gesehen haben? Menschen, die immer noch von Radio und Fernsehen abhängig sind? Ich hab den absoluten Hardcut gemacht. Bin also gerade fast mutterseelenallein. (Denn andere Menschen haben natürlich immer nur die Vorschläge, die sie selber so machen und gut finden würden. Nur die Philosophen, Psychologen und Künstler verstehen mich sofort. Da diese Menschen allerdings die Minderheit bilden, stehe ich gegenüber 90% der Menschen wie ein Alien da). Ich habe alle meine Fehler und Schwächen, alle meine Stärken analysiert. Beispielsweise bin ich schüchtern, hasse grelles Licht und zu laute Geräusche, bin eher ruhig und mag das mündliche Reden weniger als das schriftliche, weil ich soviel zu sagen habe, dass es direkt meinen Hals angreift. Aber meine Stimme muss ich schonen, damit ich noch zur Gitarre singen kann.

Ich weiß, dass ich meine Introvertiertheit gerne mit einem Hang zur diabolischen Selbstüberschätzung und narzisstischen Inszenierung überspiele, um irgendwie da draußen in der Welt klar zu kommen. Mephisto ist eine Möglichkeit am Leben zu bleiben. Und Gelassenheit und Humor helfen auch immer wieder. Damit habe ich aber immer noch keine Zeit zum Lesen von Büchern übrig. Es fehlt die Zeit zum Schreiben. Die Zeit, um Sprachen zu pauken, um das Vokabular zu erhöhen, damit man noch besser schreiben kann. Im Prinzip bin ich jetzt dazu übergegangen, alles zu ignorieren, was Stress verursacht. Wenn man sich selber zur Schildkröte macht, dann ist das eben so. Einfach mal in einer Diskussionsrunde die Zeit zum Entschleunigen nehmen und langsam und ruhig reden. Und wenn andere Menschen hetzen, dann kriegen sie eben nicht alles von mir mit. Ich weiß ganz genau, was ich kann und was nicht. Eigentlich sind andere Menschen jetzt an der Reihe, sich selbst monatelang zu reflektieren und zu hinterfragen. Ich habe den Prozess abgeschlossen und weiß, wie ich mein Leben verbringen will. Ich verzichte auf Karriere, verzichte auf Geld, darf mir von anderen Menschen blöde Sprüche anhören. Dafür werde ich zu den wenigen Menschen gehören, die im hohen Alter mit einem Lächeln im Gesicht sterben, weil sie ihren Traum gelebt haben. Es macht mich ehrlich betroffen, wie viele Autoren ihr Schreiben vor sich herschieben, weil ... nichts weil, entweder man ist dafür geboren, liebt es und macht es. Oder eben nicht.

Und wenn ich, wovon auszugehen ist, mich die kommenden Jahre durch Arbeiten quälen muss, die meine Zeit auf dieser Erde vermiesen, dann werde ich mir etwas suchen, das nicht mit Lesen und Schreiben kollidiert. Ich weiß, dass ich abends und in der Nacht schreibe. Und das muss ich mit Disziplin verfolgen. Egal, ob das Haus abfackelt, jemand stirbt oder der Druck wie eine Pistole auf mich zeigt. Egal, einfach weiter schreiben. Das ist eine Sache, warum der Daoismus mir so sehr hilft. Ich lerne, mich runter zu fahren, an nichts mehr zu denken, jeden Stress, jeden Hass, alles Negative zu vergessen. Gleichzeitig verliere ich Hysterie, Sarkasmus, Zynismus, übertriebenen Frohsinn. Ich werde wie ein Fels, der ganz ruhig alle Jahreszeiten mitmacht. Durch nichts zu erschüttern. Ich muss mir keine Auszeit von etwas nehmen. Das restliche Leben ist für mich die Auszeit vom Schreiben. Das eigentliche Leben ist das Schreiben. Was ich heute zum Beispiel sonst so gemacht habe, ist unrelevant. Dass ich hier jetzt was zum Thema Auszeit fürs Schreiben formuliere, lässt mich die Lebenskraft in meinem Körper spüren. Ich bin wie ein Vampir und Schreiben ist mein Blut. Vielleicht sogar eine Sucht.

Es gibt tausend Dinge, die ablenken. Ich könnte Nachrichten lesen, doch wozu? Solange es keine Wahlen gibt, kann ich da als Einzelner eh nichts beeinflussen. Ich könnte Musik hören, einen Film schauen, sinnlos mit anderen Menschen auf einem Zimmer hocken, reden und die Zeit totschlagen. Doch wozu? Ich habe niemals Langeweile, seit mir mit etwa 18 folgender Gedanke gekommen ist: Jedesmal, wenn du davor bist zu sagen, mir ist langweilig, prüfe folgendes: Bist du ausgeschlafen? Wenn nicht schlafe sofort. Hast du Hunger oder Durst? Dann iss und trink. Hast du heute schon was Produktives gemacht? Wenn ja, leg dich auf die Couch oder setz dich auf den Gartenstuhl und dös vor dich hin, um dich zu regenerieren. Wenn nein, mach was. Sport, kochen üben, Haushalt, schreiben, lesen, ein Videospiel spielen, anderen Menschen, denen es nicht gut geht, helfen und was Positives schreiben. (Gerade im Internet ja eine Seltenheit - außerhalb von Foren).

Ein Mensch muss in seinem Leben überhaupt rein gar nichts. Man hat als Subjekt nicht einmal eine Verpflichtung gegenüber Freunden oder den Eltern. Man kann machen, was man will, solange man andere Menschen nicht schädigt oder die Natur zerstört. Denn nach uns kommen ja die nächsten Generationen, die auch noch auf der Erde leben wollen. Die Haltung zum Schreiben fängt im Geiste an. Ich habe sogar das Gefühl, dass die besten Geschichten in einer trostlosen Umgebung entstehen, weil nur dort das Verlangen so riesengroß ist, etwas Schönes als phantastische Reise im Kopf zu unternehmen. Wäre ich auf Bora Bora würde ich den ganzen Tag über die Insel laufen und wäre so zufrieden mit mir und der Welt, dass ich nichts anderes mehr machen würde. Nicht schreiben, nicht reden, vermutlich nicht mal schlafen, einfach nur Eindrücke verarbeiten und genießen.

In der Steinzeit haben Menschen an Höhlen gemalt. Das war mit Sicherheit wirtschaftlich jedesmal eine Katastrophe für die Gruppe - gerade im Angesicht des kommenden Winters. Im Mittelalter haben 90% der Menschen von früh bis spät ihren Ochsen über den Acker gezogen, sich den Buckel dabei so kaputt gearbeitet, dass sie ähnlich wie die Bergleute in der Antike sehr früh gestorben sind. In der industriellen Revolution haben sogar Frauen und Kinder in stickigen Zimmern teilweise 14-16 Stunden am Tag gearbeitet. Was hat es diesen Menschen gebracht? Waren sie gesund? Glücklich? Zufrieden? Ich habe nicht vor, in meinem Leben weiterhin so zu agieren, dass ich mich als Nachteule morgens aus dem Bett quälen muss, dass ich im Dunkeln rausgehe und im Dunkeln heimgehe. Dass ich zwischendurch doofe Arbeit verrichten muss, die mich nicht erfüllt (so dass ich Sartres Ekel am eigenen Leib erfahre und mir alles total sinnlos vorkommt. Selbst Liebe, Beziehung, Kinder kriegen, Haus kriegen, Auto kriegen, Fußballmannschaft kriegen - alles sinnlos).

In einem früheren Jahrhundert wäre ich einer dieser Menschen gewesen, die zur See gefahren wären, die in den Krieg gezogen wären, die die Frontier in unbekanntem Gebiet als Pionier erforscht hätten. Das alles geht heute nicht mehr. Ist durch den Positivismus überflüssig gemacht worden. Heute muss ein Mensch nicht einmal mehr selber denken, um ein Leben führen zu können. Man muss nur immer das machen, was die Eltern sagen, Lehrer sagen, Ärzte sagen, Berater sagen. Und alle sind happy. Nur man selber nicht. Daher ist es für mich selber besser, alle um mich herum schütteln mit dem Kopf und verstehen mich nicht, dafür bin ich selber glücklich und kann mein Leben voll ausschöpfen und genießen.

Allein die Tatsache, dass so viele Menschen ständig eine Auszeit brauchen, zeigt eigentlich schon empirisch, dass unser derzeitiges Gesellschaftssystem Mist ist und überarbeitet werden muss. Warum sollte man ein System aufrecht erhalten, dass Menschen immerzu stresst, überfordert und unglücklich macht? Und warum muss ich ständig Leistung bringen? Warum regiert der Zwang? Wäre ich Milliardär oder Millionär oder wenigstens in eine Spitzenverdiener Familie hineingeboren, könnte ich auch große Töne spucken über all die faulen jungen Menschen, die nichts auf die Reihe kriegen. Aber wenn man seit der Grundschule, eigentlich schon seit dem Kindergarten immer zu hören bekommt, das geht jetzt nicht, das können wir uns nicht leisten, dann verliert man irgendwann die Lust am Leben. Nicht jeder kann jedes Jahr in den Urlaub fahren oder ins Kino oder ins Restaurant gehen. Der Grund, warum ich mich so gerne mit Büchern beschäftige, ist ja eben der, dass Bücher so günstig sind und einen dennoch stundenlang unterhalten. Das schafft keine Serie und kein Videospiel. Und teure Ausrüstung für ein spezielles Hobby braucht es auch nicht. (Keine Ahnung, ob ich in diesem Leben jemals Skifahren werde. Für mich klingt das immer nach einem Urlaubsleben der reichen Elite. Weit weg von uns Menschen).

Es gibt so viele Dinge, die einen vom Schreiben ablenken: Radio, Fernsehen, Menschen, Internet mit Sportübertragungen etc. Bis ich irgendwann verstanden hatte, dass man sich letztlich sagen muss: Alle kann, nichts muss. Niemand fordert, niemand zwingt. Du entscheidest, ob du etwas machst oder nicht. Ob du lernst oder nicht. Und siehe da, als wäre eine Barriere im Kopf weg, kann ich konzentriert schreiben, immer wieder, egal, was draußen in der Welt geschieht. Diese Shaolin Methode funktioniert wirklich, nur, dass ich sie eben nicht auf den Sport übertrage, sondern mit derselben Disziplin das Schreiben verfolge. Ungesehen, im Schatten, abseits von der Welt. Aber diesen Grundsatz muss man erstmal verstehen: Man schreibt nicht für etwas, sondern man schreibt, um des Schreibens Willen. Es mag zunächst töricht klingen, aber nur so kann man ein Leben lang schreiben, ohne jemals zu ermüden. Ich weiß wovon ich schreibe, denn ich war an dem Punkt, an dem ich kein Buch mehr lesen wollte, weil es alles genauso belanglos war. Warum schreiben Menschen tausendfach die selben Dinge in der selben Weise. Bis einem dann klar wird, dass die Jahreszeiten auch ihren Reiz haben, selbst wenn man es schon zigfach gesehen und erlebt hat. Rausgehen und sich über die bunten Blätter im Herbst oder den Schnee freuen, als hätte man es noch nie gesehen.

Genauso mache ich das mit Menschen. Ich sehe die Augen, die Ohren, die Münder, die Haare. Höre auf den Klang der Stimmen, die Tonhöhen und -tiefen. Schaue mir jede Bewegung der Hände, jede Regung in den Gesichtern an, so als hätte ich vorher noch nie Menschen gesehen. Und so kann man schließlich mit allem verfahren, einfach einen Baum im Sommer berühren, und minutenlang auf die Rinde starren. Und die Rinde sehen. Es mag vielleicht auf den ein oder anderen wie Schwachsinn wirken, aber wenn ich raus in die Welt gehe, sehe ich die Welt immer so als sähe ich sie zum ersten Mal. Und jedes Mal verstehe ich einen anderen Aspekt, finde ein anderes Detail. Langsam verstehe ich auch, warum Menschen malen. Man hat einfach dieses Verlangen, anderen Menschen zu zeigen. was man selbst sieht. Weil man das Gefühl nicht loswird, dass die meisten Menschen trotz intakter Augen blind durch die Welt gehen.


P.S.:(Soviel wollte ich jetzt überhaupt nicht schreiben. Immer dieser Flow. Ich sollte das sofort auf meinen Blog laden, sonst wäre es ja schade drum. Sonst wirste ja deppert  :pfanne:)
(Betrachtet eigentlich noch jemand Forenposts, Blogbeiträge etc. als Schreibübung, die genauso intensiv angegangen werden sollte, wie ein Manuskript? Sozusagen die Ästhetik im Trivialen? Falls es dazu im Forum was gibt, würde es mich interessieren.)
"However, upon the subjects of which I have treated, I have spoken as I thought. I may be wrong in regard to any or all of them; but holding it a sound maxim, that it is better to be only sometimes right, than at all times wrong, so soon as I discover my opinions to be erroneous, I shall be ready to renounce them." [Abraham Lincoln, New Salem, March 9,  1832]

Offline KaPunkt

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Re: Eine Auszeit fürs Schreiben - Ja, nein, wann, wo, wie?
« Antwort #46 am: 23. März 2018, 07:32:50 »
Meinen Beitrag zum Thread Thema habe ich weiter oben geschrieben. Ich bitte in aller Ernsthaftigkeit um Entschuldigung für diesen Ausflug ins OT. (Edit: Fehlender Satzteil ergänzt. ... war früh heute morgen ...)

(Betrachtet eigentlich noch jemand Forenposts, Blogbeiträge etc. als Schreibübung, die genauso intensiv angegangen werden sollte, wie ein Manuskript? Sozusagen die Ästhetik im Trivialen? Falls es dazu im Forum was gibt, würde es mich interessieren.)
Ja. Ich.
Ein Forenbeitrag ist allerdings eine andere Form als ein Romanmanuskript, eine Kurzgeschichte, ein Essay oder ein Blogbeitrag. Ein Forenbeitrag ist Teil einer Diskussion oder vielleicht auch nur einer lockeren Unterhaltung. Es geht um den Austausch mit anderen über ein mehr oder weniger genau definiertes Thema.
In diesem Thread ist das Thema ziemlich genau definiert: Der Threadersteller sucht Meinungen, Rat und Erfahrungen zu der Idee, diesen Sommer eine Reise nur zum Schreiben zu unternehmen. Noch allgemeiner gefasst: Jemand hat eine konkrete Frage und sucht nach konkreten Antworten, die ihm, und anderen in der gleichen Situation, bei der Entscheidungsfindung und Planung weiterhelfen.

Als jemand, der danach strebt, ein Schreiber zu werden, der sich in möglichst unterschiedlichen Formen, Stilen und Perspektiven, überzeugend ausdrücken kann, um so in der Lage zu sein, mit meinen gewählten Mitteln genau die Reaktion beim Leser zu erzeugen, die ich mir wünsche, erscheint es mir sehr wichtig, sich solche Unterscheidungen klar zu machen.

Liebe Grüße,
KaPunkt
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Offline FeeamPC

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Re: Eine Auszeit fürs Schreiben - Ja, nein, wann, wo, wie?
« Antwort #47 am: 23. März 2018, 09:30:48 »
Ich glaube, was uns allen hier als Idealfall unterkommen würde, wäre das bedingungslose Grundeinkommen. Etwas, was die Politik leider nicht mal mit der Kneifzange anrührt, obwohl bewiesen ist, dass es Energien für positives Arbeiten freisetzt.
Dann hätte sich auch die Frage nach einer Auszeit erledigt.

Bis dahin ... Meine Auszeit ist die Zeit zwischen Mitternacht und Schlafengehen. Dann kann ich schreiben.
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Offline Turiken

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Re: Eine Auszeit fürs Schreiben - Ja, nein, wann, wo, wie?
« Antwort #48 am: 05. April 2018, 15:26:42 »
Der Gedanke einer abgelegenen kleinen Hütte (für mich gerne am Meer, danke!), wo man sich tage- oder wochenlang mehr oder weniger verbarrikadieren kann, um Tag und Nacht dem Schreiben zu frönen, ist wirklich verlockend und zugegeben träume ich davon schon seit Ewigkeiten. Andererseits muss ich mich vielen der anderen Meinungen hier anschließen: Am produktivsten bin ich tatsächlich, wenn ich mir Zeit fürs Schreiben freischaufeln muss, sprich wenn ich eigentlich mehr als genug anderes zu tun hätte. So wie jetzt. Ähem ...

Ich glaube, es ist diese Konzentration auf eine einzige Sache, die mir dann ein bisschen die Lust aufs Schreiben nimmt. Wenn ich quasi schreiben "muss", weil ich mir doch jetzt extra Zeit genommen habe und sogar zu so ner kleinen Hütte (am Meer wohlgemerkt) gefahren bin, dann habe ich doch gefällig eine ganze Menge Produktives hervorzubringen. Das funktioniert aber nicht so.

Was mir dagegen wahnsinnig hilft, ist Inspiration im Urlaub, wenn man mal was anderes sieht und hört und riecht. Mein Freund und ich waren vor gar nicht allzu langer Zeit knapp zwei Wochen in Irland (immer an der Küste entlang, wer hätte das gedacht). Ich habe zwar keine Zeile an einem Text geschrieben, aber so unfassbar viel Inspiration gesammelt, dass ich mir abends immer Notizen gemacht habe und zuhause loslegen konnte mit Schreiben. Da sind die Ideen quasi nur so gesprudelt.

Oh, und wenn ich zwischendurch mal einen freien Tag habe (meine Arbeitszeiten sind, nun, nicht immer vorhersehbar), ist das für mich quasi wie eine Mini-Auszeit fürs Schreiben. Relativ spontan und nicht immer produktiv, aber die Zeit habe ich schon öfter ausgenutzt, um ein paar hundert Wörter zu Papier zu bringen. Nur das verdammte Meer fehlt, wenn ich aus dem Fenster meines Arbeitszimmers schaue.

Online Trippelschritt

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Re: Eine Auszeit fürs Schreiben - Ja, nein, wann, wo, wie?
« Antwort #49 am: 05. April 2018, 15:45:56 »
Ich war ja auch mal im normalen Arbeitsprozess eingespannt, hatte meine Familie (die habe ich immer noch) und auch ein Eckchen für Bewegung etc. reserviert. Auf eine Auszeit fürs Schreiben zu spekulieren, brauchte ich gar nicht nachzudenken. Es gab keine Auszeit, die ich hätte einfügen können. Aber ich wollte immer schreiben - und habe es auch getan. Es gab ganz viele Gelegenheit dazu. Für Überlegungen brauche ich weder Papier noch Stift. So kann ich über meine Geschichten sowohl beim Rasieren wie auch bein Autofahren nachdenken. Und was hindert mich daran, das Ergebnis meiner Überlegungen irgendwo hinzukritzeln.
Nur für das Textproduzieren brauche ich mal eine freie Stunde oder auch deren zwei. Das klappte meist am Wochenende. Ich muss aber zugeben, dass bei dieser Methode der Schreibfortschritt gering ist. Jetzt habe ich es da besser.

Aber worauf ich hinaus möchte ist: Denkt nicht über Freiräume nach, die ihr euch erst wirgendwie schaffen müsste. Schreibt einfach immer - und sei es in Gedanken. Irgendwo gib es immer ein kleines oder größeres Zeitfenster, das zu fixieren, was vorher noch allein im kopf war.

Liebe Grüße
Trippelschritt
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Offline RockSheep

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Re: Eine Auszeit fürs Schreiben - Ja, nein, wann, wo, wie?
« Antwort #50 am: 05. April 2018, 16:20:32 »
Diesen Topic habe ich ja noch gar nicht gesehen. :) Ja, ich träume sehr davon und diesen Sommer werde ich mir den Wunsch auch erfüllen. Ich nehme mir drei Monate unbezahlten Urlaub, um zu schreiben.

Ich habe zweierlei Ziele:
1. Ich will mindestens den ersten Entwurf eines ganz neues Projekts schreiben (neues Genre oder zumindest neue Form)
2. Ich will herausfinden, ob mir das Schreiben als Haupttätigkeit überhaupt liegt

Für mich soll das eine Art Simulation vom "normalem" Autorenalltag werden. Das heisst, ich plane mir meine Tage durch und unterscheide sie auch in Arbeitstagen und Freitagen. Ich werde mir ein Wochenende einplanen (auch wenn vermutlich nicht am Samstag/Sonntag) und an den anderen Tagen wird gearbeitet.

Fünf Wochen von den drei Monaten werde ich auf den Färöer Inseln verbringen, ganz konkret in diesem Hüttchen: https://www.airbnb.ch/rooms/14085916
Wunderschön gelegen, mehr oder weniger ab von der Welt mit Option auf tolle Ausflüge und ohne Internetanschluss. Hoffen wir, dass ich in der Zeit nicht einen auf Shining mache. ;)
Danach habe ich ein paar Wochen, die ich mir flexibel halte, je nach dem wie es in den ersten Wochen auf den Inseln so klappte. Wenn ich merke, dass ich einen Tapetenwechsel brauche, suche ich mir was neues, ansonsten vielleicht weiter was auf den Inseln oder ich gehe nach Hause für eine Weile (was finanziell gesehen sicher das Beste wäre...). Als Abschluss nehme ich dann wieder an der Autorenkreuzfahrt teil, auf der ich schon letzten Sommer war und die eines meiner besten Erlebnisse überhaupt ist.

Ich freue mich total, habe aber auch Schiss. Wenn ich merke, dass mir das überhaupt nicht liegt, verliere ich so ein wenig meinen Traum. Wenn ich aber merke, dass ich das könnte und es mir total liegt, muss ich nach drei Monaten dann trotzdem wieder beim Brotjob antreten. Eigentlich kann ich nur verlieren. ;)
Und um auf die aktuelle Frage von @Voretta Shironia zurück zu kommen: Ich denke auch, dass eine Ferienwohnung sich besser eignet als ein Hotel. Und wenn ihr zu zweit seid, findet ihr eventuell ja auch etwas Erschwingliches, evt. auch auf AirBnB? Dort gibt es teilweise Rabatt, wenn man für eine gewisse Zeit bucht.
Gut wäre es vermutlich, wenn ihr euch zuerst darüber klar werdet, was eure Anforderungen sind. Braucht ihr absolute Ruhe zum Arbeiten oder ist das nicht so wichtig? Wenn nicht, könntet ihr auch per InterRail reisen und arbeiten zum Beispiel.
"Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit." -  Erasmus von Rotterdam  "Und mit einem Schaf." - unbekannt :määäh:

Offline Leann

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Re: Eine Auszeit fürs Schreiben - Ja, nein, wann, wo, wie?
« Antwort #51 am: 05. April 2018, 16:22:13 »
@Turiken: Was du von Irland erzählst, geht mir genauso. Ich fahre ja fast jedes Jahr für ein paar Wochen nach Irland und schreibe da auch nicht, aber die Inspiration ist unglaublich. Die reicht dann für den Rest des Jahres. Da ist Irland wohl magisch, habe ich bisher so in keinem anderen Land erlebt.
Was würde wohl passieren, wenn wir nach Irland ziehen würden? Wäre es dann irgendwann normal und die Inspiration würde nicht mehr so stark sprudeln?  :hmmm:

@RockSheep: Traumhaft! Wer weiß, vielleicht schmeißt du danach deinen Job.

Offline Turiken

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Re: Eine Auszeit fürs Schreiben - Ja, nein, wann, wo, wie?
« Antwort #52 am: 06. April 2018, 10:39:55 »
@ Leann
Das ist eine gute Frage! Aber ich denke, wir müssen es ausprobieren, um das herauszufinden. Hehe. Also ich wäre sofort dabei.  ;D Und ich gebe dir absolut recht: In keinem anderen Land habe ich diese Inspiration so erlebt wie in Irland. Seit unserer Rückkehr nerve ich meinen Freund damit, dass ich bald wieder hinfahren will.

@ RockSheep
Respekt! Sich fünf Wochen so von allem anderen abzuschotten, würde ich wahrscheinlich nicht hinkriegen. Ich lasse mich dann doch zu gerne von Internet, Whatsapp und allem möglichen Kleinkram ablenken. Ich bin gespannt, was du uns von dieser Reise berichten kannst! Und es sieht wirklich traumhaft aus. :)

Offline Leann

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Re: Eine Auszeit fürs Schreiben - Ja, nein, wann, wo, wie?
« Antwort #53 am: 06. April 2018, 15:41:13 »
Ja, das müssten wir mindestens ein halbes Jahr oder besser noch länger ausprobieren.  ;D Ich hole mir in sechs Wochen wieder meine Motivationsdosis. Eine Freundin und ich haben mal herumgesponnen, dass wir ein Haus in Irland kaufen und dort Auszeiten anbieten. Sie macht dann Ergotherapie etc. und ich biete Schreibworkshops und Wanderungen an. Vielleicht wird ja mal was daraus.

Offline Aphelion

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Re: Eine Auszeit fürs Schreiben - Ja, nein, wann, wo, wie?
« Antwort #54 am: 06. April 2018, 19:37:31 »
Ich habe nicht den ganzen Thread gelesen, aber ein Arbeitsstipendium wäre für den einen oder anderen vielleicht auch interessant. Solche Stipendien werden von unterschiedlichen Organisationen, Städten, Stiftungen usw. regelmäßig ausgeschrieben. Meistens wird eine Wohnung gestellt und es gibt ein "Taschengeld". Die Dauer liegt oft zwischen ein paar Wochen und ein paar Monaten. Oft wird bei der Bewerbung eine konkrete Projektbeschreibung erwartet.

Offline Alina

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Re: Eine Auszeit fürs Schreiben - Ja, nein, wann, wo, wie?
« Antwort #55 am: 07. April 2018, 08:12:50 »
@ RockSheep: Das hört sich wirklich klasse an. Ich bin ganz neidisch!
Der einizige Punkt, der mich etwas abschrecken würde ist: ohne Internet, weiss nicht, ob ich das durchhalten würde  ;)
Bin auch gespannt, was du uns von der Reise berichtest!

Ich habe mir im März eine Mini-Auszeit genommen: Ich hatte ein paar Tage Urlaub und bin allein weggefahren, also ohne Familie, in ein Häuschen an einem See. Es hat leider nicht ganz so hingehauen wie erhofft. Ich hatte eine dicke Erkältung  und dazu kam noch fieses Wetter. Ich hab etwas geschrieben, aber vor allem viel geschlafen und gelesen. Naja, ich war wohl einfach erholungsbedürftig. Wenn ich das nochmal mache, dann würde ich das eher in den Sommer verlegen, und etwas länger wegfahren als nur ein paar Tage.

Offline Tintenteufel

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Re: Eine Auszeit fürs Schreiben - Ja, nein, wann, wo, wie?
« Antwort #56 am: 07. April 2018, 10:56:18 »
Wow, RockSheep, das sieht echt toll aus! Ich drück dir alle Daumen, dass das ein voller Erfolg wird. Oder jedenfalls dass das Projekt fertig wird und du Spaß hast. :D

Ich habe etwas ähnliches vor. Zwar nicht in einer einsamen Hütte oder so, aber immerhin ist Wien auch ganz hübsch. Nämlich habe ich mit Ende des Monats (hoffentlich!) meine Masterarbeit fertig, aber bis die kontrolliert und benotet und verteidigt ist und ich meine Unterlagen habe, ist es August oder September. Bis dahin reicht zumindest mein Geld noch einigermaßen und im Sommer wollte ich mich ohnehin damit auseinandersetzen, was ich nach dem Studium so anstellen will. Ob eine Doktorarbeit mich überhaupt interessiert, ob ich wirklich schreiben will und vielleicht erstmal mit einem Teilzeitjob zufrieden bin oder welche Branche und welches Land und überhaupt alles.
Da habe ich mir gedacht, ich behalte meine jetzige Arbeitsweise einfach bei und widme mich im Mai rundum einem Romanprojekt, das mir im Kopf spukt. Ich schreibe und denke ohnehin vier bis sechs Stunden am Tag und Fiction fällt mir erfahrungsgemäß etwas einfacher. Ich freue mich richtig darauf, mal einen NaNo ohne künstliche Regeln zu probieren und einfach zu schauen, wie weit ich komme, wenn ich es als Arbeit betrachte. ;D
Jedes Wort eine Lüge.

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