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Autor Thema: [Link] Die Überarbeitung  (Gelesen 837 mal)

Offline Silvia

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[Link] Die Überarbeitung
« am: 24. Oktober 2008, 10:44:17 »
Ich bin gerade auf der Webseite vom Herrn Eschbach auf eine interessante Stelle zum Thema "Textüberarbeitung" gestoßen.
Ich verlinke hier mal den "10-Punkte-TÜV", wie er ihn nennt: http://andreaseschbach.de/schreiben/page96/page96.html
Wow, in so vielen Schritten hab ich mir das reine Feilen am Text - also ohne jetzt Story und Charaktere noch zu beachten, nicht gedacht  ;D Wenn ich mir vorstelle, eine Seite zehnmal so durchzugehen und alles in seiner Weise anzustreichen, und das über mehrere hundert Seiten lang ... ist das nicht ein bißchen zuviel des Guten?
Wie macht ihr das?

Offline Manja

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Re: Die Überarbeitung
« Antwort #1 am: 24. Oktober 2008, 11:23:38 »
Die erste Überarbeitung findet bei mir schon in dem Moment statt, wo ich einen Text abtippe - ich bin absolut nicht in der Lage, etwas sofort in den Computer zu hämmern, das gehört vorher fein säuberlich gekritzelt.
Da ist der erste Punkt. Ich gleiche Logikbrüche aus, die in der Handschrift noch vorhanden sind, kürze, streiche, schreibe um, verbessere, ab und an baue ich auch dort schon Szenen ein, die vorher nicht da waren(im Moment betrifft das die Vorgeschichte meiner beiden Hauptcharas, die jetzt in Erinnerungsfragmenten im Text einfließen. Vorher waren die reiner Prolog.)

Danach - kommt der Beta. Bzw. DIE BetaS. Ich hab mehrere davon, ganz einfach, weil jeder Beta nen anderen Schwerpunkt beim Lesen hat, alle jedoch ihre eigene Meinung zu diversen Szenen. Ich kann also besser vergleichen, was reiner Lesergeschmack ist und was tatsächlich unmöglich geht.
Ist ein Kapitel bei denen durch den Wolf gedreht worden, wird es darauf hin weiter abgeklopft und überarbeitet.
Schlussendlich noch einmal nach zwei Wochen durchgesehen und der letzte Schliff verpasst.

Allerdings muss ich hier sagen - ich tippe gerade einen Roman ab. Die fertigen Kapitel gehen sofort an die Betas und werden nach Rückerhalt sofort weitergeschliffen; die drei Stufen laufen bei mir immer parallel ab.

Ein festes Schema, nach welchen Kriterien ich überarbeite, habe ich allerdings nicht.
Sarcasm? - ... you think?! (Zitat: "Big Bang Theory" Episode 01)

Offline Stefan

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Re: [Link] Die Überarbeitung
« Antwort #2 am: 24. Oktober 2008, 19:09:34 »
Trotz der Tatsache, den Text 10 mal durchzugehen, müsste es relativ schnell gehen. Seinen eigenen Text kennt man ja, es reicht überfliegen, wenn ich zum Beispiel mich nur auf Adjektive konzentriere.  :jau: für die Methode.
Ich leide unter Prokrastination ... aber darum kümmere ich mich morgen!

Offline Silvia

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Re: [Link] Die Überarbeitung
« Antwort #3 am: 08. Mai 2009, 00:09:21 »
*lach* Hm, meine alte Frage ... und jetzt gehe ich gerade meine alte Story zum bestimmt schon 5. oder 6. Mal durch und finde immer noch Stellen, an denen ich feilen kann. Das ist ja fast, als würde man sein Werk in einzelnen Schichten auseinandernehmen. Erst darauf schauen und dann darauf und am Ende nochmal auf alles und jedesmal wird der Blick klarer für das, was sich noch ändern muß.
Ist schon interessant, das ganze.  :) Man kann es also doch ungefähr 10 mal mit den verschiedensten Fragestellungen durchackern, wenn es sein muß.

Offline Linda

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Re: [Link] Die Überarbeitung
« Antwort #4 am: 08. Mai 2009, 21:23:23 »
Hallo,

ich denke, hier ist es angemessen, mal wieder meine beliebte Individualisierungskeule zu schwenken!

Also, Überarbeiten ist sehr wichtig. Ich mach' das gerne, wobei bei mir die Strukturen wie Spannungsbögen, Figuren usw nach dem ersten Schreiben schon recht gut sitzen. Ist kein Eigenlob, einfach die Erfahrung. Bei mir kommt (inhaltlich) bei der Überarbeitung meist noch etwas an näheren Beschreibungen hinzu, auf das ich im ersten Draft schlicht keine Lust habe. Oder besser, ich habe keine Lust, mich beim Schreiben aufhalten zu lassen, wenn mir grade die überzeugende Formulierung für eine Nebensächlichkeit fehlt, die den Verlauf der Handlung da nur behindert.
Andere Autoren kürzen immer noch 10 - 15 % der Erstfassung, wieder andere schmeißen gerne alles dreimal über den Haufen und sind dann erst glücklich damit. Einige schreiben drei Anfänge und 5 Enden und würfeln dann aus  ;)
Will sagen, es kommt drauf an, was jemand überarbeiten muss, weil es damit zusammenhängt, wie jemand grundsätzlich arbeitet und was er deswegen überarbeiten sollte.

Ums mehrfache Lesen kommt man dabei allerdings nicht herum (solange, bis man den Text auswendig daherbeten kann - manchmal bis zum *würg*)
Aber ich für meinen Teil überarbeite immer nur komplex, auch die sprachliche Seite. Dieses schematische 'auf einzelne Wortgruppen bei jedem Durchgang' achten, ist nicht mein Ding. Mich bringt das nicht weiter. Ich betrachte jeden Satz, im Kontext von Absatz und Seite und stimme das aufeinander ab. Da schaffe ich am Tag vielleicht nur ein Kapitel, aber das steht dann in meinen Augen auch. Gut, es folgt noch mindestens ein Korrekturdurchgang auf Papier und am Schirm, aber dann ist der Text auch Betaleserfertig.
Irgendwann kommt nämlich der Punkt, wo man als Autor zu betriebsblind wird.
Und wenn professionell lektoriert wird, sieht es wieder ganz anders aus, da auch jeder Lektor seine Stärken und Schwächen hat... Wieder eine Beobachtung (von beiden Seiten des Schreibtischs wohlgemerkt).

Das ist mein Senf zum Thema. Schreiben ist nicht wie Brezelbacken, hier muss jeder seinen eigenen Weg zum Glück und vollkommenen Text entdecken.

Gruß,
Linda
Geschichten sind eine parasitäre Lebensform, die alles andere ihrem eigenen Zweck einverleibt.

(Terry Pratchett - in der Übersetzung von Andreas Brandhorst aus "Total verhext")

Offline Kerimaya

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Re: [Link] Die Überarbeitung
« Antwort #5 am: 08. Mai 2009, 22:14:31 »
Liebe Linda,

da sag ich schlicht und ergreifend Amen und unterschreibe das so und genau so :)
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Offline Amber

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Re: [Link] Die Überarbeitung
« Antwort #6 am: 10. Mai 2009, 02:44:17 »
Hm... ich persönlich hasse überarbeiten, weil ich immer Angst hab, in einer momentanen Anwandlung etwas, was eigentlich gut war, wegzumachen. Außerdem graust mir vor dem großen Wust unfertigem Text..... deshalb doktor ich an jeder einzelnen Szene ewig rum, ehe ich weiterschreibe. Ich will, dass mein Fundament stimmt, sonst fühle ich mich nicht sicher. Der Nachteil dabei ist natürlich, dass ich viel länger brauche, um voranzukommen - und am Ende muss ich natürlich trotzdem nochmal Überarbeiten, ich hoffe aber, nicht so viel.
„Weshalb habt Ihr es mir nicht gesagt?“
„Ich dachte, du würdest es von allein herausfinden.“
„Gibt es sonst noch etwas, das ich allein herausfinden soll?“, fragte sie gereizt.
„Nicht, dass ich wüsste“, meinte Philippe vergnügt.
(Marie oder Die haltenden Hände)

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Offline AngelFilia

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Re: [Link] Die Überarbeitung
« Antwort #7 am: 19. Dezember 2009, 14:25:45 »
Da grabe ich mal etwas recht altes wieder aus.
Klar ist, dass jeder sein eigenes Schema finden muss und es auch sicherlich teilweise schon gefunden hat, aber ich denke, beim durchlesen dieser zehn Punkte finden sich durchaus einige Dinge, die man an seinem eigenen Schreibstil verbessern kann.
Wer hat nicht seine tausend Lieblingsfüllwörter, die überall vorkommen und die man besser weglassen könnte?
Für diejenigen, die noch keine eigene Methode gefunden haben, ist diese sicherlich gut zum ausprobieren. - auch wenn ich ehrlich zugeben muss, dass ich gerade versuche alles auf einmal zu machen. Mir fehlt einfach die Muße, das zig mal durchzugehen (und ich bin ehrlich gesagt zu geizig, das ganze auszudrucken, soviel Papier und Toner habe ich auf Dauer auch nicht parat).

P.S.: bitte mal jemand im ersten Post nach Text-ÜV umbenennen (Grund hier)
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LoneRanger

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Re: [Link] Die Überarbeitung
« Antwort #8 am: 19. Dezember 2009, 18:12:19 »
Diese Diskussion war mir bisher entgangen. Nun, dann kann ich ja auch noch meinen Senf dazu abgeben. Ich arbeite seit Anbeginn meiner schriftstellerischen Tätigkeit mit den 10 Punkten von Herrn Eschbach. Da sie sich weniger um individuelle als um allgemeine Fragen des Schreibens drehen, sind sie m. E. unabhängig von persönlichen Vorlieben anzuwenden. Linda hat natürlich recht, wenn es um den Stil des Einzelnen geht, und ich bin der Erste, der eine Fahne für Individualismus schwenkt: In Foren, beim Schreiben, im Leben u.s.w. Trotzdem (!) ich lieber quer als gerade bin, komme ich mit den zehn Punkten sehr gut zurecht, weil sie mir nicht in meinen Individualismus reinreden.

Macht das viel Arbeit und sollte ein Autor damit arbeiten?

Es macht nicht viel Arbeit. Spätestens nachdem Du drei bis vier Kapitel nach dem 10-Punkte-System kontrolliert hast, wirst Du beim weiteren Schreiben Deiner Texte sensibilisiert und vermeidest nach kurzer Zeit die meisten der Fehler, auf die die 10-Punkte angesetzt sind. Damit erübrigen sie sich nach geraumer Zeit fast von selbst, denn Du hast dazu gelernt. Insofern nehmen sie dann keine Zeit in Anspruch, sondern setzen sogar Zeit frei.

Sollte ein Autor damit arbeiten? Die alten Hasen können es sich schenken, denn sie sollten es schon können. Alle Jungschreiber/innen sollten das System für ein paar Kapitel üben und sich dann entscheiden.

Nebenbei - die von Herrn Eschbach empfohlene Software "Papyrus" (die ich nicht benutze) hat genau dieses System von ihm integriert und analysiert, soviel ich gehört habe, den eingetippten Text (auch) nach diesen zehn Kriterien.

Tschüss

Lone Ranger




Offline Leon

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Re: [Link] Die Überarbeitung
« Antwort #9 am: 20. Dezember 2009, 09:33:23 »
[OT-Modus an] Papyrus ist wirklich gut. Man benötigt zwar erst eine gewisse Zeit, um damit klar zu kommen, aber danach ist dieses Programm richtig gut. Ich will es nicht mehr missen.[OT-Modus aus]
Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.