Nun, es gibt solche und solche, und du wirst genauso gut ältere Autoren finden, die bei Kritik an ihrem Debüt patzig werden, und junge Autoren, die sich Kritik zu Herzen nehmen (Jenny-Mai Nuyen meinte mal etwas im Sinne von: "Wer keine Kritik gibt, ist fies, weil er damit dem anderen die Chance nimmt, sich weiterzuentwickeln." Vielleicht ist es kein Zufall, dass sie im Gegensatz zu vielen anderen Autoren, die sehr jung zum ersten Mal veröffentlicht haben, noch immer in sehr regelmäßigen Abständen Bücher herausbringt?).
Das Problem bei einem sehr jungen Autoren ist mehr, dass - vor allem, wenn das Debüt gewissen Anforderungen nicht entspricht - durch eine frühe Veröffentlichung der schriftstellerischen "Karriere" extrem geschadet werden kann. Sicher, durch entsprechende Werbung etc. verkauft sich der erste Roman vielleicht super (wobei das gerade in der Fantasy ein Phänomen ist, das am Abflauen ist. Während da die ersten Romane von Jugendlichen immer ziemliche Bestseller waren, nimmt der Effekt anscheinend ab).
Das Problem ist: Wenn der Roman an sich nicht überzeugt, verkauft sich der zweite nicht mehr (auf jeden Fall bleibt er deutlich unter dem ersten), und spätestens beim dritten Roman - wenn jemals einer kommt - ist die "Karriere" vorbei, und zwar für lange Zeit.
Manchmal - zum Beispiel jüngst bei Helene Hegemann, aber auch damals bei Flavia Bujor - hatte ich das Gefühl, der Verlag hat es nie auf ein zweites Buch angelegt. Das erste würde sich durch Medienhypes verkaufen, aber es fehlt die Substanz für ein zweites, erfolgreiches Buch. Den Verlag interessiert das nicht, der will schnell und leicht Bücher verkaufen und schafft das, aber für den Autor hat es Folgen. Einen jungen Autor langfristig aufzubauen ist unter Umständen vielleicht auch viel schwieriger als das bei einem erwachsenen Autor zu tun, zumindest kann ich mir - auch, wenn ich an meine eigenen "Anfänge" denke - vorstellen, dass es schwieriger ist, an einen jungen Autor mit Dingen wie Zielgruppe, Marktrelevanz und entsprechenden Themen heranzutreten.
Also: zwiegespalten. Am Anfang wird ein junger Autor es vielleicht leichter haben (wenn sein Buch erscheint), aber ich befürchte, danach viel schwerer als ein erwachsener Autor. Und zurückzukommen ist in der Literaturbranche sehr, sehr schwer.
Dazu scheinen mir junge Autoren auch recht anfällig für DKZV-Werbung zu sein, weil sie eben den Erfolg der anderen gesehen haben und sich denken, super, jetzt werde ich der nächste Paolini und jeder wird beeindruckt sein, weil ich schon so jung ein Buch veröffentlicht habe.
Aus eigener Perspektive: Hm, ich habe auch mit 14 angefangen und ich wollte immer veröffentlichen. Natürlich waren die Romane nicht gut, und ich befürchte, wäre einer davon veröffentlicht worden, wäre kein zweiter mehr rausgekommen, und abgesehen von stilistischen Sachen habe ich sehr, sehr lange Zeit Probleme mit dem Plotten gehabt. Natürlich wäre ich gerne "Wunderkind" gewesen. Natürlich hätte ich gerne mit 16, 17 veröffentlicht, und manchmal denke ich mir inzwischen bei einigen der Sachen, die ich mit 18 und 19 geschrieben habe schon, dass es schade ist, und das war vielleicht auch der Punkt, an dem ich von anderen Dingen - Kritikfähigkeit, Einstellung, "Bedacht" beim Schreiben etc. - gesagt hätte, es wäre nicht unbedingt zu früh gewesen.
Trotzdem: Jetzt bin ich (hoffentlich) besser, und in einer Hinsicht bin ich wirklich heilfroh, dass ich nicht während meiner Schulzeit veröffentlich habe: Ich hätte dann wohl nie Biologie studiert, und ich könnte nicht sagen, um wie viel ärmer meine Welt dadurch geworden wäre.