Von der Nomadentochter zum Topmodel heißt es in der Beschreibung und streckenweise scheint es genau darum zu gehen. Eine afrikanische Aschenputtelgeschichte könnte man meinen und das wäre sie wohl auch geblieben, wenn Waris Dirie nicht als wohl erste Frau das große Tabu-Thema Afrikas öffentlich gemacht hätte. Die Beschneidung oder genauer gesagt Genitalverstümmelung der Frauen. Sie hat sie am eigenen Leib erlebt.
Ihr gleichnamiges Buch avancierte zum Bestseller.
Die Geschichte klingt wie ein bittersüßes Märchen: Die junge Waris wächst in Somalia als Tochter von Nomaden auf. Als 13-Jährige soll sie verheiratet werden. Doch das Mädchen flieht, irrt durch die Wüste und schlägt sich nach Mogadischu durch. Nach Jahren eines "Sklavendaseins" als Dienstmädchen in der somalischen Botschaft in London taucht sie in die Illegalität ab. Ohne Englischkenntnisse allein in London, heftet sie sich hartnäckig an die Fersen einer jungen Verkäuferin bis die beiden schließlich Freundinnen werden. Beim Putzen in einem Fast-Food-Restaurant wird Waris Dirie (Liya Kebede) von dem berühmten Modefotografen Terry Donaldson entdeckt. Es dauert eine Weile, bis sie sich zu ihm traut, doch damit beginnt ihre Karriere als Supermodel. Eines Tages jedoch hat Waris genug von den Interviews über ihre "romantsiche" Aufstiegsgeschichte und sie berichtet einer französischen Reporterin von dem Tag, der ihr Leben wirklich veränderte: dem Tag, als die als 3-jährige brutal beschnitten wurde.
Obwohl der Film diese Geschichte leise und mit einer Prise Humor erzählt und ohne schockierende Bilder auskommt, verbreitet er ein Gefühl von Fassungslosigkeit. Im Kino war es vollkommen still und als die Lichter angehen, müssen sich die meisten Besucher erst mal sammeln. Da ich das Buch gelesen hatte, wußte ich, was auf mich zukommt - aber der Film hat mich dennoch aufgewühlt und verstört. Ich bin froh, dass ich meine 14-jährige Tochter nicht mit in den Film genommen habe. Die FSK 12 finde ich sehr bedenklich.
Wer nach dem Film das Gefühl nicht los wird, helfen zu wollen, der sollte sich an (I)ntact (
www.intact-ev.de) wenden, der Organisation von Christa Müller, die sehr einfühlsam und erfolgreich an der Abschaffung dieser "Tradition" arbeiten.