Tastentänzerin:
Im Heftchen-Markt kenne ich mich nicht allzu sehr aus, da ich die Dinger weder lese noch schreibe ;-)
Bei Fantasy/SF/Horror fallen mir aber sofort die Bastei-Heftchen aus der Bahnhofsbuchhandlung ein: Professor Zamorra, Maddrax, Sternenfaust, John Sinclair. Ich kenne ein paar Leute, die dafür schreiben, habe selbst aber keine Erfahrung damit.
Perry Rhodan und die ganzen Spin-Offs sind SF, die mittlerweile stark ins phantastische abgleitet (das Universum wurde vor langer Zeit geschaffen und die aktuelle technische Entwicklung hat viele der alten Setzungen überholt, deshalb tendiert die Serie technisch gesehen immer mehr richting Science Fantasy) und lebt wohl in der Königsklasse. Dort bekommst du - wenn man dich annimmt - ein Expose, das du binnen etwa 6 Wochen (ab Exposeeingang!) ausgeführt zurückschicken musst. Die Zeit reicht, wenn man sich schon im Perryversum auskennt. Gute Recherche im Voraus (vor der Bewerbung) ist also notwendig.
Dann gibt es noch die Roman-Reihen wie Drei Fragezeichen (der Klassiker), Elfenwelt, Coco Zamis, Dorian Hunter etc., die meist in Richtung phantastischer Horror spielen. Wie es bei den Drei Fragezeichen aussieht, weiß ich nicht, Elfenwelt und Zaubermond geben Exposes vor, die ausgeführt und ausgeschmückt sein wollen.
Wenn du an solchen Auftragsarbeiten interessiert bist, solltest du dich einfach mal in der Bahnhofsbuchhandlung oder am Kiosk umsehen, welche Hefte verkauft werden und was dir vom Thema her entgegenkommt. Ich würde zum Beispiel nie freiwillig Jerry Cotton schreiben, da ich mit Krimis nie nimmer nichts anfangen kann.
Auf der positiven Seite gibt ein solches Engagement viel Schreiberfahrung, auf der negativen Seite kann es passieren, dass man sich stilistisch zu sehr einer Reihe anpasst und dann nicht mehr aus dem vorherrschenden "XXX-Tonfall" herauskommt. Ich hatte neulich einen Lektor, der eine Heftchen-Reihe betreut. In dieser Reihe ist das Wort "jetzt" verpönt - sei es in der Handlungsbeschreibung oder der wörtlichen Rede. Also ersetzte er mir jedes "jetzt" mit "nun". Ich sah da keine stilistische Verbesserung - das Manuskript war danach halt 50 Zeichen kürzer als vorher. Aber das ist Serien-Parlance, und man kann daran lernen oder sich daran den eigenen Stil verderben.
Es besteht auch die Gefahr, dass man sich ausbrennt, wie Maja schon schrieb, oder dass einem diese Sorte Arbeit so gut gefällt, dass man sie weiter betreiben möchte und größere Ambitionen aufgibt ;-)
Ich habe mir sagen lassen, dass Vollzeit-Heftchenautoren unter Umständen gut von ihrer Arbeit leben können. Das mag sein, aber mein erstes Experiment im Nach-Expose-Schreiben hat mir sehr deutlich gezeigt, dass ich zwar nach einem fremden Expose und wirklich schnell (20.000 Anschläge oder mehr am Tag, zwei Wochen durch, um die Deadline zu treffen) schreiben kann, dass mir diese Art Gängelei meiner Gedanken und Schreibweise aber nicht liegt. Ich werde wohl ab und zu mal einen solchen Auftrag annehmen - jetzt weiß ich, dass ich es kann - aber es ist nicht das, was ich mir von meinem Erwerbsleben erwarte.
Wie heißt es so schön? "Wir erzählen Kindern keine Drachengeschichten, um ihnen zu sagen, dass es Drachen gibt, sondern um ihnen zu zeigen, dass sie besiegt werden können." Ich kann Drachen besiegen. Ich habe aber auch herausgefunden, dass der Name Siegfried mir nicht steht.
Viel Spass beim Bewerben
--Thea
Herzogenaurach, Germany