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Autor Thema: Christel Scheja: Glühende Armreifen  (Gelesen 1645 mal)

Offline Maja

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Christel Scheja: Glühende Armreifen
« am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
http://www.tintenzirkel.de/kerker/reijinara.php

Entstehungszeit:

- Glühende Armreifen, 1992
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Re: Christel Scheja: Glühende Armreifen
« Antwort #1 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Ich habe diesen Text überflogen, als ich ihn auf die Seite setzte, und später dann noch einmal in Ruhe gelesen, doch in jedem Fall drängt sich mir ein Wort auf: Klischee.

Das ganze erinnerte mich an eine Szenerie aus einem dieser vorhersehbaren italienischen Filme, wo ich noch jeder Folterkammerszene die Spannung genommen habe durch punktgenaue Ankündigungen wie "Gleich kippt das Kohlebecken um ..."

Alles wirkt so vertraut - die Heldin, der Schurke, seine Schergen, die angedeutete Vergewaltigung. Das einzige, was mir an diesem Text neu erschien, sind die glühenden Armreifen. Hat man wirklich so gefoltert?

Aber das ist Interesse und Neugier. Mitleid mit Reijinara will dagegen bei mir nicht wirklich aufkommen. Mehr eine Art unfreiwilligen Amüsements, denn schon  der erste Satz beginnt mit einem dicken Mißverständnis:
Zitat
Wie eine Besessene wütete Reijinara unter ihnen, bis sie schließlich eine ganze Gruppe zu fall brachte und ihr das Schwert entwand


Na, da wird die Gruppe das Schwert wohl nicht fest genug gehalten haben  ;) Und auch im folgenden Satz ist nicht wirklich klar, auf wen das "sie" sich nun bezieht und wessen Gewand nun zerrissen ist.

Weitere Textanmerkungen im Detail:

Zitat
Er trat in ihr Gesichtsfeld.


Ich verstehe wohl "Er trat in ihr Gesicht", oder müßte es hier nicht "Blickfeld" heißen? Das Wort "Gesichtsfeld" mutet irgendwie fremd an ...

Zitat
Sie waren aus Kupfer, das fast seinen Schmelzpunkt erreicht hatte.


Ich hoffe, mit ihrem Augenmaß irrt sie da. Der Schmelzpunkt von Kupfer liegt bei 1083 °C. Und - jetzt ist mein Chemiewissen leider unzureichend - würden Kupferreifen nicht vorher oxidieren und zerbröseln? Es ist ja nicht gerade das edelste aller Metalle.

Zitat
Das eisige Brennen wurde unerträglich


Ich glaube, es war dieser Satz, der mich am meisten an der Geschichte gestört hat. Er wirkt so kalt und distanziert, wie von einem Nachrichtensprecher....
Hallo, diese Frau wird gefoltert! Mit - in welcher Temperatur auch immer - glühenden Reifen! Versetzt euch doch mal in ihre Lage: Da fühl man kein Brennen mehr. Das sind Schmerzen, so schlimm, daß man ihnen keinen Namen geben kann. Die zerreißen den ganzen Körper, daß man nicht sagen kann, woher sie kommen. Das WIRD nicht unerträglich - das ist VON ANFANG AN unterträglich.
Und da hilft auch keine Selbstbeherrschung mehr. Man zuckt nicht bei dem Versuch, keinen Laut von sich zu geben. Für solche Spielereien ist kein Platz mehr, und auch nicht für Stolz. Entweder man brüllt wie am Spieß, wie ein abgestochenes Schwein, völlig unheldenhaft. Oder aber man verliert sofort das Bewußtsein. Und stirbt, sofort, vor Schock.

Ich weiß nicht, wie alt dieser Text ist - ich habe schon deutlich bessere Sachen von Christel Scheja gelesen und würde daher vermuten, daß es sich um ein älteres Werk handelt. Und da ich weiß, wie ich mir ein verlegenes Lachen nicht verkneifen kann, wenn ich einige meiner Frühwerke auf den Zirkelseiten lese, hoffe ich, daß sie mir diese Kritik nicht allzu übel nehmen wird ....
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Re: Christel Scheja: Glühende Armreifen
« Antwort #2 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Danke für deinen ausführlichen Kommentar, der durchaus in den meisten Kritikpunkten berechtigt ist. Die Stories sind schon etwas älter aus denen der Text gezogen ist, und ich muß gestehen, ich habe ihn kaum überarbeitet.

Die Reijinara-Geschichten sind tiefstes Klischee, die bewußt im Stil der alten Sword & Sorcery Romane geschrieben sind, da ich diesen Charakter auch ein wenig in Richtung Conan und Red Sonja angelegt hatte. Das ganze stammt aus einem Briefspiel und da mußte man ziemlich aufs Klischee gehen, um bestehen zu können.

Ich nehme an, heute, 12 Jahre später würde ich das meiste anders schreiben.
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