Wenn ich einfach so drauflos schreiben könnte und nachher immer noch das Gefühl hätte, es macht Sinn für mich, so zu arbeiten, würde ich auch keinen Pfifferling auf so eine Methode geben.
Aber die Erfahrung hat mir eben gezeigt, dass ich es NICHT kann. Ganz krass hab ich das beim NaNo gemerkt! Andauernd drängelten sich zusätzliche Figuren in die Handlunge, forderten ihren Platz ein, ohne das ich wusste, warum und ob es überhaupt der Logik entsprach, sie zu verwenden.Dabei habe ich vorher in gewisser Weise geplant und war mir über den Handlungsverlauf ziemlich sicher.
Es hat sich total gerächt, nicht detaillierter zu planen, denn nun sitze ich auf einem über 170 Seiten umfassenden Rohentwurf, der wirklich nicht mehr ist und bei dem garantiert 80% entweder für die Katz sind oder so umgearbeitet/angepasst werden müssen, dass ich auch gleich neu schreiben könnte.
Wäre ich mir über die Figuren, deren Bedeutung für die Handlung und deren "Notwendigkeit" bereits im Klaren gewesen, sähe es wohl anders aus. Dann wüsste ich vielleicht, wann, wo und warum jemand eine Szene hat, was die Konsequenz daraus ist und wie es eigentlich alles zusammenpasst...
Ich vermute mal nicht, dass die Methode mich in meiner Kreativität beschneidet, egal, ob ich nun eine spannende, handlungsrelavante Szene schreibe, oder eine, in der Mal Luft geholt wird, der Protagonist auf der Wiese liegt und in die Wolken starrt. Bei mir wäre wohl eher das Gegenteil der Fall, ich könnte mich ebenso entspannt zurücklehnen, müsste mir nicht Gedanken machen, ob ich den Anschluss finde, keine wichtiges Detail vergesse oder ähnliches. Das "Was" steht ja schon fest, ich kann mich auf das "Wie" konzentrieren. Wie bei einem Fahrplan, wo ist zwischen den Abfahrtszeiten die Luft habe, den Raum zu füllen ...
Die Methode ist sicherlich nicht für jeden geeignet, wird von Mr. Ingermanson aber auch nicht als "die ultimative Lösung" angepriesen, sondern als Möglichkeit, mit der er gut arbeiten kann. Mehr nicht ...
Probieren geht bekanntlich über studieren und ich werde mir ein endgültiges Urteil erlauben, wenn ich endlich, endlich, endlich mal ENDE unter ein Projekt geschrieben habe.
