Nachdem mich Jenny-Mai Nuyens frühere Bücher aus verschiedenen Gründe alle nicht so überzeugen konnten, bin ich von Rabenmond endlich begeistert. Die vollständige Rezi:
Zusammenfassung
Seit Jahrhunderten herrschen die Drachen über Wynter - Wesen, die sich in Tiere verwandeln können und keine Gefühle besitzen. Durch die Kraft ihres Verstanden sind sie den Menschen überlegen, weil sie sich nicht von Emotionen leiten lassen, denn Emotionen sind der Quell allen Übels.
So lernt es auch die junge Mion, ein Mädchen, dass mit ihrer Familie in den Ruinen vor Wynter lebt. Doch dann erschießt sie einen der "Korpusse" des Prinzen der Drachen, eine seiner Tiergestalten, und sieht sich plötzlich dem Tod durch die Drachen gegenüber.
Zu ihrer Überraschung wird sie ausgerechnet von Jagu, einem Bürger Wynters gerettet. Als Maler ist er ein Mitglied der Gilden, die die Drachen mit ihren Künsten unterhalten sollen. Er nimmt Mion als Schülerin auf - doch er verfolgt mit ihr ganz andere Pläne, als sie zur Malerin auszubilden ...
Meine Meinung
"Rabenmond" ist ohne Zweifel das mit Abstand beste Buch von Jenny-Mai Nuyen bisher. Endlich bringt sie ihr Talent voll zur Entfaltung. Die Geschichte ist gut komponiert, drei Handlungsstränge laufen parallel und vereinen sich zu einem dichten Ganzen. Die Welt, die Nuyen entwirft, ist zauberhaft und realistisch zugleich, man taucht vollständig in die Welt Wynters ein. Auch ihre Charaktere sind glaubhaft, verfolgen ihre eigenen Ziele und können mit ihren Handlungen immer wieder überraschen, ohne dabei unglaubwürdig zu wirken.
Höhepunkt ist wie immer die bildhafte Sprache, die hier ihren Zauber entfaltet und die Szenen oft wie lebendige Gemälde wirken lässt; etwas, was in dieser Intensität selten zu lesen ist.
Einzig sollte man sich nicht davon stören lassen, dass der Titel nichts mit dem Buch zu tun hat und dass der Name "Drache" für die menschenhaften Herrscher Wynters eher auf deren Macht als denn auf ihre Erscheinung abzielt - mit den großen Flugechsen haben diese Drachen rein gar nichts zu tun.
Aber das sind Dinge, die den Lesegenuss sowieso nicht trüben.
Meinen Respekt - und eine uneingeschränkte Empfehlung!