Link zum Angebot:
Lulu.com - Self-Publishing - FreeZusammenfassung
Vorteile:
- kostenlos
- komplette Kontrolle über Satz und Layout
- gut verarbeitete Bücher
- günstig in der Herstellung
- unkompliziertes Veröffentlichen
- Korrekturen sind jederzeit möglich

Nachteile
- keine ISBN, Vertrieb nur über die Website von lulu.com (Option auf Buchhandlesvertrieb gegen Aufpreis von ca. 80,00 EUR)
- deutsche Übersetzung teilweise schauerlich, teilweise nicht vorhanden: Gute Englischkenntnisse sind Voraussetzung
- hohe Versandkosten
TestberichtIch bin durch Zufall auf lulu.com gestoßen - ich war nicht auf der Suche nach einem Book-on-Demand-Anbieter, sondern las einen Onlinecomic, als ich dort den Hinweis sah, daß es einen der abgeschlossenen Comics nun auch als Buch gäbe. Dem Link folgend, landete ich bei lulu. Den Comic habe ich nicht gekauft - statt dessen habe ich mich als Autorin angemeldet. Mich köderte folgender Slogan:
Lulu ist schnell, einfach und kostenlos.
Innerhalb von Minuten publizieren und verkaufen.
Keine Grundgebühren. Keine Mindestabnahme.
Behalten Sie die Kontrolle über die Rechte.
Legen Sie Ihren eigenen Preis fest.
Jedes Produkt wird erst bei Bestellung gedruckt.
Da ich dem Braten nicht traute, wie es meine Art ist, entschloß ich mich zum Selbstversuch, ehe ich den Tintenzirkel über das Angebot informierte. Ein kostenloser BoD-Anbieter? Das ist zu schön, um wahr zu sein: Zwar hatte ich mich schon früher über BoD informiert, es war mir aber immer, gemessen am Effekt, zu teuer: Allein für den Preis der Grundgebühr kann ich - in Zusammenarbeit mit einer Druckerei - schon eine kleine Auflage in Eigenregie herausbringen. Kostenlos klang dagegen gut.
Die Anmeldung ist schnell erledigt, auch die AGB scheinen in Ordnung: Alle Rechte verbleiben beim Autor bzw. Verleger, Lulu selbst tritt nur als Dienstleister in Kraft. Dementsprechend ist es auch Sache des Autors, dafür zu sorgen, daß mit dem Werk juristisch alles in Ordnung ist - Lulu wäscht seine Hände in Unschuld, wenn es um den Inhalt geht. Dementsprechend finden sich im Lulu-Onlineshop auch diverseste satanistische oder religiös-fundamentalistische Schriften. Grundsätzlich darf man alles herausbringen - mit den üblichen Ausnahmen pornographischer und volksverhetzender Werke, auch Fanfiction ist explizit nicht erlaubt.
Der Autor legt fest, für welche Altersgruppe sein Buch geeignet ist - oder sollte es zumindest, denn die satanistischen Titel, die ich sah, waren allesamt freigegeben ohne Altersbeschränkung. Ich habe mich bei "Engelsschatten" für "mature" (ab 17) entschieden, weswegen das Buch nun für nichtregistrierte Lulu-Besucher über die Such- und Stöberfunktion nicht zu finden ist. Direktlinks auf den Titel funktionieren aber, und wer sich anmeldet und angibt, auch "reifere" Titel sehen zu wollen, findet das Buch ganz normal.
Lulu eignet sich für Leute, die Geld sparen wollen und bereit sind, alles selbst zu machen, vom Korrekturlesen, Setzen, Erstellen einer reproreifen Druckvorlage bis hin zur Covergestaltung. Bei letzterer kann man jedoch auch auf einen Satz vorgefertigter Cover zugreifen, bei denen dann Titel und Autor nur noch an der passenden Stelle eingefügt werden.
Lulu ist auch Vermittlungsbörse für Dienstleister, die den Autoren genau diese Aufgaben abnehmen, gegen Gebühr, versteht sich. Arm wie ich bin, habe ich aber alles selbst gemacht, und mein Stolz verbot mir die Verwendung eines 0815-Fertigcovers (
hier die Galerie mit den verfügbaren Motiven).
Allerdings bringe ich Vorbildung mit: Ich bin Autodidakt mit Grafikprogrammen, habe meine Mitbewohnerin durch ihre Umschulung zur Mediendesignerin begleitet, während des Studium alle verfügbaren Buchkunstseminare belegt und in meiner Verlagsvertriebszeit mir ein Großraumbüro mit den Postscriptlern geteilt. Daher fiel mir die Arbeit nicht entsetzlich schwer. Für Menschen ohne diese Erfahrung gibt es ausführliche FAQs - die meisten davon auf Englisch, denn die Lulu-Seiten sind nur zum Teil übersetzt und zum Teil in einem unlesbaren Sprachmischmasch ("Die Seite wurde hinzugefügt zu Ihre Buch successfully").
Für den Buchblock habe ich mir ein Worddokument als Vorlage heruntergeladen (es ist auch eine Version für OpenOffice verfügbar - Lulu wurde vom RedHat-Linux-Entwickler gegründet, und der Open-Source-Geist ist überall spürbar) und nach meinen Vorstellungen (Seitenränder, Schriftart, Absätze) angepaßt. Der ganze Buchblock einschließlich Haupttitelseite ist in einer Datei, eine zweite Datei wird für das Cover benötigt.
Es stehen diverse Formate zur Auswahl, ich habe mich für 6''x9'' entschieden, das klassische amerikanische Paperback-Format, weil mir dies die Möglichkeit bietet, das Buch auch als Hardcover anzubieten. Außerdem hat das Buch auf diese Weise weniger Seiten (weil mehr Text auf eine Seite paßt) als ein klassiches Taschenbuch, das spart Druckkosten (
hier der Kalkulator für die Herstellungskosten).
Als größere Hürde stellte sich dann die Erstellung der PDF-Datei für den Buchblock heraus: Zwar war die Seitengröße im Word-Dokument eindeutig mit 6''x9'' angegeben, auch die Acrobat-Destillerdatei hatte dieses Format - das PDF am Ende war DIN A4. Stundenlange Recherchen brachten keine Lösung, ebensowenig die Installation verschiedener Alternativprogramme. Am Ende habe ich dann mit dem Acrobat das Dokumet kurzerhand auf das gewünschte Format beschnitten.
Einfacher hat hier, wer OpenOffice nutzt: Der integrierte PDF-Export liefert ein PDF-Dokument im gewünschten Format. Das wird später noch sehr wichtig!
Nach dem Hochladen der Datei und der Auswahl der Einbandart - man kann Vorder- und Rückseite als separate JPG-Dateien hochladen, oder aber eine PDF-Datei für ein vollflächiges Cover, bei dem man auch den Buchrücken selbst gestalten kann - wird berechnet, wie dick das Buch wird; für das vollflächige Cover bekommt man pixelgenaue Größenangaben, mit denen ich dann mein Cover gestaltete. Hier war die PDF-Erstellung nahezu ein Ding der Unmöglichkeit - bis ich am Ende die rettende Idee hatte, ein Word-Dokument im passenden Format aufzumachen, die Coverdatei einzufügen und das Dokument dann mit OpenOffice ins PDF-Format zu exportieren. Alles andere ergab stark verkleinerte DIN A4-Cover, die nichts taugten und nicht beschnitten werden konnten. Die Lulu-FAQ boten hierzu keine Hilfe, allerdings gibt es auch noch umfangreiche User-helfen-User-Foren, in denen ich nicht gesucht habe.
Am Ende legt man den Endpreis (in US-Dollar) fest. Dieser setzt sich zusammen aus den Herstellungskosten (fix) plus Autorenhonorat (frei wählbar) plus einer Verkaufgsprovision für Lulu in Höhe von 25% des Autorenhonorars. Will der Autor auf sein Honorar verzichten, verzichtet auch Lulu auf die Provision, der Kunde zahlt am Ende nur die Herstellungskosten plus Versand. Bei Autorenbestellungen entfallen Honorar und Provision.
Ja, der Versand ist teuer. Ein Exemplar meines Buches (208 Seiten) kostet fast 5,- EUR beim günstigsten Versandweg. Das verteuert es um gut die Hälfte des festgelegten Preises (12,90$, ungefähr 10,65 EUR). Aber meine Recherchen haben ergeben, daß selbst mit diesem Porto das Buch noch deutlich günstiger ist als über BoD herausgegebene Vergleichstitel, die man im Buchhandel bestellen kann. Die Zusatzbelastung für den Leser bleibt so noch in einem erträglichen Rahmen.
Der Versandpreis für gebundene Bücher ist deutlich höher - nicht einmal wegen des höheren Gewichts, sondern weil sie immer direkt in North Carolina erstellt und versandt werden, während mein 6''x9''-Paperback am Ende aus Sevilla kam.
Bestellt man größere Margen, geht das Porto deutlich runter, ab drei bis fünf Exemplaren ist man im wirtschaftlich erträglichen Bereich angekommen.
Das Buch ist ordentlich verarbeitet. Mir persönlich wäre ein mattierter, satinierter Einband zwar lieber gewesen - dieser ist jetzt sehr Anfällig für Fingerabdrücke und statischen Staub - aber man darf nicht allzuviel verlangen. Das Buch ist sauber gedruckt und anständig gebunden, man kann es aufschlagen, ohne daß es auseinanderzubrechen droht. Ich war positiv überrascht, als es kam.
Auch nach der Freigabe kann der Autor jederzeit Änderungen vornehmen. Als Rei z.B. einen Tippfehler auf Seite 6 entdeckte, war eine Viertelstunde später eine korrigierte Fassung hochgeladen. Das ist in meinen Augen ein unschlagbarer Vorteil gegenüber den anderen mir bekannten Verlagsangeboten.
Ich empfehle Lulu.com uneingeschränkt an alle, die sich zutrauen, ihr Buch selbst zu machen, und biete allen, die sich da nicht ganz sicher sind, gerne meine Hilfe an.